{"id":789,"date":"2020-06-21T18:00:47","date_gmt":"2020-06-21T16:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=789"},"modified":"2024-03-09T16:36:34","modified_gmt":"2024-03-09T15:36:34","slug":"der-mensch-den-ich-bewunderte-dem-ich-dann-sieben-jahre-lang-gram-war-und-den-ich-jetzt-wiedergefunden-habe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2020\/06\/21\/der-mensch-den-ich-bewunderte-dem-ich-dann-sieben-jahre-lang-gram-war-und-den-ich-jetzt-wiedergefunden-habe\/","title":{"rendered":"Der Mensch, den ich bewunderte, dem ich dann sieben Jahre lang gram war und den ich jetzt wiedergefunden habe"},"content":{"rendered":"\n<p>Die meisten Menschen, die ich bewundere, sind schon lange tot. In der erlesenen Riege der wenigen Lebenden befinden sich YouTuberinnen, Lehrer, Operns\u00e4nger, Shakespeare- und Superschurkenschauspieler, ehemalige Schulkameradinnen, schw\u00e4bische Hausfrauen und Nachbarinnen, und Testleserinnen.<br>Und dann gab es da noch den Papst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei seinem Amtsantritt 2005 war mir Kardinal Joseph Ratzinger kaum bekannt. 2005 war f\u00fcr mich das Jahr, in dem ich die gro\u00dfe Literatur entdeckte, in dem ich zum ersten Mal Goethe, Schiller, Cervantes, Homer und Shakespeare las und zum zweiten Mal das Nibelungenlied. 2004\/5 machte ich zum ersten Mal zaghafte, arglose und erstaunte Ausfl\u00fcge in die Welt der Weltgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leiden und Sterben des Papstes Johannes Paul II. habe ich in den Medien verfolgt wie so viele andere auch. Ich war traurig \u00fcber seinen Tod und ergriffen von der W\u00fcrde der Zeremonien, die der Gr\u00f6\u00dfe dieses seit 2000 Jahren bestehenden Amtes vor aller Augen Ehre zollten.<br>(Dass ebender Papst Johannes Paul II. viele Traditionen aufgehoben oder abge\u00e4ndert hat, findet in der Retrospektive nicht unbedingt meinen Beifall. Vor allem das &#8222;Sic transit gloria mundi&#8220; ist doch ein Ritual, das weise und wahr ist wie kein anderes.)<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann wurde ein Deutscher zum Papst gew\u00e4hlt. Ich war stolz und begeistert wie alle anderen auch, war auch erstaunt, dass die Tagesschau dem Papst fast die ganze Viertelstunde ihrer Sendezeit widmete (oder gar noch mehr? Ich glaube, sie haben damals \u00fcberzogen. F\u00fcr den Tod von Johannes Paul II. haben sie, wenn ich mich recht entsinne, auch schon 11 Minuten verwendet, f\u00fcr Benedikts Wahl aber noch mehr.)<br>&#8222;Ich bin nur ein dem\u00fctiger Arbeiter im Weinberg des Herrn.&#8220; Damit waren meine Mutter und ich schon vom neuen Papst \u00fcberzeugt. Ich bin noch vom alten Schlag, ich liebe Demut mehr als Gro\u00dftuerei, ich liebe den leise sprechenden Weisen mehr als die Scharen, die nur schreien, um ihr Unwissen zu \u00fcbert\u00f6nen.<br>Es freute mich, dass die Bild-Zeitung &#8222;Wir sind Papst&#8220; titelte; es freute mich, dass die Begeisterung viele erfasste.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber war der Investiturstreit damals das erste historische Thema, mit dem ich mich richtig eingehend besch\u00e4ftigte. (Nur die Geschichte der Burgunder kam noch fr\u00fcher, konnte aber wegen der geringen Anzahl dazu existierender B\u00fccher nicht so vertieft werden, wie ich wollte.) Der Investiturstreit! Bis heute ist er ein St\u00fcck geistige Heimat f\u00fcr mich, seit damals geh\u00f6ren seine Protagonisten zu meinen historischen Lieblingspersonen ersten Ranges, und da er solch ein komplexes und anspruchsvolles Thema ist, habe ich es auch ihm zu verdanken, dass ich lernte, wie man sich in historische Themen eingraben muss, wenn man sie richtig (oder im Falle mangelnder Brillanz wie bei mir wenigstens <em>ann\u00e4hernd<\/em>) verstehen will.<br>Insgeheim habe ich gehofft, dass Joseph Ratzinger den Namen Gregor annimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte \u00fcber Jahre sogar ein Papstposter an der Wand h\u00e4ngen. Es zeigte den Moment, als er zum ersten Mal auf den Balkon trat und mit ausgestreckten Armen die Stadt und den Erdkreis gr\u00fc\u00dfte.<br>Das Poster stammte nicht von der Bravo (wie krass, dass sogar dieses Heftchen dem Papst ein Poster widmete. Ich f\u00fcr meinen Teil habe dieses Magazin nie gekauft.), sondern aus einem Geschichtsmagazin, einem ganz sonderbaren. Aus Anlass der Wahl Benedikts widmete es sich der Geschichte der P\u00e4pste. Es geh\u00f6rte zu keinem bekannten Verlag, es schien von Inhalt und Aufmachung her v\u00f6llig selbstgemacht und besa\u00df wohl gerade drum den r\u00fchrenden Charme des Sich-Bem\u00fchens. (Viel, viel Fehlerhaftes stand darin. Das Lustigste: An einer Stelle wurde doch tats\u00e4chlich der Begriff &#8222;Antipapst&#8220; verwendet. Interessierte wissen, dass es in deutscher Sprache Gegenpapst hei\u00dfen muss.) Aber ich glaube, das Heftchen k\u00fcrte Gregor VII. zum wichtigsten Papst von allen, und deshalb sah ich \u00fcber die vielen Fehler hinweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Da hing also das Poster jahrelang an herausragender Stelle. Eine Schulfreundin, die nicht wusste, wor\u00fcber sie ihren Pr\u00fcfungsvortrag machen soll, ermunterte ich, den Papst als Thema zu w\u00e4hlen. Ich lieh ihr auch meine Ratzinger-Autobiographie aus. Leider kam das Buch mit eingesto\u00dfener Kante zur\u00fcck \ud83d\ude41 Ihr Plakat f\u00fcr den Vortrag \u00fcberlie\u00df sie am Ende mir. \ud83d\ude42<br>Eine Schulkameradin, die den Papst auf dem Weltjugendtag gesehen hatte, schenkte mir ein Buch \u00fcber den Papst in Deutschland. Au\u00dferdem kaufte ich einen Glasanh\u00e4nger mit einem Bildchen von ihm, diverse Kalender, B\u00fccher von ihm, z.B. den ersten Band seiner Jesus-Trilogie f\u00fcr meine Mutter usw.<br>Wir wollten ihm immer einen Brief schreiben, trauten uns aber nicht.<br>Seine Autobiographie bekam einen Ehrenplatz in der Vitrine bei den Biographien \u00fcber einen Deutschen Kaiser.<br>Zur Recherche f\u00fcrs Worms-Buch suchte ich nach Literatur \u00fcber den Heiligen Augustinus, den ich der Hauptfigur als Lieblingsheiligen zugeordnet hatte, und kaufte ein Buch \u00fcber Kirchenv\u00e4ter von Benedikt h\u00f6chstselbst. Es hat mich sehr gefreut, dass Augustinus auch der Lieblingsheilige von Benedikt ist!<br>Ich fand einmal im Buchladen in einer gro\u00dfen Stadt (Ravensburg oder Ulm, oder etwa Stuttgart?) sogar ein Papstquartett, mit Benedikt auf dem Titelbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann 2013 der R\u00fccktritt. Ich erfuhr davon von einem Papsthasser am 11. Februar. Am Vortag war ich zum ersten Mal in einer G\u00f6tterd\u00e4mmerung gewesen, war dementsprechend noch selig, auch leicht nervenschwach und hatte vielleicht einen leichten Geh\u00f6rschaden erlitten. Ich war so beleidigt, entt\u00e4uscht und w\u00fctend! Wie konnte der Papst zur\u00fccktreten, wie konnte er nur! &#8222;Gregor VII. ist nie zur\u00fcckgetreten&#8220;, war mein Argument; Gregor VII. sah sich einem ganz anderen Gegner gegen\u00fcber und hielt aus bis zum Ende! &#8222;Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und die Ungerechtigkeit gehasst, und deshalb sterbe ich in der Verdammung!&#8220; So war sein letzter Satz! \u2013 Petrus h\u00f6chstselbst, und all die anderen M\u00e4rtyrerp\u00e4pste, keiner trat zur\u00fcck! Schaut doch Pius IX. an, der hatte Bismarck, den kl\u00fcgsten aller Menschen, als Feind, und musste erleben, wie der letzte Rest des Kirchenstaats zugrunde ging! Auch der hielt aus, alle hielten aus, bis ihr Herr sie abberief! (Au\u00dfer Coelestin, dem Himmelspapst, jaja; der war mir schon gleich unsympathisch.) Meine G\u00fcte, selbst Kaiser k\u00f6nnen zur\u00fccktreten, wenn die Kr\u00e4fte schwinden, und ich nehme es ihnen nicht \u00fcbel (Karl V.), aber ein Papst sollte das nicht tun! Ich wollte das nicht! Muss denn in dieser modernen Welt alles Althergebrachte niedersinken? Gibt es denn nichts, das immer fest bleibt, unersch\u00fctterlich ist? Zu Zeiten vom Investiturstreit h\u00e4tte es das nicht gegeben, nein!<br><\/p>\n\n\n\n<p>Und seit diesem Tag war ich beleidigt mit Papst Benedikt. Da war es klar, dass, meiner infantilen Reaktion gem\u00e4\u00df, auch der Nachfolger nicht meinen Beifall finden konnte, ganz egal, wer es war. (Und dann gab sich Jorge Bergoglio auch noch den Namen &#8222;Franziskus&#8220;, den vorher kein Papst getragen hatte. Ihr k\u00f6nnt euch meine Beschwerde denken: Will sich denn niemand mehr Gregor nennen? Oder immerhin Innozenz, wie Innozenz III.? Oder Paschalis oder Callixt?)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00e4ngte das Papst-Poster ab, ich verschenkte die Papst-Memorabilien (an meine Mum, in deren Haus ich wohne), ich verga\u00df, dass ich B\u00fccher vom Papst besa\u00df, ich schnitt keine Zeitungsartikel \u00fcber den emeritierten Papst mehr aus, und nur das Papst-Quartett fiel nicht in Ungnade, da auch Gregor VII. und viele andere dabeiwaren.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Wand, die sein Poster trug, h\u00e4ngen jetzt Bilder von einem Kaiser mit der Ordinalzahl II., einem Halsbandsittich und Burg Hohenzollern.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Schmollen hielt ich sieben Jahre lang durch. Was Franziskus machte, k\u00fcmmerte mich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>2020 kam die gro\u00dfe Biographie von Peter Seewald heraus. 1100 Seiten, 38 Euro. Was mich am\u00fcsierte, war, dass die Biographie genausoviel kostet wie Volker Reinhardts Buch \u00fcber alle P\u00e4pste. Alle zum Preis von einem oder einer zum Preis von allen! Sage mir, welches du kaufst, und ich sage dir, wie sparsam du bist.<br>Und weil ich in diesen sieben Jahren viel Schweres durchmachen musste; weil mich viele Anfeindungen von allen Seiten trafen; weil ich am liebsten auch der Welt entschwinden w\u00fcrde in ein Land des Geistes, fand der alte Mann, dem so viel Gegenwind entgegengeschlagen war, wieder meine Sympathie. Nicht jeder ist ein Gregor \u2013 nicht jeder muss ein Gregor sein. Und \u00fcberhaupt, wer wei\u00df, wann es wieder einen deutschen Papst gibt? Da ist ein Mensch, von dem einst in tausend Jahren die jungen Frauen lesen werden wie ich vor so langer Zeit von meinen Investiturstreitsp\u00e4psten, und wie die Zeitgenossen von Gregor, Paschalis, Calixt k\u00f6nnte jetzt ich sagen: Ich habe ihn erlebt.<br>Da fasste ich den Entschluss, dass ich dem Papst noch einen Brief schreiben m\u00f6chte, wie meine Mutter es sich immer noch w\u00fcnschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich nahm meine teuerste Tinte, Herbin mit den echten Goldst\u00fcckchen, ich recherchierte, wie man den Papst anredet, und ich bin rettungslos fasziniert von W\u00fcrden und Gr\u00f6\u00dfe; dass ich zum ersten Mal einen Menschen mit einem Ehrentitel anschreiben konnte, hat mich begeistert wie wohl wenige sonst. (Die meisten finden das sicher bl\u00f6d. Aber euch sag ich mit Bismarcks Worten: &#8222;Das ist mir wurscht!&#8220;)<br>&#8222;Euer Heiligkeit&#8220; oder &#8222;Heiliger Vater&#8220; kann man verwenden; am liebsten w\u00fcnscht er sich aber &#8222;Vater Benedikt&#8220;.<br>Doch was ich schrieb, das ist geheim; nur eines verrat ich euch: Ich habe auch den Investiturstreit erw\u00e4hnt.<br>Das war am 19. April, auch noch genau 15 Jahre nach seiner Wahl, am Namenstag von Leo IX., dem Papst, den Heinrich III. in Worms zum Papst bestimmt hat. Die Welt ist so klein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Monat bekam ich Post vom Vatikan. Damit dauert die Bearbeitung eines Schreibens an den emeritierten Papst so lange wie die Beantwortung einer E-Mail an L. V. &#8230;<br>Es waren nicht nur eines, sondern zwei Fotos drin, eines f\u00fcr mich und eines f\u00fcr meine Mum. Und ein Heftchen mit Predigten aus \u00d6sterreich. Und ein Brief, von dem ich vermute, dass der Papst ihn wahrhaftig unterschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und seit ich mich wieder vers\u00f6hnt habe, habe ich die Papst-Memorabilien zur\u00fcckgeholt, habe staunend festgestellt, dass ich B\u00fccher vom Papst besitze, habe die Reinhardt-Biographie \u00fcber alle P\u00e4pste bestellt, und die Biographie \u00fcber Benedikt auch (und ich nahm sogar Prime in Anspruch, damit das Buch gleich am n\u00e4chsten Tag kam; dann war es aber leider verkratzt und musste zur\u00fcckgeschickt werden, sodass ich auf ein neues warten musste).<br>Au\u00dferdem brauche ich Ersatz f\u00fcr mein Papst-Poster, das ich bestimmt behalten habe, denn ich behalte alles, aber nicht mehr wiederfinden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Im tiefsten Innern bin ich ein einsamer Mensch. Obzwar ich es vorziehe, die meiste Zeit alleine zu verbringen, fern von der echten Welt, in B\u00fcchern, in gedanklichen Disputen mit erfundenen Kontrahenten; obgleich ich aus einem Buch, das mich herausfordert oder gar \u00fcberfordert, mehr Energie und Freude gewinne als aus dem Treffen mit Menschen, ist es schade, wenn man kaum jemanden hat, mit dem man teilen kann, was einen umtreibt. Nur meine Mum h\u00f6rt alles an und versteht alles! Aber alle andern Leute, die ich kenne, sind so sehr in der echten Welt verhaftet, dass die Realit\u00e4t fr\u00fcherer Zeiten f\u00fcr sie nutzlos und unecht scheint; dass das &#8222;Selber-der-Wichtigste-sein-Wollen&#8220; f\u00fcr sie wichtiger ist als die Frage, was richtig und wahr ist. Gem\u00fctlichkeit und Gel\u00e4chter statt Kriegsschuldfrage und Niedergangstheorien; sie suchen den Sonnenschein statt den Leidgeplagten ein Ohr zu leihn, sie leben fr\u00f6hlich vor sich hin, und wer nicht fr\u00f6hlich ist, der passt nicht zu ihrer lichten Welt. <br>Nur wenigen Menschen f\u00fchle ich mich so \u00e4hnlich wie dem Papst. Nat\u00fcrlich kann ich ihm geistig nicht das Wasser reichen, nicht im Geringsten, aber seine Zartheit, sein zur\u00fcckhaltendes Wesen, das mit B\u00fcchern allein gl\u00fccklich ist, seine tiefen Emotionen \u2013 all das sehe ich auch in mir. Er war einmal beim Tannh\u00e4user auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel! Und vorher las ich in einem alten Interview mit seinem Bruder, dass Joseph einmal ganz fr\u00f6hlich von Loriots Wagner-Ring-Erz\u00e4hlung berichtet hat! Er kennt auch noch den Ring, und wenn er explizit &#8222;fr\u00f6hlich&#8220; davon erz\u00e4hlte, dann hei\u00dft das, dass ihm der echte Ring auch gef\u00e4llt!!!!<br>Wie oft er in &#8222;Aus meinem Leben&#8220; die W\u00f6rter &#8222;liebensw\u00fcrdig&#8220; oder &#8222;liebenswert&#8220; verwendet, und sogar das heutzutage fast schon ausgestorbene &#8222;liebgewonnen&#8220;! Diese F\u00e4higkeit, in Demut zu bewundern, dieses Bed\u00fcrfnis nach Gehalt und W\u00fcrde \u2013 das vermisse ich heutzutage, da alles demontiert werden soll, da alles qu\u00e4ken, knallen und l\u00e4rmen soll. Im \u00dcbrigen verrate ich nicht, ob ich wirklich gl\u00e4ubig bin, oder ob ich meinem schw\u00e4rmerischen Naturell gem\u00e4\u00df in der Kirche nur eine Spiegelung meiner Sehnsucht nach dem Alten, Wahren, Guten, Monarchischen, Liebenden, Vollendeten, Sch\u00f6nen sehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kirchenvater Augustinus bezeichnet der Papst als &#8222;seinen Meister&#8220;, sieht ihn als Lehrer und Freund, bei dem er nicht sp\u00fcrt, dass sie 1600 Jahre voneinander trennen. (28. August 430) Genauso geht es mir mit meinen Idolen auch! Diese Verbundenheit mit Menschen, die vor hunderten von Jahren lebten, und die man nur nachvollziehen kann, wenn man sie selber gesp\u00fcrt hat! (Oder wenn man meine Mutter ist, die dieses Ph\u00e4nomen aus langj\u00e4hriger Beobachtung kennt.)<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Heimat des Herzens&#8220; hat der Papst einmal geschrieben und meinte damit das beschauliche Bayern seiner Kindheit; Augustinus ist seine &#8222;geistige Heimat&#8220;. Dieses Gef\u00fchl des Zuhauseseins, das man nur bei bestimmten Geistesdingen versp\u00fcrt \u2013 auch das kenne ich allzugut.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Papst geb\u00fchrt ein Platz in der ersten Riege meiner historischen Lieblingspers\u00f6nlichkeiten. (Innerhalb der Riege gibt es keine Rangordnung.)<br>In der Riege meiner historischen Idole gibt es K\u00e4mpfertypen, k\u00fchle Denker, vielbegabte Kaiser, bescheidene Zauderer, stolze Kaiserinnen, treuliebende F\u00fcrstinnen, freundliche Br\u00fcder, ermattete Herrscher, unbekannte Dichter, das gr\u00f6\u00dfte politische und das gr\u00f6\u00dfte k\u00fcnstlerische Genie, eine ganze Schar ungl\u00fcckseliger K\u00f6nige \u2013 doch gab es bisher keinen zartf\u00fchlenden, sensiblen Geistesmenschen, der am liebsten in der Welt der Gedanken geblieben w\u00e4re. Vermutlich ist mir der Papst charakterlich \u00e4hnlicher als alle anderen meiner Idole.<br>Und im Gegensatz zu all meinen lebenden Bekannten (au\u00dfer Mum, die auch mitreden kann) k\u00f6nnte ich mich mit ihm \u00fcber den Investiturstreit unterhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Entschuldigung, lieber Vater Benedikt. Sieben Jahre lang habe ich Sie verkannt. Jetzt kenne ich Sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Menschen, die ich bewundere, sind schon lange tot. In der erlesenen Riege der wenigen Lebenden befinden sich YouTuberinnen, Lehrer, Operns\u00e4nger, Shakespeare- und Superschurkenschauspieler, ehemalige Schulkameradinnen, schw\u00e4bische Hausfrauen und Nachbarinnen, und Testleserinnen.Und dann gab es da noch den Papst. 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