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Der Mensch, den ich bewunderte, dem ich dann sieben Jahre lang gram war und den ich jetzt wiedergefunden habe

Die meisten Menschen, die ich bewundere, sind schon lange tot. In der erlesenen Riege der wenigen Lebenden befinden sich YouTuberinnen, Lehrer, Opernsänger, Shakespeare- und Superschurkenschauspieler, Bankkauffrauen, ehemalige Schulkameradinnen, schwäbische Hausfrauen und Nachbarinnen, und Testleserinnen.
Und dann gab es da noch den Papst.

Bei seinem Amtsantritt 2005 war mir Kardinal Joseph Ratzinger kaum bekannt. 2005 war für mich das Jahr, in dem ich die große Literatur entdeckte, in dem ich zum ersten Mal Goethe, Schiller, Cervantes, Homer und Shakespeare las und zum zweiten Mal das Nibelungenlied. 2004/5 machte ich zum ersten Mal zaghafte, arglose und erstaunte Ausflüge in die Welt der Weltgeschichte.

Das Leiden und Sterben des Papstes Johannes Paul II. habe ich in den Medien verfolgt wie so viele andere auch. Ich war traurig über seinen Tod und ergriffen von der Würde der Zeremonien, die der Größe dieses seit 2000 Jahren bestehenden Amtes vor aller Augen Ehre zollten.
(Dass ebender Papst Johannes Paul II. viele Traditionen aufgehoben oder abgeändert hat, findet in der Retrospektive nicht unbedingt meinen Beifall. Vor allem das „Sic transit gloria mundi“ ist doch ein Ritual, das weise und wahr ist wie kein anderes.)

Und dann wurde ein Deutscher zum Papst gewählt. Ich war stolz und begeistert wie alle anderen auch, war auch erstaunt, dass die Tagesschau dem Papst fast die ganze Viertelstunde ihrer Sendezeit widmete (oder gar noch mehr? Ich glaube, sie haben damals überzogen. Für den Tod von Johannes Paul II. haben sie, wenn ich mich recht entsinne, auch schon 11 Minuten verwendet, für Benedikts Wahl aber noch mehr.)
„Ich bin nur ein demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn.“ Damit waren meine Mutter und ich schon vom neuen Papst überzeugt. Ich bin noch vom alten Schlag, ich liebe Demut mehr als Großtuerei, ich liebe den leise sprechenden Weisen mehr als die Scharen, die nur schreien, um ihr Unwissen zu übertönen.
Es freute mich, dass die Bild-Zeitung „Wir sind Papst“ titelte; es freute mich, dass die Begeisterung viele erfasste.

Vor allem aber war der Investiturstreit damals das erste historische Thema, mit dem ich mich richtig eingehend beschäftigte. (Nur die Geschichte der Burgunder kam noch früher, konnte aber wegen der geringen Anzahl dazu existierender Bücher nicht so vertieft werden, wie ich wollte.) Der Investiturstreit! Bis heute ist er ein Stück geistige Heimat für mich, seit damals gehören seine Protagonisten zu meinen historischen Lieblingspersonen ersten Ranges, und da er solch ein komplexes und anspruchsvolles Thema ist, habe ich es auch ihm zu verdanken, dass ich lernte, wie man sich in historische Themen eingraben muss, wenn man sie richtig (oder im Falle mangelnder Brillanz wie bei mir wenigstens annähernd) verstehen will.
Insgeheim habe ich gehofft, dass Joseph Ratzinger den Namen Gregor annimmt.

Ich hatte über Jahre sogar ein Papstposter an der Wand hängen. Es zeigte den Moment, als er zum ersten Mal auf den Balkon trat und mit ausgestreckten Armen die Stadt und den Erdkreis grüßte.
Das Poster stammte nicht von der Bravo (wie krass, dass sogar dieses Heftchen dem Papst ein Poster widmete. Ich für meinen Teil habe dieses Magazin nie gekauft.), sondern aus einem Geschichtsmagazin, einem ganz sonderbaren. Aus Anlass der Wahl Benedikts widmete es sich der Geschichte der Päpste. Es gehörte zu keinem bekannten Verlag, es schien von Inhalt und Aufmachung her völlig selbstgemacht und besaß wohl gerade drum den rührenden Charme des Sich-Bemühens. (Viel, viel Fehlerhaftes stand darin. Das Lustigste: An einer Stelle wurde doch tatsächlich der Begriff „Antipapst“ verwendet. Interessierte wissen, dass es in deutscher Sprache Gegenpapst heißen muss.) Aber ich glaube, das Heftchen kürte Gregor VII. zum wichtigsten Papst von allen, und deshalb sah ich über die vielen Fehler hinweg.

Da hing also das Poster jahrelang an herausragender Stelle. Eine Schulfreundin, die nicht wusste, worüber sie ihren Prüfungsvortrag machen soll, ermunterte ich, den Papst als Thema zu wählen. Ich lieh ihr auch meine Ratzinger-Autobiographie aus. Leider kam das Buch mit eingestoßener Kante zurück 🙁 Ihr Plakat für den Vortrag überließ sie am Ende mir. 🙂
Eine Schulkameradin, die den Papst auf dem Weltjugendtag gesehen hatte, schenkte mir ein Buch über den Papst in Deutschland. Außerdem kaufte ich einen Glasanhänger mit einem Bildchen von ihm, diverse Kalender, Bücher von ihm, z.B. den ersten Band seiner Jesus-Trilogie für meine Mutter usw.
Wir wollten ihm immer einen Brief schreiben, trauten uns aber nicht.
Seine Autobiographie bekam einen Ehrenplatz in der Vitrine bei den Biographien über einen Deutschen Kaiser.
Zur Recherche fürs Worms-Buch suchte ich nach Literatur über den Heiligen Augustinus, den ich der Hauptfigur als Lieblingsheiligen zugeordnet hatte, und kaufte ein Buch über Kirchenväter von Benedikt höchstselbst. Es hat mich sehr gefreut, dass Augustinus auch der Lieblingsheilige von Benedikt ist!
Ich fand einmal im Buchladen in einer großen Stadt (Ravensburg oder Ulm, oder etwa Stuttgart?) sogar ein Papstquartett, mit Benedikt auf dem Titelbild.

Und dann 2013 der Rücktritt. Ich erfuhr davon von einem Papsthasser am 11. Februar. Am Vortag war ich zum ersten Mal in einer Götterdämmerung gewesen, war dementsprechend noch selig, auch leicht nervenschwach und hatte vielleicht einen leichten Gehörschaden erlitten. Ich war so beleidigt, enttäuscht und wütend! Wie konnte der Papst zurücktreten, wie konnte er nur! „Gregor VII. ist nie zurückgetreten“, war mein Argument; Gregor VII. sah sich einem ganz anderen Gegner gegenüber und hielt aus bis zum Ende! „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst, und deshalb sterbe ich in der Verdammung!“ So war sein letzter Satz! – Petrus höchstselbst, und all die anderen Märtyrerpäpste, keiner trat zurück! Schaut doch Pius IX. an, der hatte Bismarck als Feind, und musste erleben, wie der letzte Rest des Kirchenstaats zugrunde ging! Auch der hielt aus, alle hielten aus, bis ihr Herr sie abberief! (Außer Coelestin, dem Himmelspapst, jaja; der war mir schon gleich unsympathisch.) Meine Güte, selbst Kaiser können zurücktreten, wenn die Kräfte schwinden, und ich nehme es ihnen nicht übel (Karl V.), aber ein Papst sollte das nicht tun! Ich wollte das nicht! Muss denn in dieser modernen Welt alles Althergebrachte niedersinken? Gibt es denn nichts, das immer fest bleibt, unerschütterlich ist? Zu Zeiten vom Investiturstreit hätte es das nicht gegeben, nein!

Und seit diesem Tag war ich beleidigt mit Papst Benedikt. Da war es klar, dass, meiner infantilen Reaktion gemäß, auch der Nachfolger nicht meinen Beifall finden konnte, ganz egal, wer es war. (Und dann gab sich Jorge Bergoglio auch noch den Namen „Franziskus“, den vorher kein Papst getragen hatte. Ihr könnt euch meine Beschwerde denken: Will sich denn niemand mehr Gregor nennen? Oder immerhin Innozenz, wie Innozenz III.? Oder Paschalis oder Callixt?)

Ich hängte das Papst-Poster ab, ich verschenkte die Papst-Memorabilien (an meine Mum, in deren Haus ich wohne), ich vergaß, dass ich Bücher vom Papst besaß, ich schnitt keine Zeitungsartikel über den emeritierten Papst mehr aus, und nur das Papst-Quartett fiel nicht in Ungnade, da auch Gregor VII. und viele andere dabeiwaren.

An der Wand, die sein Poster trug, hängen jetzt Bilder von einem Kaiser mit der Ordinalzahl II., einem Halsbandsittich und Burg Hohenzollern.

Mein Schmollen hielt ich sieben Jahre lang durch. Was Franziskus machte, kümmerte mich nicht.

2020 kam die große Biographie von Peter Seewald heraus. 1100 Seiten, 38 Euro. Was mich amüsierte, war, dass die Biographie genausoviel kostet wie Volker Reinhardts Buch über alle Päpste. Alle zum Preis von einem oder einer zum Preis von allen! Sage mir, welches du kaufst, und ich sage dir, wie sparsam du bist.
Und weil ich in diesen sieben Jahren freilich selber auch keinen Triumphzug hingelegt habe, sondern vielmehr die Last, die ich tragen muss, immer schwerer wurde, weil ich nichts als eine Gescheiterte und Versagerin bin und am liebsten auch der Welt entschwinden würde in ein Land des Geistes, fand der alte Mann, dem so viel Gegenwind entgegengeschlagen war, wieder meine Sympathie. Nicht jeder ist ein Gregor. Und überhaupt, wer weiß, wann es wieder einen deutschen Papst gibt? Da ist ein Mensch, von dem einst in tausend Jahren die jungen Frauen lesen werden wie ich vor so langer Zeit von meinen Investiturstreitspäpsten, und wie die Zeitgenossen von Gregor, Paschalis, Callixt könnte jetzt ich sagen: Ich habe ihn erlebt.
Da fasste ich den Entschluss, dass ich dem Papst noch einen Brief schreiben möchte, wie meine Mutter es sich immer noch wünschte.

Und ich nahm meine teuerste Tinte, Herbin mit den echten Goldstückchen, ich recherchierte, wie man den Papst anredet, und ich bin hoffnungslos fasziniert von Würden und Größe; dass ich zum ersten Mal einen Menschen mit einem Ehrentitel anschreiben konnte, hat mich begeistert wie wohl wenige sonst. (Die meisten finden das sicher blöd. Aber euch sag ich mit Bismarcks Worten: „Das ist mir wurscht!“)
„Euer Heiligkeit“ oder „Heiliger Vater“ kann man verwenden; am liebsten wünscht er sich aber „Vater Benedikt“.
Doch was ich schrieb, das ist geheim; nur eines verrat ich euch: Ich habe auch den Investiturstreit erwähnt.
Das war am 19. April, auch noch genau 15 Jahre nach seiner Wahl, am Namenstag von Leo IX., dem Papst, den Heinrich III. in Worms zum Papst bestimmt hat. Die Welt ist so klein.

Nach einem Monat bekam ich Post vom Vatikan. Damit dauert die Bearbeitung eines Schreibens an den emeritierten Papst so lange wie die Beantwortung einer E-Mail an L. V. …
Es waren nicht nur eines, sondern zwei Fotos drin, eines für mich und eines für meine Mum. Und ein Heftchen mit Predigten aus Österreich. Und ein Brief, von dem ich vermute, dass der Papst ihn wahrhaftig unterschrieben hat.

Und seit ich mich wieder versöhnt habe, habe ich die Papst-Memorabilien zurückgeholt, habe staunend festgestellt, dass ich Bücher vom Papst besitze, habe die Reinhardt-Biographie über alle Päpste bestellt, und die Biographie über Benedikt auch (und ich nahm sogar Prime in Anspruch, damit das Buch gleich am nächsten Tag kam; dann war es aber leider verkratzt und musste zurückgeschickt werden, sodass ich auf ein neues warten musste).
Außerdem brauche ich Ersatz für mein Papst-Poster, das ich bestimmt behalten habe, denn ich behalte alles, aber nicht mehr wiederfinden kann.

Im tiefsten Innern bin ich ein einsamer Mensch. Obzwar ich es vorziehe, die meiste Zeit alleine zu verbringen, fern von der echten Welt, in Büchern, in gedanklichen Disputen mit erfundenen Kontrahenten; obgleich ich aus einem Buch, das mich herausfordert oder gar überfordert, mehr Energie und Freude gewinne als aus dem Treffen mit Menschen, ist es schade, wenn man kaum jemanden hat, mit dem man teilen kann, was einen umtreibt. Nur meine Mum hört alles an und versteht alles! Aber alle andern Leute, die ich kenne, sind so sehr in der echten Welt verhaftet, dass die Realität früherer Zeiten für sie nutzlos und unecht scheint; dass das „Selber-der-Wichtigste-sein-Wollen“ für sie wichtiger ist als die Frage, was richtig und wahr ist. Gemütlichkeit und Gelächter statt Kriegsschuldfrage und Niedergangstheorien; sie suchen den Sonnenschein statt den Leidgeplagten ein Ohr zu leihn, sie leben fröhlich vor sich hin, und wer nicht fröhlich ist, der passt nicht zu ihrer lichten Welt.
Nur wenigen Menschen fühle ich mich so ähnlich wie dem Papst. Natürlich kann ich ihm geistig nicht das Wasser reichen, nicht im Geringsten, aber seine Zartheit, sein zurückhaltendes Wesen, das mit Büchern allein glücklich ist, seine tiefen Emotionen – all das sehe ich auch in mir. Er war einmal beim Tannhäuser auf dem Grünen Hügel! Und vorher las ich in einem alten Interview mit seinem Bruder, dass Joseph einmal ganz fröhlich von Loriots Wagner-Ring-Erzählung berichtet hat! Er kennt auch noch den Ring, und wenn er explizit „fröhlich“ davon erzählte, dann heißt das, dass ihm der echte Ring auch gefällt!!!!
Wie oft er in „Aus meinem Leben“ die Wörter „liebenswürdig“ oder „liebenswert“ verwendet, und sogar das heutzutage fast schon ausgestorbene „liebgewonnen“! Diese Fähigkeit, in Demut zu bewundern, dieses Bedürfnis nach Gehalt und Würde – das vermisse ich heutzutage, da alles demontiert werden soll, da alles quäken, knallen und lärmen soll. Im Übrigen verrate ich nicht, ob ich wirklich gläubig bin, oder ob ich meinem schwärmerischen Naturell gemäß in der Kirche nur eine Spiegelung meiner Sehnsucht nach dem Alten, Wahren, Guten, Monarchischen, Liebenden, Vollendeten, Schönen sehe.

Den Kirchenvater Augustinus bezeichnet der Papst als „seinen Meister“, sieht ihn als Lehrer und Freund, bei dem er nicht spürt, dass sie 1600 Jahre voneinander trennen. (28. August 430) Genauso geht es mir mit meinen Idolen auch! Diese Verbundenheit mit Menschen, die vor hunderten von Jahren lebten, und die man nur nachvollziehen kann, wenn man sie selber gespürt hat! (Oder wenn man meine Mutter ist, die dieses Phänomen aus langjähriger Beobachtung kennt.)

„Heimat des Herzens“ hat der Papst einmal geschrieben und meinte damit das beschauliche Bayern seiner Kindheit; Augustinus ist seine „geistige Heimat“. Dieses Gefühl des Zuhauseseins, das man nur bei bestimmten Geistesdingen verspürt – auch das kenne ich allzugut.

Dem Papst gebührt ein Platz in der ersten Riege meiner historischen Lieblingspersönlichkeiten. (Innerhalb der Riege gibt es keine Rangordnung.)
In der Riege meiner historischen Idole gibt es Kämpfertypen, kühle Denker, vielbegabte Kaiser, bescheidene Zauderer, stolze Kaiserinnen, treuliebende Fürstinnen, freundliche Brüder, ermattete Herrscher, unbekannte Dichter, das größte politische und das größte künstlerische Genie, eine ganze Schar unglückseliger Könige – doch gab es bisher keinen zartfühlenden, sensiblen Geistesmenschen, der am liebsten in der Welt der Gedanken geblieben wäre. Vermutlich ist mir der Papst charakterlich ähnlicher als alle anderen meiner Idole.
Und im Gegensatz zu all meinen lebenden Bekannten (außer Mum, die auch mitreden kann) könnte ich mich mit ihm über den Investiturstreit unterhalten.

Entschuldigung, lieber Vater Benedikt. Sieben Jahre lang habe ich Sie verkannt. Jetzt kenne ich Sie.

Triff die Anspielungen!

Anspielungen sind Perlen für diejenigen, die tauchen können. Deshalb schreiben eifrige Germanisten Erläuterungsbände zu den Werken von Anspielungshelden wie Goethe! Er hat uns mit zahllosen Anspielungen beschenkt! Auch heute noch gibt es Meister der Anspielungen; genannt seien Walter Moers oder Franz Herre.

Ich habe es geliebt, früher in meiner in gelbes Leinen gebundenen Goethe-Ausgabe oder in meinen hellblauen Schiller-Büchern zu lesen. Dabei hatte ich immer ZWEI Buchzeichen in Verwendung: Eines für den Text, und eines steckte hinten bei den Anmerkungen. Ich war hingerissen, wie viel zwischen den Zeilen versteckt war, und insgeheim habe ich mir immer erträumt, dass man eines Tages auch von meinen Büchern Ausgaben mit Anmerkungen erstellen würde. (Natürlich nur, wenn ich tot bin; lebt der Autor noch, wirkt es ja lächerlich.) Allerdings wird niemand je eine solche Ausgabe erstellen.

Deshalb habe ich hier eine Auswahl meiner Lieblingsanspielungen zusammengetragen, als Beweis, dass meine Bücher durchaus einen doppelten Boden besitzen.

Denn ist es nicht schön, wenn man wie Captain America sagen kann: „I understood that reference.“

Namensanspielungen

Die großen Beraterfiguren:

Fidelius von Eisenbiss

Klar, dass damit der Eiserne Kanzler gemeint ist. Blut und Eisen, blabla. Bismarck hat testamentarisch verfügt, dass auf seinem Sarg folgende Inschrift steht: „Fürst von Bismarck. Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“ Deshalb heißt er Fidelius.

Hajo von Hinderlich

„Hinderlich“ ist eine kaum noch erkennbare Reminiszenz an Metternich. Seine Karlsbader Beschlüsse fanden die Liberalen auch ziemlich hinderlich. Hajo ist, wie sollte es auch anders sein, eine etymologische Nebenform von Hagen.

Justus von Mitternacht

Justizminister. Wahnsinnig kreativ, ich weiß. Mitternacht ist eine Anspielung auf Hermann von Mittnacht, Ministerpräsidenten des Königreichs Württemberg.

Armandus von Krummhau

Kriegsminister. „Der Bewaffnete“; Armee, haha. Krummhau: Eine Bewegung aus dem Fechtkampf. Armand-Jean du Plessis war der Name des Kardinals von Richelieu.

Arbogast von Pflaumensempf

Pfistermeister und von der Pfordten waren zwei Berater aus dem Umfeld von Ludwig II. (Ich recherchiere jetzt nicht nach, was genau sie waren. Wer es wissen möchte, kann selber gurgeln. Googeln. Haha.) Wagner gab ihnen den Doppel-Spitznamen „Pfi“ und „Pfo“.

Oberst Gerangel

Ja, der klingt wie Feldmarschall Wrangel.

Doktor Suffrenkur

Der hat nichts mit Suff zu tun, sondern mit souffrir. Die Suffrierenden darf er kurieren.

Bonifatius Bettelbühl-Hunzingen

Es gab ein Keltengrab bei Herbertingen in einem Berg namens Bettelbühl. Die große Keltenstadt Pyrene lag in der Nähe des heutigen Hundersingen, einer Teilgemeinde von Herbertingen.

Isolanias Bankhaus Gladpurse, Égalliens Banc des faibles taux d’interets und Geraniens Banca Sana –> Froher Geldbeutel. Hat auch eine Ähnlichkeit zu Englands Premier Gladstone. Banca sana = Gegenteil von Banca rotta

Eisenbiss‘ Bankier Nonno Lett –> Pecunia non olet

Bismarck-Anspielungen

Aus „Der Kaiser, sein Feind und der Krieg“:

Andere mögen das nicht nachvollziehen, aber dem kläglichen Selbstmitleid ist oft schon prächtiger Hass entsprossen, und nichts treibt heftiger zum Leben an als Hass. Wenn man’s noch hundert Feinden heimzahlen muss, ist man von Kraft erfüllt.

Das ist eine inhaltliche Anspielungen an Bismarcks Aussage, nichts treibe so sehr zum Leben an wie die Liebe und der Hass. Für die Liebe habe er seine Frau Johanna, und für den Hass Windthorst (Ludwig Windthorst, Katholik, Hannoveraner und Welfenfreund)

Der Staatsmann aber, der festhält an seinem Plan, auch wenn ihn das Toben der Mehrheit umtost, ist wie ein Deich.

Bismarcks erstes öffentliches Amt war das des Deichhauptmanns.

„Ich sehe schon voraus, wie das alles endigen wird“

und

„Könnten wir anständiger umkommen?“

aus dem Gespräch, das Wilhelm I. und Bismarck im Eisenbahnwagon führten, kurz nach der Blut-und-Eisen-Rede.
Es ist eine Vogel-Tradition, dass dieses Zitat in jedem Buch mindestens einmal vorkommt.

Der Generaloberst Ferdinand von Sonnentreu-Lichtenglück ließ anfragen, ob er den Sohn, der ihm gewiss bald geschenkt würde, nach dem Ort der siegreichen Schlacht benennen dürfe. Nun würd ich ihm ja am liebsten sagen: ‚Pfratztenheim von Sonnentreu-Lichtenglück! Bist bescheuert?‘, aber Sie wissen ja, wie ich bin, ich kann den Leuten einfach nichts abschlagen. Die Frauen werden wenigstens einen prächtigen Kosenamen draus machen: Der kleine Pfratz!

Graf Trampedang ließ Bismarck fragen, ob er seinen bald zu erwartenden Sohn mit Vornamen „Bismarck“ nennen dürfe. Bismarck gestattete es, und ließ ausrichten, wenn Gott ihm und seiner Frau (sie waren schon weit über 70) noch einen Sohn schenken wolle, würde er ihn mit Freuden „Trampedang“ nennen.

Heinrich hörte schon den Schritt des Schicksals durch die Weltgeschichte hallen, und es war ihm, als wehe ein Zipfel seines Rocks über ihn hinweg.

Im Originalzitat hallt der Schritt Gottes durch die Weltgeschichte.

Und der Gesandte Feuerburgs, dieser Fidelius von Eisenbiss, war in seiner Jugend Hallodri, Hasardeur und Herzensbrecher! Den falschen Glauben hat er auch noch, Junggeselle ist er dazu, und hat als Student gewettet, er gründe ein Kaiserreich für seinen König binnen zehn Jahren! Er hat die Wette natürlich verloren und ist seitdem hochverschuldet.

Bismarck war einmal kurz Gesandter in Wien. Und ja, er hat wirklich mit einem US-amerikanischen Kommilitonen gewettet, dass Deutschland binnen weniger Jahre eins sein werde. Als er dann seine Wettschulden begleichen wollte (wenn man nicht alles selber macht!) und seinen ehemaligen Kommilitonen ausfindig machen ließ, kam heraus, dass der schon verstorben war. Er hieß mit Nachnamen übrigens Coffin.

Wagner-Anspielungen

An dieser Stelle sehe ich mich moralisch verpflichtet zu erwähnen, dass Deodonatus Karrenbauer das erhabenste Genie der Musik war, und gingen auch alle Partituren aller anderen Komponisten in Dunst oder in Rauch auf, dann hätte die Welt doch keine Sekunde zu trauern.

„Zerging in Dunst das alte deutsche Reich, uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst.“
Meistersinger. Wir alle wissen, wen Wagner damit meinte.

Oh Wonne der Seele! Überselig! Ewig! Ewig! Seiner Jugend einz’ge Sonne, dürstender Seele einz’ge Wonne, aller Künste Urbegründer, übermächt’ger Herz-Entzünder, sehen, ahnen, wahrlich, wahrlich, Aug’ in Auge, Meister, König, alles wollte er ihm geben, und doch alles – wär zu wenig! Tand wär alles Geschmeid’ der Welt, alles Gut wär Firlefanz, Kronen und Throne versanken, verzehrt von der Historie fauchendem Rachen, Knochen verblichen und Schlösser verbrannten, zu Staub zerfielen Reiche, aber die Kunst, die heilige Kunst schwebte fort über allem, Abendrot über Untergängen, Triumphatorin über Tyrannen, Burg und Bollwerk der Erhabenheit, die Kunstwerke, die ewigen, weihevollen, gottgesandten, die Kunst des Meisters allein überlebte alles, Tod und Vergessen entrückt, die Kunst allein erlöste alle Welt.

Im Thronsaal empfing er ihn, vor blauwitternscher Fahne, er böte ihm Land und Leute an, wenn er es wollte, Karrenbauer, Karrenbauer, der Geist, der mehr geschaffen hatte als aller andern vereinigte Kraft zuvor!

Da sind so viele Wagner-Versatzstücke drin, die zähle ich jetzt nicht auf. Es hat super viel Spaß gemacht, das zu schreiben.

Die Rossbraune in „Der König von Blauwittern“:
Eines der Mädchen, das mit dem König verkuppelt werden soll, hat braunes Haar und hält den Hals so schön gebogen wie ein Rassepferd. Der König nennt sie in Gedanken „die Rossbraune“. –> Eine der Walküren heißt Rossweiße.

„Welches ist Ihr Lieblingswerk?“, rief er. Anderen schien diese Frage unbedeutend, Karrenbauerianern aber gab die Antwort genaueste Auskunft über den Charakter des Gegenübers, Karrenbauerianer begriffen sich sofort! Wer den „Fliegenden Verfluchten“ nannte, war Freigeist, bisweilen aufsässig und rebellisch; wer „Lichtenstein“ liebte, hegte Leidenschaft in sich und Hang zur Poesie; den „Schwanenhelden“, ach, den liebten die Geistwesen, die zartesten Seelen, auch fälschlich „Träumer“ genannt. „Der Liebestod“, dem hingen alle an, die Hingabe hegten im Übermaß, Schmachten und Sehnen fühlten in Herz und Brust; „Das Handwerk der Kunst“, das ehrten die Klugen, die Denkenden, die Forschenden, und auch so manche Eiferer. „Wheingold“, den Stolzen und Erfolgreichen zur Freude; „Das Schwert im Stamm“ für unzerbrechliche Geister, Kämpfernaturen. Und dann die Werke, noch unvertont, die ganze Welt harrte ihrer: „Der Wurmtöter“, bevorzugt von heiteren Karrenbauerianern voll jungenhafter Abenteuerlust; „Des Wurmtöters Tod“, geliebt von den Freunden unermesslichen Wissens, in Bildung verirrt – und zuletzt „Die Gralsritterburg“, reinster Quell der Erquickung dem Dulder und Büßer.

Sie sind alle da.

Am Abend fuhr er nach Wahnreuth. Der Schein der Sonne erleuchtete den Wahnreuther Höhenzug. An seinem Ende stand ein einzelner Hügel, vergoldet im Licht, als wolle die Sonne sterbend ihn noch grüßen. In höchster Ergriffenheit sah die kleine Stadt zu, wie die Schatten der Dämmerung den Hügel hinaufkrochen. Als er von den Schatten gänzlich verhüllt war, fiel die Nacht.

Das sind Zitate aus der Regieanweisung der Götterdämmerung.

Die überall eingestreuten kleinen Zitate kann ich nicht aufführen, das würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Außerdem würde es nur Wagnerianer interessieren, und die freuen sich, wenn sie die Zitate selber finden.

Historische Anspielungen

„Es war mir eine Ehre“, sagte er vorsichtshalber zu Kückenstaal, „und wenn nicht daheim beim Triumphzug, dann gibt es oben ein Wiedersehen.“

„Oben gibt es ein Wiedersehen“ sagte Wilhelm I., als er 1879 dem todkranken Albrecht von Roon, seinen einstigen Kriegsminister, einen letzten Besuch abstattete.
Kaiser Wilhelm II. soll das in Doorn zu einem Dienstmädchen gesagt haben.

Er glich eigentlich ganz den Schreibtischen, wie man sie in den Büros großer Industrieller vorfindet – nur dass bei diesem hier vor zweihundert Jahren Kaiser Gereon rechts in die Tischfläche die mysteriösen Buchstaben „HSEVI“ eingeritzt hatte. Historiker stritten seit Jahrhunderten darüber, ob die Buchstaben ein Kürzel waren für „Huwelreich stets elend verschuldet ist“ oder für „Hier sitzt ein vergnügter Intrigant“.

Anspielung an den Habsburger Kaiser Friedrich III. und sein Faible für die Abkürzung AEIO. (= Alles Erdreich ist Österreich untertan.)
Man kann sich sicher sein, dass Kaiser Gereon auch mal einen Auftritt bekommt.

Außerdem besaß Rudolf eine Wohnung in der Engen Riesengasse

Es gibt die Kleine Riesengasse in Worms!

Ja, vielleicht ist von allen Künsten die Kochkunst gerade die, die vom allgemeinen Niedergang des guten Geschmacks am wenigsten betroffen ist. Malerei, Bildhauerei, Literatur und Oper darben heutzutage vor sich hin in selbstverschuldeter Abscheulichkeit, alldieweil sie ihre neuesten Erzeugnisse für wahre wonnige Wunderwerke halten.

Da ist tatsächlich ein Kant-Zitat drin verwurstet worden.

Huwelreich erlebte eine Epoche des Friedens: Niemand war ihm gram, seine Nachbarn wurstelten unverzagt vor sich hin, und die Journalisten prägten schon den Begriff „das langweilige Jahrhundert“, weil sie es leid waren, nur noch über Lappalien zu berichten, über den Husten der Königin von Isolania, über den neuen Mantel der Königin von Feuerburg oder über die Doggen von Fidelius von Eisenbiss.

Historiker nennen das 19. Jahrhundert auch „das lange Jahrhundert“ (sie zählen dann die ersten 18 Jahre des 20. Jahrhunderts mit dazu).
Irgendein Kanzler unter Kaiser Franz Joseph bezeichnete seine politische Arbeit als „durchwursteln“.

Der Kronprinz bewegt sich, doch er tanzt nicht.

Le congrès dance, mais ne marche pas.

Just in diesem Augenblick verlor der Leibkammerdiener das Gleichgewicht, die Schüsseln in seiner Hand neigten sich nach vorne, und mit einer gewaltigen Welle schwappten Leberknödel und Suppe über den Rand und auf den Boden.

„Um Himmels willen verdammt nochmal!“, sagte der Leibkammerdiener und holte Luft, als wappne er sich für das Bücken. „Das tut mir leid, Majestät! Ich lege mich Eurer Majestät zu Füßen.“

„Das lassen Sie bleiben“, sagte Leopold. „Zu meinen Füßen liegen ja schon die Leberknödel.“

Das ist genauso dem Kaiser Franz Joseph passiert. Eugen Ketterl hat’s aufgeschrieben.

Von hier und heute ging eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, denn Karrenbauer, der Menschheit Größter, fand einen Mäzen!

Goethe

 

Hellwigs Adelshandbuch: Das ist quasi der Gotha.

Die Zirser (…) befleißigten sich seit Jahrhunderten auch der Kunst des Fähnchenschwenkens. Die Zirser hatten nahezu keinen Krieg auf der Seite desjenigen Landes beendet, mit dem gemeinsam sie ihn begonnen hatten. (Aus diesem Grund hatte im fünfzehnten Jahrhundert der Friedenfelser Kaiser, als er die Ehrenämter bei Hofe neu verteilte, eigens für den Zirser Grafen das Amt des Fahnenschwenkers eingeführt.)

Es gab früher Ehrenämter für die Kurfürsten. Erzkämmerer, Schenke (der Brandenburger, wenn ich mich recht entsinne), Marschall, Truchsess. Fahnenschwenker gab es jedoch nicht.

Wie das Sprichwort früher sagte: ‚Andere Herrscher haben Haustiere; die Hohenmeininger haben ihr Heer.‘

Das ist eine Variation des bekannten Bonmots: „Preußen ist kein Staat, der sich eine Armee hält, sondern eine Armee, die sich einen Staat hält.“

Die Bartpomade von Kaiser Johann, „Wunderwerk“, entspricht der Bartpomade, die Kaiser Wilhelm II. Barbier verwendete und die „Es ist erreicht!“ hieß.

Wenigstens hatten die Dakadier, diese Nudeln, doch noch einen lichten Moment gehabt und endlich eingesehen, dass Aarenland und Huwelreich die Landwirte waren, die die Felder des Friedens bestellten.

Kaiser Wilhelm II. einmal über die Engländer: „Die Nudeln scheinen einen lichten Moment gehabt zu haben.“

Die Sozialistenkneipe heißt „Zum Stillen Rad“.
Denn wie dichtete Georg Herwegh? „Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“

Und, oh Wunder, ungeahnt: Der sozialistische „Auf geht’s!“ hatte heute auf der Titelseite ein Bild von Eisenbiss veröffentlicht, mit der Überschrift: „Wir wollen unsern alten Kanzler wiederhaben!“

Natürlich ist das eine Anspielung auf den „Vorwärts!“, und auf den volkstümlichen Text des Fehrbelliner Reitermarschs.
Es gibt noch ein Satireblatt „Der Schwafelhannes“, das dem „Kladderadatsch“ entspricht.

„Sie sind also der Meinung, das Automobil wird sich durchsetzen?“, sagte Vater barsch und stach in seinen Kabeljau.
„Allerdings. Das Pferd hat seinen Dienst an der Menschheit erfüllt, nun bricht das Zeitalter des Motors an.“
„Ich glaube nicht an das Fortbestehen des Automobils“, sagte Vater. „Es wird sich nicht durchsetzen. Und dafür wollen wir dankbar sein! Man stelle sich vor, zu welchen Gräueln der Mensch fähig wäre, wenn er mit Motorwagen auch auf den Schlachtfeldern umherführe! Nein, nein, das Automobil ist nur eine Modeerscheinung. Der Gott, der Blümchen wachsen ließ, der wollte keine Räder.“

Es gab ein vaterländisches Lied mit dem Text „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte“.

In allen großen Städten Aarenlands hatte man Spruchbänder aufgehängt, derselbe Gruß, in allen Dialekten: „Tschüss, alter Kaiser!“ „Pfiadi, alter Kaiser!“ „Ade, alter Kaiser!“

Vale, senex imperator!

Das Kaiserbegräbnis in einem der Bücher (Spoiler) ist inspiriert vom habsburgischen Hofzeremoniell wie auch vom Grabspruch von Wilhelm II.

Aarenlands Hymne:

„Oh Aarenland, einst kriegsgeboren, rufst die Söhne du ins Feld, stets zu siegen auserkoren, dass es ewig dir gefällt! Gott im Himmel singt uns Lieder, schaut mit Stolz auf uns hernieder! Einzig ihn nur fürchten wir, sonst ja weder Mensch noch Tier!“

In guter alter Hymnentradition klingt es arg gezwungen. Jepp, das war Absicht. Hymnen klingen immer ziemlich bemüht.
Der grammatikalische Fehler im ersten Satz entspricht einer Stelle in der Götterdämmerung, wo genau die gleiche Satzkonstruktion verwendet wird. (Wagner sagt, das ist so in Ordnung.)
Gott im Himmel singt uns Lieder: Im bekannten vaterländischen Lied „Was ist des Deutschen Vaterland“ heißt es am Ende: „Dort, wo die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt: Das soll es sein, das wack’rer Deutscher, nenne dein!“
Viele Zeitgenossen haben sich darüber amüsiert und meinten, Gott selber singe sich da oben Lieder. (Wussten die schon damals nicht mehr, dass man nicht nur für jemanden, sondern auch jemandeM singen kann? – „So sing ich dir Lieder von meinen jungen Tagen“ heißt es bei Wagner, und in der Bibel heißt es: „Dem Herrn will ich singen ein Lied.“ Bei Homer: „Singe mir, Muse“.)
Schaut auf uns hernieder: „Unser großer Verbündeter im Himmel“ sagte Wilhelm II.
Der letzte Satz bezieht sich natürlich wieder auf einen Bismarckspruch, den sehr bekannten: „Wir Deutsche fürchten nichts auf der Welt, und die Gottesfurcht ist es, die uns den Frieden lieben und pflegen lässt.“

Anspielungen im Worms-Buch

Der Krönungseid besteht aus Stücken des Hohelieds der Liebe und des Psalms „Schwur eines Königs“.

„Wie ein Sturmwind aus den Bergen“: schrieb irgendein Chronist über die Hunnen

„Es wird eine Zeit des Kampfes anbrechen“, sagte es, „und eine Zeit der Fehden, eine Zeit des Elends und eine Zeit, in der du dein Geschick verfluchen wirst!“ –> Bibel. Alles hat seine Zeit.

„Windhauch (und Luftgespinst)“: Die ikonische Stelle aus dem Buch Kohelet.

„verrückt wurden wie Märzhasen“ –> Sogar hier ein Kaiser-Wilhelm-II.-Zitat!

„ein ehrenwerter Mann“ –> Das hat der eine über Brutus auch gesagt im Shakespeare-Drama

„er schlägt sich selber in Bande“ –> ich wollte nur mal Schiller zitieren (schlugen die Häscher in Bande)

„Mit dir zerschlug ich Städte und Wagen, …“ –> aus der Bibel, es geht um Babel

Das Zitat des Alten Fritz „Hunde, wollt ihr ewig leben“, kommt in leicht veränderter Form in Band 2 vor.

„öde Behausung für Schakale“ –> über die Zerstörung einer Stadt in der Bibel

„Befehlsruf der Posaune usw.“ –> aus der katholischen Messe (vorkonziliar)

„Alles Menschenwerk ist nutzlos, Rachen des Todes, …“ –> wieder Kohelet

Gibichs Pferd heißt Zerstörer. Damals gab es diesen Schiffstyp natürlich noch nicht; wenn es trotzdem Assoziationen weckt: Danke, so habe ich das beabsichtigt!

Es gibt noch viel mehr, eigentlich reden sie ständig in Zitaten daher.

Augustinuszitate:

  • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.
  • Ich tadle nur aus Liebe.

 

Die Lieblingsanspielung

„Dieser Sieg beruhte nicht nur auf Dusel“, sagte Johann. „Die haben einen Fuchs im Generalstab, einen richtig listigen! Ich sehe es schon kommen: Ich werde einer dieser armseligen Könige werden, der mit seinem ganzen Land unterging! Und noch in tausend Jahren wird man Opern komponieren über meine Schmach, und Sie beide: Sie sind die Schurken, und ich bin der arme willenlose gutherzige Landesvater, der das alles gar nicht gewollt hat!“

Eisenbiss richtete sich auf und sagte: „Ja, wenn das unser Schicksal ist, dann werden wir an der Spitze unserer Truppen in die letzte Schlacht ziehen und fallen. Und könnten wir anständiger umkommen? Ich selbst im Kampfe für die Sache meines Königs, und Euer Majestät, indem Sie Ihr Land mit dem eignen Blute verteidigen.“

„Großartig!“, rief Johann, der ob dieser Aussichten nicht in Begeisterung verfiel, „und am Ende werden die Huwelreicher in meine Hauptstadt einziehen, über meine Fahne hinwegreiten, die Statuen meiner Vorfahren zerschmettern, meinen Palast anzünden, meine Mörsersammlung nach Gutensaat entführen, Kaiser Leopold wird auf meinem Thron sitzen und der Kronprinz wird meine Tochter heiraten. Dabei wäre der Prinz ein viel netterer Ehemann für sie. Ich sage Ihnen: Das wird eintreffen, alles! Leb wohl, Feuerburg!“

Hier ist alles versammelt, was ich mag:

Wir haben zuerst eine Anspielung aufs Nibelungenlied und auf Wagners Götterdämmerung. Weiterhin haben wir eine Anspielung auf die Postkarten/Bildchen, die nach (während?) dem Ersten Weltkrieg gedruckt wurden und Kaiser Wilhelm II. in Feldgrau und mit Pferd und Pickelhaube vor einem Soldatengrab zeigen. Darunter steht: „Ich habe den Krieg nicht gewollt.“
Wer meine Bücher liest, erkennt zwangsläufig, dass Johann von den beiden Wilhelms inspiriert ist.

Es folgt das unverzichtbare Eisenbahnwagon-Zitat.

Mörsersammlung: Schlaue Köpfe werden ahnen, dass damit nicht Mörser zum Zerstoßen von Kräutern, sondern die Geschütze gemeint sind. (Mich hat eine Anekdote über Bismarck und die Kanonen im Schlossgarten der Hohenzollern dazu inspiriert.)

Kronprinz und Prinz von Huwelreich: Der Johann weiß halt, wie „Der Kaiser von Huwelreich“ ausgeht.

Buchbekenntnisse

Egal wie viel man recherchiert hat, irgendwelche Fehler begeht man trotzdem. Egal wie klein der Fehler ist, irgendeinem Schlaumeier fällt er auf, und der kann dann auftrumpfen: „Die hat von nix eine Ahnung, ha!“

Nichts gibt so viel Auskunft über den Autoren wie seine Fehler.

Hier sind meine Confessiones:

In „Der Kaiser von Huwelreich“:  Jeder ist ein General.

So eifrig hab ich recherchiert über militärische Einheiten: Was ist größer, Regiment oder Bataillon oder Korps, und wie heißt es bei der Kavallerie, und blaba, ich schrieb mir sogar einen Spickzettel, der noch immer auf dem Schreibtisch liegt, und eines kam mir nicht in den Sinn: Zu schauen, wer einem Regiment vorsteht. Weil ein General was Beeindruckendes ist, machte ich jeden auftretenden Militärmenschen gleich zum General. Jetzt hat jedes Regiment einen! Dabei untersteht ein Regiment für gewöhnlich einem Oberst (bezogen auf Aarenlands Vorbild, das Deutsche Kaiserreich). Wenn jeder General ist, ist es ja nichts mehr wert!

Allerdings kann ich mich gut rausreden, sodass es trotzdem innerhalb der Geschichte Sinn ergibt: Der militärbegeisterte Kaiser Johann will wahrscheinlich jeden gleich zum General machen und Orden verteilen und Festmähler geben für seine schneidigen Militärs. In diesem Sinne ist seine überschäumende Begeisterung schuld an der Generalsschwemme. Das passt doch!

Die Leibgarde heißt Garde du Corps. – Das ist ein Fehler!

Man muss wahrlich kein Romanist sein, um Garde du Corps korrekt zu übersetzen. Bei mir heißt die Leibwache des Kaisers von Aarenland auch Garde du Corps, wie in Preußen. Aber in meinem historischen Vorbild Preußen ist alles etwas komplizierter: Die Garde du Corps war nicht die gesamte Leibwache, sondern so bezeichnete man nur die Kavalleristen, nicht die Infanteristen. Wie es sich gehört, unterstand die Garde du Corps einem Korps. Dem Gardekorps. Wie auch sonst. Jetzt heißen bei mir die Infanteristen aber Garde du Corps, oh nein! Jetzt gibt es bestimmt irgendwelche Geschichtsfanatiker, die sich darüber aufregen, wie man so schlecht recherchieren kann! – Zum Glück ist Aarenland nur vom Kaiserreich inspiriert, also darf die Leibwache heißen, wie sie will. Wäre das ein historischer Roman, müsste ich natürlich nach Canossa gehen.

Pflanzen und Essen interessieren mich nicht.

Wenn irgendwo Pflanzen blühen, mit richtigen Namen, dann könnt ihr euch sicher sein: In der Rohfassung des Manuskripts stand da nur: „Auf der Wiese blühten … und ….“

Wenn die Leute etwas essen, das über Hammelfleisch, Brühe, Bagrater Ringerln und Wiener Schnitzel hinausgeht, dann hat mir mit Sicherheit jemand anderes die Gerichte vorgeschlagen. Ich habe da so meine Gourmets, die sich hervorragend mit gehobener Küche auskennen …

Er spricht Griechisch mit dem Abt und nennt ihn „Pietas vestra“

In „Der König von Burgund und der Krieger“ hat Hagen eine Unterredung mit einem byzantinischen Abt. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass die beiden griechisch sprechen; um den Abt für sich zu gewinnen, verwendet Hagen u.a. den Ehrentitel „Pietas vestra“. Raffiniert.
Hintergrund der Sache ist, dass ich mir für die Recherche eigens ein Buch mit der Briefsammlung des Bischofs Avitus von Vienne gekauft habe (aus dem Lateinischen übersetzt ins Englische; auf Deutsch gibt es das nicht). Avitus war ja ein Bischof im Reich des Burgunderkönigs Gundobad. Er starb 518. Er führte einen Briefwechsel mit Gundobad, dessen Sohn und Amtsnachfolger Sigismund, dem Kaiser von Byzanz und anderen Bischöfen. Er war sehr kreativ im Ersinnen von Anreden: Gloria vestra, Auctoritas vestra, irgendwas mit super, ich schreibe mal einen ganzen Blogartikel darüber. Ich war so begeistert von diesen Ehrentiteln, dass ich sie gleich im Roman einarbeiten wollte. Dabei entging mir, dass lateinische Ehrennamen im ansonsten griechischen Gespräch befremdlich sind …
Modern gesagt: Streber-Fail! X-D

Mary Sue, bist das du? (Eigentlich Gary Stu)

Den Begriff der Mary Sue kennen viele. Ihr männliches Pendant ist der Gary Stu. So ein Gary ist eine Figur, die einfach überragend ist, und zwar auf eine richtig übertriebene Art und Weise: Der Gary Stu kann sich binnen kürzester Zeit Fertigkeiten aneignen, für die andere Leute jahrelang trainieren müssen; der Gary Stu ist immer düster und grimmig; er gewinnt jeden Kampf, auch wenn er noch so aussichtslos scheint, und er kann Schmerzen aushalten, die jeden anderen in die Knie zwingen würden; er hat die coolsten Waffen und trägt immer Schwarz; er hat eine tragische Vergangenheit und ist meist ein verlorener Königssohn, oder er ist ein Bastard (eines Königs); er hat einen besonderen tierischen Begleiter, vorzugsweise ein Raubtier oder ein edles schwarzes Ross – ihr wisst, wen ich meine …

Ich hatte keine Ahnung, was dieses Wort bedeutet …

General Schasaugert ist der Protagonist einer kleinen Anekdote in „Der Kaiser von Huwelreich“. Der Hintergrund ist folgender: Ich habe einmal ein Wörterbuch des Wienerischen geschenkt bekommen. Mei, liab! Ich habe es fleißig für „Der Kaiser von Huwelreich“ verwendet und ein paar Generale (die sind überall) mit wienerischen Wörtern benannt. Einen, der sehr weitsichtig ist, nannte ich „Schasaugert“, das war laut Wörterbuch die Bezeichnung für einen Menschen, der nicht gut sehen kann. Ich dachte, die erste Silbe wird kurz ausgesprochen. Erst Monate später ging mir auf, dass sie vermutlich lang ausgesprochen wird. Solche Wörter haben in Huwelreich jedoch nichts zu suchen! Dieser General wird natürlich umbenannt! 😀