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Veröffentlichung: Der König von Burgund und die Geisel

Jeder kennt die Abenteuer von Siegfried dem Drachentöter – hier ist die Vorgeschichte seiner Feinde …
Die Königreiche Europas zittern vor Etzel, dem grausamen Hunnenkönig. Damit Burgund von seinen Reiterhorden verschont wird, muss König Gibich dem Hunnenherrscher eine Geisel stellen: Hagen von Tronje, den Sohn seines wichtigsten Beraters. Hagen schafft sich viele Feinde am Hunnenhof, doch Etzel beschließt, aus ihm den besten aller Krieger zu machen.
König Gibichs Sohn Gunther wird den Thron erben. Aber ist er wirklich geeignet, ein Reich zu führen? Gibich hegt seine Zweifel daran – da bricht ein Krieg aus zwischen Sachsen und Burgund …
Ein mächtiges Historienepos, das all die Abenteuer erzählt, die uns die alten Sagen bisher verschwiegen haben!

Der erste Band einer neuen Reihe über die Burgunden aus dem Nibelungenlied.
Der Roman ist keine Nacherzählung, sondern erweitert den bestehenden Sagenkosmos um neue Figuren und Geschichten.

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KvB 27. November 2018

Band 2 ist zu drei Vierteln geschrieben. Letzte Woche war die Krönungsszene dran; davor war ich richtiggehend aufgeregt, und dabei war ich nur die Autorin, und nicht die Figur, die gekrönt wird und fortan das Schicksal eines ganzes Königreichs auf ihren Schultern tragen muss!
Die Szene ist geschrieben, ist ausführlich und würdevoll, ganz wie vorgesehen. Interessante Zusatz-Infos: Bei der Krönung legt sich der künftige König vor dem Altar auf den Boden, die Arme in Kreuzesform ausgestreckt, genau wie der zu Weihende bei der Bischofsweihe. Der König ist dabei aber nicht allein, die anwesenden Geistlichen legen sich ebenfalls hin.

Danach ging es zurück zu den Hunnen; hier gibt es wie immer Kampf und Action, doch bald sind die Hunnenszenen endlich vorbei, dann heißt es: Alles Worms!

Band 1 wird noch immer überarbeitet; und überarbeiten ist bescheuert, wie euch jeder Autor versichern kann. Es ist schrecklich; man sieht jeden Fehler wie unter dem Vergrößerungsglas, gute Stelle sind praktisch nonexistent, denn hat man einmal den kritischen Blick eines bösmeinenden Kritikers angenommen, kann man alles hinterfragen, alles!
Schließlich soll das Buch ja so perfekt wie möglich sein – und das ist es, was das Überarbeiten so schrecklich macht: Kunst (man möge mir die Verwendung dieses Wortes an dieser Stelle nachsehen, doch im weitesten Sinne sind auch die Erzeugnisse von Selfpublishern Kunst, seien sie auch noch so stümperhaft, sofern man Kunst als Gegenbegriff zu „vernünftigem Zeitvertreib“ ansieht) ist keine Gleichung, sie ist nicht richtig oder falsch, aber das wissen wir ja alle. Kunst kann nie objektiv perfekt sein, höchstens subjektiv. In den seltenen Fällen, in denen ein vollkommenes Kunstwerk erschaffen wurde, wurde es übrigens nie von allen als perfekt anerkannt. WWV 86d. (Was sonst.)
Was dem einen Leser gefällt, findet die andere Leserin absolut schrecklich usw. Was das Potenzial hat, allen zu gefallen, kommt über das Mittelmaß nicht hinaus, aber Mittelmaß gefällt niemandem, man findet es höchstens ok.
(Überspitzt gesagt; nicht wörtlich nehmen, bitte. Ich möchte nur so tun, als könnte ich Kalendersprüche fabrizieren. Mittelmaß ist super, und jeder soll lesen, was ihn erfreut.)

In meinem Kopf zetert ein Heer bösmeinender Kritiker, und auch alle Nörgler, Trolle und Rezensenten, deren mehr oder weniger freundliche Beiträge ich je gelesen habe, geben ihren Senf dazu – glaubt mir, es gibt kein einziges Wort, das nicht irgendeiner beanstandet hätte. Dabei sind es nicht allein meine Kritiker, nein, nein, es sind alle! Wer auch immer sich zu egal welchem Buch von egal wem ausgelassen hat – seine Kritikpunkte suchen mich heim, und ich zweifle an allem.

Nur einen Kritikpunkt würde ich nicht gelten lassen, da stelle ich mich quer, und wenn das jemand beanstandet, ist es sein Problem, nicht der Fehler der Autorin:
Die Abwesenheit einer Liebesgeschichte. Hier gibt es keine Liebesgeschichte, Schluss, aus, Ende. Es gibt stattdessen Schlachten, das ist viel spannender!

Überarbeiten ist schrecklich, es verhält sich mit dem Überarbeiten geradeso wie mit den Prüfungen in der Schule: Man schuftet Tag und Nacht, dass ein gutes Ergebnis dabei herauskommt, man denkt an nichts anderes mehr, doch am Schluss will man nur noch, dass es vorbei ist. Das Ergebnis ist egal, nur endlich fertig sein!
An diesem Punkt bin ich auch bald. Bei meinen bisherigen 6 Veröffentlichungen war es genauso. Sind sie dann erst einmal veröffentlicht, ist alles wieder heiter, und ich kann das Buch in die Hand nehmen, darin herumlesen und mich darüber freuen. Dann ist es kein Projekt mehr, dann ist es ein Buch; und allein die Tatsache, dass es existiert, gibt ihm seine Existenzberechtigung. Fröhlicher Zirkelschluss, ohne den ich noch ganz den Verstand verlieren müsste. Wie Nietzsche, der verlor den Verstand, als er bei der Probe zur Götterdämmerung dabei war und schreckliche Kopfschmerzen bekam. (So wispert man in Wagnerianerkreisen.)

Also mache ich mich nun ans Überarbeiten, damit dieses Trauerspiel „Der König von Burgund Band 1“ endlich zu seinem Ende kommt.

KvB 19. Oktober 2018

Gestern habe ich 10.000 Wörter diktiert und festgestellt: Das neue Buch wird ca. 350 Seiten haben. Nun muss ich noch zwei Szenen schreiben: Beide spielen auf einer Jagd (das bin ich ja gewohnt, die Typen in meinen Büchern gehen ständig zum Jagen), und es wird auch geflirtet. Eine rustikale sächsische Königstochter flirtet mit dem Protagonisten, und danach flirtet gleich eine zweite mit ihm! Ich bin gar nicht sonderlich motiviert, ich mag keine Flirtszenen, vor allem nicht, wenn meine Wormser betroffen sind. (Die Flirtszenen in „Wie man einen Kaiser erpresst“ und „Der Kaiser von Huwelreich“ waren dagegen sehr schön zu schreiben, da gefiel es mir.) Außerdem muss ich noch zwei weitere Figuren näher einführen, die in den anderen Bänden noch eine wichtige Rolle spielen werden.

In „Der König von Burgund“ treten ja viele prominente Figuren des Nibelungenlieds auf. (An die Fans von Siegfried und Brünhild: Ihr werdet enttäuscht; und an die Fans von Alberich: Gibt es euch wirklich?) Außerdem treten viele Figuren auf, die von mir stammen: Bischof Gerd, Siegberth von Thüringen, Otto von Sachsen und sein Sohn Otto, Onkel Godomar, Aribo von Eiserntal, die Grafen von Heuchelheim und von Kriegsheim, der alte Herzog und wer nicht noch alles.
ABER (und das verrate ich nur hier auf meinem Blog, es ist also ein Geheimnis zwischen uns): Puristen, die sich über diese neuen Figuren ärgern, können sich freuen. Ich brauche nämlich viele Figuren als „Kanonenfutter“. Sie werden euch nicht ewig stören. 😉

Wenn ich so rekapituliere, was bisher meine Lieblingsszenen im Burgund-Buch waren, dann sind das einerseits natürlich die Szenen, in denen Worms eine wichtige Rolle spielt (Worms ist immer die mächtige Metropole. Aber manchmal fühlt sich Worms auch an wie Huwelreichs Gutensaat, niedlich und heimelig. Bloß, dass Worms zusätzlich die Hauptstadt der Intrigen ist.) Außerdem hatte ich schon ein paar Szenen, in denen Hagen Leute manipuliert oder mit wohlbedachtem Charme zu Dingen überredet, die sie gar nicht wollen, und ich liebe Manipulationsszenen! Und ich liebe die Szenen, in denen Hagen eiskalt oder aggressiv oder unnahbar oder zornig oder alles zugleich ist (also alle Szenen mit ihm). Das Lustige daran ist, dass er sich selber für einen Mann mit Stahlnerven hält.

Was ich nicht mag, sind Flirtszenen. Würden sie sich dabei über Vielvölkerstaaten unterhalten, dann könnte das was werden, aber wir sind hier nicht in Huwelreich, sondern in Sachsen. Über Wagner können sie sich auch nicht unterhalten, denn wir sind hier im Mittelalter … Allerdings erwähne ich, dass Gunther sich für Hildegard von Bingen interessiert. Die ist zur Zeit meines Buches das Flaggschiff der Medizin! Zur Recherche für mein Buch las ich sogar „Über Ursache und Entstehung der Krankheiten“. Das war interessant … Es wird auch einen Auftritt im Burgund-Buch haben, aber nicht im ersten Teil.

Ich sollte allmählich aufhören, denn, um es mit dem Friedenfelser zu sagen: „Verzeihen Sie, ich fasle.“ – Drückt mir die Daumen, dass meine Flirtszenen gelingen!

KvB 11. Oktober 2018

Das Projekt läuft! In zwei Wochen habe ich einen ganzen DIN-A4-Block vollgeschrieben, beidseitig! Das ergibt ca. 90 Buchseiten. Seit vorgestern allerdings bin ich am Diktieren, und während des Diktierens fühle ich mich immer so unproduktiv. Dann diktiere ich extra schnell, damit ich nicht so viel Zeit verplempere, und das Diktierprogramm versteht mich prompt noch schlechter. Leider beherrscht Dragon nur Konjunktiv I, nicht II. Welcher Konjunktiv wird bei meinen Büchern am häufigsten verwendet? Ja, genau … Auch mit Partizipien hat es Dragon nicht so, und je nach Laune schreibt es „Sie“ groß, der Höflichkeitsform wegen, oder klein. Und ständig tritt ein gewisser Marc Graf auf. Das erinnert mich gerade an den Botschafter Frankreichs 1870, Graf Benedetti, der Wilhelm I. auf der Kur ständig störte wegen der spanischen Thronkandidatur. Benedetti hieß Vincent; dabei wäre es viel lustiger gewesen, wenn er Benedetto geheißen hätte!

Noch ca. zwei Szenen, und „Der König von Burgund und die Geisel“ ist – fertig!
Dann folgt die aufwändige Korrektur des Diktierblödsinns, und danach wird es eine Weile auf Eis gelegt und anschließend erneut überarbeitet. Ich kann es schon gar nicht mehr erwarten, bis es erscheint! Es ist mein Lieblingsprojekt, und ich hoffe, dass es den Leserinnen auch so gefällt wie mir.

Die erste Hälfte/das erste Drittel von Band zwei sind übrigens auch schon geschrieben, und es geht actionreich weiter! Kämpfe, und Brände, und Diplomatie!

Titel-Casting: Das große Finale!

Heute ist es soweit: Wir enthüllen den Titel für meinen neuen Roman! Ab heute wird das Projekt nicht mehr kryptisch „KvB“ heißen, sondern einen richtigen Namen haben!

Nur noch zwei potentielle Titel sind im Rennen:
Der Kaiser von Berlin
und
Der König von Burgund

Wer kommt auf das Cover meines neuen Romans?

Wovon wird mein neuer Roman handeln?

Der Kaiser von Berlin:

Beinahe hätte das Leben dieses preußischen Prinzen und künftigen Königs gleich am Tag seiner Geburt wieder geendet, denn kaum war er auf der Welt, atmete er schon nicht mehr. Die Hebamme Fräulein Stahl war es, die ihm mit einem Handtuch so kräftige Schläge gab, dass er wieder zu Bewusstsein kam.
Der Arzt hatte bei der schweren Geburt Wilhelms linken Arm irreparabel verletzt – der Arm blieb sein Leben lang verkürzt, selbst eine normale Benutzung von Messer und Gabel war Wilhelm nicht möglich.

Seine narzisstische Mutter verzieh ihm diesen Makel nie, und bestrafte alle kindliche Zuneigung mit Bitterkeit und Kritik. Noch Jahre später erzählte Wilhelm dem russischen Außenminister, dass ihn seine Eltern nie geliebt hatten. Der russische Außenminister war weniger mitfühlend als vielmehr befremdet.

Seine Großeltern väterlicherseits hatten ihn dafür umso lieber, denn sie waren keine Geringeren als Wilhelm I. und Augusta, Kaiser und Kaiserin des Deutschen Reiches.

Am 15. Juni 1888, nach dem frühen Tod seines schwerkranken Vaters, bestieg Wilhelm im Alter von 29 Jahren den Thron. An seiner Seite: Fürst Otto von Bismarck, Kanzler und Genie, Architekt der deutschen Einheit von 1871 und Meister der Bündnispolitik. (Nach anderer Lesart: „Dämon“, Unterdrücker und Kriegstreiber, Machiavellist und Ränkeschmied.)

18. März 1890: Nach verschlungenen Intrigen wurde Bismarck nahegelegt, sein Rücktrittsgesuch zu verfassen. Das letzte. (Es war das einzige von mehr als einem Dutzend Rücktrittsgesuchen, das angenommen wurde.)
Als „Alter im Sachsenwald“ wütete er fortan gegen den Kaiser, legte testamentarisch fest, dass auf seinem Grabstein nur „Fürst von Bismarck, ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“ stehen sollte, und veröffentlichte in einer ihm treuen Hamburger Zeitung geheime Staatspapiere. Man wecke niemals den Zorn eines Bismarck!

Wilhelm II. ließ das Bündnis mit Russland auslaufen, band sich noch enger an Österreich-Ungarn, schickte Transvaals Ohm Kruger ein Glückwunschtelegramm zur erfolgreichen Zurückschlagung des Jameson-Raids, wurde daraufhin von den internationalen Medien verdammt für die Beglückwünschung; stieß mit seinen Reden Leute vor den Kopf, erklärte seinen Soldaten gleich nach der Thronbesteigung, dass sie im Falle eines Falles selbst auf ihre Väter und Brüder schießen müssten; war Wagnerfreund, gewann Kolonien; er verhinderte nicht den Völkermord an den Herero und Nama, er entsetzte die Weltöffentlichkeit mit der Hunnenrede, er war ein Jäger furchtbaren Ausmaßes, er kümmerte sich nicht um Standesschranken; als er einmal bei einem Besuch in Deutschlands Osten erfuhr, dass ein Dorf drüben in Russland völlig niedergebrannt war, fuhr er kurzerhand hin und schenkte den obdachlosen Bauern Geld für den Wiederaufbau; in der Weihnachtszeit schritt er mit dem weißen Mantel und dem Adlerhelm auf dem Kopf durch Berlins Straßen und verteilte Geld an Arme, und er erklärte noch im Exil: „Ich habe den Krieg nicht gewollt.“

Vielfältig interessiert, sprunghaft und intelligent – er entwarf Uniformen, leitete Ausgrabungen, malte und zeichnete, entwarf eine Eschenbach-Statue für das Wagnerdenkmal in Berlin, schrieb Bücher, erfand die Wattestäbchen, führte Wetterbeobachtungen, dirigierte, ohne Dirigieren gelernt zu haben, wusste alles über Schiffe, wollte „sein eigener Bismarck“ sein, und im Kriege wurde er immer mehr zu einem Schattenkaiser, an die Wand gedrängt von der mächtigen OHL. Über seine Rolle beim Ausbruch des Weltkrieges wurden schon tausende von Seiten geschrieben, und noch immer besteht kein Konsens unter den Historikern. Er träumte noch im Exil davon, dass er wieder zurück auf den Thron gelangte, und sah schon seine Chancen steigen mit einer neuen aufsteigenden Partei – zumal einer der Partei-Granden ihm versicherte, sie wollten die Monarchie wiedereinführen. Wir wissen, was geschah, und auch Wilhelm erkannte, dass keine Aussicht auf Rückerlangung seines Throns bestand. Er empörte sich über die Ereignisse des 9. November 1938, und doch schickte er noch 1941 ein Glückwunschtelegramm zum Sieg über Frankreich. In seinem Namen erschien im Jahre 1938 in einer US-amerikanischen Zeitung ein Interview zu Deutschlands Regierung, in dem Kaiser Wilhelm II. verriet, was er vom Kanzler und Reichspräsidenten hielt: „Nichts.“ „But of our Germany, which was a nation of poets and musicians, of artists and soldiers, he has made a nation of hysterics and hermits, engulfed in a mob and led by a thousand liars or fanatics …“ (Zit. n. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen „Gott helfe unserem Vaterland. Das Haus Hohenzollern 1918-1945“, München 2003, S. 150)
Für jede Aussage von Wilhelm II. findet man eine andere, die das genaue Gegenteil verkündet. Was er hasste, liebte er, und was er liebte, hasste er. Er machte Scherze und hatte einen gewaltigen Hang zum Aufschneiden, und meinte er wirklich alles ernst, was er sagte? Sein Heer und seine Marine bereiteten ihm riesige Freude – aber wollte er sie wirklich einsetzen? Manchen schien es, als freue er sich daran wie ein Kind, das sein Spielzeug nicht kaputtmachen will. Hat er den Krieg gewollt? War es ein Präventivkrieg, lange geplant im deutschen Generalstab? Schlitterte Wilhelms Deutschland wie alle anderen ungewollt in einen Weltkrieg? War er unzurechnungsfähig? War er eiskalt und berechnend? War er überfordert mit seinem Amt? War er ein Schurke, der seine narzisstische Wunde mit Weltherrschaftsplänen zu heilen trachtete, oder war er eine tragische Gestalt, im Herzen ein schwacher Monarch, hinter dessen Pomp und Gloria nur ein Junge kauerte, der geliebt werden wollte? Können wir ihn je verstehen, durchschauen? Konnte er es denn selber?

Der König von Burgund:

Gunther von Burgund gilt allgemein als schwacher Monarch. Er steht im Schatten seines übermächtigen Lehnsmanns und Beraters, und seine herausragende Eigenschaft im Nibelungenlied ist die Wankelmütigkeit. Aber er ist auch durchaus liebenswürdig, will eigentlich mit allen gut Freund sein, mehrt gerne den Reichtum Burgunds, verschließt sich mit Vorliebe der Realität, und ist ganz schön intelligent, denn er liefert sich mit Hagen ein paar der besten Wortwechsel des Epos, voller Subtext politischer und persönlicher Natur. Subtext ist super. Eigentlich ist Gunther ganz Gentleman, denn bei der Donauübersetzung spricht ihn Hagen missgelaunt mit „Du“ an, und Gunther bleibt respektvoll beim „Ihr“. Kritik durch vorbildliches Verhalten – das ist die feine rheinische Art.
In der Lesart aller Leser sind seine Kampfkünste nur solala – er übersteht den Kampf gegen die Hunnen, den Brand des Saals, den Kampf gegen Rüdegers Männer und gegen die Männer von Dietrich von Bern, und das über mehrere Tage hinweg. Ich glaube, im Vergleich zu den Wormsern sind alle anderen Helden Weichlinge.

Hagen ist Gunthers treuester Lehnsmann und Berater. Er ist praktisch sein Bismarck. Oder Metternich. Oder Rainald von Dassel. Oder Mercurino Gattinara. – Genug der treuen Monarchisten, Hagen braucht keinen Vergleich. Er ist schließlich der Prototyp des treuen Monarchisten. Er ist viel cooler als die anderen Figuren des Nibelungenlieds, denn er ist treu, klug, listig und ein überragender Kämpfer. Manche sagen, er sei ein Verräter, weil er Siegfried umbringt – aber warum um Himmels willen sollte er einem Kerl treu sein, der nicht sein König ist? Und selbst wenn der Kaiser von China zu Besuch nach Worms käme, müsste Hagen ihm auch nicht treu sein. Er ist, um einen unzeitgemäßen Begriff zu bemühen, Realpolitiker durch und durch. Er ist immer bedacht auf die Ehre des Reiches. Und auf die eigene Ehre, denn wenn jemand seine Ehre zu kränken wagt, stirbt er lieber, als dass er diese Kränkung auf sich sitzen lässt. Er schmiedet gerne Ränke, und in Wagners Götterdämmerung ist er übrigens ein Hobby-Giftmischer und mobilisiert mit Vorliebe das Heer.

Die Handlung des Nibelungenlieds ist ja weithin bekannt. (Tumber Held kommt in die Metropole Worms, führt sich rüpelhaft auf, Wormser beschwichtigen ihn, benutzen seine Heldenkraft als Werkzeug für diverse ehrliche und unehrliche Unternehmungen, tumber Held heiratet Kriemhild, Gunther heiratet Brünhild, Frauenstreit, Wormser bringen Siegfried um aus Gründen der Ehrenrettung der Königin (im Mittelalter brachte man sich schon wegen viel geringerer Vergehen um! Markgraf Ekkehard von Meißen musste sterben, weil er das Essen der Schwestern von Kaiser Otto aufaß!), Hagen versenkt Schatz im Rhein, weil er als der Konservativste aller Konservativen auch nur konservativen Vermögensanlagestrategien vertraut, Kriemhild heiratet Etzel, Kriemhild lädt die Wormser ins Hunnenland ein, Kriemhild lässt 9000 Wormser Knappen umbringen, Hagen bringt Kriemhilds Kind um, Gemetzel bei Etzel, alle sind tot, bis auf die großen Drei, die sterben im Kapitel danach, fertig.) – Den Menschen des Mittelalters gefiel dieses abrupte, mächtige, paukenschlagähnliche Ende aber nicht. Irgendjemand dichtete eine lange Fortsetzung, in der es um die Trauer der Überlebenden geht, um die Beisetzungszeremonien, und in der im Übrigen Kriemhild von aller Schuld reingesprochen wird. (Frag mal einer die Mütter der armen 9000 Knappen.) Nein, nein, die Figuren des Nibelungenlieds sind alle moralisch grau, bis auf die weise alte gute Ute, die Mutter, aber auf weise alte Mütter hört ja nie jemand.

Widmen wir uns lieber der Vorgeschichte der Ereignisse! Den Kampf mit dem Drachen kennt jeder, aber was machten die Wormser früher? Als Siegfried nach Worms gehen wollte, warnte ihn sein Vater vor den gefährlichen Burgunden. Wie kamen sie zu diesem Ruf? Was für Ränke schmiedeten sie, welche Intrigen haben sie ersonnen?

Wir treffen Gibich, den alten König mit der Leidenschaft für Giftanschläge. An seiner Seite sein treuer Berater, der alte Herzog von Tronje, grantig und verlässlich. Er hütet düster ein böses Geheimnis. Wir treffen Otto von Sachsen, den König mit dem Herzen am rechten Fleck und der leeren Schatzkammer. Und wir treffen die prominenten Figuren: Kriemhild, die schon in der Jugend einen Hang zum Ränkeschmieden hat, aber ihre Listen hinter einer lieblichen Fassade versteckt. Gunther, der unglückselige Thronerbe, der beim Turnier immer aus dem Sattel fällt, dessen intellektuelle Neigungen der Vater verachtet, und der zum Ränkeschmied wird, weil er den offenen Kampf nicht wagt. Dabei will er doch nur ein guter König sein, aber seine Furcht vor der Macht ist Schwäche, und Burgunds Fürsten zerfleischen sich gegenseitig wie ein Wolfsrudel. – Und wir treffen auf Hagen, den Verwandten der Königsfamilie, der als Geisel am Hunnenhof leben muss bei König Etzel. Er würde am liebsten Priester werden, denn ihm als Neffe von König Gibich würde einst ein Bistum winken, und Bischöfe sind einflussreiche Besitzer von Grund und Hörigen, Politiker, die man nicht übergehen darf. Das mit dem Priestertum wird freilich nichts, und Hagen wird zum unbeugsamen Krieger. Bis er merkt, dass er auch Talent zur Diplomatie hat, und wer die Zunge und das Schwert zu führen weiß, ist ein gefährlicher Mann … Wir treffen außerdem auf Dietrich von Bern, Walther von Spanien, Volker von Alzey, Giselher und natürlich Gernot, Bischof Gerd von Worms, und das Pferd namens Totenwache ist auch dabei!

Wer kommt auf das Cover meines neuen Romans? Wer ist es?

Wann erfahren wir es?

Sag es uns!

Ich muss die Verkündung des Siegers noch zwanzig Minuten hinausziehen (so gehört sich das bei Castingshows), also machen wir erst einmal ein bisschen Werbung:

General Rudolf von Kückenstaal hat kein Talent zum Schlachtenlenker. Seine Frau Susanna dagegen ist ein Genie im Erstellen von Operationsplänen. Rudolf ist Mitarbeiter im Generalstab, seine Pläne aber stammen von seiner Frau. Dank ihres Talents gewinnt das Kaiserreich Huwelreich seine Feldzüge – doch eines Tages stirbt Rudolf. Das ist nicht nur eine Tragödie für seine Frau, das ist eine Tragödie fürs ganze Kaiserreich: Ohne Susannas Pläne wird Huwelreich seine Kriege wieder jämmerlich verlieren. Doch eine Frau beim Heer, das ist undenkbar … Da beschließt Susanna, den Tod ihres Mannes zu vertuschen und sich als General Rudolf Kückenstaal auszugeben. Es beginnt der größte Skandal, den Huwelreich je erlebt hat.

Der neue verrückte Roman von Lili Vogel erscheint demnächst!

Werbung Ende

Wer kommt auf das Cover – gut jetzt!

Bejubelt mit mir den Sieger:

Es ist „Der König von Burgund“! Exakter Titel: „Der König von Burgund und die Geisel“. Die Wormser haben gewonnen! Juhu!

Und ein Trostpreis für alle, die traurig sind, weil nicht „Der Kaiser von Berlin“ gewonnen hat:
Ich habe bereits ein Buch zum Thema geschrieben. Eigentlich fünf.

Denn Kaiser Johann von Hohenmeiningen ist zu einem Drittel inspiriert von Kaiser Wilhelm I., zu zwei Dritteln aber von Kaiser Wilhelm II., so, wie ihn seine Freunde und Anhänger sahen. Kaiser Johann hat tausend Hobbys, ist immer gut drauf, immer voller Tatendrang, raubt allen anderen den letzten Nerv, Kaiser Johann will jeden Tag Geburtstag haben, immer geliebt sein, aber er würde nie etwas Böses tun wollen. Er ist im Herzen immer Kind geblieben, das spielen will, und im tiefsten Innern hat er nur gute Absichten.

Und noch eine weitere Figur ist von Kaiser Wilhelm II. inspiriert, nämlich Guntram von Friedenfels. (Zu 50 Prozent ist er caußerdem von Franz Joseph inspiriert, und zu ca. zehn Prozent vom Merowingerkönig Guntram, der zum Teil wiederum ins Nibelungenlied einging als Gunther, und meine Figuren sind praktisch alle dieselben.) Der Friedenfelser ist so, wie Wilhelm sein wollte. Folgendes Zitat von Wilhelm ist die Basis seiner beiden literarischen Alter Egos (Zit. n. Michael Balfour, Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit, 1979 Frankfurt-Berlin-Wien, S. 272)

„Ich habe mir gelobt, auf Grund meiner Erfahrungen aus der Geschichte niemals nach einer öden Weltherrschaft zu streben. Denn was ist aus den großen sogenannten Weltreichen geworden? Alexander der Große, Napoleon der Erste, alle die großen Kriegshelden, im Blute haben sie geschwommen und unterjochte Völker zurückgelassen, die beim ersten Augenblick wieder aufgestanden sind und die Reiche zum Zerfall gebracht haben.
Das Weltreich, das ich mir geträumt habe, soll darin bestehen, daß vor allem das neuerschaffene Deutsche Reich von allen Seiten das absolute Vertrauen als eines ruhigen, ehrlichen, friedlichen Nachbarn genießen soll und daß, wenn man dereinst vielleicht von einem Deutschen Weltreich oder einer Hohenzollernweltherrschaft in der Geschichte reden sollte, sie nicht auf Eroberungen begründet sein soll durch das Schwert, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen, kurz ausgedrückt, wie ein großer Dichter sagt: ‚Außenhin begrenzt, im Inneren unbegrenzt‘.“

Und deshalb erkennt man Züge von Kaiser Wilhelm in allen bis jetzt erschienenen Huwelreich-Büchern: Der Kaiser von Huwelreich, Die Rose von Huwelreich, Wie man einen Kaiser erpresst, Der König von Blauwittern, und im bald erscheinenden „Der Kaiser, sein Feind und der Krieg“. Überall ist Wilhelm dabei.

Das neue Buch aber wird „Der König von Burgund“ heißen, und es bleibt noch viel zu tun! Die dramatischsten Szenen fehlen noch, Feuersbrunst, Kriege, Morde – was es eben so gibt im sagenhaften Mittelalter.

Und hiermit geht das Titel-Casting zu Ende, und ich verabschiede mich für heute, denn ich muss weitergehen ins Hunnenland und nach Worms.

Titel-Casting: Halbfinale

Wir stehen bereits im Halbfinale! Von den angetretenen acht Kandidaten sind nur noch drei übriggeblieben, und nach der heutigen Runde stehen die zwei Finalisten fest! Denn nur einer kann der nächste Buchtitel werden!

Das sind sie:

Der Kaiser von Byzanz
Intrigen, Morde, Verstümmelungen, Kriege, Exilprinzen, Bildersturm und Kreuzzüge, Osmanen und Belagerung – unter dem vorwurfsvollen Blick goldener Ikonen fließen Ströme von Blut, und niemandem kann man trauen.

Der König von Burgund
Gibt es ein Leben vor dem Untergang? Auch Schwächlinge und Schurken haben eine Vorgeschichte, und Worms war früher Metropole.

Der Kaiser von Berlin
Er war immer unterwegs, er war an allem interessiert, er mochte Meteorologie, Wagner, Pferde und Zerstörer, manche sagen, es war nicht seine Schuld, sondern sein Schicksal, wie ein Schlafwandler stolperte er in die Urkatastrophe – manche sagen, er war ein Kriegstreiber, ein Säbelrassler, Bramarbaseur und Ungeheuer – wer war er wirklich? Hat er es wirklich gewollt?

Im neuen Roman wird es dramatisch zugehen; es wird mehr Action geben als in meinen anderen Büchern, weniger Liebe, mehr Gift, mehr Kriege, mehr Schlachten, mehr Kühnheit! Den heißen Steppen des Ostens (Hunnen? Bagdadbahn? Osmanen?) werden wir ebenso begegnen wie den lieblichen Gefilden Europas. Wir treffen auf geniale Feldherren (Belisar? Moltke? Etzel?), prächtige Kirchen (Hagia Sophia? Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche? Wormser Dom?) und schöne Frauen (Kriemhild? Sisi? Theophanu?)

Wenn der Sieger „Der Kaiser von Byzanz“ heißt

  • werden nicht viele Leute das Buch lesen, denn Byzanz ist im deutschsprachigen Kulturraum ziemlich in Vergessenheit geraten. (Die erste Hälfte des Satzes trifft übrigens auf alle Lili-Vogel-Romane zu.)
  • wird das Buch einen Absatz zur Gewinnung des teuersten Farbstoffs der Welt enthalten, des Purpur. Dafür müssen arme Purpurschnecken sterben!
  • wird Griechisches Feuer mitspielen, dieser Brennstoff, der auch auf dem Wasser weiterbrennt und bei Seeschlachten zum Einsatz kam

Wenn der Sieger „Der König von Burgund“ heißt

  • wird es kein historischer Roman sein, weil es natürlich um König Gunther und Hagen von Tronje usw. geht, weil ich eine Schwäche für Monarchen und ihre Berater habe
  • werde ich Gunther und Hagen Dutzende abgewandelte Wilhelm- und Bismarck-Zitate unterjubeln („Setzen wir Burgund sozusagen in den Sattel, reiten wird es schon können“, „Es ist schwer, König unter Hagen zu sein“, „… aber sterben müssen wir früher oder später doch, und können wir ehrenvoller umkommen? Ich selbst im Kampfe für die Sache meines Königs, und Ihr, mein Herr, indem Ihr Eure königlichen Rechte mit dem eignen Blute besiegelt …“) Nur „Eisen und Blut“ wäre ja zu wenig.
  • wird es um die Vorgeschichte der Wormser gehen, lange bevor Siegfried, weil ich den nicht leiden kann

Wenn der Sieger „Der Kaiser von Berlin“ heißt

  • wird es um Kaiser Wilhelm II. gehen, und Bismarck ist auch dabei (nicht für lange, leider …)
  • werde ich Wilhelm und Bismarck natürlich Zitate der Burgunden aus dem Nibelungenlied unterjubeln, aber nicht auf Mittelhochdeutsch
  • wird die Anekdote enthalten sein, die sich einmal in Schönbrunn abspielte: Kaiser Wilhelm II. ging mit Franz Joseph durch das Billardzimmer und bemerkte dabei einen Türsteher (Büchsenspanner), den er kannte. Er „ließ unseren Kaiser (Franz Joseph) stehen, eilte auf den Büchsenspanner zu, schüttelte ihm die Hand und begrüßte ihn wie einen intimen Freund. Das hat den Kaiser (Franz Joseph) sehr verstimmt.“ (Zit. nach Eugen Ketterl, „Der alte Kaiser, wie nur Einer ihn sah“, e-book Position 2597)
    Da war der Franzl freilich pikiert, und der ganze Wiener Hof. Die Frage, die dagegen mich umtreibt: Kaiser Wilhelm kannte sogar einen Wiener Türsteher??

Es ist soweit. Heute werden die Finalisten verkündet.

Weiter sind: Der Kaiser von Berlin und der König von Burgund!

Nächste Woche: Das große Finale!

Titel-Casting Runde 5

Wie wird mein neuer Roman heißen? Wir machen ein Casting, um den Titel zu ermitteln!

Kaum zu glauben, dass am Ende der heutigen Runde nur noch die Top 3 übrigbleiben werden!

Byzanz, Böhmen, Burgund und Berlin: Nur einer kann Lili Vogels next Booktitle werden. Nur einer kommt auf das Cover meines neuen Buches.

Im neuen Roman gibt es Schlachten und Kriege, stolze Pferde und unglückselige Herrscher, Eroberer und Bischöfe, Brandschatzung und Intrigen. Womit wird gekämpft werden? Mit Kanonen, mit Schwertern oder mit griechischem Feuer? Wie wird der Schauplatz heißen? Konstantinopel, Berlin, Worms oder Wien?

Wird der Titelheld am Ende sterben? Auf der Flucht erschlagen von seinen Feinden, einsam im Exil, in den Straßen seiner brennenden Stadt, im Kerker seines Schwagers? Oder gar in der Schlangengrube à la Edda? (Wobei das nur der zweitbrutalste Tod der Wölsungasaga ist, es geht noch viel böser. Fans der nordischen Mythologie wissen, was ich meine …) Oder wird der neue Roman enden, bevor alle tot sind? Und wer sind die Feinde von KvB? Habsburger, Engländer, Hunnen, Bulgaren? Franzosen, König Rudolf, Sachsen, Osmanen?

Lieber König von Böhmen,
ich habe heute leider kein Cover für dich.

Die verbliebenen Kandidaten:

Der Kaiser von Brasilien
Freiheit vom Mutterland, ein Kaiser, der die Bayreuther Festspiele besucht, und eine Prinzessin, die endlich die Sklaverei abschafft.

Der Kaiser von Byzanz
Intrigen, Morde, Verstümmelungen, Kriege, Exilprinzen, Bildersturm und Kreuzzüge, Osmanen und Belagerung – unter dem vorwurfsvollen Blick goldener Ikonen fließen Ströme von Blut, und niemandem kann man trauen.

Der König von Bayern
Ein König, ein Schloss, ein Genie! Wagner, und Psychiater, und Wagner, und Tändeleien mit Rossknechten, und Wagner!

Der König von Belgien
Ehestifter für Queen Victoria und erster König des unabhängigen Belgien – das ist doch einmal eine Karriere, die sich sehen lassen kann!

Der König von Böhmen
Der Kampf des 13. Jahrhunderts: Der Kampf um Österreich. Der König von Böhmen gegen Rudolf I. von Habsburg. Man kann sich denken, wer gewann.

Der König von Burgund
Gibt es ein Leben vor dem Untergang? Auch Schwächlinge und Schurken haben eine Vorgeschichte, und Worms war früher Metropole.

Der Kurfürst von Brandenburg
Er besiegte die Schweden. Er führte die Umsatzsteuer ein. Er begründete Preußens Aufstieg.

Der Kaiser von Berlin
Er war immer unterwegs, er war an allem interessiert, er mochte Meteorologie, Wagner, Pferde und Zerstörer, manche sagen, es war nicht seine Schuld, sondern sein Schicksal, wie ein Schlafwandler stolperte er in die Urkatastrophe – manche sagen, er war ein Kriegstreiber, ein Säbelrassler, Bramarbaseur und Ungeheuer – wer war er wirklich? Hat er es wirklich gewollt?

Wie es weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche!

KvB – 12. September 2018

Die letzten Tage schrieb ich an einer Verfolgungsjagd. Morgen werde ich damit fertigwerden, dann kommt endlich der Teil, auf den ich mich am meisten gefreut habe. Es wird dramatisch, ein Fluss ist auch noch beteiligt, und es ist praktisch eine Umkehrung des Staatsstreichs von Kaiserswerth. Damals gaben die Entführer des kleinen Heinrich IV. Acht, dass ihr Monarch nicht ins Wasser fällt. Bei KvB dagegen verhält sich alles ein wenig anders … Zuvor gab es ein paar Reiseszenen, und vorher schrieb ich an einer Kampfszene. Und wenn ich dann morgen die Verfolgungsjagd beendet habe, lasse ich KvB (die Figur) wieder eine Weile in Ruhe und schreibe über Protagonist Nr. 2. Den mag ich noch einen Tick mehr als KvB, weil er so zäh, launisch und jähzornig ist. Für eine literarische Figur sind das großartige Eigenschaften, für einen echten Menschen dagegen nicht unbedingt.
KvB ist ja ein Zauderer. Das blitzt in jeder Szene auf. Zauderhaftigkeit ist eine schlechte Eigenschaft für fiktive Figuren, die Zögerlichen scheinen dumm, langweilig und sie verlocken den Leser, das Buch anzuschreien, auf dass diese Gurke aus Buchstaben sich endlich, endlich entscheiden möge. Zauderer können den spannendsten Spannungsbogen mit ihrer gutgemeinten Untätigkeit ersticken. Wie verhindert man, dass die Geschichte in der Passivität ihrer Protagonisten versumpft? Indem man dem Zauderer Dilemmas inklusive Deadline aufzwingt, oder indem man ihm einen Macher an die Seite stellt, am besten einen Draufgänger und Trotzkopf. Der kann mit seiner Entschlossenheit den Zauderer entweder zu völliger Entscheidungslosigkeit verführen, sodass der Zauderer einfach alles abnickt (literarisch langweilig), oder aber sein Draufgängertum weckt den Widerstandswillen des Zauderers, dem alles zu schnell geht, und der lieber einen Gang zurückschalten würde – ein guter Nährboden für Konflikte!
Und irgendwann muss ich das fertige Buch über den General korrekturlesen, aber mich graust es vor dem Humbug, den das Diktierprogramm da hineingeschrieben hat.

Und weil es gerade um die Diktierfehler vom lieben Diktierprogramm geht, hier ein paar aktuelle Blödsinnssätze aus KvB:

Alle, alle kriechen sicher weil Millionen!

Sie ritten heran auf ihren herrlichen Pferden, stolze Rentner mit feinen Köpfen; der Adler auf dem Banner trug Kühn eine Krone und bald den Schlüssel von St. Peter in den klauen,

in chronischer Dummheit

Letzte Woche war er jeden Tag hier hinausgeritten und hatte gewartet auf die Gesandtenbaukunst

Er kam auf sie zu! Hatte er schlimme Kumpel zu übermitteln?

Eine Lärche schoss Folien in die Höhe.

Titel-Casting Runde 4

Wie wird mein neuer Roman heißen? Wir machen ein Casting, um den Titel zu ermitteln!

Letztes Mal beim Titel-Casting zu KvB:
Der König von Belgien hat uns verlassen. Kein Roman über Sachsen-Coburg-Gotha. Zum Abschied hat er noch an alle Pralinen verteilt, das war sehr freundlich.

Diese Woche ging es sehr dramatisch zu. Der Kaiser von Byzanz beschuldigte den Kaiser von Brasilien, er habe schlecht über ihn geredet! Der Kaiser von Brasilien stritt alle Vorwürfe ab und erklärte, er habe nur die byzantinische Tradition, unliebsame Thronanwärter durch Verstümmelung von der Thronfolge auszuschließen, getadelt. Der König von Böhmen sagte, andere Länder hätten andere Sitten, und der Kaiser von Berlin hat den Streit geschlichtet, indem er die Monarchen zum Papierschiffefalten einlud. Er wollte nämlich eine Armada im Springbrunnen fahren lassen.
Die letzten Tage wurde es wieder kälter, da trifft es sich gut, dass der Kaiser von Berlin auch gerne Holz sägt, da hatten wir immer Brennmaterial.

Während zwischen den einen Monarchen Feindschaften entstehen, entwickeln sich zwischen den anderen Freundschaften. Nachdem der Kaiser von Berlin den König von Burgund zunächst für einen Schwächling hielt, weil der behauptet hat: „Ein König ist immer nur so weise wie sein Berater“, haben sie sich jetzt besser kennengelernt und erkannt, wie ähnlich sich ihre Schicksale sind. Der König von Burgund beklagte sich nämlich letzthin, dass sein Halbbruder so gerne mobilisiere; da sagte der Kaiser von Berlin: „Mein Vetter auch!“ Allerdings versucht der Kaiser von Berlin den König von Burgund noch immer davon zu überzeugen, dass er doch sein eigener König sein solle und seinen trotzigen Berater endlich entlassen solle – der König von Burgund verschließt sich aber allen derartigen Vorschlägen und sagt nur: „Das kann man seinem treuesten Berater doch nicht antun!“ – „Macht ihn doch zum Herzog, das wird ihm den Abschied versüßen!“ – „Er ist bereits Herzog. Und ohne ihn, wie sollte ich da mein Reich regieren? Wir gingen ja alle unter!“

Als „Challenge“ (wie man das heutzutage nennt) führten wir diese Woche ein Pferderennen durch, denn in meinem neuen Buch wird heftig galoppiert! Der Kaiser von Berlin durfte wegen seines Handicaps zehn Sekunden früher starten, doch schon bald zogen der König von Böhmen und der König von Burgund an ihm vorbei. Trotzdem waren wir alle beeindruckt von den preußischen Reitkünsten. Auch der Kaiser von Brasilien und sein Pferd schlugen sich wacker. Der Kaiser von Byzanz jedoch war nicht sonderlich mit seinem Pferd verwachsen. Er sollte vielleicht öfter das Galoppieren üben als das Spinnen von Intrigen. Es gewann schließlich der König von Burgund und konnte es selber kaum glauben. Er sagte bescheiden, wir hätten seinen Berater sehen sollen, der könne reiten wie ein Hunne! Der Kaiser von Berlin fragte: „Richtige Hunnen oder meine Leute?“

Viel ist also passiert bei meinen Monarchen, doch nur einer kann Lili Vogels next Booktitle werden.

Der Moment der Entscheidung ist gekommen. Wieder wird uns ein Kandidat verlassen!

Er war vielfältig interessiert an Wissenschaft und Kultur. Er war in Bayreuth bei Wagners Ring. Er wurde gestürzt, die Monarchie wurde abgeschafft, und er ging ins Exil, wo er als alter Mann starb.

Zwischenruf Kaiser von Berlin: „Das bin ja ich! Aber ich will doch Lili Vogels Next Booktitle werden! Ich will nicht herausfallen!“

Jury: „Halt! Euer Majestät waren nicht beim Ring!“

Kaiser von Berlin: „Ach so, da hast du Recht. Ich bin es nicht, ich war beim Parsifal!“

So, weiter geht’s:

Lieber Kaiser von Brasilien,
ich habe heute leider kein Cover für dich.

Die verbliebenen Kandidaten:

Der Kaiser von Brasilien
Freiheit vom Mutterland, ein Kaiser, der die Bayreuther Festspiele besucht, und eine Prinzessin, die endlich die Sklaverei abschafft.

Der Kaiser von Byzanz
Intrigen, Morde, Verstümmelungen, Kriege, Exilprinzen, Bildersturm und Kreuzzüge, Osmanen und Belagerung – unter dem vorwurfsvollen Blick goldener Ikonen fließen Ströme von Blut, und niemandem kann man trauen.

Der König von Bayern
Ein König, ein Schloss, ein Genie! Wagner, und Psychiater, und Wagner, und Tändeleien mit Rossknechten, und Wagner!

Der König von Belgien
Ehestifter für Queen Victoria und erster König des unabhängigen Belgien – das ist doch einmal eine Karriere, die sich sehen lassen kann!

Der König von Böhmen
Der Kampf des 13. Jahrhunderts: Der Kampf um Österreich. Der König von Böhmen gegen Rudolf I. von Habsburg. Man kann sich denken, wer gewann.

Der König von Burgund
Gibt es ein Leben vor dem Untergang? Auch Schwächlinge und Schurken haben eine Vorgeschichte, und Worms war früher Metropole.

Der Kurfürst von Brandenburg
Er besiegte die Schweden. Er führte die Umsatzsteuer ein. Er begründete Preußens Aufstieg.

Der Kaiser von Berlin
Er war immer unterwegs, er war an allem interessiert, er mochte Meteorologie, Wagner, Pferde und Zerstörer, manche sagen, es war nicht seine Schuld, sondern sein Schicksal, wie ein Schlafwandler stolperte er in die Urkatastrophe – manche sagen, er war ein Kriegstreiber, ein Säbelrassler, Bramarbaseur und Ungeheuer – wer war er wirklich? Hat er es wirklich gewollt?

Wie es weitergeht, erfahrt ihr nächste Woche!

KvB 09. September 2018 oder Gejammer

Ganz ehrlich? Bücher schreiben kann schön sein, berauschend, wundervoll und großartig. Bücher schreiben kann schrecklich sein, deprimierend, nervig, deprimierend und frustrierend. Man kann sich monatelang mit einem Projekt wohlfühlen, oder man kann monatelang an einem Projekt herumknabbern, und einfach keine Freude am Schreiben finden. Oder man kann zwischen diesen beiden Extremen oszillieren, mehrmals die Woche, mehrmals am Tag, mehrmals in der Stunde.

KvB ist mein Lieblingsprojekt, es soll großartig werden, und ich hasse KvB, wie ich sonst nur „Die Rose von Huwelreich“ gehasst habe. Manchmal liebe ich KvB, ich bin zufrieden, ich baue Zitate ein und habe einen Heidenspaß dabei – und dann ist wieder alles miserabel, jeder Satz ist ein Klischee, alles war schon mal da, das Buch hat keine Tiefe, es ist zu weit entfernt von seinem Original, die Zielgruppe wird toben, es ist zu doof, es gibt zu viele Kampfszenen, es gibt zu wenig Frauen, und so weiter. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht schreibe – und wenn ich schreibe, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es nicht gut ist, was ich schreibe. Zu KvBs Ausgangsstoff gibt es schon unzählige Bearbeitungen – ständig vergleiche ich mein Projekt mit diesen, und ständig verliert meines im Vergleich. Bis auf die Begrüßungszeremonien, die Politik und das Hofwesen. (Na, kein Wunder, zu irgendwas müssen wir altmodischen Geister ja auch nutze sein.)
In der „Rose von Huwelreich“ habe ich die Hauptfigur gehasst; in KvB finde ich die Hauptfiguren toll, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich sie so darstelle, wie es „richtig“ ist. Die Figuren der Huwelreich-Bücher sind erfunden, sind Eigenschöpfungen von mir, da muss ich nicht grübeln, was richtig ist und was nicht. Glaubwürdig müssen sie sein und in sich stimmig – aber über „richtig“ und „falsch“ bestimme ich als die Urheberin dieser fiktiven Figuren.

Bei KvB jedoch habe ich bereits bestehende Vorbilder für das halbe Personal, es gibt unzählige Interpretationen dieses Stoffes, die sich widersprechen, ergänzen oder zueinanderpassen. Auch ich werde nur eine weitere Interpretation liefern, nichts weiter, für viele wird sie falsch sein, für andere vielleicht ganz ansprechend – aber trotzdem grüble ich und grüble und habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich zukünftige Leser enttäuschen werde.

Deshalb schreibe ich alternative historische Romane und keine „herkömmlichen“ historischen Romane. Ich hätte ständig Angst, die historischen Persönlichkeiten falsch darzustellen; und da ich daran glaube, dass die alle von da oben zu uns herabsehen, würde ich dauernd befürchten, dass nun Kaiser und Päpste und Kanzler sich da oben ärgern wie noch nie, weil ich total an ihrem Charakter vorbeischreibe. (Und wer ärgerte sich noch? Die Leute, die sich mit Geschichte auskennen! Geht mir selber ja oft auch so.)
Nach KvB werde ich zurückgehen in die Huwelreich-Welt. Dort fühle ich mich wohler und nicht so unter Druck.

Vielleicht ist das schon eine halbe Schreibblockade, ich weiß nicht. Früher war ich ständig im Flow beim Schreiben, heutzutage bin ich vielleicht ein Viertel der Zeit wirklich glücklich während des Schreibens. Die anderen drei Viertel kämpfe ich mich voran, ärgere mich über meinen geringen Wortschatz und meine lahmen Metaphern und überhaupt und sowieso. (Während des Mini-9-Tage-Projekts war übrigens alles super und spaßig und wunderbar. Ich glaube, es liegt eigentlich an den Büchern.)
Vor drei Tagen habe ich die bisher geschriebenen Szenen von KvB durchgelesen. Schön, Begeisterung, ich war zufrieden, die Hauptfigur ist niedlicher, als ich es geplant habe, ich habe mich gefreut und konnte es kaum erwarten, es als Buch in der Hand zu halten. – Jetzt? Deprimiert, alles doof, Blabla.

Und wenn jemand meine Bücher kauft, freue ich mich dann, wie man das von Autoren erwarten dürfte? Nein, ich nicht! Ich mache mir Sorgen, dass es der Leserin nicht gefallen wird, dass sie es blöd findet, und außerdem habe ich ein schlechtes Gewissen, dass sie wegen mir Geld ausgegeben und Zeit vergeudet hat für etwas, das ihr nicht gefällt. Aber nicht dass ihr meint, ich werfe Bücher auf den Markt, von denen ich denke, dass sie von schlechter Qualität sind. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, und veröffentliche meine Bücher nur, wenn ich der Meinung bin, jetzt sind sie gut. Nur dass sich diese Ansicht fünftausendmal im Monat ändert. Heute habe ich ein wenig in „Dietrich von Bern“ gelesen und habe mich amüsiert. Gestern fand ich alle meine Bücher schrecklich. Vorher habe ich die Anfangsszene von KvB gelesen und fand sie toll. Oder auch nicht, es ändert sich alle zwei Minuten. Mal sind meine Bücher Solala, dann sind sie doch ganz schön, dann schrecklich peinlich, dann komme ich in eine versöhnliche Stimmung und denke: „Nichts ist perfekt außer meinen Schwarzköpfchen und Götterdämmerung, Fehler machen wir alle“, und es geht wieder von vorne los.
Eigentlich sollte ich im Lotto gewinnen, und dann könnte ich alle meine Bücher kostenlos anbieten, damit die Leser im Falle der Enttäuschung wenigstens nicht noch Geld ausgegeben haben. – Könnte man ein ähnliches Modell bei Opernhäusern einführen? Wenn einem die Inszenierung nicht gefallen hat, Geld zurück? Ich wüsste da jemanden, der das einführen könnte.

Vor ein paar Tagen schrieb ich ein paar Szenen aus der Sicht eines Tyrannen: Alles super, cool, schnell, juhu! Hat total Spaß gemacht, ich war so produktiv wie schon lange nicht mehr, wie schade, dass dieser Tyrann uns demnächst verlassen wird! – Jetzt schreibe ich wieder aus der Sicht von KvB, Jammerlappen vom Dienst: Alles grauenvoll. Ich wünschte, irgendwann machte es „Knall“ und ich wäre wieder zurück in der Phase, in der das Schreiben nur Freude bereitet, wie damals bei „Der Kaiser von Huwelreich“ und noch früher. Oh, und jetzt komme ich wieder in gute Stimmung am Ende dieses Blogartikels. Wahnsinn.