{"id":774,"date":"2020-06-04T20:38:00","date_gmt":"2020-06-04T18:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=774"},"modified":"2020-06-05T21:49:59","modified_gmt":"2020-06-05T19:49:59","slug":"4-juni-2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2020\/06\/04\/4-juni-2020\/","title":{"rendered":"4. Juni 2020"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute ist der Todestag von Kaiser Wilhelm II. Am 4. Juni 1941 starb er in Haus Doorn im niederl\u00e4ndischen Exil. Aus diesem Anlass habe ich ein Buch \u00fcber sein Leben gelesen; der Autor (ein Niederl\u00e4nder) hat leider, was Namen und Jahreszahlen betrifft, viele Fehler gemacht (so hei\u00dft es zum Beispiel, Kaiser Wilhelm I. sei am 16. M\u00e4rz gestorben, was, wie jeder Hohenzollernfan wei\u00df, nicht stimmt: Es war der 9. M\u00e4rz, ein Tag nach meinem Geburtstag, jedoch in einem anderen Jahr als meinem Geburtsjahr. Der 16. M\u00e4rz war der Tag seiner Beisetzung. \u2013 Ein andermal wird Herbert von Bismarck Hermann von Bismarck genannt, und au\u00dferdem wurden alle Eigennamen, die \u00dc- oder \u00d6-Punkte haben, ihrer P\u00fcnktchen beraubt, so z. B. beim Grafen von H\u00fclsen-Haeseler oder Joachim von K\u00fcrenberg. Vielleicht zog der Autor nur englische Quellen zu Rate, die auch schon die Namen ver\u00e4ndert haben?) Da der Autor Niederl\u00e4nder ist, nehme ich aber an, dass er f\u00fcr die im Verh\u00e4ltnis zum Rest des Buches sehr ausf\u00fchrlichen Kapitel \u00fcber das Leben des Kaisers in Amerongen und Doorn besser recherchiert hat und mehr B\u00fccher in seiner Sprache verwenden konnte. Was mich gefreut hat: Er hat auch mit Zeitzeugen gesprochen, die noch den Kaiser in Doorn erlebt haben.<br>Au\u00dferdem hat das Buch viele Bilder, sogar mehrere, die ich noch nicht kannte, und das will bei Wilhelm-Bildern durchaus was hei\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich Fotografien von Wilhelms Schreibtischen anschaut, dann sieht man eine ziemlich kleine Schreibfl\u00e4che und einen gro\u00dfen Rest des Tisches, der mit allerlei Bildern, Gegenst\u00e4nden usw. vollgestellt ist. Genau wie bei mir! Da darf ich guten Gewissens das Schreibtischaufr\u00e4umen noch einmal ein paar Monate verschieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich plane schon seit L\u00e4ngerem einen Blogartikel &#8222;Was steht auf meinem Schreibtisch&#8220;, am besten mit Bildern. (Aber nur von den Gegenst\u00e4nden, die dort stehen, nicht von den diversen Stapeln gelber Zettelchen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem habe ich schon vor einiger Zeit ein C. H. Beck-Wissen-Buch \u00fcber die Karolinger gelesen, und vorgestern habe ich die 700-seitige Biographie \u00fcber Benedikt XVI. von Andreas Englisch zu Ende gelesen. Beim Papsttum im MA bin ich noch nicht viel weiter, schade.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich war mein Vorsatz f\u00fcr dieses Jahr, jede Woche drei B\u00fccher zu lesen, denn ich habe einen peinlich hohen Anteil noch nicht gelesener B\u00fccher in meinem Regal stehen. Wenn ich nun sterben w\u00fcrde, bevor ich die alle oder zumindest die meisten gelesen habe, w\u00e4re das ja eine furchtbare Geldverschwendung gewesen! Au\u00dferdem w\u00e4re es mir peinlich, wenn meine Verwandten sp\u00e4ter mein Regal durchgingen und zum Schluss kommen m\u00fcssten, dass ich, da ich so viele unber\u00fchrte B\u00fccher besa\u00df, wohl doch nicht so gebildet war, wie ich stets den Anschein zu erwecken trachtete. Also muss ich m\u00f6glichst viele B\u00fccher lesen, damit sich mein ausgegebenes Geld auch lohnt. Ich komme \u00fcbrigens aus Oberschwaben. (Falls da noch bei jemandem Zweifel bestanden.)<\/p>\n\n\n\n<p>In den vorhergehenden Monaten habe ich den Schnitt von 3 B\u00fcchern pro Woche sogar auf mehr als 3 B\u00fccher heben k\u00f6nnen, aber in letzter Zeit schw\u00e4chelt die Leseleistung. Zum Teil liegt das daran, dass ich viel diktiert habe und danach oft sehr m\u00fcde bin, weil das ziemlich viel Konzentration erfordert. Andererseits liegt das aber auch daran, dass ich, in typischer Perfektionistenmanier, insgeheim \u00fcberzeugt bin, jedes Wort, jeden Satz, jede Seite so aufmerksam lesen zu m\u00fcssen, als ob mir die Sachverhalte v\u00f6llig neu w\u00e4ren. Dabei gibt es genug Stellen, die ich auch \u00fcberfliegen k\u00f6nne, weil ich schon in 15 anderen B\u00fcchern dar\u00fcber gelesen habe. Aber ich verfalle eben immer wieder in die alte Haltung, dass ein Buch nur dann richtig gelesen ist, wenn ich Wort f\u00fcr Wort in meinem Kopf vor mich hingefl\u00fcstert habe. \u2013 Dem ist aber nicht so. Wer z. B. in John C. G. R\u00f6hls 3-b\u00e4ndiger Kaiser-Wilhelm-II.-Biographie alles \u00fcber seine Geburt gelesen hat, \u00fcber die Komplikationen, \u00fcber die Hebamme Fr\u00e4ulein Stahl, \u00fcber den Arzt (Doktor Martin? Ich mag jetzt nicht recherchieren), \u00fcber die traurige \u00dcberzeugung des Vaters, das Kind sei schon tot, \u00fcber die Hebamme, die dem Neugeborenen mit einem Handtuch kr\u00e4ftige Schl\u00e4ge versetzte, bis es wieder zu atmen und zu schreien anfing, und nat\u00fcrlich \u00fcber Feldmarschall Wrangel und das Fenster, der kann eigentlich in jeder anderen Wilhelm-Biographie die Geburtsdarstellung \u00fcberfliegen, denn etwas Neues kann er praktisch nicht mehr in Erfahrung bringen, er hat sich schlie\u00dflich schon beim absoluten Experten kundig gemacht.<br>Effizientes Lesen ist auch Verzichten. Man sollte immer den jeweiligen Schwerpunkten des Autors die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit widmen, und sobald einer sein angestammtes Thema verl\u00e4sst, darf man ihm nichts mehr glauben, denn es k\u00f6nnen sich allzu leicht Fehler einschleichen. Oft genug ist mir das schon in Geschichtsb\u00fcchern aufgefallen: Sobald einer sein Spezialgebiet nur um wenige Zentimeter verl\u00e4sst, schie\u00dfen Fehler aus dem Buch wie Unkraut aus dem Boden. (Mir f\u00e4llt das freilich nur auf, weil ich es liebe, Namen, Jahreszahlen und Fakten auswendigzulernen. Ich w\u00e4re am liebsten ein Lexikon. Sobald es an Dinge wie Gewichten und Bewerten geht, bin ich \u00fcberfordert. Ich lerne lieber die Reihenfolgen von Kaisern aus.) Oftmals werden Verwandtschaftsgrade verwechselt, Ordinalzahlen stimmen nicht; jeder, dessen Lieblingsthema nicht gerade Staufer oder fr\u00fche Habsburger sind, h\u00e4lt Konrad III. und Rudolf I. f\u00fcr Kaiser; Kaiser Heinrich IV. geht nach Canossa, dabei war er damals noch K\u00f6nig; Richard Wagner wird unterstellt, seine Schwiegertochter pers\u00f6nlich gekannt zu haben, dabei war sie zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht einmal auf der Welt, und vieles mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sagt uns das alles? Wenn man sich mit Geschichte ernsthaft besch\u00e4ftigen will und sich wirklich informieren m\u00f6chte, muss man zu jedem Thema mindestens 3 B\u00fccher kaufen. Wenn man nicht in die Tiefe stieg, kann man nicht mitreden.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist heute der Todestag von Kaiser Konrad II. (1039) Ich habe drei Biographien \u00fcber ihn. Ich habe auch ein Buch \u00fcber Kaiser Heinrich V., das hat, glaube ich, 40 Euro gekostet, und es hat eine Sto\u00dfecke! Die hatte es schon, als es ankam! Ich hasse Sto\u00dfecken! Deshalb habe ich es auch noch nicht gelesen; ich muss mich dann immer \u00e4rgern.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Worms-Buch 3 sind bereits 16 000 W\u00f6rter ins Notebook diktiert. F\u00fcr heute h\u00f6re ich damit auf. Worms-Buch 3 ist ein seltsames Ding.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der Todestag von Kaiser Wilhelm II. Am 4. Juni 1941 starb er in Haus Doorn im niederl\u00e4ndischen Exil. 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