1. September 2020

Heute ist der Jahrestag der Schlacht von Sedan, und morgen erfolgte die Kapitulation. Aus diesem Anlass habe ich mir die neue Moltke-Biographie gekauft; hoffentlich kommt sie morgen an. Bismarck sagte schließlich, Moltke war immer pünktlich.

Eigentlich wollte ich, dem historischen Datum entsprechend, noch den Ausstellungskatalog „Krieg. Macht. Nation“ lesen, aber das verschiebe ich auf Mittwoch. So ein Ausstellungskatalog ist nicht unbedingt leichte Lektüre – für die Armmuskeln.

Ach ja, heute habe ich das Buch mit der Giftprinzessin auch als Papierbuch veröffentlicht. Bald geht es online.
Als nächstes werde ich Aeterna und Kriegsfels veröffentlichen. Es graut mir schon jetzt vor dem Kampf mit KDPs Cover-Designprogramm …

Wer wissen will, was ich in letzter Zeit gelesen habe:

  • Ein Buch über bekannte Jahreszahlen (sehr viele Fehler. Nur weil man das Wort Investiturstreit fehlerfrei schreiben kann, heißt das nicht, dass man berufen ist, Leuten, die noch weniger darüber wissen, zu erläutern, worum es ging)
  • Spielregeln der Mächtigen. Mittelalterliche Politik zwischen Gewohnheit und Konvention (meine Lieblingsstelle war das mit dem englischen König und dem Bischof und dem Kuss. Das war herzig)
  • Ein Buch eines Militärhistorikers über den Ersten Weltkrieg.
    (Ich will ja nichts sagen, aber an einer Stelle wurde das Amt des Generalquartiermeisters mit dem des Generalstabschefs verwechselt, und mir ist es aufgefallen)
  • Ein Buch über Heinrich IV. (den Kaiser natürlich)
  • Die Autobiographie vom Roten Baron, weil mich die Flieger im Ersten Weltkrieg interessiert haben
  • Ein Buch über Heinrich V. (die einzige Biographie, die ich von ihm habe, bis auf dieses Böhlau-Buch für 40 Euro)
    Das Buch war a) gebraucht, b) ist im Preis gestiegen! Das hat anno 1967 10 DM gekostet, kostete jetzt gebraucht 6,48 € (!) und c) – jetzt kommt’s, jetzt kommt’s – enthält einen riesigen Fehler: Es gibt die falsche Jahreszahl beim Abschluss des Wormser Konkordats an! Der Vorbesitzer oder die Vorbesitzerin hat das auch bemerkt und mit entschiedenem Bleistiftdruck die falsche letzte Zahl eingekreist. Normalerweise finde ich es ja abscheulich, wenn Leute in Büchern herumkritzeln, aber in diesem Falle musste ich dem empörten Buchkritzler in seiner Entrüstung beipflichten!

Ich muss diesen Monat viele Bücher kaufen, weil ich die für meinen Seelenfrieden brauche. Online-Shopping ist ohnehin das, was ich am besten kann.

Alternativen zu den abgesagten Mittelalterfesten

Was kann man tun in Corona-Zeiten, wenn Mittelaltermärkte, Ritterturniere, alle „fröuden, hôchgezîten“ abgesagt sind? Was soll man da tun, um trotzdem in der Atmosphäre alter Zeiten zu versinken, um zu schwelgen in den Träumen von edlen Rittern, schönen Königstöchtern, kühnen Recken, prächtigen Lanzenkämpfen, bunter Mode, Kaisern und Päpsten?

Hier sind 5 Vorschläge, wie ihr euch das Mittelalterflair ganz ungefährlich nach Hause holen könnt, um diesen Sommer trotzdem nicht auf eure Dosis Vergangenheit verzichten zu müssen!

Vorschlag 1: Lernt die Aussprache des Mittelhochdeutschen und lest die großen Epen im Original!

Denn nichts schindet mehr Eindruck, als wenn man der oder dem Liebsten verschwörerisch zuraunen kann: „Dû bist beslozzen in mînem herzen – verlorn ist das sluzzelîn: Dû muost ouch immêr darinne sîn“.

Besonders fleißige Mittelalterfans kaufen sich außer einer zweisprachigen Ausgabe ihres Lieblings-Epos auch gleich noch den Taschen-Lexer, das mittelhochdeutsche Wörterbuch!

Vorschlag 2: Mittelalterlich kochen

Heutzutage gibt es Kochbücher zu nahezu jedem Thema. Es gibt sogar ein Papst-Kochbuch. Wer lieber fasten möchte, findet in den Weiten des Internets stattdessen ein Buch mit Rezepten für Füllhaltertinte. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Warum also nicht mittelalterlich kochen? Freut euch auf Braten und Fisch, auf würzige Salsen und köstliche Teigschnitten!

Vorschlag 3: Folgt einem HEMA-Kanal auf YouTube

Die Kampftechnik der Ritter war nur grobes Draufhauen, und selbst der allerbeste Kämpfer „der ie kom ze sturme oder ie schilt getrouc“ wäre gegen einen flinken Samurai mit seinem prächtigen, blinkenden, ja, geradezu magischen Katana chancenlos und zur Niederlage verdammt? – Wer das glaubt, sollte sich von den Experten der Historical European Martial Arts eines Besseren belehren lassen.

Basierend auf den Fechtbüchern der deutschen und italienischen Meister des ausgehenden Mittelalters (eines der Fechtbücher wurde gar von Albrecht Dürer illustriert) haben sportlich begabte Historiker, Geschichtsfans und Kampfsportler die Fechtstile des Mittelalters rekonstruieren können – und wenden sie zur Freude und Unterhaltung der Zuschauer vor Publikum und Kameras tatsächlich an. (Keine Angst, die Sicherheit steht natürlich an wichtigster Stelle!) Inzwischen werden auch Wettkämpfe in historischer Fechtkunst ausgerichtet!

Also, da viele von uns ja ohnehin dauernd in unser Handy reinstarren, können wir genauso gut etwas Sinnvolles mit unserem Smartphone anfangen und ein paar Filmchen à la „HEMA instructors fight/sparring“ oder Videos von „scholagladiatoria“ „Shadiversity“, „Skallagrim“ oder „Blood and Iron HEMA“ (I understood that reference, thank you very much) anschauen!

Wer es bis dahin noch nicht geahnt hat, wird danach endlich wissen, dass Hollywood-Kampftechniken in einer echten Schlacht völliger Humbug wären.

PS: Recherche über Kampfesweisen ist auch für Autoren von nicht zu überschätzender Wichtigkeit!

Vorschlag 4: Lest Bücher über Kaiser, Dynastien, den Investiturstreit

Viele Menschen heutzutage interessieren sich für das Leben der kleinen Leute im Mittelalter, über ihren Alltag, ihre Sorgen, ihre Mühen, ihre Freuden und ihre Feste.

Aber Kaiser und andere Adlige und Päpste sind doch viel spannender!!!!!! Die Bauern und Bürger in allen Ehren (einer muss ja schließlich arbeiten und alle ernähren), doch große Geschichte wurde meist nicht auf dem Acker gemacht, sondern in Pfalzen und auf dem Schlachtfeld, auf Hoftagen und auf Synoden. Da gibt es die brüdermordenden Merowinger des Frühmittelalters, den listigen Heinrich V., der seinen Vater absetzte, das prunkvolle Mainzer Hoffest; da gibt es weinende Könige und stolze Päpste, da gibt es den Kniefall eines Kaisers vor seinem Vasallen, Mordanschläge und Ehrverletzungen, Romzüge und treue Städte (Worms 1073), Privilegien, Fälschungen und ein Pravileg, Habsburger ohne Geld, aber mit Bräuten mit reicher Mitgift, und mein liebstes Thema: den Investiturstreit!

Vorschlag 5: Lest die König-von-Burgund-Saga von Lili Vogel

Die vierteilige König-von-Burgund-Saga von Lili Vogel entführt die Leserinnen und Leser ins farbenprächtige Mittelalter, in die Welt der deutschen Heldensagen! Mit viel Liebe zum Detail und Gespür für große Dramatik widmen sich die Romane zwei der bekanntesten Figuren des Nibelungenlieds: Gunther von Burgund, dem König, der reich und schwach zugleich ist, und Hagen von Tronje, seinem listigen Getreuen. Schwächling und Schurke, Herrscher und Berater, König und Gefolgsmann – die beiden wohl umstrittensten Figuren der deutschen Literatur erhalten hier eine Vorgeschichte, der es an Dramen und Kämpfen, an Prunk und Gefahr nicht mangelt. König Etzels Hunnen und Burgunds stolze Kämpfer treten hier genauso auf wie die schöne Kriemhild; Treue und Grausamkeit, Freundschaft und Intrigen, Sanftmut und Herrschsucht schillern prächtig in diesem rasanten Epos voller psychologischer Raffinesse und erzählerischer Wucht!
Die Romane sind keine Nacherzählung der bekannten Sagen, sondern ergänzen die Nibelungensagen um neue Geschichten und Figuren.

Hier ein Ausschnitt aus dem dritten Band, „Der König von Burgund und der Herzog“:

Eine Turnierszene, damit alle, die 2020 ihre Mittelalterfeste vermissen, sich immerhin in Gedanken in Mittelalterstimmung versetzen können!

König Gunther führte die Scharen zum Rhein hinab. Die Streiter eilten zu den Zelten, um sich zu rüsten, während die Damen und die Greise sich auf den Tribünen niederließen. Die ausgelassenen Wormser Bürger säumten die Ränder des Turnierplatzes. Nur die Geistlichen blieben dem Turnier fern, denn die Kirche verwarf das Tjosten und Buhurten als schlimme Sünde. Gunther hätte deshalb gerne alle Turniere verboten, aber man riet ihm davon ab: Er gälte dann in allen Reichen als Pfaffenkönig und Sonderling.

Er saß zwischen Mutter und Kriemhild in der ersten Reihe. Als die Kämpfer auf den Platz ritten, atmete er inbrünstig auf. Als König durfte er sich der Teilnahme an Turnieren enthalten, so oft er wollte, und keiner konnte ihn dafür schmähen.

„Ach, wie sie wieder im Sattel sitzen, andächtig, als ging’s um Tod und Leben!“, sagte Kriemhild. „Dabei ist’s nur ein Turnier, keine Schlacht! Von der Hingabe, die sie als tumbe Jungen ihren Spielen gönnten, lösen sich die Männer nie, und stülpen sie allem über, was ihnen in den Kopf kommt.“

„Ihr Frauen braucht nicht zu spotten“, gab er leise zurück. „Hör nur, wie deine Hofdamen wieder seufzen! Das Geschmachte, das sie als tumbe Mädchen alten Sagenhelden entgegenbrachten, überwinden sie nie, und überschütten jeden Kerl damit, wenn er nur verwegen dreinschaut!“

Der Herold verkündete, was der Preis des Siegers war: Er durfte der Dame seiner Wahl einen Kranz aus roten Rebenblättern überreichen und sich von ihr küssen lassen. Wie üblich erlaubten sich die jungen Damen ein kindisches Kichern, und mancher Ritter warf einen vielsagenden Blick zur Tribüne und zu seiner Auserwählten hinüber. Volker von Alzey hob die Hand und beschrieb eine weite Geste, die sollte heißen: „Alle schön!“, Dankwart nickte zu den Bürgerinnen hinüber, und Hagen saß hoch aufgerichtet und starr, als hörte er nicht die Regeln eines Turniers, sondern die Rede eines Heerführers mit an.

Immer zwei würden zur Tjoste gegeneinander antreten. Wessen Lanzenstich dreimal fehlging oder wer aus dem Sattel gestoßen wurde, der schied aus dem Turnier aus.

Die Kämpfer wendeten ihre Rösser der Tribüne zu, verneigten sich und galoppierten dann in schwungvollem Bogen hinüber zum Rand des Turnierplatzes. Alte Väter nutzten diesen Augenblick, um ihren Söhnen wohlgemeinte, wenngleich nichtssagende Ratschläge zuzurufen, „Werf sie alle vom Gaul“, oder „Gib dein Bestes“; die Wormserinnen riefen ihren Lieblingen „Glück auf!“ zu, und die eine oder andere edle Jungfrau seufzte leise vor Verliebtheit.

Die ersten beiden Kämpfer waren Dankwart und ein Lehnsmann des Grafen von Falk. Dankwarts Sieg nahm niemanden wunder.

Das ist ein Ritter!“, flüsterten mehrere Mädchen hinter ihnen und seufzten verträumt.

Bei der nächsten Tjoste gewann Ortwin, dann ein Graf aus dem Süden, und so ging es hin mit vielen Stürzen und Splittern, aber – dem Herrn sei Dank – keinen schlimmeren Vorfällen.

Giselher reckte bei jedem Kampf die Faust in die Luft, jauchzte und jubelte ungezügelt wie die Städter und die Bauern; Kriemhild dagegen blieb reglos wie eine Marmorsäule und gönnte selbst den besten Siegern nur kurzen Beifall.

„Zeig doch wenigstens einen Hauch Begeisterung“, murmelte Gunther ihr zu, während Volker von Alzey sein Ross tänzeln ließ und sich Ritter Heinrich von Grünstein aus dem Sand hievte und hinüber zu dem Tisch hinkte, an dem man reichlich Wein für die Ausgeschiedenen bereithielt.

„Warum sollte ich sie für das bejubeln, das man von jedem von ihnen erwarten darf? Sie müssen annehmbare Kämpfer sein, dazu sind sie geboren. Wer nur seine Pflicht erfüllt, braucht keinen Lorbeer.“

„Tu, was du willst“, sagte er barsch und wollte sie nicht weiter beachten; Kriemhild aber wurde übermütig und fragte keck: „Bist du froh, dass dir die Stürze erspart bleiben?“

„Lass das Geschwätz! Schau lieber dem Turnier zu.“

„Oh ja, schau, da kommt Gernot! Oh, Gernot wird gewiss gewinnen!“

Gunther verschränkte die Arme vor der Brust. Ein kleiner Sturz täte Gernots Stolz nur gut. Atemlos verfolgten sie, wie Gernot gegen den wackeren Eckewart anritt – und den Sieg davontrug. Gunther seufzte verärgert, Kriemhild und Mutter jubelten.

Dann kündigte der Herold die nächsten Streiter an: Der eine war Konrad von Sturmfels, ein unverheirateter Heißsporn aus der Markgrafschaft Metz, der dank seiner schwarzen Locken und seines großzügigen Geldbeutels in der ganzen Stadt beliebt war. Der Jubel der Bevölkerung wogte drum hoch und heftig. Der andere: Hagen von Tronje. Der Lärm, den die Wormser veranstalteten, übertraf alles bisherige Getöse. Recht so. Das war der Mann, der Burgund die Freiheit erkämpft hatte. Gunther gönnte es ihm. Bei den Hunnen waren ihm nur immer Hass und Argwohn entgegengeschlagen.

Hinter ihm hob ein Tuscheln und Schwärmen an, die Edeldamen waren wie von Sinnen. Kriemhild beugte sich ein wenig vor.

„Und dazu so gutaussehend!“, quietsche eine hohe Stimme, „und diese Augen, diese blauen Augen!“

„Der verdreht ja allen den Kopf“, sagte Gunther leichthin und sah aus dem Augenwinkel zu Kriemhild hinüber. „Das hätt’ ich nicht gedacht, dass er solch eine Wirkung auf die Frauen hat, er ist ja immer nur kalt und grimmig.“

 „Vor allem ist er kühn“, sagte Kriemhild leise. „Das gefällt jeder Frau.“ Überlistet! Sie schien aufgeregt, geradezu, als hätte sie eine Heldentat begangen, indem sie ihn verteidigt hatte. Sie löste ihren Blick keinen Herzschlag lang von Hagen.

Ein Hornstoß gab das Zeichen zum Angriff. Sturmfels’ Ross galoppierte mit mächtigen Sprüngen. Hagens Schimmel schoss vorwärts, dass der Sand aufstob.

Gunther und Kriemhild lehnten sich vor, hielten beide die Luft an und verfolgten jede Bewegung von Hagen und seinem Ross. Als ihn die Lanze traf, meinten sie schon alles sei verloren, er müsse fallen – dann aber richtete er sich wieder auf, während sein Gegner zu Boden stürzte. Ihrer beider Stöhnen der Enttäuschung wurde zu einem wilden Triumphschrei, der freilich im Gebrüll der Wormser und Gekreisch der Edeldamen unterging. Hagen zügelte sein Ross, hob dankend die Hand und galoppierte zurück zum Ende des Turnierplatzes. Dem Gestürzten blieb zum Trost nur der Wein; war er auch sonst beliebt gewesen, so kümmerte sich nun kaum jemand um sein Los.

Kriemhild verstummte rasch und meinte wohl, dann vergäße Gunther ihre vorherige Begeisterung.

Als die Hälfte der Streiter ausgeschieden war, traten die verbliebenen erneut zur Tjost an. Wieder entschied das Los, wer gegen wen ritte. Es gab mehrere spannende Kämpfe, deren aufregendster der zwischen Dankwart und Konrad von Falk war. Falk siegte, zum großen Missfallen des Herzogs. Gunther mahnte ihn, sich nicht allzu sehr zu grämen, schließlich habe er noch einen zweiten Streiter, der seinem Namen und Wappen Ehre einbringen könne, doch der Herzog winkte ab und knurrte, ein Sieg von Hagen sei nicht dem Stamm der Tronjer, sondern dem Hunnenland anzurechnen.

Als der Herold die nächsten beiden Kämpfer ankündigte, hätte Gunther vor Freude fast laut aufgelacht. Stattdessen ballte er schwungvoll die Fäuste. Gernot gegen Hagen! Endlich würde sein großartiger Bruder erfahren, wie eine Niederlage schmeckte. Dem Jubel nach zu schließen, war Gernots Sieg auch nicht der Wunsch der Wormser.

Hagen enttäuschte ihn nicht: Er warf Gernot aus dem Sattel, mühelos, mühelos gar!

„Ha!“, rief Gunther und sprang auf. „Das ist ihm gelungen!“

Der Herzog erhob die Stimme, damit Gunther ihn über das Getöse hin halbwegs vernehme: „Herr, mäßigt Eure Freude! Ihr demütigt Euren Bruder vor aller Augen!“

„Ha!“, rief Gunther da noch einmal. Dann setzte er sich wieder hin.

Hagen galoppierte zu Gernot hinüber und fragte ihn offenbar, ob er den Sturz unbeschadet überstanden habe. Wie Gernot unwirsch nickte und losstampfte zum Tisch mit dem Verliererwein, wandte er sein Ross herum und jagte davon. Er legte wohl keinen Wert darauf, sich von der Masse mit Hochrufen überschütten zu lassen.

Die Edeldamen tschilpten wie ein Spatzenschwarm. Kriemhild hatte ein verträumtes Lächeln auf den Lippen. Wie sie merkte, dass Gunther zu ihr hersah, gab sie sich rasch den Anschein überlegener Ungewissheit und sprach leichthin: „Ich sage dir, er wird gewinnen! Hoffentlich sucht er sich für den Siegeskuss eine aus, die nicht sofort in Ohnmacht fällt.“

„Du sprichst sehr hämisch über deine Freundinnen.“

„Ich spreche über sie auf die Weise, die sie verdienen.“

Es folgten noch einige weitere Tjosten; die Zahl der Streiter dünnte sich aus, bis schließlich nur noch vier übrig waren. Volker ritt gegen Konrad von Falk, mehrmals, denn keinem gelang es, den andern aus dem Sattel zu stoßen. Schließlich ging Konrads Lanze zum dritten Mal fehl, und Alzey fiel der Sieg zu. – Ortwin unterlag Hagen schon bei der ersten Tjost.

Der Herold befahl das letzte Kämpferpaar zu sich, rief ihre Namen aus und zählte ihre Siege auf. Volker hatte den Helm abgenommen und sah mit gleißendem Lächeln in die Runde; Hagen dagegen saß aufrecht im Sattel, die Hände in die Hüften gestützt, und zeigte keine Regung.

Als der Herold geendet hatte, verneigten sich beide in Gunthers Richtung, galoppierten einmal die Länge des Kampfplatzes hinauf und hinunter und ließen sich dann die Lanzen reichen. Obwohl Volker kein Hunnenbezwinger war, schwebte mancher entzückte Seufzer zu ihm herab. Er sah durchaus prächtig aus in seinem waldgrünen Waffenrock mit dem goldnen Wappen drauf; einzelne Ringe seines Kettenhemds waren vergoldet und blitzten hell im Sonnenlicht. Auf dem Helm trug er als Zimierde einen hölzernen Fasan, buntbemalt und mit echten Schwanzfedern versehen. Das war eine neuartige Mode, dass man im Turnier solche Aufsätze trug, Tiere, Burgen, eiserne Flügel oder Bäume, und mancher alte Ritter murrte insgeheim, die jungen Kerle sähen mit diesen Dingern ein jeder aus wie ein Geck. Die Frauen aber meinten, das verleihe dem Träger noch mehr Kühnheit und Verwegenheit.

Hagen nahm sich gegen Volker ganz unauffällig aus: Er trug keinen Schmuck auf dem Helm, keine Goldfädchen glänzten in seinem Waffenrock, und sein Schild war mit keinem einzigen Edelstein besetzt. Jetzt aber fing sein Ross an zu tänzeln, zweimal wollte es halb steigen, und die Knappen in der Nähe wichen rasch zurück, um nicht von einem der gefährlichen Hufe getroffen zu werden. Eine ganze Weile lang trotzte der Schimmel und gebärdete sich wie wild; die Herzogin rief schon verzweifelt den Herrgott um Hilfe an, damit ihr Sohn nicht zermalmt werde von diesem Teufelstier, und die Wormserinnen schlugen die Hände vor den Mund und keuchten und wimmerten.

Gunther ließ sich nicht täuschen: Er sah genau, dass Hagen sein Ross mit Absicht zum Tänzeln trieb. „Wie der den Gaul im Griff hat“, sagte er leise.

„Hm“, gab Kriemhild fast andächtig zurück.

Als Hagen beschloss, dass er genug angegeben hatte, brachte er den Schimmel zum Stehen und wartete nun bescheiden auf das Zeichen zum Beginn. Der Herold und der Hornrufer blickten zu Gunther; er hob die Hand, und der Hornstoß erklang. Hei, wie der Sand spritzte! Wie die Zuschauerscharen rauschten! Wie die Schweife flatterten!

Es gehörte sich nicht, dass der König einen Streiter bevorzugte, aber Gunther konnte sich nicht zurückhalten, er schrie voll Eifer: „Vorwärts, Hagen, vorwärts!“

Kriemhild neben ihm gab keinen Laut von sich und rang die Hände vor Anspannung. Über alles Gezirpe und Gebrüll hinweg erhob sich der Schrei der Herzogin: „Pass auf, mein Liebling, pass auf!“

Hagens Sieg war überdeutlich: Volkers Stich ging fehl, stattdessen traf ihn Hagens Lanze am Kopf und warf ihn in den Sand. Er rollte dem Schimmel genau vor die Hufe; nur weil Ross und Reiter im letzten Augenblick über ihn hinwegsetzten, behielt er sein Leben. Hagen zügelte den Schimmel, sprang ab, noch bevor er zum Stehen kam, und eilte zu Volker zurück.

Stille breitete sich aus, jeder wartete bang, ob Volker sich regte. – Ja doch! Hagen reichte ihm die Hand und zog ihn hoch. Der Alzeyer nahm den Helm ab, grüßte in die Runde und wischte sich mit großer Geste die Stirn.

Jubel ohne Ende, es müsste selbst der Wein in den Kellern der Pfalz davon zittern, und die Münzen und Edelsteine in der Schatzkammer müssten klirren. Welch ein Sieg! Auch Hagen nahm den Helm ab, bestieg wieder sein Ross und jagte zwei Runden über den Turnierplatz in wohlverdientem Triumph. Gunther erhob sich, und mit ihm alle anderen. Jetzt geizte Kriemhild nicht mehr mit ihrem Beifall.

Der Herold trat vor die Tribüne. Hagen trieb sein Pferd neben ihn. Seine Züge versteinerten; von der Anstrengung war sein Gesicht vorher gerötet gewesen, jetzt kehrte die Blässe zurück. Gunther setzte sich wieder, und der Herold rief um Ruhe. Die Weiberstimmen verklangen schneller als die der Männer; die Schwärmerinnen hofften eine jede atemlos, dass er gerade ihr den Blätterkranz überreiche.

Endlich herrschte Schweigen. „Geliebter König, edle Herren und Damen, getreue Bürger und Bauersleut: Das Turnier ist aus, der Sieger steht vor uns! Seht ihn hier, in vier Kämpfen ungeschlagen!“

An dieser Stelle erhob sich Gunther. „Nimm meinen Glückwunsch, lieber Hagen“, rief er laut, „du hast mir und dir große Ehre gemacht.“

Hagen neigte sich würdevoll. Der Herold fuhr fort: „Mit Kraft und Geschick hat er sich gegen alle Gegner behauptet, da ist es recht und billig, dass er nun den Siegespreis erhält! Den Kranz aus rotem Weinlaub geb ich ihm, den soll er einem Weib seiner Wahl überreichen und ihren Kuss entgegennehmen!“

Er hielt Hagen den Kranz hin. Der verharrte zwei Herzschläge lang und schaute nur den Kranz an, ohne sich zu bewegen. Dann streckte er den Arm aus und nahm ihn entgegen wie etwas, das sich nicht vermeiden ließ. Die Luft flimmerte von der Aufregung der Edelfrauen, und unten bei den Bürgerinnen plätscherte sogar Gekicher. Kriemhild hielt sich gerade, hatte sich ihren Zopf über die Schulter gelegt und erlaubte sich den Anflug eines Lächelns, als gehörte sie keineswegs zur aufgeregten Schar der Jungmädchen, die sich nach Kranz und Kuss sehnten, sondern fände dieses Ereignis nur unterhaltsam, nichts weiter.

Volker von Alzey stand neben Hagens Ross und nickte betrübt, da ihm der Preis so knapp entgangen war.

Hagen ließ seinen Schimmel langsam im Kreis gehen. Sein Blick streifte über die zahllosen Mädchengesichter hin. Dann trieb er das Ross vier Schritte näher an die Tribüne heran. Er sah nur zu Gunther, als er rief:  „So viele Frauen und Mädchen hab ich noch nie geseh’n, eine jede anmutig und schön. Vor einer solchen Auswahl bin ich ratlos, ich kann mich nicht entscheiden, und darum bitte ich, Herr, dass ich den Kranz und den Kuss an den Zweiten abtreten darf.“

Hundert Edeljungfrauen keuchten entsetzt auf.

Gunther fing halb an zu lachen. „Wenn das dein Wunsch ist, sei er dir erfüllt.“

Hagen warf den Kranz Volker zu. Der fing ihn auf und drückte ihn sachte an die Brust. „Hab Dank, hab Dank! – Doch, ihr Leute, es ergeht mir ja genauso wie dem jungen Tronjer: „Ich kann mich nicht entscheiden!“

Tiefes Gelächter antwortete ihm, auch einige Mädchenstimmen darunter; die hatten sich schon damit abgefunden, dass der Sieger seinen Preis verschmähte. Dass er überhaupt keine gewollt hatte, trug wohl einen großen Teil dazu bei.

Kriemhild dagegen schäumte. Die würde es Hagen nicht so rasch verzeihen! Ihr Kiefer war angespannt, und ihr Blick glühte schmiedeheiß.

Gunther flüsterte ihr ins Ohr: „Listig hat er das angestellt! Nun wird’s keine Eifersüchteleien unter den Mädchen geben, weil er keiner den Vorzug gab. Ein einträchtiges Fest wird’s heute werden, ganz ohne Weiberneid.“

„Großartig“, sagte Kriemhild zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Volker verkündete gerade, er wolle ungern diesen zahllosen Schönheiten Kummer bereiten, indem er nur eine einzige zur Allerschönsten erklärte. „Drum bitte ich, Herr, dass ich alle küssen darf!

Lauthals lachte man, und der Herold sah doch tatsächlich mit fragendem Ausdruck zu Gunther hinüber, als sei Alzeys Vorschlag einer, den man ernsthaft erwägen könne! Gunther schüttelte unauffällig den Kopf.

Der Herold hob den Arm und rief, das sei zwar ein löbliches Vorhaben, doch die Regeln erlaubten es nicht. Es bleibe dabei: ein Kranz, ein Kuss.

Volker nickte betrübt und verneigte sich erst vor den Edeldamen, dann vor den Bürgerinnen. Daraufhin eilte er zur Tribüne, stieg die paar Stufen zur ersten Sitzreihe hoch und streckte die Hand aus. „Edle Kriemhild“, sprach er laut vernehmlich, „gestattet, dass ich Euch den Kranz darbringe, da Ihr selbst Engel das Neiden lehrt! Er wird auf Eurem goldenen Haar thronen wie ein Ring aus Feuer.“

Kriemhild warf ihm einen langen Blick zu, der deutlich zeigte, dass sie sich einen anderen erhofft hatte, um ihr den Preis zu überreichen. Trotzdem neigte sie sich. Volker trat heran und gab ihr den Kranz. Sie setzte ihn auf, erhob sich unter dem Jubel der Zuschauer und gab Volker einen raschen Kuss.

„Ach, edle Königsschwester, vergebt mir, dass ich nur der zweite Sieger bin“, murmelte er.

„Ich brauche Euch nichts zu vergeben“, entgegnete sie. „Ihr seid liebenswürdig, kühn und höflich. Ihr seid ein Ritter, wie Ihr ihn in Euren Liedern besingt.“

Volker blinzelte keck, drückte noch einmal ihre Hand und stieg hinunter zum Wein. Gunther stand auf und erklärte das Turnier für beendet. Auf dem Hof der Pfalz und auf allen großen Plätzen der Stadt seien inzwischen Tische mit Speisen und Getränken aufgebaut worden, auch Ochsen am Spieß und was die Köche sonst noch ersonnen hatten; alle Wormser seien eingeladen, sich daran gütlich zu tun, und wenn sie dabei Frieden hielten und keine Händel begannen, sei er von Herzen froh.

Während die ersten Bürger begeistert losrannten, schritt Gunther mit Mutter und Kriemhild die Stufen hinab. Er beugte sich zu seiner Schwester und raunte ihr zu: „Ein Jammer, dass die jungen Leute nicht mehr wissen, was sich gehört. Du schienst mir sehr enttäuscht, Schwester.“

„Im Gegenteil! Ich bin erleichtert, dass ich nicht Hagen küssen musste. Der tut ja immer gradeso, als wär’s ihm zuwider! Ich bin auch nicht auf seinen Kuss erpicht, er ist ja leichenfahl und ein Eisklotz, aber ich tu wenigstens so, als machte es mir nichts aus! Doch er – er ist furchtbar unfreundlich.“

„Ah so. Aber ist es denn gewiss, dass er gerade dich gewählt hätte? Vielleicht gibt’s eine andere, die ihm mehr zusagen würde.“

Da war sie sprachlos.

Das Buch, das ich am häufigsten gelesen habe

Das Buch, das man am häufigsten gelesen hat, sagt gewiss sehr viel über einen aus. Ist es ein hervorragendes Fachbuch, ist es das preisgekrönte Werk eines großen Meisters, oder ist es irgendein Liebesroman, welcher, der Banalität des Genres geschuldet, klischeehaft und dümmlich ausfällt?
Ich verrate euch heute, welches Buch ich am häufigsten gelesen habe.

Zuerst aber die Auflistung der Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe:

  • Zwei reich bebilderte Bücher über Papst Benedikt XVI.
  • Einen Ausstellungskatalog zur Speyerer Ausstellung „Heinrich IV. Kaiser, Kämpfer, Gebannter“ (bei dieser Ausstellung war ich auch!!!)
  • Drei Fantasyromane von Lindsay Buroker auf Englisch. Die E-Books waren kostenlos, also habe ich sie auf den Kindle geladen. Ab und an lese auch ich triviale Belletristik, aber dann nur in Fremdsprachen, damit ich wenigstens ein klein wenig geistig gefordert bin. Unterhaltung nur zur Unterhaltung unterhält mich nicht. Das ist Zeitverschwendung und macht mich aggressiv. Deutschsprachige Romane lese ich nur, wenn sie von großen Autoren sind; ich hoffe, von ihnen etwas lernen zu können, und sei es auch nur ein klein wenig.
  • Das verborgene Leben der Meisen
  • Ein Buch über Bismarck-Denkmäler
  • Das C.H. Beck-Wissen-Buch „Die Vandalen“
  • Einen Bildband über Kaiser Franz Joseph
  • Eine Biographie über Max von Baden, den letzten Kanzler des Deutschen Kaiserreichs
  • „Preußen im Film“, ein Band des fünfbändigen Ausstellungskatalogs „Preußen. Versuch einer Bilanz“ von 1981
  • Schon wieder ein Buch über Bismarck. Stand nicht viel Neues drin; im Übrigen habe ich einen Fehler entdeckt bei der Angabe des Todestages von Johanna von Bismarck
  • Eine Biographie von Franz Herre über den preußischen Generalstabschef Helmuth von Moltke (der Ältere natürlich)

Zu einigen der Bücher habe ich mir Notizen gemacht. Da ich aber, nach alter Perfektionistenmanier, alles, was ich tue, übertreibe, wurden 28 Seiten Notizen draus. Diese Notizen wie auch diese Kenntnisse werden mir in meinem Leben freilich nie von Nutzen sein, schließlich bin ich leider keine Historikerin, obschon ich dazu berufen war – aber die Lektüre historischer Sach- und Fachliteratur und das dazugehörige Exzerpieren und Zusammenfassen bereiten mir Freude, und das sollte an sich schon Grund genug sein, diese Tätigkeiten trotzdem auszuüben. Wenn eine Arbeit als einzige Frucht Freude trägt, hat sie guten Ertrag eingebracht.

Nun zurück zur Frage vom Anfang des Blogartikels. Welches Buch habe ich am häufigsten gelesen? Haltet euch fest, vor allem, wenn ihr mich persönlich kennt oder wenn ihr nach häufigeren Blogbesuchen meine Hauptinteressen kennengelernt habt:

Twilight.

Ja. Das Buch mit den glitzernden Vampiren und den Werwölfen.

Falls Sie gerade zum ersten Mal auf meinem Blog herumstreifen, um herauszufinden, ob ich denn in der Lage bin, Bücher über deutsche Sagen usw. zu schreiben, und jetzt entsetzt wegklicken wollen, dann seien Sie versichert, dass dieses o. g. Buch nicht repräsentativ für mich oder meine Interessen/schriftstellerischen Produkte ist. Ruhig bleiben bitte! Hier, lesen Sie, was mich wirklich begeistert: Ich besitze mehr als einen Meter Literatur zum Investiturstreit; das Buch mit dem besten Schreibstil ist „Gedanken und Erinnerungen“ von Bismarck; schon mit vierzehn waren meine Vorbilder Goethe und Schiller; mein Lieblingsbuch kann jeder erraten, der mein Portfolio durchscrollt, und würde man mich nach Buch-Geheimtipps fragen, würde ich „Alex and Me“ und „Die Schlafwandler“ sagen.

(Eine kurze Klarstellung für alle, die sich mit der Materie auskennen: Jacob war viel besser für Bella! In Band zwei blühte sie an seiner Seite richtiggehend auf, fand Hobbys, entwickelte einiges Geschick auf Gebieten, die man ihr gar nicht zugetraut hätte (Motorradfahren und an Motoren rumschrauben), und durfte vor allem außer Jacob auch noch andere Freunde haben. Ganz anders als bei Edward, der sie immer von ihren wenigen Freunden isolieren wollte.)

Als ich in der Schule war, wurde Twilight gerade zum Trend. Ein Klassenkamerad lieh mir die ersten Bände aus. Ich las sie innerhalb weniger Tage auf Deutsch, und da ich auch mein Englisch verbessern wollte, las ich sie später auf Englisch. Eine Twilight-Besessenheit, wie sie damals viele Mädchen erfasste, hat mich freilich nie erfasst.

Einige Jahre später beschloss ich, mein Französisch zu reanimieren. Zuerst las ich dazu den „Glöckner von Notre-Dame“ auf Französisch und parallel (zum zweiten Mal) auf Deutsch. (Seitdem nenne ich das Buch stets beim französischen Titel „Notre-Dame de Paris“, um damit subtil anzugeben, dass ich es im Original gelesen habe. Bei „Gone with the Wind“ verfahre ich genauso.) Nach der Lektüre von Notre-Dame de Paris fühlte ich mich für das Verstehen französischsprachiger Historienromane des 19. Jahrhunderts gut gerüstet, fühlte mich aber in moderneren Texten noch nicht so sattelfest.

Welches andere Buch, das ich bereits kannte, könnte ich auf Französisch lesen? Es sollte ein sprachlich nicht allzu anspruchsvolles sein, denn ich wollte mein Hauptaugenmerk hauptsächlich auf das Erkennen der Verbformen und -zeiten legen und nicht von einem umfangreichen Wortschatz abgelenkt werden. Wenn ich die Geschichte schon kannte, fiele mir natürlich auch das Erschließen neuer Wörter leichter.

Da fiel mir Twilight ein. Dessen überschaubarer literarischer Anspruch war fürs Sprachtraining durchaus geeignet.

Also las ich Band 1 auf Französisch, und alle anderen auch.

Und auf Italienisch, das ich mir im Selbststudium halbwegs beibrachte.
Desgleichen auf Portugiesisch.

Nur für Niederländisch und Spanisch nahm ich andere Bücher zum Trainieren.

Nun wisst ihr, warum ich Twilight am häufigsten gelesen habe: Um damit Sprachen zu lernen, weil es solch ein einfaches Buch ist.

Das Buch, das ich aus Interesse am häufigsten gelesen habe und das den Titel, den Twilight innehat, eigentlich eher verdient hätte, ist „Der Wagner-Clan“. Das habe ich schon drei- oder viermal gelesen.

Ebenfalls oft von mir herangezogen und genossen sind zwei Anekdotenbücher über Wilhelm I. („Kronen müssen fest sitzen!“) und Bismarck („Höflich bis zur letzten Galgensprosse“).

Und wollte man die Bücher von L. Vogel als richtige Bücher einordnen, dann habe ich, der vielen sorgfältigen (obsessiven! selbstzweifelschweren!) Korrekturdurchläufe wegen, wohl zwangsläufig die Vogel-Romane am häufigsten gelesen.

Es ist endlich fertig!

Lange, lange habe ich dafür gebraucht, aber heute, nach einer Zeit großer Anstrengungen, habe ich es endlich fertiggestellt.

Meine Steuererklärung.
Ja, was habt IHR denn gedacht? Dass ich hier, auf meinem Autorenblog, etwa über die Fertigstellung neuer Buchprojekte berichte? 😉 Nein, im Ernst, ich hasse diesen Steuerwahnsinn. Ich kapiere es nicht, und die Seite im Internet, mit der ich das ausfülle, hilft mir auch nur bedingt. Bausparverträge und Pauschbeträge und Vermögenswirksame Leistungen bedeuten für mich nur: ????? Und dann muss man, wenn man Kirchensteuer gezahlt hat, und die im letzten Einkommensteuerbescheid rückerstattet wurde, im aktuellen Jahr angeben, wie viel man rückerstattet bekam, oder irgendwie oder so ähnlich, und warum das Ganze, wenn das Finanzamt doch wissen sollte, was es im letzten Jahr höchstselbst gemacht hat? ???? Ich blick’s nicht. Deshalb schiebe ich den Steuerquark stets so lange wie möglich vor mir her und erledige gegen Ende Juli lieber alle möglichen anderen Sachen, um mich vor den schrecklichen Stunden im Steuerorkus zu drücken.
Weil es so schwierig war, gab es natürlich wieder viel Drama, denn ohne Tränen und Sachbeschädigung (meiner eigenen Besitztümer) kann mir nie etwas gelingen. Heute war es der Ordner mit den bisherigen Steuerausdrucken, der dran glauben musste. Ich warf ihn auf den Boden, sodass alle eingehefteten, gelochten Dokumente ausgerissen sind und jetzt nur noch einen losen Stapel bilden. Wow. Aber man kann mir nicht nachsagen, ich hätte kein Temperament.

Zudem musste ich mich beeilen mit dem Fertigwerden, denn heute ist der Todestag von Bismarck, und den wollte ich gebührend würdigen, indem ich ein Buch über ihn lese. Es ist aber nur ein kurzes Buch mit 160 Seiten und vielen Bildern. Einen Fehler habe ich auch schon darin entdeckt: Der Todestag seiner Frau Johanna wird als der 11. April 1898 angegeben. Richtig wäre der 27. November 1898; der 11. April ist Johannas Geburtstag. Da hat wohl jemand falsch kopiert …

Nun lese ich weiter. Bis später!

15. Juli 2020

Hallo! Jetzt hatte ich mir seit der Beendigung von Worms 3 ja eine Woche freigenommen, um zu lesen, Bücher zu kaufen und meine Büchersammlung zu sortieren. Nun ratet einmal, wie viele Bücher ich in dieser Woche gelesen habe:

Eines! Ja, ein kostenloses Fantasybuch auf Englisch. Vielleicht lese ich heute noch seinen ebenso kostenlosen Nachfolgeband zu Ende.

Außerdem lese ich an einer Moltke-Biographie herum, und komme trotzdem nicht weiter, obwohl sie mir so sehr gefällt. (Franz Herre schreibt super; und obwohl er kein professioneller Historiker, sondern Journalist ist, merkt man, welch umfassendes Wissen er gesammelt hat.) Ich neige dazu, Bücher, die mir zu gefallen, nicht zu Ende zu lesen und stattdessen Bücher zu lesen, die mich nicht so sehr ansprechen. Das ist eine meiner raffinierten Formen, mir unbewusst Freude vorzuenthalten …

Bücher kaufen wollte ich auch. Wenn ich auch sonst nichts kann, dann kann ich doch eines: Shopping! (Natürlich hauptsächlich online. Als Introvertierte hat man schließlich Angst vor echten Menschen.)
Wie viele Bücher habe ich wohl geshoppt? Wollt ihr raten?

Wisst ihr, was Lohengrin zu Elsa sagt?
„Nie sollst du mich befragen …“

Ja. Wenn man mich, ein Notebook und das Internet alleine lässt, fährt in drei Tagen ein Lastwagen vor und lädt zwei Tonnen Bücher ab. (Einen Füller habe ich mir auch gekauft, aber nur einen. Also, eigentlich zwei, aber der eine ist erst ab August lieferbar.)

Viele der Bücher sind gebraucht. Ich habe, in echter schwäbischer Vernunft, auf mehreren Seiten nach den besten Angeboten gesucht, abgewägt, ob mir das Buch den Neupreis wert ist oder ob es ein gebrauchtes sein darf, und auf diese Weise habe ich sehr viel gespart! Den gesparten Betrag konnte ich dann natürlich auch noch ausgeben, und zur Belohnung für mein umsichtiges Geldausgeben habe ich dann noch ein paar Bücher mehr gekauft. So geht Shopping! 😉 Nein, im Ernst, ich geb’s zu: Bei mir hat das Schwaben-Gen versagt/ist mutiert.

Aber jetzt kaufe ich in nächster Zeit keine Bücher mehr. Ich muss mir erlauben, mit denen, die ich bereits habe, zufrieden sein zu dürfen.

Shoppingliste für die nächsten Monate (ich will nicht schon wieder ein Zettelchen schreiben, die landen alle immer im Stapel und ich muss ewig suchen, bis ich sie wiederfinde, deshalb notiere ich sie hier):
– Porzellanbüste W und B für den Schreibtisch
– Die neue Moltkebiographie von C. H. Beck
– Der gebrauchte Bismarck in rot von Werner Richter
– Kunstdruck Heinrich V. und Papst Paschalis II.
– Kunstdruck Kaiserpr. Vers.
– Fotobuch von meinen Schwarzköpfchen
– Fotobuch für Mum
– Fotobuch für mich?
– COSRX Sonnencreme
– Tasse mit Foto
– Das schöne Worms-Bild mit der Pfalz von früher drucken lassen

Was soll ich weiters noch schreiben? Das Bücherumräumen ist noch nicht geschehen, schließlich muss ich dazu in dunklen Ecken abstauben, wo widerliche Wesen wohnen. Letztens rannte eine Spinne gerade als ich Sport machen wollte über meine Matte und verschwand zwischen den Bücherstapeln! Ich hatte mich eben erst hingelegt, um mit einem Workout zu beginnen, und dann sah ich aus dem Augenwinkel eine schnelle Bewegung. Wäre ich nicht schnellstens aufgesprungen, wäre sie über mich drübergerannt!! Und gerade an diesem Tag war es so warm, dass ich nur ein kurzes Sporttop anhatte; also wäre sie über meine Haut gelaufen! Igitt!! Ja, wenn ich aufräume, werde ich wohl auch dieser Mitbewohnerin begegnen.

Außerdem habe ich mich noch nicht entschieden, in welches Regal die Bücher über die Geschichte anderer Länder gestellt werden, und in welches die Bücher über die deutsche Neuzeit kommen. Die Bücher über Preußen und das Kaiserreich bleiben in einem anderen Zimmer; und wo sollen die 25 Bismarck-Biographien unterkommen? Und reicht der Platz überhaupt? Von 1519 bis 1918 herrscht totale Unordnung wegen Platzmangels. Das Mittelalter dagegen habe ich im Januar wunderbar sortiert: Im einen Regal sind die Dynastien in zeitlicher Abfolge, je Dynastie wiederum sortiert von Allgemeindarstellungen über Biographien einzelner Persönlichkeiten bis zu speziellen Themen à la „Die Berater Friedrich Barbarossas“. Im anderen Regal sind allgemeine Mittelalterthemen, sortiert nach Bedeutung des jeweiligen Themas (z. B. Krieg vor Mode, obwohl ich im wahren Leben die Mode dem Kriege vorziehen würde).
Auch für die böse Epoche habe ich diese Sortierung beibehalten: Beginnend mit dem Weltkrieg, dann Gesamtdarstellungen, dann Biographien. Die Bücher über den Widerstand stehen auch dort, sind aber örtlich abgegrenzt von den Büchern über die bösen Menschen.
Das Buch für die Epoche nach 1945 hat noch keinen festen Platz.

Aber die anderen Epochen sind noch nicht geordnet; jedes Buch steht da, wo eben Platz war, und drum herrscht ein völliges Durcheinander. Preußen ist überall; Napoleon, der Dreißigjährige Krieg und die Indianer stehen nebeneinander, ein anderes Buch über den Dreißigjährigen Krieg steht bei den drei Büchern über Schwertkampf, alles ist verteilt über drei Räume …

Es wird Zeit, dass Ordnung einkehrt.

Neues zu Worms 3

Worms 3 ist seit dem 8. Juli vollständig ins Notebook diktiert und korrigiert. Es hat 110 000 Wörter und ist somit mein drittlängster Roman nach „Der Kaiser von Huwelreich“ und „Der König von Blauwittern“. Jetzt gönne ich mir eine Woche lang Pause, werde nur Bücher lesen und kaufen und vielleicht noch Ordnung in meine Büchersammlung bringen.

Am 9. Juli war außerdem ein großes Jubiläum: Mein Schwarzköpfchen Lili ist seit diesem Tag 5 ganze Jahre bei mir! Zur Feier des Tages gab es ein Festtagsmenü mit allen Körnersorten, die es sonst abwechselnd gibt, mit Kolbenhirse, Nutriberries und Quellfutter. (Und auch Sonnenblumenkerne, aber in Maßen, denn die sind in großen Mengen nicht gut für die kleinen Vogellebern.) Lilis Männchen, der Blaue, hat natürlich auch mitgefeiert.

Die letzten Wochen kam ich gar nicht mehr zum Lesen, weil ich nur noch am Diktieren/Korrigieren war. Ich gönnte mir nur ab und an ein Youtube-Filmchen. Allerdings habe ich am Dienstag, weil ich so erschöpft war, einmal früher aufgehört, das heißt schon nachts um halb zwölf statt wie sonst um halb eins; wollte noch zur Entspannung schauen, was meine Youtuber so machen – und dann sah ich, dass gerade vor 55 Minuten ein neues Video gepostet wurde. Ich war so geschockt. Ein ganz großartiger Tukan ist gestorben! Sie war der Star ihres Kanals, war so süß und aufgeweckt, und ich habe fast alle ihre Filmchen angeschaut. Noch am Vortag hatte ich meiner Mutter wieder von den lustigen Angewohnheiten des Babytukans erzählt. Das Tukanmädchen kam als Baby zu seinem Menschen; außerdem leben noch ein Opatukan mit vielen körperlichen Gebrechen und seit einiger Zeit auch ein anderes junges Tukanweibchen bei ihm, das in seinem Leben schon viel Schlimmes erlebt hat (es war ein Wildfang im ursprünglichen Sinne des Wortes und wurde bei den Vorbesitzern in einem Hamsterkäfig gehalten. (!!!!!!!!!)) Und die dritte im Bunde war nun also der Babytukan, dieses Federbündel aus Energie und guter Laune, das immer klug und fröhlich war. Ich dachte, sie wird noch Jahre leben, wird ihrem Menschen und den Zuschauern viel Freude bereiten mit ihren Abenteuern, mit den anderen zwei Tukans ein schönes Vogelleben haben. Aber die Kleine hatte, wie erst im Nachhinein festgestellt wurde, ein schwaches Immunsystem. Sie war doch so süß und lieb! Und ja, ich habe eine Stunde lang für einen Tukan, den ich persönlich gar nicht kannte, geweint, und dachte immer wieder: „Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt kommt sie nie wieder zurück!“. Wenn man Tiere liebt und/oder Mitgefühl für den Besitzer hat, dann nimmt einen so etwas eben mit. Ich habe den plötzlichen Tod eines geliebten Haustiers auch schon einmal mitgemacht und selbst nach drei Jahren muss ich immer noch weinen, wenn ich an meinen Fritz denke. Manche Leute würden natürlich sagen: „Hat die keine anderen Probleme?“ – doch seid beruhigt, ich habe genug zu tragen. Ich gehöre zu den Leuten, die, selbst wenn es ihnen gut geht, trotzdem noch einen diffusen Weltschmerz empfinden und für andere traurig sein können, (allein schon als Form der Solidarität und der Würdigung), und die, wenn es ihnen selber schlecht geht, vom Leid Unbekannter genauso wie von jedem eigenen winzigen Problem, noch mehr aus der Bahn geworfen werden.

Außerdem war am 8. Juli die Beerdigung für Georg Ratzinger. Dreimal habe ich in den Livestream hineingeschaut und war auch gleich wieder den Tränen nahe. Ich dachte auch an den Papst Benedikt: Obwohl er sich auf das Wiedersehen freut, ist er bestimmt trotzdem traurig. Echte, dauerhafte Geschwisterliebe, wie sie die drei Ratzingers besaßen, ist etwas sehr Seltenes und Kostbares.

04. Juli 2020

Gestern war der Jahrestag der Schlacht von Königgrätz. Da dachte ich an meine armen Österreicher, Sachsen und Preußen, die dort gefallen sind oder verwundet wurden. Und an die armen Pferde! Ich besitze ja zwei Bücher über den Krieg von 1866, beide als E-Book. Eines davon, nämlich das Buch von Bremm, möchte ich aber demnächst noch in Papierform kaufen, weil ich seine zwei anderen Bücher (über den Siebenjährigen Krieg und den Krieg von 1870/71) auch als Papierbuch besitze. Meine Preußensammlung wächst und wächst.

Was ich letztens gelesen habe:

  • Briefe von Bismarck an seine Schwester Malwine und vice versa
  • „Aus meinem Leben“ von Joseph Ratzinger
  • Deutschland und Burgund im früheren Mittelalter (ich dachte, das Buch sei aus den 60er Jahren, aber in Wirklichkeit ist das ein Reprint von 1914 …)
  • Das Duell. Ein Buch mit Biographien wichtiger Persönlichkeiten der preußischen und österreichischen Geschichte: Der alte Fritz und Maria Theresia, Metternich und Bismarck, Franz Joseph und Wilhelm II., und der böse Mensch, dessen Namen nicht auf diesem Blog genannt werden soll und sein ebenfalls österreichischer Widersacher mit den Initialen K. S. Bei diesem Buch trat endlich das ein, das ich schon immer ersehnt hatte: Ich habe fast nichts Neues erfahren, weil ich fast alles schon wusste. Endlich ist von meinen zahllosen Preußen- und Österreichbüchern auch einmal etwas hängen geblieben.
  • Das Buch über Geographie, Geschichte und Politik von Tim Marshall. Ich habe es auf Englisch gelesen, weil das die Originalsprache ist und es als E-Book nur 1,04 Euro gekostet hat.
  • Töchter Gottes. Ein Buch über Frauen im Christentum
  • Alex and me. Das Buch von Irene M. Pepperberg über den wundervollen Graupapagei Alex. 2015 habe ich es schon einmal gelesen, und es rührt mich jedes Mal zu Tränen, weil Alex so süß war und viel zu früh gestorben ist. Wie mein Fritz, den ich immer noch so sehr vermisse.
  • Ein Buch über eine Frau, die bei der CIA gearbeitet hat. (auf Englisch)
  • Ein Buch über Preußen. Schön, einmal wieder in einem meiner Lieblingsthemen zu versinken. An jenem Tag ging es mir besser als sonst immer.
  • Ein Buch über die ersten Christen in Rom.

Zur Zeit komme ich kaum zum Lesen, weil ich alle Energien darauf verwende, Worms 3 zu Ende zu diktieren. Der Anfang von Worms 3 schreitet gemessener voran als die Vorgängerbände, da die eine Hauptfigur sich in einer Pattsituation wiederfindet, aus der sie sich nicht in eigener Kraft herausmanövrieren kann. Doch wenn der Knoten dann endlich zerschlagen ist, geht es ab! Außerdem fühlt es sich gerade so an, als wäre ab der Hälfte des Buches ein Schalter umgelegt, und jede Figur labert daher, als wolle sie eigentlich viel lieber in ein Shakespeare-Drama versetzt werden. (Nicht dass ich mich mit dem großen englischen Dichter vergleichen will, nein, ich bin schließlich nur eine Gurke.) Doch die Sätze haben einen Rhythmus, der immer deutlicher zu hören ist, und das Buch klingt zunehmend kunstvoll. (Andere würden natürlich sagen: artifiziell, bemüht, pathetisch, blabla. Und wisst ihr was? Ich mag das Übertriebene, Exaltierte, Pathetische! Bäh! Ich sitze hier an meinem Schreibtisch, kann so viel minderwertigen Stuss schreiben, wie ich will, und ihr könnt mich nicht dran hindern! Ha! Also gewöhnt euch dran, dass in der Welt auch Quark gemacht wird.)

Letzten Monat habe ich einmal 43,7 Kilo gewogen. Das war cool. Ohnehin möchte ich wieder mehr Cardioeinheiten in mein tägliches Sportprogramm aufnehmen, obwohl ich Cardio nicht ausstehen kann.

Einer meiner Lieblingsfüller rostet von innen! Ist das nicht gemein? Jetzt habe ich ihn in Essig liegen lassen, aber jetzt sind die goldenen Zierteile angelaufen. Oh Mann! Ich hatte den doch so gern …

Gestern habe ich 8000 Wörter diktiert. Wahnsinn. Sonst sind schon 5000 viel.

Ich habe eine Titelschutzanzeige aufgegeben

Die nächsten sechs Monate lang sind folgende Titel für mich alleine reserviert:

  • Der Niedergang von Aeterna
  • Kriegsfels
  • Liebling des Unheils
  • Der König von Burgund und der Herzog
  • Der König von Burgund und der Bastard
  • Der König von Burgund und der Untergang
  • Ein Galgen für den Kaiser
  • Königin der Ruinen
  • Am liebsten den Nobelpreis

So. Alle meins. Nicht alle Bücher sind bereits geschrieben (es fehlt am Bastard, am Untergang und an meiner Autobiographie); nicht alle sind ins Notebook diktiert, aber sechs von ihnen kann ich im nächsten halben Jahr veröffentlichen. Veröffentlichen macht mir, im Gegensatz zu praktisch allen anderen Schreibenden, furchtbare Angst. Dabei zeigen mir meine Verkaufszahlen, dass ich wahrlich keine Angst zu haben brauche. (Danke an alle, die die Doppelsinnigkeit erkannt haben.)

Man sieht ja, welche Titel den Worms-Büchern gehören.
Worms 1,5 jedoch hat nicht Burgund im Namen. Es heißt „Liebling des Unheils“, wobei das auch der Titel meiner Autobiographie hätte sein können.

Ich muss jetzt weiter Worms 3 diktieren (oder, wie es offiziell heißt „Der König von Burgund und der Herzog“). Es gibt jetzt eine Festkrönung, und danach wagt es eine der Figuren, ein ihr angebotenes Lehen auszuschlagen, weil es nur eine Grafschaft wäre und sie sich nicht mit halben Sachen zufriedengibt. Wenn sie kein Herzogtum haben kann, möchte sie lieber bloß ein einfacher Wächter sein. Schön, wenn ein König so demütige und bescheidene Untertanen hat …

Der Mensch, den ich bewunderte, dem ich dann sieben Jahre lang gram war und den ich jetzt wiedergefunden habe

Die meisten Menschen, die ich bewundere, sind schon lange tot. In der erlesenen Riege der wenigen Lebenden befinden sich YouTuberinnen, Lehrer, Opernsänger, Shakespeare- und Superschurkenschauspieler, Bankkauffrauen, ehemalige Schulkameradinnen, schwäbische Hausfrauen und Nachbarinnen, und Testleserinnen.
Und dann gab es da noch den Papst.

Bei seinem Amtsantritt 2005 war mir Kardinal Joseph Ratzinger kaum bekannt. 2005 war für mich das Jahr, in dem ich die große Literatur entdeckte, in dem ich zum ersten Mal Goethe, Schiller, Cervantes, Homer und Shakespeare las und zum zweiten Mal das Nibelungenlied. 2004/5 machte ich zum ersten Mal zaghafte, arglose und erstaunte Ausflüge in die Welt der Weltgeschichte.

Das Leiden und Sterben des Papstes Johannes Paul II. habe ich in den Medien verfolgt wie so viele andere auch. Ich war traurig über seinen Tod und ergriffen von der Würde der Zeremonien, die der Größe dieses seit 2000 Jahren bestehenden Amtes vor aller Augen Ehre zollten.
(Dass ebender Papst Johannes Paul II. viele Traditionen aufgehoben oder abgeändert hat, findet in der Retrospektive nicht unbedingt meinen Beifall. Vor allem das „Sic transit gloria mundi“ ist doch ein Ritual, das weise und wahr ist wie kein anderes.)

Und dann wurde ein Deutscher zum Papst gewählt. Ich war stolz und begeistert wie alle anderen auch, war auch erstaunt, dass die Tagesschau dem Papst fast die ganze Viertelstunde ihrer Sendezeit widmete (oder gar noch mehr? Ich glaube, sie haben damals überzogen. Für den Tod von Johannes Paul II. haben sie, wenn ich mich recht entsinne, auch schon 11 Minuten verwendet, für Benedikts Wahl aber noch mehr.)
„Ich bin nur ein demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn.“ Damit waren meine Mutter und ich schon vom neuen Papst überzeugt. Ich bin noch vom alten Schlag, ich liebe Demut mehr als Großtuerei, ich liebe den leise sprechenden Weisen mehr als die Scharen, die nur schreien, um ihr Unwissen zu übertönen.
Es freute mich, dass die Bild-Zeitung „Wir sind Papst“ titelte; es freute mich, dass die Begeisterung viele erfasste.

Vor allem aber war der Investiturstreit damals das erste historische Thema, mit dem ich mich richtig eingehend beschäftigte. (Nur die Geschichte der Burgunder kam noch früher, konnte aber wegen der geringen Anzahl dazu existierender Bücher nicht so vertieft werden, wie ich wollte.) Der Investiturstreit! Bis heute ist er ein Stück geistige Heimat für mich, seit damals gehören seine Protagonisten zu meinen historischen Lieblingspersonen ersten Ranges, und da er solch ein komplexes und anspruchsvolles Thema ist, habe ich es auch ihm zu verdanken, dass ich lernte, wie man sich in historische Themen eingraben muss, wenn man sie richtig (oder im Falle mangelnder Brillanz wie bei mir wenigstens annähernd) verstehen will.
Insgeheim habe ich gehofft, dass Joseph Ratzinger den Namen Gregor annimmt.

Ich hatte über Jahre sogar ein Papstposter an der Wand hängen. Es zeigte den Moment, als er zum ersten Mal auf den Balkon trat und mit ausgestreckten Armen die Stadt und den Erdkreis grüßte.
Das Poster stammte nicht von der Bravo (wie krass, dass sogar dieses Heftchen dem Papst ein Poster widmete. Ich für meinen Teil habe dieses Magazin nie gekauft.), sondern aus einem Geschichtsmagazin, einem ganz sonderbaren. Aus Anlass der Wahl Benedikts widmete es sich der Geschichte der Päpste. Es gehörte zu keinem bekannten Verlag, es schien von Inhalt und Aufmachung her völlig selbstgemacht und besaß wohl gerade drum den rührenden Charme des Sich-Bemühens. (Viel, viel Fehlerhaftes stand darin. Das Lustigste: An einer Stelle wurde doch tatsächlich der Begriff „Antipapst“ verwendet. Interessierte wissen, dass es in deutscher Sprache Gegenpapst heißen muss.) Aber ich glaube, das Heftchen kürte Gregor VII. zum wichtigsten Papst von allen, und deshalb sah ich über die vielen Fehler hinweg.

Da hing also das Poster jahrelang an herausragender Stelle. Eine Schulfreundin, die nicht wusste, worüber sie ihren Prüfungsvortrag machen soll, ermunterte ich, den Papst als Thema zu wählen. Ich lieh ihr auch meine Ratzinger-Autobiographie aus. Leider kam das Buch mit eingestoßener Kante zurück 🙁 Ihr Plakat für den Vortrag überließ sie am Ende mir. 🙂
Eine Schulkameradin, die den Papst auf dem Weltjugendtag gesehen hatte, schenkte mir ein Buch über den Papst in Deutschland. Außerdem kaufte ich einen Glasanhänger mit einem Bildchen von ihm, diverse Kalender, Bücher von ihm, z.B. den ersten Band seiner Jesus-Trilogie für meine Mutter usw.
Wir wollten ihm immer einen Brief schreiben, trauten uns aber nicht.
Seine Autobiographie bekam einen Ehrenplatz in der Vitrine bei den Biographien über einen Deutschen Kaiser.
Zur Recherche fürs Worms-Buch suchte ich nach Literatur über den Heiligen Augustinus, den ich der Hauptfigur als Lieblingsheiligen zugeordnet hatte, und kaufte ein Buch über Kirchenväter von Benedikt höchstselbst. Es hat mich sehr gefreut, dass Augustinus auch der Lieblingsheilige von Benedikt ist!
Ich fand einmal im Buchladen in einer großen Stadt (Ravensburg oder Ulm, oder etwa Stuttgart?) sogar ein Papstquartett, mit Benedikt auf dem Titelbild.

Und dann 2013 der Rücktritt. Ich erfuhr davon von einem Papsthasser am 11. Februar. Am Vortag war ich zum ersten Mal in einer Götterdämmerung gewesen, war dementsprechend noch selig, auch leicht nervenschwach und hatte vielleicht einen leichten Gehörschaden erlitten. Ich war so beleidigt, enttäuscht und wütend! Wie konnte der Papst zurücktreten, wie konnte er nur! „Gregor VII. ist nie zurückgetreten“, war mein Argument; Gregor VII. sah sich einem ganz anderen Gegner gegenüber und hielt aus bis zum Ende! „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst, und deshalb sterbe ich in der Verdammung!“ So war sein letzter Satz! – Petrus höchstselbst, und all die anderen Märtyrerpäpste, keiner trat zurück! Schaut doch Pius IX. an, der hatte Bismarck als Feind, und musste erleben, wie der letzte Rest des Kirchenstaats zugrunde ging! Auch der hielt aus, alle hielten aus, bis ihr Herr sie abberief! (Außer Coelestin, dem Himmelspapst, jaja; der war mir schon gleich unsympathisch.) Meine Güte, selbst Kaiser können zurücktreten, wenn die Kräfte schwinden, und ich nehme es ihnen nicht übel (Karl V.), aber ein Papst sollte das nicht tun! Ich wollte das nicht! Muss denn in dieser modernen Welt alles Althergebrachte niedersinken? Gibt es denn nichts, das immer fest bleibt, unerschütterlich ist? Zu Zeiten vom Investiturstreit hätte es das nicht gegeben, nein!

Und seit diesem Tag war ich beleidigt mit Papst Benedikt. Da war es klar, dass, meiner infantilen Reaktion gemäß, auch der Nachfolger nicht meinen Beifall finden konnte, ganz egal, wer es war. (Und dann gab sich Jorge Bergoglio auch noch den Namen „Franziskus“, den vorher kein Papst getragen hatte. Ihr könnt euch meine Beschwerde denken: Will sich denn niemand mehr Gregor nennen? Oder immerhin Innozenz, wie Innozenz III.? Oder Paschalis oder Callixt?)

Ich hängte das Papst-Poster ab, ich verschenkte die Papst-Memorabilien (an meine Mum, in deren Haus ich wohne), ich vergaß, dass ich Bücher vom Papst besaß, ich schnitt keine Zeitungsartikel über den emeritierten Papst mehr aus, und nur das Papst-Quartett fiel nicht in Ungnade, da auch Gregor VII. und viele andere dabeiwaren.

An der Wand, die sein Poster trug, hängen jetzt Bilder von einem Kaiser mit der Ordinalzahl II., einem Halsbandsittich und Burg Hohenzollern.

Mein Schmollen hielt ich sieben Jahre lang durch. Was Franziskus machte, kümmerte mich nicht.

2020 kam die große Biographie von Peter Seewald heraus. 1100 Seiten, 38 Euro. Was mich amüsierte, war, dass die Biographie genausoviel kostet wie Volker Reinhardts Buch über alle Päpste. Alle zum Preis von einem oder einer zum Preis von allen! Sage mir, welches du kaufst, und ich sage dir, wie sparsam du bist.
Und weil ich in diesen sieben Jahren freilich selber auch keinen Triumphzug hingelegt habe, sondern vielmehr die Last, die ich tragen muss, immer schwerer wurde, weil ich nichts als eine Gescheiterte und Versagerin bin und am liebsten auch der Welt entschwinden würde in ein Land des Geistes, fand der alte Mann, dem so viel Gegenwind entgegengeschlagen war, wieder meine Sympathie. Nicht jeder ist ein Gregor. Und überhaupt, wer weiß, wann es wieder einen deutschen Papst gibt? Da ist ein Mensch, von dem einst in tausend Jahren die jungen Frauen lesen werden wie ich vor so langer Zeit von meinen Investiturstreitspäpsten, und wie die Zeitgenossen von Gregor, Paschalis, Callixt könnte jetzt ich sagen: Ich habe ihn erlebt.
Da fasste ich den Entschluss, dass ich dem Papst noch einen Brief schreiben möchte, wie meine Mutter es sich immer noch wünschte.

Und ich nahm meine teuerste Tinte, Herbin mit den echten Goldstückchen, ich recherchierte, wie man den Papst anredet, und ich bin hoffnungslos fasziniert von Würden und Größe; dass ich zum ersten Mal einen Menschen mit einem Ehrentitel anschreiben konnte, hat mich begeistert wie wohl wenige sonst. (Die meisten finden das sicher blöd. Aber euch sag ich mit Bismarcks Worten: „Das ist mir wurscht!“)
„Euer Heiligkeit“ oder „Heiliger Vater“ kann man verwenden; am liebsten wünscht er sich aber „Vater Benedikt“.
Doch was ich schrieb, das ist geheim; nur eines verrat ich euch: Ich habe auch den Investiturstreit erwähnt.
Das war am 19. April, auch noch genau 15 Jahre nach seiner Wahl, am Namenstag von Leo IX., dem Papst, den Heinrich III. in Worms zum Papst bestimmt hat. Die Welt ist so klein.

Nach einem Monat bekam ich Post vom Vatikan. Damit dauert die Bearbeitung eines Schreibens an den emeritierten Papst so lange wie die Beantwortung einer E-Mail an L. V. …
Es waren nicht nur eines, sondern zwei Fotos drin, eines für mich und eines für meine Mum. Und ein Heftchen mit Predigten aus Österreich. Und ein Brief, von dem ich vermute, dass der Papst ihn wahrhaftig unterschrieben hat.

Und seit ich mich wieder versöhnt habe, habe ich die Papst-Memorabilien zurückgeholt, habe staunend festgestellt, dass ich Bücher vom Papst besitze, habe die Reinhardt-Biographie über alle Päpste bestellt, und die Biographie über Benedikt auch (und ich nahm sogar Prime in Anspruch, damit das Buch gleich am nächsten Tag kam; dann war es aber leider verkratzt und musste zurückgeschickt werden, sodass ich auf ein neues warten musste).
Außerdem brauche ich Ersatz für mein Papst-Poster, das ich bestimmt behalten habe, denn ich behalte alles, aber nicht mehr wiederfinden kann.

Im tiefsten Innern bin ich ein einsamer Mensch. Obzwar ich es vorziehe, die meiste Zeit alleine zu verbringen, fern von der echten Welt, in Büchern, in gedanklichen Disputen mit erfundenen Kontrahenten; obgleich ich aus einem Buch, das mich herausfordert oder gar überfordert, mehr Energie und Freude gewinne als aus dem Treffen mit Menschen, ist es schade, wenn man kaum jemanden hat, mit dem man teilen kann, was einen umtreibt. Nur meine Mum hört alles an und versteht alles! Aber alle andern Leute, die ich kenne, sind so sehr in der echten Welt verhaftet, dass die Realität früherer Zeiten für sie nutzlos und unecht scheint; dass das „Selber-der-Wichtigste-sein-Wollen“ für sie wichtiger ist als die Frage, was richtig und wahr ist. Gemütlichkeit und Gelächter statt Kriegsschuldfrage und Niedergangstheorien; sie suchen den Sonnenschein statt den Leidgeplagten ein Ohr zu leihn, sie leben fröhlich vor sich hin, und wer nicht fröhlich ist, der passt nicht zu ihrer lichten Welt.
Nur wenigen Menschen fühle ich mich so ähnlich wie dem Papst. Natürlich kann ich ihm geistig nicht das Wasser reichen, nicht im Geringsten, aber seine Zartheit, sein zurückhaltendes Wesen, das mit Büchern allein glücklich ist, seine tiefen Emotionen – all das sehe ich auch in mir. Er war einmal beim Tannhäuser auf dem Grünen Hügel! Und vorher las ich in einem alten Interview mit seinem Bruder, dass Joseph einmal ganz fröhlich von Loriots Wagner-Ring-Erzählung berichtet hat! Er kennt auch noch den Ring, und wenn er explizit „fröhlich“ davon erzählte, dann heißt das, dass ihm der echte Ring auch gefällt!!!!
Wie oft er in „Aus meinem Leben“ die Wörter „liebenswürdig“ oder „liebenswert“ verwendet, und sogar das heutzutage fast schon ausgestorbene „liebgewonnen“! Diese Fähigkeit, in Demut zu bewundern, dieses Bedürfnis nach Gehalt und Würde – das vermisse ich heutzutage, da alles demontiert werden soll, da alles quäken, knallen und lärmen soll. Im Übrigen verrate ich nicht, ob ich wirklich gläubig bin, oder ob ich meinem schwärmerischen Naturell gemäß in der Kirche nur eine Spiegelung meiner Sehnsucht nach dem Alten, Wahren, Guten, Monarchischen, Liebenden, Vollendeten, Schönen sehe.

Den Kirchenvater Augustinus bezeichnet der Papst als „seinen Meister“, sieht ihn als Lehrer und Freund, bei dem er nicht spürt, dass sie 1600 Jahre voneinander trennen. (28. August 430) Genauso geht es mir mit meinen Idolen auch! Diese Verbundenheit mit Menschen, die vor hunderten von Jahren lebten, und die man nur nachvollziehen kann, wenn man sie selber gespürt hat! (Oder wenn man meine Mutter ist, die dieses Phänomen aus langjähriger Beobachtung kennt.)

„Heimat des Herzens“ hat der Papst einmal geschrieben und meinte damit das beschauliche Bayern seiner Kindheit; Augustinus ist seine „geistige Heimat“. Dieses Gefühl des Zuhauseseins, das man nur bei bestimmten Geistesdingen verspürt – auch das kenne ich allzugut.

Dem Papst gebührt ein Platz in der ersten Riege meiner historischen Lieblingspersönlichkeiten. (Innerhalb der Riege gibt es keine Rangordnung.)
In der Riege meiner historischen Idole gibt es Kämpfertypen, kühle Denker, vielbegabte Kaiser, bescheidene Zauderer, stolze Kaiserinnen, treuliebende Fürstinnen, freundliche Brüder, ermattete Herrscher, unbekannte Dichter, das größte politische und das größte künstlerische Genie, eine ganze Schar unglückseliger Könige – doch gab es bisher keinen zartfühlenden, sensiblen Geistesmenschen, der am liebsten in der Welt der Gedanken geblieben wäre. Vermutlich ist mir der Papst charakterlich ähnlicher als alle anderen meiner Idole.
Und im Gegensatz zu all meinen lebenden Bekannten (außer Mum, die auch mitreden kann) könnte ich mich mit ihm über den Investiturstreit unterhalten.

Entschuldigung, lieber Vater Benedikt. Sieben Jahre lang habe ich Sie verkannt. Jetzt kenne ich Sie.

Worms 1,5 braucht einen neuen Titel

Worms 1,5 wollte ich ursprünglich „Staub und Kampf“ nennen, war schon ganz begeistert davon und fand, das riefe allein beim Lesen schon eine Stimmung von Wüstenhitze, Mühsal und Schwertgeklirr hervor. Meine beste Testleserin, die in Personalunion auch meine Mutter ist, gab dann allerdings zu bedenken, dass dieser Titel eher an den (wohlgemerkt ebenfalls mühseligen!) Alltag einer Hausfrau denken lasse.
Das sah ich ein. Dann kam uns eine neue Idee: „Burgunderblut“! Das ist doch toll, zumal es insgeheim ganz meinem Humor entspricht, da Burgunderblut eine rot-violette Blaualgenart ist. Wie meine Leser ja wissen, neige ich zu Selbstironie, weil man sich als Normalmensch wie ich nicht so wichtignehmen soll, und da passt es wunderbar, wenn sich mein ach so ernst daherkommendes Begleitgeschichtchen zu den Worms-Büchern wenigstens im Titel ein Augenzwinkern erlaubt.

Und jetzt die Erkenntnis: Der Titel ist schon vergeben. Das hat mich gerade richtig desillusioniert, insbesondere, da es mit den „Der König von Burgund und X“-Titeln genauso war! Ursprünglich hätte Band 1 nur „Der K v B“ heißen sollen, ohne Zusatz, doch leider war der Titel schon vergeben. (An einen Kunstkrimi, in dem es um den Wittelsbacher Karl Theodor und den Bayerischen Erbfolgekrieg geht. Die Verbindung zu Burgund ist schon da, doch notabene nicht so stark wie bei einem Nibelungenroman.)

Jetzt muss ich das Buch schon wieder umnennen. Das ist schon demotivierend. Soll ich meine anderen Titel mit Titelschutzanzeigen versehen, damit es da nicht auch passiert? Andererseits werden manche meiner Huwelreich-Bücher gewiss nicht die für eine Titelschutzanzeige nötigen Kosten wieder wettmachen. (Für diejenigen, die kurz recherchiert haben, von wie viel Geld ich rede: Ja. Es ist wirklich so.)

Es wäre fast der erste Ein-Wort-Titel gewesen, den ich hätte verwenden können. (Außer „Die Giftprinzessin“) Ein-Wort-Titel sind toll.

Das besagte Buch mit meinem Wunschtitel gibt es schon seit 2014. Jetzt könnte ich natürlich den Autor bzw. seinen Verlag anschreiben und fragen, ob ich den Titel auch verwenden darf. Vielleicht sind das ganz freundliche Leute, die sagen: „Kein Problem!“ Aber erstens müsste ich dazu Menschen anschreiben, und ich habe davor immer solche Aaaangst, dass ich alles falsch mache und die Leute mich dann hassen! Und sie haben selbstredend das größte Recht, Nein zu sagen, schließlich besteht Titelschutz; und wer bin schon ich, dass ich mich erfreche, um so etwas zu bitten? Eine luschige Selfpublisherin. Die Antwort kann ja nur Nein sein.

Also, wie soll ich das Buch jetzt nennen? Burgunderblut und Wüstenstaub? Blöd. Burgunderblut und irgendwas? Ja, was denn? Ich hatte vorher wirklich wieder einen Wutanfall. Nicht wegen des anderen Autors und seines Verlags, denn die haben alles richtig gemacht (und konnten natürlich nicht wissen, dass sechs Jahre später eine Dilettantin sich denselben Titel wünschen würde); sondern wegen des Schicksals. Ich habe praktisch nie Glück; alles muss ich mir erkämpfen, und meistens bringt mir das Kämpfen nicht einmal das erstrebte Ergebnis ein.

Zum Glück gibt es nur ein Huwelreich! Es gibt nur ein Huwelre-eich! Mit meinen Nerven werde ich auf jeden Fall nicht alt. Und das will ich auch gar nicht.

Titel-Ideen:

  • Die Geisel und die Hunnin.
  • Wie vor tausend Jahren König Etzel (nein, natürlich nicht)
  • Wie ein burgundischer Vasall, der seinen König in Gefahr sieht (hehehe. Gute Kapitelüberschrift für Worms 4)
  • Attila war ein Lamm gegen mich
  • Können wir jetzt endlich mit den Wilhelm-II.- und Bismarck-Zitaten aufhören?
  • Schwert und Panzer. (Das fiel mir vor gar nicht langer Zeit ein, und ich fand es total lustig. Gefühlt jeder zweite Historienroman heißt heutzutage ja „Schwert und x“ (Schwert und Krone, Schwert und Taube, Schwert und Feuer, Schwert und Festmahl, Schwert und Schönheit, Schwert und Morgenstern), also praktisch Schwert und Blabla. Modern gesprochen: „Generic History/Fantasy Title“. Alle klingen gleich, sind schwer zu merken, aber man weiß, dass es irgendwas mit Fantasie und Früher zu tun hat. Aber „Schwert und Panzer“? Ist es nicht so, dass man bei diesem Titel erst stutzt, weil man zuerst ein Schwert und ein FAHRZEUG vor Augen hat? (Im I. WK nannten die Deutschen diese Fahrzeuge zuerst Tanks, wie die Engländer. Es gibt auch den Begriff „Think Tank“ für Denkertypen, den ich sehr toll finde. Ich würde auch gerne als Think Tank bezeichnet werden.) Dabei ist Panzer natürlich auch ein Wort für die Rüstung, die der Mensch trägt, für Kettenhemden, Schuppenpanzer, Kürass.
    Also, irgendwann würde ich diesen Titel schon verwenden wollen, und wenn es auch nur für eine Kapitelüberschrift wäre.
    Aber für Worms 1,5? Ich weiß immer noch nicht.
  • Worms 1,5 (Umwerfend. Berauschend. Wenigstens kann ich damit sicherstellen, dass nur echte Fans dieses Buch kaufen würden.)
  • Durchs wilde Hunnenland. (Ich weiß schon, auf wen ich anspiele X-D)
  • Der Vierzehnjährige, der auf einem schwarzen Hengst durchs wilde Hunnenland ritt und König Etzel eine Braut heimbrachte
  • Ruhm und Eisen (Oder klingt das schon zu aggressiv?)
  • Diener eines fremden Herrn
  • Offenbar gibt es kein Buch, das „Schwächling und Schurke“ heißt. Schön.
  • Ich glaube, man kann das Wort „Treue“ nicht im Titel eines Buches verwenden, ohne dass gleich eine Schar Menschen auf den Gedanken komme, hier schreibe ein Ewiggestriger böse Dinge.
  • König Etzels Azubi
  • Der Hunnenkönig und der ????
  • The Burgundians: Infinity Worms
  • Fern von Worms

Ich bin so traurig. Ich hätte so gerne diesen blöden Titel verwendet. Es ist ja nicht so, dass ich mit dem Buch viel Geld hätte verdienen wollen/können, denn ich hätte es allein schon zu einem viel geringeren Preis als die anderen angeboten: Schließlich sind die Leserinnen und Leser, die sich auch noch für einen Begleitroman, also ein Spin-Off, interessieren, ja die aller-allernettesten (die anderen sind natürlich alle auch super!), und von denen will ich nicht noch viel Geld verlangen, wenn sie mir schon so viel Freundlichkeit und Interesse schenken! Tatsächlich stehe nämlich ICH in DEREN Schuld.
Wie soll ich das doofe Ding jetzt nennen? Ich weiß es nicht. Eigentlich hätte mein nächster Blogartikel von einer Schriftart handeln sollen, die ich dieses Jahr gelernt habe, und wäre etwas positiver gewesen, aber nein, es gibt bei mir wieder nur Drama, Drama! Entschuldigung fürs Faseln, ich kann nicht anders.

Nachtrag: Ich habe einen Titel gefunden. Gleich morgen lasse ich eine Titelschutzanzeige veranlassen.