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Januar 2019

Für dieses Jahr habe ich mir nur vier Projekte vorgenommen. Eines davon ist bereits fertig (seit dem 3. Januar).

Bei Worms 3 habe ich allmählich das letzte Drittel erreicht.

Außerdem habe ich beschlossen, in nächster Zukunft alle die Bücher zu schreiben, die für mich die wichtigsten sind, und mich erst danach den anderen, auch interessanten, aber nicht allerwichtigsten Projekten zu widmen. Früher dachte ich, dass ich Worms Band 4 und 5 (die Tetralogie ist mit Band 4 abgeschlossen; Band 5 spielt erst viele Jahre später und wird somit nicht zur Tetralogie dazugezählt) erst in ferner Zukunft schreiben werde, wenn ich weise und fähig bin. Da man aber nie wissen kann, was noch passiert, möchte ich erst diejenigen Bücher fertigstellen, die mir am meisten am Herzen liegen.

Es gibt noch ein paar schöne Füller, die ich gerne kaufen möchte; einer zum Beispiel sieht aus wie ein füllergewordener Sonnenuntergang oder wie der Untergang eines Reiches. Das passt ja zu meinen Romanen.

Ein Lebenszeichen von mir

Hallo, es gibt mich noch! Letztens war ich drei Wochen lang krank. Da war keine Energie mehr zum Schreiben übrig. Inzwischen habe ich aber wieder damit weitergemacht.

Gerade habe ich für diesen Blog ein Update durchgeführt, und jetzt sieht alles anders aus, und ich kann es nicht ausstehen, wenn sich Dinge verändern! Alles muss gleich bleiben, alles! Meine Erkenntnis: Etwas Neues funktioniert nur, wenn ich mich vorher darüber aufgeregt habe. Alles muss ich mir erkämpfen mit Wutanfällen, aahh!
Ok, jetzt geht’s wieder.

Jetzt etwas Lustiges: Ich habe ein Quiz erstellt! „Welche Lili-Vogel-Figur bist du?“
Es war schwierig, aber schließlich hat es geklappt. (Der „Quiz-wiederholen-Knopf“ funktioniert nicht, aber das kann ich leider nicht ändern. In der Hauptsache, jeder weiß, wer er ist.)

Gerne würde ich noch mehr schreiben – doch jetzt bin ich müde.
Also freut euch auf einen baldigen Blogartikel, der euch auf den neuesten Stand bringen wird.
Darin geht es um: Noodlers, meinen neuesten Lieblingsschurken, Sticker und meine Ziele für 2020.

Ach ja – ich bin übrigens Fernanda. 😀

Ich habe Shakespeare gestürzt

Ja, wirklich. Ein Sammelband mit seinen Dramen lag ganz oben auf einem Bücherstapel vor der Fensterbank; als ich im Dunkeln zum Rollladen greifen wollte, habe ich ihn aus Versehen heruntergeworfen. (Machiavelli auch.) Zum Glück trug keines von beiden eine Stoßecke davon!

Rückblick September:

Ich habe mich entschieden, die Veröffentlichungstermine meiner vier nächsten Bücher zu verschieben. Eines wird voraussichtlich noch dieses Jahr erscheinen, die anderen veröffentliche ich dann nächstes Jahr jeweils im Abstand eines Monats. Dadurch bin ich mit wechselnden Titeln ein ganzes Quartal lang bei den Neuerscheinungen vertreten!

Das Worms-Buch 3 läuft sehr gut; des Weiteren schreibe ich noch an einem streng geheimen Kleinprojekt.

Zudem habe ich im September zwei Bücher gelesen: Eines über das Bildungssystem (praktisch Unkenrufe, aber das gefällt mir; Untergangsstimmung ist mir Inspiration für neue Bücher X-D) und eine Biographie. Kurz vor Schluss habe ich sie abgebrochen, denn der Schreibstil war eine Katastrophe! Es ist übrigens die Biographie einer noch lebenden Persönlichkeit; zumeist lese ich ja nur Bücher über historische Persönlichkeiten …

Ziele für Oktober 2019:

  • Aeterna lektorieren lassen
  • Worms-Buch weiterschreiben (bis zur Fertigstellung dauert es noch einige Zeit, aber das ist auch gut so, denn in Worms ist es schön)
  • Geheimprojekt weiterschreiben
  • Medara ins Notebook diktieren

Und was gibt es Neues zu meinen Schreibgeräten? Wie geht es den Füllern und ihren Freunden? – Ja, denen geht es gut. Demnächst kaufe ich mir noch Dolchstifte! (Wer jetzt denkt: „Von was faselt die??“ hat natürlich recht. Es gibt keine Dolchstifte; aber wenn sie angekommen sind, werde ich ein Foto reinstellen, und dann werdet ihr mir bestimmt zustimmen, dass sie wie Dolche aussehen!) Außerdem habe ich Tinte von Diamine gekauft (Oxford Blue), für meine Konverter. Leider gibt es mit Diamine-Tinte bei schwungvollen Linien immer wieder Aussetzer, und ganz allgemein finde ich sie nicht so flüssig wie die Billigtintenpatronen aus dem Drogeriemarkt. Demnächst versuche ich es mit Pelikan-Tinte. (Die heißt ja auch wie ein Vogel. Pluspunkt!)

Zur Zeit lese ich „Buddenbrooks“. Ja, Leute, DAS ist Literatur! 🙂

Also dann, bis bald!

Ritterturniere in Kaltenberg und Sigmaringen 2019

Dieses Jahr war ich wie schon 2018 beim Kaltenberger Ritterturnier, dem größten Turnier der Welt. Begründer und Schirmherr ist Luitpold Prinz von Bayern. Dieses Jahr feierte das Turnier sein 40-jähriges Jubiläum. Außerdem gibt es dort einen mittelalterlichen Markt (d. h. Shopping!!!), Vorführungen von Gauklertruppen und Schaukämpfern, Musik usw. Leider darf man keine Fotos davon ins Internet stellen; deshalb kann ich lediglich ein Foto von mir in Gewandung zeigen.

Das Lanzenstechen zu Pferd wird von echten Stuntmen und seit diesem Jahr auch Stuntwomen durchgeführt. Zudem gibt es viele Schwertkämpfe, es gibt Lichtshows, ab und zu explodiert mal was.

Am besten gefielen mir die Pferde und das Lanzenstechen, die Reiterkunststücke und die Zinnritter, die ich an einem Stand gekauft habe. Zudem habe ich mir eine Halskette mit einem Schwert gekauft (es hat einen „Rubin“ im Heft) und eine mit einer Feder aus Metall.

Modeln ist nicht so meins

Das Kleid ist natürlich burgunderrot

Im September besuchte ich dann den Mittelaltermarkt in Sigmaringen. (Das ist eine kleine Stadt mit einem großen Hohenzollernschloss. Geschichtsinteressierte werden es wegen Vichy kennen.) Auch dort fand ein Turnier statt; freilich in kleinerem Rahmen als in Kaltenberg.

In Sigmaringen wurde mir endlich eine Frage beantwortet, die mich schon lange umtrieb: Können beim Fechten Funken sprühen? Der Dichter des Nibelungenlieds schreibt nämlich immer gerne von fliegenden Funken, und ich war mir nie sicher, ob das authentisch ist, oder nur dichterischer Übertreibung geschuldet. (So wie die Autos, die in modernen Serien einfach mir nichts, dir nichts in Flammen aufgehen, weil die Drehbuchschreiber das cool finden.) Denn eines ist sicher: Funken beim Fechtkampf würden super dramatisch aussehen!

Nun traf ich einen Teilnehmer der Schaukampfgruppe „Feder und Schwert“ und schilderte ihm die Funkenfrage. Er hält es durchaus für möglich, dass nach längerem Kampf die Funken sprühen, vor allem, wenn die Schwerter schon viele Scharten haben. Juhu!! Da hat der unbekannte Dichter eben mal wieder recht gehabt! Also freut euch auf baldigen Funkenregen in Worms Band 3.

Helm und ich

Noch eine wichtige schriftstellerische Frage:

Muss man sich als Autorin nach den Wünschen der Leser richten?

Die Antwort ist einfach:

Trivialautoren: JA! Gebt den Leuten, was sie wollen. Wenn sie 12 000 Liebesromane wollen, dann gebt ihnen 12 000 Liebesromane; werdet reich mit dem papiernen Äquivalent von Fastfood. Der Parnass wird euch freilich nie aufnehmen, aber da wolltet ihr ja auch niemals hin. X-D

Autoren guter Literatur: NEIN! Bloß nicht! Tut nie, was das Publikum will! Gute Literatur ist kein Wunschkonzert! Seid wie Wagner: Gebt ihnen das, was sie wollen, NICHT! (Wie damals beim Tannhäuser, als Wagner das Ballett an den Anfang des ersten Aufzugs verlegte, obwohl es gemäß alter Operntradition erst im 2. Aufzug stattfindet. Die Mitglieder des Jockeyclubs haben ihn dafür gehasst! – Die Mitglieder des Jockeyclubs kennt keiner mehr, aber Wagner kam zu Weltruhm.)

Auch ich schreibe bevorzugt das, was die Leute nicht wollen. Nun bin ich jedoch einmal von diesem Prinzip abgerückt, denn der Ausgang eines Zweikampfs aus König von Burgund 3 stieß bei meiner besten Testleserin nicht auf Begeisterung. Sie hätte sich gewünscht, dass eine gewisse Hauptfigur nicht verliert, sondern gewinnt … Eigentlich war beabsichtigt, dass besagte Hauptfigur diesmal unterliegt, denn niemand kann immer gewinnen. Normalerweise hätte ich die Wünsche meiner Leser nicht beachtet, aber gut, es betraf meinen Liebling Nr. 1, und wenn ihn die Leser gewinnen sehen wollen, dann soll es eben so sein. Mir gefällt es auch besser. 🙂 Von mir aus kann er durch die ganze erfundene Welt rauschen und ständig alle besiegen! <3 <3

Rückblick August 2019

Vergangenen Monat habe ich ca. 100 bis 120 Seiten vom Worms-Buch Band 3 geschrieben. Das ist für meine Verhältnisse ein sehr guter Wert! In diesem Buch gibt es bisher noch nicht so viel psychologische Dramatik, dafür sehr viel Worms, Neid auf den „Neuen“, und der Herzog versucht den Aufstieg seines Nachfolgers zu verhindern.

Was sonst noch los war:

Ich habe mir im Juli einen Probemonat Netflix gegönnt. Wie viele Filme habe ich mir damit angeschaut? Wer will raten??

Einen einzigen. Und der hat mir nicht einmal gefallen. 🙁

Nein, ich bin einfach nicht der Fernsehtyp. Ich schaue höchstens fern, wenn Bayreuth kommt (aber auch nur, wenn mir die Inszenierung gefällt, also – höchst selten. Radio und Textbuch sind da eine um Welten bessere Alternative 😉 ), und wenn Avengers oder Thor laufen. (Aber da auch nur Avengers 1, wegen Loki.)
Deshalb habe ich mein Netflix-Probe-Abo auch vor der Zeit wieder gekündigt.

Außerdem habe ich eine 30-Tage-Fitness-Challenge mit Cassey Ho von Blogilates absolviert! Sie ist meine Lieblingsyoutuberin, deshalb musste ich da mitmachen. Es kostet ja auch nichts! Dieses Jahr habe ich meist nur jeden zweiten Tag Sport gemacht, nicht so wie früher, wo ich oft jeden Tag Sport machte. Seit der Challenge mache ich es wieder jeden Tag, denn wenn ich einmal angefangen habe, will ich nicht nach einem Video wieder aufhören, schließlich muss es sich ja rentieren! Schwabenmentalität …

Seit diesem Monat mache ich also wieder jeden Tag Sport, ca. 1 Stunde lang. (Die Introversionsversion: Zuhause, alleine, unbeobachtet, mit Youtube-Videos.) Am Schluss mache ich immer noch 6 bis 8 Minuten Kniebeugen, mit Variationen wie Pliés, enge Kniebeugen, „Pulses“ usw.

(Schulsport fand ich übrigens grauenvoll – nur nicht Federball, Sprinten und Krafttraining.)

Schaut mal, was aus China gekommen ist:

Ein Stiftehalter wie für mich gemacht

Ein Stiftehalter, und was für einer! Man kann allerdings nicht jeden Stift auflegen, er muss schon gut ausbalanciert sein, sonst fällt er herunter. („Perfectly balanced, as all things should be.“)
Beim Lehnseid kniet man auch, nur mal so als Hinweis/Spoiler …

Im September muss ich dringend meine vier noch ausstehenden Projekte veröffentlichungsreif machen. Die meisten meiner Bücher sind nun aus der Leihbibliothek herausgefallen. Lustigerweise haben ein paar Leute KvB1 wohl schon vor einer Weile ausgeliehen, lesen ihn aber erst jetzt. Das ist schön, dass noch ein paar gelesene Seite dazukommen, obwohl er schon draußen ist.

Ich warte noch auf einen Stift von „Regal“, und auf einen Glasstift. Hab ich schon erwähnt, dass ich Schreibgeräte liebe?

Bis demnächst, und tschüss!

Es geht weiter!

Ich bin wieder zu Hause in meiner geistigen Heimat! (Endlich!!!) Seit dem 30. Juli schreibe ich am dritten Teil der Burgund-Reihe. 40 Seiten hat das Buch bereits. (Geschätzt; ein A4-Block ist schon voll, einseitig beschrieben.)

Schaut euch diese kühnen Streiter auf dem Bild an! Die Protagonisten kämpfen endlich Seite an Seite, wir haben ja schließlich lange genug darauf gewartet! Sie stammen aus einer Vergangenheit, die so niemals stattgefunden hat, und kamen eigens für dieses Foto in die echte Gegenwart gereist. Der mit dem roten Waffenrock, der tapfer in Verteidigungshaltung ausharrt, ist Gunther. Der in Schwarz, der triumphal auf die Feindesscharen deutet, weil seinem Zorn und seinem Schwert kein einziger entkommen kann, ist natürlich Hagen.
Die Bösen in den Büchern sind immer viel toller als die langweiligen Helden!

Zur Feier des Buches habe ich mir ein paar neue Füller gekauft (welche aus China, die sind extrem günstig und dabei hervorragend verarbeitet. Später schreibe ich auch einmal den lang schon versprochenen Blogartikel über meine Füller.). Einer davon ist burgunderrot und heißt „Regal“ (gemeint ist das englische Wort, schließlich ist auf der Kappe eine Krone abgebildet, hehe) und der andere ist schwarz und heißt „Duke“. Passend zum Titel des Buches, den ich hiermit subtil verraten habe! Und ich habe diese Stifte nicht zufällig gefunden, sondern habe bewusst nach einem Regal- und einem Duke-Stift gesucht, in der Hoffnung, es gäbe irgendwelche, die mit diesen Schlagworten versehen sind. Volltreffer, würd ich sagen. X-D

Ah ja, es folgen Spoiler zu Band 2.

Im neuen Buch gibt es viele Intrigen; es gibt gleich drei Figuren, die würdige Nachfolger von Siegberth von Thüringen sind, und die Sachsen werden auch wieder wichtig. Das Buch schließt direkt an den Vorgänger an. Es war ungefähr drei handgeschriebene Seiten lang wirklich angenehm, und dann kommt der alte Herzog und übernimmt Gibichs Nachfolge als Antagonist. (Wir alle wissen ja, warum er Hagen nicht leiden kann.) In den Szenen mit Gunther sieht man schön, wie schnell er, gerade weil er sanftmütig und freundlich ist, an Bedeutung verliert und zwischen den temperamentvolleren Figuren fast zerrieben wird. Genauso ergeht es den netten Menschen, wenn sie in Gesellschaft sind!

Weiterhin bekommt Dankwart jetzt eine größere Rolle. Der ist übrigens eine Lieblingsfigur meiner besten Testleserin. Auch Volker von Alzey wird öfter auftreten (alle Leser des Epos sind sich darin einig, dass Volker cool ist. Der Dichter sah das auch so.) Zu meinen Lieblingen gehört er zwar nicht; „meine (…) Sympathien blieben stets auf Seiten der Autorität“, aber es macht durchaus Spaß, über ihn zu schreiben. Zudem wurde er in Band 1 als hervorragender Diplomat eingeführt, und Verhandlungs-, Überredungs- und Diplomatieszenen sind großartig! Er sieht übrigens aus wie Walther von der Vogelweide. Er KANN gar nicht anders aussehen!

Kriemhild ist auch wieder dabei. Im mittelhochdeutschen Epos mag ich sie nicht, in der Edda (wo sie Gudrun heißt) schon mehr. (Dort rächt sie auch nicht den Tod ihres Mannes, sondern den Tod ihrer Brüder. Richtig so!) Bei mir hat sie mehr Gemeinsamkeiten mit der Gudrun bzw. ihrem historischen Vorbild Fredegunde aus der Merowingerzeit. Als Ergebnis ist sie launisch, verschlagen, verwöhnt, selbstbewusst – die Sorte Mensch, die man im wahren Leben nicht ausstehen kann, aber in Büchern gerne antrifft, weil sie interessant sind.

Am meisten freue ich mich natürlich auf die vielen Szenen, in denen Gunther und Hagen Politik machen und Intrigen schmieden; vor allem, weil Hagen nicht zufrieden ist, bis er jedes Mal seinen Willen durchgesetzt hat: Das ergibt dann Konflikt und Dramatik, Nerven liegen blank, ach, wie schön!

Es gab auch eine Premiere, eine absolut unglaubliche:

ZUM ERSTEN MAL HABE ICH EINE ANSPIELUNG (IN DIESEM FALL EINE HISTORISCH/THEOLOGISCHE) IM TEXT ERLÄUTERT!!

Nein, das gab es vorher noch nie. Es schafft mir ja hämische Freude, ständig Zitate und Reminiszenzen an historische Persönlichkeiten einzustreuen, ohne sie als solche kenntlich zu machen. (Wenn man sie erläutert, wäre es ja auch Strebertum. Außerdem könnten sich gebildete Leserinnen beleidigt fühlen, wenn die Autorin sie für so dumm hält, dass sie ihnen alles erklären muss.)

Und deshalb ist das ein wichtiger Teil meiner Schreibphilosophie, dass historische Anspielungen usw. nicht im Text aufgezeigt werden; zugleich darf es aber dem Verständnis der Textstelle keinen Abbruch tun, wenn jemand die Anspielung nicht erkennt.
Jetzt also, in Buch 14, wurde zum ersten Mal von diesem Prinzip abgewichen! Es wird Augustinus zitiert, und die perspektivtragende Figur denkt sich wohlwollend: „Wie schön, ein Augustinus-Zitat!“

Es könnte gut sein, dass das neue Buch 400 Seiten haben wird. Das wäre auch interessant, weil ich noch keines mit vierhundert-irgendwas Seiten habe. Das Cover habe ich übrigens schon, und es hat eine Farbe, die auf keinem meiner anderen Bücher vertreten ist! Welche es wohl sein wird?

Genug für heute! Morgen heißt es wieder „Auf nach Worms!“

Triff die Anspielungen!

Anspielungen sind Perlen für diejenigen, die tauchen können. Deshalb schreiben eifrige Germanisten Erläuterungsbände zu den Werken von Anspielungshelden wie Goethe! Er hat uns mit zahllosen Anspielungen beschenkt! Auch heute noch gibt es Meister der Anspielungen; genannt seien Walter Moers oder Franz Herre.

Ich habe es geliebt, früher in meiner in gelbes Leinen gebundenen Goethe-Ausgabe oder in meinen hellblauen Schiller-Büchern zu lesen. Dabei hatte ich immer ZWEI Buchzeichen in Verwendung: Eines für den Text, und eines steckte hinten bei den Anmerkungen. Ich war hingerissen, wie viel zwischen den Zeilen versteckt war, und insgeheim habe ich mir immer erträumt, dass man eines Tages auch von meinen Büchern Ausgaben mit Anmerkungen erstellen würde. (Natürlich nur, wenn ich tot bin; lebt der Autor noch, wirkt es ja lächerlich.) Allerdings wird niemand je eine solche Ausgabe erstellen.

Deshalb habe ich hier eine Auswahl meiner Lieblingsanspielungen zusammengetragen, als Beweis, dass meine Bücher durchaus einen doppelten Boden besitzen.

Denn ist es nicht schön, wenn man wie Captain America sagen kann: „I understood that reference.“

Namensanspielungen

Die großen Beraterfiguren:

Fidelius von Eisenbiss

Klar, dass damit der Eiserne Kanzler gemeint ist. Blut und Eisen, blabla. Bismarck hat testamentarisch verfügt, dass auf seinem Sarg folgende Inschrift steht: „Fürst von Bismarck. Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“ Deshalb heißt er Fidelius.

Hajo von Hinderlich

„Hinderlich“ ist eine kaum noch erkennbare Reminiszenz an Metternich. Seine Karlsbader Beschlüsse fanden die Liberalen auch ziemlich hinderlich. Hajo ist, wie sollte es auch anders sein, eine etymologische Nebenform von Hagen.

Justus von Mitternacht

Justizminister. Wahnsinnig kreativ, ich weiß. Mitternacht ist eine Anspielung auf Hermann von Mittnacht, Ministerpräsidenten des Königreichs Württemberg.

Armandus von Krummhau

Kriegsminister. „Der Bewaffnete“; Armee, haha. Krummhau: Eine Bewegung aus dem Fechtkampf. Armand-Jean du Plessis war der Name des Kardinals von Richelieu.

Arbogast von Pflaumensempf

Pfistermeister und von der Pfordten waren zwei Berater aus dem Umfeld von Ludwig II. (Ich recherchiere jetzt nicht nach, was genau sie waren. Wer es wissen möchte, kann selber gurgeln. Googeln. Haha.) Wagner gab ihnen den Doppel-Spitznamen „Pfi“ und „Pfo“.

Oberst Gerangel

Ja, der klingt wie Feldmarschall Wrangel.

Doktor Suffrenkur

Der hat nichts mit Suff zu tun, sondern mit souffrir. Die Suffrierenden darf er kurieren.

Bonifatius Bettelbühl-Hunzingen

Es gab ein Keltengrab bei Herbertingen in einem Berg namens Bettelbühl. Die große Keltenstadt Pyrene lag in der Nähe des heutigen Hundersingen, einer Teilgemeinde von Herbertingen.

Isolanias Bankhaus Gladpurse, Égalliens Banc des faibles taux d’interets und Geraniens Banca Sana –> Froher Geldbeutel. Hat auch eine Ähnlichkeit zu Englands Premier Gladstone. Banca sana = Gegenteil von Banca rotta

Eisenbiss‘ Bankier Nonno Lett –> Pecunia non olet

Bismarck-Anspielungen

Aus „Der Kaiser, sein Feind und der Krieg“:

Andere mögen das nicht nachvollziehen, aber dem kläglichen Selbstmitleid ist oft schon prächtiger Hass entsprossen, und nichts treibt heftiger zum Leben an als Hass. Wenn man’s noch hundert Feinden heimzahlen muss, ist man von Kraft erfüllt.

Das ist eine inhaltliche Anspielungen an Bismarcks Aussage, nichts treibe so sehr zum Leben an wie die Liebe und der Hass. Für die Liebe habe er seine Frau Johanna, und für den Hass Windthorst (Ludwig Windthorst, Katholik, Hannoveraner und Welfenfreund)

Der Staatsmann aber, der festhält an seinem Plan, auch wenn ihn das Toben der Mehrheit umtost, ist wie ein Deich.

Bismarcks erstes öffentliches Amt war das des Deichhauptmanns.

„Ich sehe schon voraus, wie das alles endigen wird“

und

„Könnten wir anständiger umkommen?“

aus dem Gespräch, das Wilhelm I. und Bismarck im Eisenbahnwagon führten, kurz nach der Blut-und-Eisen-Rede.
Es ist eine Vogel-Tradition, dass dieses Zitat in jedem Buch mindestens einmal vorkommt.

Der Generaloberst Ferdinand von Sonnentreu-Lichtenglück ließ anfragen, ob er den Sohn, der ihm gewiss bald geschenkt würde, nach dem Ort der siegreichen Schlacht benennen dürfe. Nun würd ich ihm ja am liebsten sagen: ‚Pfratztenheim von Sonnentreu-Lichtenglück! Bist bescheuert?‘, aber Sie wissen ja, wie ich bin, ich kann den Leuten einfach nichts abschlagen. Die Frauen werden wenigstens einen prächtigen Kosenamen draus machen: Der kleine Pfratz!

Graf Trampedang ließ Bismarck fragen, ob er seinen bald zu erwartenden Sohn mit Vornamen „Bismarck“ nennen dürfe. Bismarck gestattete es, und ließ ausrichten, wenn Gott ihm und seiner Frau (sie waren schon weit über 70) noch einen Sohn schenken wolle, würde er ihn mit Freuden „Trampedang“ nennen.

Heinrich hörte schon den Schritt des Schicksals durch die Weltgeschichte hallen, und es war ihm, als wehe ein Zipfel seines Rocks über ihn hinweg.

Im Originalzitat hallt der Schritt Gottes durch die Weltgeschichte.

Und der Gesandte Feuerburgs, dieser Fidelius von Eisenbiss, war in seiner Jugend Hallodri, Hasardeur und Herzensbrecher! Den falschen Glauben hat er auch noch, Junggeselle ist er dazu, und hat als Student gewettet, er gründe ein Kaiserreich für seinen König binnen zehn Jahren! Er hat die Wette natürlich verloren und ist seitdem hochverschuldet.

Bismarck war einmal kurz Gesandter in Wien. Und ja, er hat wirklich mit einem US-amerikanischen Kommilitonen gewettet, dass Deutschland binnen weniger Jahre eins sein werde. Als er dann seine Wettschulden begleichen wollte (wenn man nicht alles selber macht!) und seinen ehemaligen Kommilitonen ausfindig machen ließ, kam heraus, dass der schon verstorben war. Er hieß mit Nachnamen übrigens Coffin.

Wagner-Anspielungen

An dieser Stelle sehe ich mich moralisch verpflichtet zu erwähnen, dass Deodonatus Karrenbauer das erhabenste Genie der Musik war, und gingen auch alle Partituren aller anderen Komponisten in Dunst oder in Rauch auf, dann hätte die Welt doch keine Sekunde zu trauern.

„Zerging in Dunst das alte deutsche Reich, uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst.“
Meistersinger. Wir alle wissen, wen Wagner damit meinte.

Oh Wonne der Seele! Überselig! Ewig! Ewig! Seiner Jugend einz’ge Sonne, dürstender Seele einz’ge Wonne, aller Künste Urbegründer, übermächt’ger Herz-Entzünder, sehen, ahnen, wahrlich, wahrlich, Aug’ in Auge, Meister, König, alles wollte er ihm geben, und doch alles – wär zu wenig! Tand wär alles Geschmeid’ der Welt, alles Gut wär Firlefanz, Kronen und Throne versanken, verzehrt von der Historie fauchendem Rachen, Knochen verblichen und Schlösser verbrannten, zu Staub zerfielen Reiche, aber die Kunst, die heilige Kunst schwebte fort über allem, Abendrot über Untergängen, Triumphatorin über Tyrannen, Burg und Bollwerk der Erhabenheit, die Kunstwerke, die ewigen, weihevollen, gottgesandten, die Kunst des Meisters allein überlebte alles, Tod und Vergessen entrückt, die Kunst allein erlöste alle Welt.

Im Thronsaal empfing er ihn, vor blauwitternscher Fahne, er böte ihm Land und Leute an, wenn er es wollte, Karrenbauer, Karrenbauer, der Geist, der mehr geschaffen hatte als aller andern vereinigte Kraft zuvor!

Da sind so viele Wagner-Versatzstücke drin, die zähle ich jetzt nicht auf. Es hat super viel Spaß gemacht, das zu schreiben.

Die Rossbraune in „Der König von Blauwittern“:
Eines der Mädchen, das mit dem König verkuppelt werden soll, hat braunes Haar und hält den Hals so schön gebogen wie ein Rassepferd. Der König nennt sie in Gedanken „die Rossbraune“. –> Eine der Walküren heißt Rossweiße.

„Welches ist Ihr Lieblingswerk?“, rief er. Anderen schien diese Frage unbedeutend, Karrenbauerianern aber gab die Antwort genaueste Auskunft über den Charakter des Gegenübers, Karrenbauerianer begriffen sich sofort! Wer den „Fliegenden Verfluchten“ nannte, war Freigeist, bisweilen aufsässig und rebellisch; wer „Lichtenstein“ liebte, hegte Leidenschaft in sich und Hang zur Poesie; den „Schwanenhelden“, ach, den liebten die Geistwesen, die zartesten Seelen, auch fälschlich „Träumer“ genannt. „Der Liebestod“, dem hingen alle an, die Hingabe hegten im Übermaß, Schmachten und Sehnen fühlten in Herz und Brust; „Das Handwerk der Kunst“, das ehrten die Klugen, die Denkenden, die Forschenden, und auch so manche Eiferer. „Wheingold“, den Stolzen und Erfolgreichen zur Freude; „Das Schwert im Stamm“ für unzerbrechliche Geister, Kämpfernaturen. Und dann die Werke, noch unvertont, die ganze Welt harrte ihrer: „Der Wurmtöter“, bevorzugt von heiteren Karrenbauerianern voll jungenhafter Abenteuerlust; „Des Wurmtöters Tod“, geliebt von den Freunden unermesslichen Wissens, in Bildung verirrt – und zuletzt „Die Gralsritterburg“, reinster Quell der Erquickung dem Dulder und Büßer.

Sie sind alle da.

Am Abend fuhr er nach Wahnreuth. Der Schein der Sonne erleuchtete den Wahnreuther Höhenzug. An seinem Ende stand ein einzelner Hügel, vergoldet im Licht, als wolle die Sonne sterbend ihn noch grüßen. In höchster Ergriffenheit sah die kleine Stadt zu, wie die Schatten der Dämmerung den Hügel hinaufkrochen. Als er von den Schatten gänzlich verhüllt war, fiel die Nacht.

Das sind Zitate aus der Regieanweisung der Götterdämmerung.

Die überall eingestreuten kleinen Zitate kann ich nicht aufführen, das würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Außerdem würde es nur Wagnerianer interessieren, und die freuen sich, wenn sie die Zitate selber finden.

Historische Anspielungen

„Es war mir eine Ehre“, sagte er vorsichtshalber zu Kückenstaal, „und wenn nicht daheim beim Triumphzug, dann gibt es oben ein Wiedersehen.“

„Oben gibt es ein Wiedersehen“ sagte Wilhelm I., als er 1879 dem todkranken Albrecht von Roon, seinen einstigen Kriegsminister, einen letzten Besuch abstattete.
Kaiser Wilhelm II. soll das in Doorn zu einem Dienstmädchen gesagt haben.

Er glich eigentlich ganz den Schreibtischen, wie man sie in den Büros großer Industrieller vorfindet – nur dass bei diesem hier vor zweihundert Jahren Kaiser Gereon rechts in die Tischfläche die mysteriösen Buchstaben „HSEVI“ eingeritzt hatte. Historiker stritten seit Jahrhunderten darüber, ob die Buchstaben ein Kürzel waren für „Huwelreich stets elend verschuldet ist“ oder für „Hier sitzt ein vergnügter Intrigant“.

Anspielung an den Habsburger Kaiser Friedrich III. und sein Faible für die Abkürzung AEIO. (= Alles Erdreich ist Österreich untertan.)
Man kann sich sicher sein, dass Kaiser Gereon auch mal einen Auftritt bekommt.

Außerdem besaß Rudolf eine Wohnung in der Engen Riesengasse

Es gibt die Kleine Riesengasse in Worms!

Ja, vielleicht ist von allen Künsten die Kochkunst gerade die, die vom allgemeinen Niedergang des guten Geschmacks am wenigsten betroffen ist. Malerei, Bildhauerei, Literatur und Oper darben heutzutage vor sich hin in selbstverschuldeter Abscheulichkeit, alldieweil sie ihre neuesten Erzeugnisse für wahre wonnige Wunderwerke halten.

Da ist tatsächlich ein Kant-Zitat drin verwurstet worden.

Huwelreich erlebte eine Epoche des Friedens: Niemand war ihm gram, seine Nachbarn wurstelten unverzagt vor sich hin, und die Journalisten prägten schon den Begriff „das langweilige Jahrhundert“, weil sie es leid waren, nur noch über Lappalien zu berichten, über den Husten der Königin von Isolania, über den neuen Mantel der Königin von Feuerburg oder über die Doggen von Fidelius von Eisenbiss.

Historiker nennen das 19. Jahrhundert auch „das lange Jahrhundert“ (sie zählen dann die ersten 18 Jahre des 20. Jahrhunderts mit dazu).
Irgendein Kanzler unter Kaiser Franz Joseph bezeichnete seine politische Arbeit als „durchwursteln“.

Der Kronprinz bewegt sich, doch er tanzt nicht.

Le congrès dance, mais ne marche pas.

Just in diesem Augenblick verlor der Leibkammerdiener das Gleichgewicht, die Schüsseln in seiner Hand neigten sich nach vorne, und mit einer gewaltigen Welle schwappten Leberknödel und Suppe über den Rand und auf den Boden.

„Um Himmels willen verdammt nochmal!“, sagte der Leibkammerdiener und holte Luft, als wappne er sich für das Bücken. „Das tut mir leid, Majestät! Ich lege mich Eurer Majestät zu Füßen.“

„Das lassen Sie bleiben“, sagte Leopold. „Zu meinen Füßen liegen ja schon die Leberknödel.“

Das ist genauso dem Kaiser Franz Joseph passiert. Eugen Ketterl hat’s aufgeschrieben.

Von hier und heute ging eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, denn Karrenbauer, der Menschheit Größter, fand einen Mäzen!

Goethe

 

Hellwigs Adelshandbuch: Das ist quasi der Gotha.

Die Zirser (…) befleißigten sich seit Jahrhunderten auch der Kunst des Fähnchenschwenkens. Die Zirser hatten nahezu keinen Krieg auf der Seite desjenigen Landes beendet, mit dem gemeinsam sie ihn begonnen hatten. (Aus diesem Grund hatte im fünfzehnten Jahrhundert der Friedenfelser Kaiser, als er die Ehrenämter bei Hofe neu verteilte, eigens für den Zirser Grafen das Amt des Fahnenschwenkers eingeführt.)

Es gab früher Ehrenämter für die Kurfürsten. Erzkämmerer, Schenke (der Brandenburger, wenn ich mich recht entsinne), Marschall, Truchsess. Fahnenschwenker gab es jedoch nicht.

Wie das Sprichwort früher sagte: ‚Andere Herrscher haben Haustiere; die Hohenmeininger haben ihr Heer.‘

Das ist eine Variation des bekannten Bonmots: „Preußen ist kein Staat, der sich eine Armee hält, sondern eine Armee, die sich einen Staat hält.“

Die Bartpomade von Kaiser Johann, „Wunderwerk“, entspricht der Bartpomade, die Kaiser Wilhelm II. Barbier verwendete und die „Es ist erreicht!“ hieß.

Wenigstens hatten die Dakadier, diese Nudeln, doch noch einen lichten Moment gehabt und endlich eingesehen, dass Aarenland und Huwelreich die Landwirte waren, die die Felder des Friedens bestellten.

Kaiser Wilhelm II. einmal über die Engländer: „Die Nudeln scheinen einen lichten Moment gehabt zu haben.“

Die Sozialistenkneipe heißt „Zum Stillen Rad“.
Denn wie dichtete Georg Herwegh? „Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“

Und, oh Wunder, ungeahnt: Der sozialistische „Auf geht’s!“ hatte heute auf der Titelseite ein Bild von Eisenbiss veröffentlicht, mit der Überschrift: „Wir wollen unsern alten Kanzler wiederhaben!“

Natürlich ist das eine Anspielung auf den „Vorwärts!“, und auf den volkstümlichen Text des Fehrbelliner Reitermarschs.
Es gibt noch ein Satireblatt „Der Schwafelhannes“, das dem „Kladderadatsch“ entspricht.

„Sie sind also der Meinung, das Automobil wird sich durchsetzen?“, sagte Vater barsch und stach in seinen Kabeljau.
„Allerdings. Das Pferd hat seinen Dienst an der Menschheit erfüllt, nun bricht das Zeitalter des Motors an.“
„Ich glaube nicht an das Fortbestehen des Automobils“, sagte Vater. „Es wird sich nicht durchsetzen. Und dafür wollen wir dankbar sein! Man stelle sich vor, zu welchen Gräueln der Mensch fähig wäre, wenn er mit Motorwagen auch auf den Schlachtfeldern umherführe! Nein, nein, das Automobil ist nur eine Modeerscheinung. Der Gott, der Blümchen wachsen ließ, der wollte keine Räder.“

Es gab ein vaterländisches Lied mit dem Text „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte“.

In allen großen Städten Aarenlands hatte man Spruchbänder aufgehängt, derselbe Gruß, in allen Dialekten: „Tschüss, alter Kaiser!“ „Pfiadi, alter Kaiser!“ „Ade, alter Kaiser!“

Vale, senex imperator!

Das Kaiserbegräbnis in einem der Bücher (Spoiler) ist inspiriert vom habsburgischen Hofzeremoniell wie auch vom Grabspruch von Wilhelm II.

Aarenlands Hymne:

„Oh Aarenland, einst kriegsgeboren, rufst die Söhne du ins Feld, stets zu siegen auserkoren, dass es ewig dir gefällt! Gott im Himmel singt uns Lieder, schaut mit Stolz auf uns hernieder! Einzig ihn nur fürchten wir, sonst ja weder Mensch noch Tier!“

In guter alter Hymnentradition klingt es arg gezwungen. Jepp, das war Absicht. Hymnen klingen immer ziemlich bemüht.
Der grammatikalische Fehler im ersten Satz entspricht einer Stelle in der Götterdämmerung, wo genau die gleiche Satzkonstruktion verwendet wird. (Wagner sagt, das ist so in Ordnung.)
Gott im Himmel singt uns Lieder: Im bekannten vaterländischen Lied „Was ist des Deutschen Vaterland“ heißt es am Ende: „Dort, wo die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt: Das soll es sein, das wack’rer Deutscher, nenne dein!“
Viele Zeitgenossen haben sich darüber amüsiert und meinten, Gott selber singe sich da oben Lieder. (Wussten die schon damals nicht mehr, dass man nicht nur für jemanden, sondern auch jemandeM singen kann? – „So sing ich dir Lieder von meinen jungen Tagen“ heißt es bei Wagner, und in der Bibel heißt es: „Dem Herrn will ich singen ein Lied.“ Bei Homer: „Singe mir, Muse“.)
Schaut auf uns hernieder: „Unser großer Verbündeter im Himmel“ sagte Wilhelm II.
Der letzte Satz bezieht sich natürlich wieder auf einen Bismarckspruch, den sehr bekannten: „Wir Deutsche fürchten nichts auf der Welt, und die Gottesfurcht ist es, die uns den Frieden lieben und pflegen lässt.“

Anspielungen im Worms-Buch

Der Krönungseid besteht aus Stücken des Hohelieds der Liebe und des Psalms „Schwur eines Königs“.

„Wie ein Sturmwind aus den Bergen“: schrieb irgendein Chronist über die Hunnen

„Es wird eine Zeit des Kampfes anbrechen“, sagte es, „und eine Zeit der Fehden, eine Zeit des Elends und eine Zeit, in der du dein Geschick verfluchen wirst!“ –> Bibel. Alles hat seine Zeit.

„Windhauch (und Luftgespinst)“: Die ikonische Stelle aus dem Buch Kohelet.

„verrückt wurden wie Märzhasen“ –> Sogar hier ein Kaiser-Wilhelm-II.-Zitat!

„ein ehrenwerter Mann“ –> Das hat der eine über Brutus auch gesagt im Shakespeare-Drama

„er schlägt sich selber in Bande“ –> ich wollte nur mal Schiller zitieren (schlugen die Häscher in Bande)

„Mit dir zerschlug ich Städte und Wagen, …“ –> aus der Bibel, es geht um Babel

Das Zitat des Alten Fritz „Hunde, wollt ihr ewig leben“, kommt in leicht veränderter Form in Band 2 vor.

„öde Behausung für Schakale“ –> über die Zerstörung einer Stadt in der Bibel

„Befehlsruf der Posaune usw.“ –> aus der katholischen Messe (vorkonziliar)

„Alles Menschenwerk ist nutzlos, Rachen des Todes, …“ –> wieder Kohelet

Gibichs Pferd heißt Zerstörer. Damals gab es diesen Schiffstyp natürlich noch nicht; wenn es trotzdem Assoziationen weckt: Danke, so habe ich das beabsichtigt!

Es gibt noch viel mehr, eigentlich reden sie ständig in Zitaten daher.

Augustinuszitate:

  • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.
  • Ich tadle nur aus Liebe.

 

Die Lieblingsanspielung

„Dieser Sieg beruhte nicht nur auf Dusel“, sagte Johann. „Die haben einen Fuchs im Generalstab, einen richtig listigen! Ich sehe es schon kommen: Ich werde einer dieser armseligen Könige werden, der mit seinem ganzen Land unterging! Und noch in tausend Jahren wird man Opern komponieren über meine Schmach, und Sie beide: Sie sind die Schurken, und ich bin der arme willenlose gutherzige Landesvater, der das alles gar nicht gewollt hat!“

Eisenbiss richtete sich auf und sagte: „Ja, wenn das unser Schicksal ist, dann werden wir an der Spitze unserer Truppen in die letzte Schlacht ziehen und fallen. Und könnten wir anständiger umkommen? Ich selbst im Kampfe für die Sache meines Königs, und Euer Majestät, indem Sie Ihr Land mit dem eignen Blute verteidigen.“

„Großartig!“, rief Johann, der ob dieser Aussichten nicht in Begeisterung verfiel, „und am Ende werden die Huwelreicher in meine Hauptstadt einziehen, über meine Fahne hinwegreiten, die Statuen meiner Vorfahren zerschmettern, meinen Palast anzünden, meine Mörsersammlung nach Gutensaat entführen, Kaiser Leopold wird auf meinem Thron sitzen und der Kronprinz wird meine Tochter heiraten. Dabei wäre der Prinz ein viel netterer Ehemann für sie. Ich sage Ihnen: Das wird eintreffen, alles! Leb wohl, Feuerburg!“

Hier ist alles versammelt, was ich mag:

Wir haben zuerst eine Anspielung aufs Nibelungenlied und auf Wagners Götterdämmerung. Weiterhin haben wir eine Anspielung auf die Postkarten/Bildchen, die nach (während?) dem Ersten Weltkrieg gedruckt wurden und Kaiser Wilhelm II. in Feldgrau und mit Pferd und Pickelhaube vor einem Soldatengrab zeigen. Darunter steht: „Ich habe den Krieg nicht gewollt.“
Wer meine Bücher liest, erkennt zwangsläufig, dass Johann von den beiden Wilhelms inspiriert ist.

Es folgt das unverzichtbare Eisenbahnwagon-Zitat.

Mörsersammlung: Schlaue Köpfe werden ahnen, dass damit nicht Mörser zum Zerstoßen von Kräutern, sondern die Geschütze gemeint sind. (Mich hat eine Anekdote über Bismarck und die Kanonen im Schlossgarten der Hohenzollern dazu inspiriert.)

Kronprinz und Prinz von Huwelreich: Der Johann weiß halt, wie „Der Kaiser von Huwelreich“ ausgeht.

Halbjahresrückblick 2019

Das halbe Jahr ist wieder rum, ich finde das ja ziemlich dumm, und wie der Kaiser Franz Joseph sprach, muss auch ich sprechen: „Ich bin mit der Arbeit nicht fertiggeworden.“ Doch im Gegensatz zu Franz Joseph sind das vermutlich noch nicht meine letzten Worte.

Schauen wir mal, was ich dieses Jahr bisher erreicht habe: (28 Jahr, und noch nichts für die Ewigkeit getan!)

2 Bücher veröffentlicht (davon eines bisher nur als eBook)

4 Bücher geschrieben (aber allesamt kurze)

Marketing: Nix besonderes

 

Projekte, die noch durchgeführt werden müssen:

Projekte für 2019

Die fettgedruckten Projekte haben Priorität; die nicht fettgedruckten können bei Bedarf auch nach 2020 verschoben werden.

Hier die Kurzliste:

  • Projekt „Antrocuna und Frauenpower“
  • Projekt „Niedergang eines Großreiches, während die Barbaren kommen“
  • Projekt „Eingesperrte Prinzessin“
  • Projekt „Ein Galgen für den Kaiser in Mexiko“
  • Projekt „Geh doch nach Griechenland, König!“
  • Projekt „Die Giftprinzessin“
  • Projekt „Lauter verrückte Künstler“
  • Projekt „Das leidende Dorf“
  • Projekt „Die blinde Königin“
  • Projekt „Bagrat, der Aufstand und die Meise“
  • Projekt „Kaiser Innozenz und der Hochstapler“
  • Der König von Burgund 3
  • Gratis-Buch zu „Der König von Burgund“
  • Gratis-Buch zu den Huwelreich-Romanen des 19. Jahrhunderts
  • Zwei kommerzielle Bücher schreiben. Mit Liebe und so. Ach Gott.

Es sind somit noch 5 wichtige Bücher übrig. Vermutlich wird dieses Ziel nicht erreicht werden, es sei denn, ich finde einen Stein, der explodiert und mich mit nicht enden wollender Kreativität füllt, praktisch den Tesserakt für Schriftsteller.

Andere schreibrelevante Ziele für 2019

  • Insgesamt 500.000 Wörter schreiben –> Ha! Ha! Träum weiter.
  • Ein Organisationssystem für meine Notizen entwickeln.
  • Mindestens einmal wöchentlich bloggen. –> Ziel wird nicht mehr verfolgt. Ich blogge nur noch, wenn ich schlechte Laune habe
  • Einmal 5000 Wörter am Tag schreiben
  • Einmal 10.000 Wörter am Tag schreiben (?) –> Das wird schwer möglich sein.
  • Ein ganzes Buch direkt am Computer schreiben, nicht auf Papier. Ich möchte wissen, wie sehr sich mein Schreibstil dann von dem der handgeschriebenen Bücher unterscheidet.
  • „Wie man einen Kaiser erpresst“ neu hochladen. (eBook und Druckausgabe, und ich hasse das Hochladen! Es macht mich immer so nervös.) Das Cover bleibt dasselbe.
    –>  Den König von Burgund habe ich schon gefühlt tausendmal hochgeladen! Ok, bis jetzt 2mal.
  • Alle Bücher generalüberholen und neu hochladen. Alle!
  • Alle Bücher aus der Kindle Leihbibliothek abmelden. –> am 3. Juli erledigt! Juhu! Jetzt werden sie eines nach dem anderen dort rausfallen. Der Krieger macht den Anfang am 5. August. (Er ist ein Pionier, der Bursche …)
  • Alle Bücher bei Tolino veröffentlichen. Wenn sie aus der Leihbibliothek draußen sind.

Bücher, die ich gelesen und von denen ich vllt. etwas gelernt habe:

  • Novellen von Wilhelm Hauff
  • Die Wahlverwandtschaften
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre (fast fertig)
  • Die toten Seelen
  • Die Geschichte der Kulte und Riten von Kirchgässner
  • Eine Biographie über Tom Hiddleston.
  • Michael Kohlhaas (erneut)
  • Der Schimmelreiter (erneut)
  • Die Verwandlung

Das waren fast alle. Ansonsten habe ich noch irgendwas Modernes gelesen, auf Englisch, zwei Bücher oder so. Ich bleibe lieber bei meinen alten Meistern 🙂

Fazit:

Obwohl das Jahr so vielversprechend anfing, ist es nicht so gut gelaufen wie gehofft. Zwar habe ich den Eindruck, dass die Bücher qualitativ in Ordnung sind, aber ich hätte gerne noch mehr Quantität abgeliefert. Aeterna und Kriegsfels sind sehr anspruchsvoll; Kriegsfels ist das emotional härteste Buch bisher, und Aeterna ist das Buch, das in Bezug auf Plot und Situation am anspruchsvollsten ist. (Ich sage nur: Kulturpessimismus!)

Vielleicht sollte ich ein paar Kurzziele definieren:

Für Juli 2019:

  • Das aktuelle Projekt zu Ende schreiben
  • „Umnachtung“ beginnen
  • Alle Bücher generalüberholen
  • Im Zuge dessen Huwelreich-Datensammlung anlegen
  • Bücher neu hochladen
  • Aeterna und Kriegsfels: erste Lektoratsrunde
  • Medara: ins Notebook diktieren und korrigieren
  • Für Worms 3 plotten und ein bisschen anfangen (Worms 3!!! Wie habe ich die beiden vermisst! <3 )
  • Handy jeden Tag auf lautlos stellen (Das wollte ich schon seit langem machen! Jetzt steht’s im Internet, jetzt kann niemand mich davon abhalten!)
  •  Zur Entspannung statt Youtube-Filmen Gedichte von den Weimarer Meistern oder Dramen von Shakespeare lesen (oder Texte von Schopenhauer oder Bismarck, die waren auch herausragende Stilisten)
  • Jeden Tag eine Stunde die Fachbücher übers MA durchgehen.
  • Am Abend die Aufgaben für den nächsten Tag definieren.
  • Am Ende der Woche (Sonntag) Ziele messen und die Ergebnisse veröffentlichen. (Hier auf dem Blog.)

 

  • Erneut lesen/durchgehen:
  • „Kontrolle der Macht“
  • Die zwei anderen Bücher desselben Autors, die da rumliegen
  • „Die Stadt im Mittelalter“
  • Die drei Bücher über „Krieg im Mittelalter“ (Kohlhammer, das mit dem doofen Titelbild und den Bildband)
  • Das Buch über Kleidung im MA
  • Das Buch über Hofkultur am Stauferhof
  • „Höfische Kultur“ von Bumke
  • Diese vier gelben Kohlhammer-Urban Bücher
  • Das englische Buch übers Mittelalter
  • Die zwei Bücher über Frauen im MA
  • Rituale der Macht (Ich liebe dieses Buch)
  • Staufer: Kohlhammer, C.H.Beck und „Staufer und Welfen“
  • Salier (auch wenn sie nicht meine Epoche sind)
  • Wirtschaftsgeschichte des MA kaufen?
  • Medizin im MA
  • Justiz im MA

 

 

Projekt „Medara“ fertig

Seit heute ist es fertig. Das wird ein kurzes Buch, noch kürzer als Kriegsfels. Der Preis wird entsprechend gering sein.

Außerdem habe ich gerade alle meine eBooks von KDP Select abgemeldet. Heute hat schon wieder irgendjemand 2, winzige 2 Seiten von Worms-Buch 1 und vom Dietrich-Buch gelesen, und dann wohl wieder aufgehört. Mir reicht’s. 2 eBook-Seiten entsprechen nicht einmal 2 Papierbuchseiten, sondern eher nur einer einzigen Papierbuchseite! Dieses ganze Sich-Zieren, gleich wieder Aufhören, meine Güte, stellt euch nicht so an! Das ist nur ein Buch, das bringt euch nicht um, wenn ihr noch ein bisschen länger drin herumlest! Viele Bücher, die mir gefallen haben, fand ich am Anfang auch noch nicht sooooooooo überragend. Selbst mein Lieblingsfilm hat mich nicht von der ersten Sekunde an mitgerissen. (Aber dann, wenn Tom und Chris auftreten<3. ) Ich gebe jedem Buch stets etwas Zeit, mich darin einzufinden, in Stil, Atmosphäre, evtl. Humor, usw. (Persönliche Beobachtung: Die Bücher, die einen herausragenden, ganz außergewöhnlichen Anfang haben, fallen oft später weit hinter denen zurück, die am Anfang noch nicht so dick aufgetragen haben.)

Ganz ehrlich: Bei den meisten Buchanfängen muss man sich erst einmal orientieren, worum es geht, wo es spielt, wer die wichtigen Figuren sind. Man könnte sich natürlich blöd stellen: Wer sind diese Figuren, die Typen, die Tussis, was wollen die, wie, wo, was, HÄÄÄ??? Am besten höre ich nach dem ersten Satz wieder auf, echt jetzt. Blickt ja keiner durch. Warum ist der Kerl ein Käfer; warum sind die alle alte Mähren; was ist Scarlett O’Hara; warum steht dieser Alec auf einem Schiff und sieht einen schwarzen Hengst; die Ilsebill soll nicht so viel nachsalzen, das ist schlecht für die Gesundheit; wieso hat da einer im Mittelalter irgendwelche Buchstaben in die Kirchenwand gekratzt, und warum soll ein reicher englischer Junggeselle schnell heiraten?
???
?????

Wir lesen jetzt spaßeshalber den Anfang vom Worms-Buch, als wären wir solche ungeduldigen Leihbibliotheksleser:

Kapitelüberschrift: Neun Jahre vorher: Als die Hunnen kamen

Gunther von Burgund stand auf der Saalstiege und beobachtete die Menschen im Hof der Königspfalz zu Worms.

Wer ist das, wieso hat er so einen altertümlichen Namen, warum heißt das Stiege und nicht Treppe, was ist eine Pfalz? Und was zum Geier ist Worms?

Hier herrschte immer Geschäftigkeit: Knappen trugen Waffen zum Schmied, Rossknechte führten gesattelte Pferde zu ihren Rittern, Wäscherinnen schleppten Körbe mit Linnen zum Rhein hinab, Grafen ritten heran auf schäumenden Hengsten, Reisende aus den anderen Städten standen staunend starr und betrachteten den Dom Sankt Peter, und die Fahrer der Ochsenkarren trieben ihre Gespanne an mit Fluchen und mit Peitschenknallen.

Warum ist das so ein langer Satz, häää? Was ist Linnen? „Standen staunend starr“ klingt voll doof, ey, und der Dom Sankt Peter steht doch in Rom, Mann, die Autorin hat echt nicht mal das allerwenigste rescherschiehren (!) können.

Was ist mit Ochsenkarren? Warum nicht mit Flüchen? (Antwort: Dann wäre es Substantiv und substantiviertes Verb. „Mit Fluchen“ = zwei substantivierte Verben, homogener und schöner)

Was dachten sie nun?

Hä?

Wer waren diese fremden Leute, wie hießen sie, wie war ihr Leben?

Was kümmern mich diese fremden Leute? Wann kommt eine Bettszene? Schlägt da endlich mal eine dem anderen den Kopf ab?

Die Pilgerin mit dem krummen Rücken, ehrfürchtig stand sie vor dem Nordportal des Doms – war sie eine Bauernwitwe, und erfüllte sich den Herzenswunsch seit Kindesjahren, einmal Worms sehen?

Das klingt komisch! Kann man das nicht einfacher formulieren, „es war unbeschreiblich“ oder so?

Dort, Gere von Trier, vor zwei Wochen war er an den Hof gekommen als Knappe – hatte er Heimweh?

Ist Gere ein Name? Und wen interessiert das alles? Wann kommt eine Frau und verliebt sich in diesen Günther?

Vermisste er den Vater, eine Mutter hatte er ja keine mehr, oder fühlte er sich schon wie zuhause? Was dachte die Bademagd da unten, warum streichelte sie ihren runden Bauch, als wäre er ein liebes Tier?

Der ist doof, oder nicht?
(Antwort: Der ist in dieser Szene noch sehr jung. Da glaubt man noch an den Storch.)

Der Bauer mit dem Ochsenkarren hatte solch tiefe Sorgenfalten, dass er sie selbst von hier oben aus erkennen konnte. Worüber hatte er sich immer grämen müssen? Übers Wetter?

Was ist „grämen“? Was hat ein Bauer mit dem Wetter zu tun? Eh, Leute, macht endlich was! Bringt euch um! Bringt die Schwangere um, oder den trotteligen Protagonisten!

Sein Vater wusste das alles. Sein Vater wusste immer, was zu tun war, und wenn er’s einmal nicht wusste, fragte er den Herzog von Tronje um Rat. Sein Vater war der klügste König der Welt, und Gunther würde nie so klug sein wie er. Er würde ein schlechter König werden, denn dass er eines Tages König würde, das hatte Gott so gefügt.

Eh, Mann, Autorin, also Gott ist sowas von out. Das interessiert doch keinen mehr! Und der letzte Satz, also, eine logische Schlussfolgerung sieht anders aus.
„hatte gefügt“: So redet doch heutzutage niemand mehr!

Er sah bang zum Dom hinauf. Der Dom hatte kein Gesicht, und doch schien es ihm, als blicke er gütig auf die winzigen Menschen herab. Alle Häuser, ja, selbst die Königspfalz, schienen sich vor ihm zu verneigen.

Bang. Bang. Also wie im Comic: Bäng? Zack, Pow, Wow, Powow? Dom. – Das ist nur ein Götzentempel. Interessiert niemanden.

„ja, selbst“ – so schreibt auch niemand mehr! „Gütig“ – geht’s noch? Ist das Fanfiction für Konservative?

Nein, echt, es ist noch gar nichts passiert, die Hauptfigur ist sogar selten doof, echt, die denkt wie ein Kind aus dem finsteren Mittelalter, so ein bescheuertes Buch, es hat auch gar keinen schönen Schreibstil, sondern ist voll plump, unbeholfen und mit Worten, die ich gar nicht kenne. Altertümelnder Bullshit. Ich lese lieber was Spannendes, wo die sich in der Besenkammer die Köpfe abschlagen. Bescheuertes Buch.

(Wenn man alles zerschnipselt und sich doof stellt, klingt jedes Buch bescheuert. Das machen wir mal wieder, dann nehme ich Goethes Wahlverwandtschaften, und wir zerlegen die genauso!)

Und deshalb habe ich alle meine Bücher von der Leihbibibliothek abgemeldet. Ab August werden sie nacheinander daraus verschwinden, und stattdessen auch auf Weltbild, Thalia usw. zu finden sein.

 

Und um die ungeduldigen Leihbibliotheksleser vollends zu vergrämen: Ich habe inzwischen ein Buch geschrieben, auf dem schon auf der ersten Seite ein Kopf fällt. (Angeblich.) Beteiligt sind ein Vater und sein Kind = Familiendrama! Leider werde ich dieses neue Buch gar nicht erst bei der Leihbibliothek anmelden. Tja, Pech gehabt.