{"id":600,"date":"2019-07-07T19:25:23","date_gmt":"2019-07-07T17:25:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=600"},"modified":"2020-12-12T18:59:26","modified_gmt":"2020-12-12T17:59:26","slug":"triff-die-anspielungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2019\/07\/07\/triff-die-anspielungen\/","title":{"rendered":"Triff die Anspielungen!"},"content":{"rendered":"<p>Anspielungen sind Perlen f\u00fcr diejenigen, die tauchen k\u00f6nnen. Deshalb schreiben eifrige Germanisten Erl\u00e4uterungsb\u00e4nde zu den Werken von Anspielungshelden wie Goethe! Er hat uns mit zahllosen Anspielungen beschenkt. Auch heute noch gibt es Meister der Anspielungen; genannt seien Walter Moers oder Franz Herre.<\/p>\n<p>Ich habe es geliebt, fr\u00fcher in meiner in gelbes Leinen gebundenen Goethe-Ausgabe oder in meinen hellblauen Schiller-B\u00fcchern zu lesen. Dabei hatte ich immer ZWEI Buchzeichen in Verwendung: Eines f\u00fcr den Text, und eines steckte hinten bei den Anmerkungen. Ich war hingerissen, wie viel zwischen den Zeilen versteckt war, und insgeheim habe ich mir immer ertr\u00e4umt, dass man eines Tages auch von meinen B\u00fcchern Ausgaben mit Anmerkungen erstellen w\u00fcrde. (Nat\u00fcrlich nur, wenn ich tot bin; lebt der Autor noch, wirkt es ja l\u00e4cherlich.) Allerdings wird niemand je eine solche Ausgabe erstellen.<\/p>\n<p>Deshalb habe ich hier eine Auswahl meiner Lieblingsanspielungen zusammengetragen, als Beweis, dass meine B\u00fccher durchaus einen doppelten Boden besitzen.<\/p>\n<p>Denn ist es nicht sch\u00f6n, wenn man wie Captain America sagen kann: &#8222;I understood that reference.&#8220;<\/p>\n<h1>Namensanspielungen<\/h1>\n<p>Die gro\u00dfen Beraterfiguren:<\/p>\n<p>Fidelius von Eisenbiss<\/p>\n<p>Klar, dass damit der Eiserne Kanzler gemeint ist! Blut und Eisen: das Schlagwort, das ein jeder kennt. \u2013 Bismarck hat testamentarisch verf\u00fcgt, dass auf seinem Sarg folgende Inschrift stehen solle: &#8222;F\u00fcrst von Bismarck. Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.&#8220; Deshalb hei\u00dft die von ihm inspirierte Figur Fidelius.<\/p>\n<p>Hajo von Hinderlich<\/p>\n<p>&#8222;Hinderlich&#8220; ist eine kaum noch erkennbare Reminiszenz an Metternich. Seine Karlsbader Beschl\u00fcsse fanden die Liberalen auch ziemlich hinderlich. Hajo ist, wie sollte es auch anders sein, eine etymologische Nebenform von Hagen.<\/p>\n<p>Justus von Mitternacht<\/p>\n<p>Justizminister. Wahnsinnig kreativ, ich wei\u00df. Mitternacht ist eine Anspielung auf Hermann von Mittnacht, Ministerpr\u00e4sidenten des K\u00f6nigreichs W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Armandus von Krummhau<\/p>\n<p>Kriegsminister. Lateinisch f\u00fcr &#8222;Der Bewaffnete&#8220;; deshalb hei\u00dft es auch &#8222;Armee&#8220;. Krummhau: Eine Bewegung aus dem Fechtkampf. Armand-Jean du Plessis war der Name des Kardinals von Richelieu.<\/p>\n<p>Arbogast von Pflaumensempf<\/p>\n<p>Pfistermeister und von der Pfordten waren zwei Berater aus dem Umfeld von Ludwig II. (Ich recherchiere jetzt nicht nach, was genau sie waren. Wer es wissen m\u00f6chte, m\u00f6ge bitte selber nachschauen.) Wagner gab ihnen den Doppel-Spitznamen &#8222;Pfi&#8220; und &#8222;Pfo&#8220;.<\/p>\n<p>Oberst Gerangel<\/p>\n<p>Ja, der Name klingt wie Feldmarschall Wrangel.<\/p>\n<p>Doktor Suffrenkur<\/p>\n<p>Der hat nichts mit Suff zu tun, sondern mit souffrir. Die Suffrierenden darf er kurieren.<\/p>\n<p>Bonifatius Bettelb\u00fchl-Hunzingen<\/p>\n<p>Es gab ein Keltengrab bei Herbertingen in einem Berg namens Bettelb\u00fchl. Die gro\u00dfe Keltenstadt Pyrene lag in der N\u00e4he des heutigen Hundersingen, einer Teilgemeinde von Herbertingen.<\/p>\n<p>Isolanias Bankhaus Gladpurse, \u00c9galliens Banc des faibles taux d\u2019interets und Geraniens Banca Sana &#8211;&gt; Froher Geldbeutel. Hat auch eine \u00c4hnlichkeit zu Englands Premier Gladstone. Banca sana = Gegenteil von Banca rotta<\/p>\n<p>Eisenbiss&#8216; Bankier Nonno Lett &#8211;&gt; Pecunia non olet<\/p>\n<h1>Bismarck-Anspielungen<\/h1>\n<p>Aus &#8222;Der Kaiser, sein Feind und der Krieg&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Andere m\u00f6gen das nicht nachvollziehen, aber dem kl\u00e4glichen Selbstmitleid ist oft schon pr\u00e4chtiger Hass entsprossen, und nichts treibt heftiger zum Leben an als Hass. Wenn man\u2019s noch hundert Feinden heimzahlen muss, ist man von Kraft erf\u00fcllt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine inhaltliche Anspielungen an Bismarcks Aussage, nichts treibe so sehr zum Leben an wie die Liebe und der Hass. F\u00fcr die Liebe habe er seine Frau Johanna, und f\u00fcr den Hass Windthorst (Ludwig Windthorst, Katholik, Hannoveraner und Welfenfreund)<\/p>\n<blockquote><p>Der Staatsmann aber, der festh\u00e4lt an seinem Plan, auch wenn ihn das Toben der Mehrheit umtost, ist wie ein Deich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bismarcks erstes \u00f6ffentliches Amt war das des Deichhauptmanns.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich sehe schon voraus, wie das alles endigen wird&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>und<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;K\u00f6nnten wir anst\u00e4ndiger umkommen?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>aus dem Gespr\u00e4ch, das Wilhelm I. und Bismarck im Eisenbahnwagon f\u00fchrten, kurz nach der Blut-und-Eisen-Rede.<br \/>\nEs ist eine Vogel-Tradition, dass dieses Zitat in jedem Buch mindestens einmal vorkommt.<\/p>\n<blockquote><p>Der Generaloberst Ferdinand von Sonnentreu-Lichtengl\u00fcck lie\u00df anfragen, ob er den Sohn, der ihm gewiss bald geschenkt w\u00fcrde, nach dem Ort der siegreichen Schlacht benennen d\u00fcrfe. Nun w\u00fcrd ich ihm ja am liebsten sagen: \u201aPfratztenheim von Sonnentreu-Lichtengl\u00fcck! Bist bescheuert?\u2018, aber Sie wissen ja, wie ich bin, ich kann den Leuten einfach nichts abschlagen. Die Frauen werden wenigstens einen pr\u00e4chtigen Kosenamen draus machen: Der kleine Pfratz!<\/p><\/blockquote>\n<p>Graf Trampedang lie\u00df Bismarck fragen, ob er seinen bald zu erwartenden Sohn mit Vornamen &#8222;Bismarck&#8220; nennen d\u00fcrfe. Bismarck gestattete es, und lie\u00df ausrichten, wenn Gott ihm und seiner Frau (sie waren schon weit \u00fcber 70) noch einen Sohn schenken wolle, w\u00fcrde er ihn mit Freuden &#8222;Trampedang&#8220; nennen.<\/p>\n<blockquote><p>Heinrich h\u00f6rte schon den Schritt des Schicksals durch die Weltgeschichte hallen, und es war ihm, als wehe ein Zipfel seines Rocks \u00fcber ihn hinweg.<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Originalzitat hallt der Schritt Gottes durch die Weltgeschichte.<\/p>\n<blockquote><p>Und der Gesandte Feuerburgs, dieser Fidelius von Eisenbiss, war in seiner Jugend Hallodri, Hasardeur und Herzensbrecher! Den falschen Glauben hat er auch noch, Junggeselle ist er dazu, und hat als Student gewettet, er gr\u00fcnde ein Kaiserreich f\u00fcr seinen K\u00f6nig binnen zehn Jahren! Er hat die Wette nat\u00fcrlich verloren und ist seitdem hochverschuldet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bismarck war mehrere Jahre lang Gesandter. Und ja, er hat wirklich mit einem US-amerikanischen Kommilitonen gewettet, dass Deutschland binnen weniger Jahre eins sein werde. Als er dann seine Wettschulden begleichen wollte (wenn man nicht alles selber macht!) und seinen ehemaligen Kommilitonen ausfindig machen lie\u00df, kam heraus, dass dieser schon verstorben war. Er hie\u00df mit Nachnamen \u00fcbrigens Coffin.<\/p>\n<h1>Wagner-Anspielungen<\/h1>\n<blockquote><p>An dieser Stelle sehe ich mich moralisch verpflichtet zu erw\u00e4hnen, dass Deodonatus Karrenbauer das erhabenste Genie der Musik war, und gingen auch alle Partituren aller anderen Komponisten in Dunst oder in Rauch auf, dann h\u00e4tte die Welt doch keine Sekunde zu trauern.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Zerging in Dunst das alte deutsche Reich, uns bliebe gleich die heil&#8217;ge deutsche Kunst.&#8220;<br \/>\nMeistersinger. Wir alle wissen, wen Wagner damit meinte.<\/p>\n<blockquote><p>Oh Wonne der Seele! \u00dcberselig! Ewig! Ewig! Seiner Jugend einz\u2019ge Sonne, d\u00fcrstender Seele einz\u2019ge Wonne, aller K\u00fcnste Urbegr\u00fcnder, \u00fcberm\u00e4cht\u2019ger Herz-Entz\u00fcnder, sehen, ahnen, wahrlich, wahrlich, Aug\u2019 in Auge, Meister, K\u00f6nig, alles wollte er ihm geben, und doch alles \u2013 w\u00e4r zu wenig! Tand w\u00e4r alles Geschmeid\u2019 der Welt, alles Gut w\u00e4r Firlefanz, Kronen und Throne versanken, verzehrt von der Historie fauchendem Rachen, Knochen verblichen und Schl\u00f6sser verbrannten, zu Staub zerfielen Reiche, aber die Kunst, die heilige Kunst schwebte fort \u00fcber allem, Abendrot \u00fcber Unterg\u00e4ngen, Triumphatorin \u00fcber Tyrannen, Burg und Bollwerk der Erhabenheit, die Kunstwerke, die ewigen, weihevollen, gottgesandten, die Kunst des Meisters allein \u00fcberlebte alles, Tod und Vergessen entr\u00fcckt, die Kunst allein erl\u00f6ste alle Welt.<\/p>\n<p>Im Thronsaal empfing er ihn, vor blauwitternscher Fahne, er b\u00f6te ihm Land und Leute an, wenn er es wollte, Karrenbauer, Karrenbauer, der Geist, der mehr geschaffen hatte als aller andern vereinigte Kraft zuvor!<\/p><\/blockquote>\n<p>Da sind so viele Wagner-Versatzst\u00fccke drin, die z\u00e4hle ich jetzt nicht auf. Es hat super viel Spa\u00df gemacht, das zu schreiben.<\/p>\n<p>Die Rossbraune in &#8222;Der K\u00f6nig von Blauwittern&#8220;:<br \/>\nEines der M\u00e4dchen, das mit dem K\u00f6nig verkuppelt werden soll, hat braunes Haar und h\u00e4lt den Hals so sch\u00f6n gebogen wie ein Rassepferd. Der K\u00f6nig nennt sie in Gedanken &#8222;die Rossbraune&#8220;. &#8211;&gt; Eine der Walk\u00fcren hei\u00dft Rosswei\u00dfe.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWelches ist Ihr Lieblingswerk?\u201c, rief er. Anderen schien diese Frage unbedeutend, Karrenbauerianern aber gab die Antwort genaueste Auskunft \u00fcber den Charakter des Gegen\u00fcbers, Karrenbauerianer begriffen sich sofort! Wer den \u201eFliegenden Verfluchten\u201c nannte, war Freigeist, bisweilen aufs\u00e4ssig und rebellisch; wer \u201eLichtenstein\u201c liebte, hegte Leidenschaft in sich und Hang zur Poesie; den \u201eSchwanenhelden\u201c, ach, den liebten die Geistwesen, die zartesten Seelen, auch f\u00e4lschlich \u201eTr\u00e4umer\u201c genannt. \u201eDer Liebestod\u201c, dem hingen alle an, die Hingabe hegten im \u00dcberma\u00df, Schmachten und Sehnen f\u00fchlten in Herz und Brust; \u201eDas Handwerk der Kunst\u201c, das ehrten die Klugen, die Denkenden, die Forschenden, und auch so manche Eiferer. \u201eWheingold\u201c, den Stolzen und Erfolgreichen zur Freude; \u201eDas Schwert im Stamm\u201c f\u00fcr unzerbrechliche Geister, K\u00e4mpfernaturen. Und dann die Werke, noch unvertont, die ganze Welt harrte ihrer: \u201eDer Wurmt\u00f6ter\u201c, bevorzugt von heiteren Karrenbauerianern voll jungenhafter Abenteuerlust; \u201eDes Wurmt\u00f6ters Tod\u201c, geliebt von den Freunden unermesslichen Wissens, in Bildung verirrt \u2013 und zuletzt \u201eDie Gralsritterburg\u201c, reinster Quell der Erquickung dem Dulder und B\u00fc\u00dfer.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie sind alle da.<\/p>\n<blockquote><p>Am Abend fuhr er nach Wahnreuth. Der Schein der Sonne erleuchtete den Wahnreuther H\u00f6henzug. An seinem Ende stand ein einzelner H\u00fcgel, vergoldet im Licht, als wolle die Sonne sterbend ihn noch gr\u00fc\u00dfen. In h\u00f6chster Ergriffenheit sah die kleine Stadt zu, wie die Schatten der D\u00e4mmerung den H\u00fcgel hinaufkrochen. Als er von den Schatten g\u00e4nzlich verh\u00fcllt war, fiel die Nacht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind Zitate aus der Regieanweisung der G\u00f6tterd\u00e4mmerung.<\/p>\n<p>Die \u00fcberall eingestreuten kleinen Zitate kann ich nicht auff\u00fchren, das w\u00fcrde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen. Au\u00dferdem w\u00fcrde es nur Wagnerianer interessieren, und die freuen sich, wenn sie die Zitate selber finden.<\/p>\n<h1>Historische Anspielungen<\/h1>\n<blockquote><p>\u201eEs war mir eine Ehre\u201c, sagte er vorsichtshalber zu K\u00fcckenstaal, \u201eund wenn nicht daheim beim Triumphzug, dann gibt es oben ein Wiedersehen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Oben gibt es ein Wiedersehen&#8220; sagte Wilhelm I., als er 1879 dem todkranken Albrecht von Roon, seinen einstigen Kriegsminister, einen letzten Besuch abstattete.<br \/>\nKaiser Wilhelm II. soll das in Doorn zu einem Dienstm\u00e4dchen gesagt haben.<\/p>\n<blockquote><p>Er glich eigentlich ganz den Schreibtischen, wie man sie in den B\u00fcros gro\u00dfer Industrieller vorfindet \u2013 nur dass bei diesem hier vor zweihundert Jahren Kaiser Gereon rechts in die Tischfl\u00e4che die mysteri\u00f6sen Buchstaben \u201eHSEVI\u201c eingeritzt hatte. Historiker stritten seit Jahrhunderten dar\u00fcber, ob die Buchstaben ein K\u00fcrzel waren f\u00fcr \u201eHuwelreich stets elend verschuldet ist\u201c oder f\u00fcr \u201eHier sitzt ein vergn\u00fcgter Intrigant\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Anspielung an den Habsburger Kaiser Friedrich III. und sein Faible f\u00fcr die Abk\u00fcrzung AEIOU. (= Alles Erdreich ist \u00d6sterreich untertan.)<br \/>\nMan kann sich sicher sein, dass Kaiser Gereon auch einmal einen Auftritt bekommt.<\/p>\n<blockquote><p>Au\u00dferdem besa\u00df Rudolf eine Wohnung in der Engen Riesengasse<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gibt die Kleine Riesengasse in Worms!<\/p>\n<blockquote><p>Ja, vielleicht ist von allen K\u00fcnsten die Kochkunst gerade die, die vom allgemeinen Niedergang des guten Geschmacks am wenigsten betroffen ist. Malerei, Bildhauerei, Literatur und Oper darben heutzutage vor sich hin in selbstverschuldeter Abscheulichkeit, alldieweil sie ihre neuesten Erzeugnisse f\u00fcr wahre wonnige Wunderwerke halten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da ist tats\u00e4chlich ein Kant-Zitat drin verwurstet worden.<\/p>\n<blockquote><p>Huwelreich erlebte eine Epoche des Friedens: Niemand war ihm gram, seine Nachbarn wurstelten unverzagt vor sich hin, und die Journalisten pr\u00e4gten schon den Begriff \u201edas langweilige Jahrhundert\u201c, weil sie es leid waren, nur noch \u00fcber Lappalien zu berichten, \u00fcber den Husten der K\u00f6nigin von Isolania, \u00fcber den neuen Mantel der K\u00f6nigin von Feuerburg oder \u00fcber die Doggen von Fidelius von Eisenbiss.<\/p><\/blockquote>\n<p>Historiker nennen das 19. Jahrhundert auch &#8222;das lange Jahrhundert&#8220; (sie z\u00e4hlen dann die ersten 18 Jahre des 20. Jahrhunderts mit dazu).<br \/>\nIrgendein Kanzler unter Kaiser Franz Joseph bezeichnete seine politische Arbeit als &#8222;durchwursteln&#8220;.<\/p>\n<blockquote><p>Der Kronprinz bewegt sich, doch er tanzt nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Le congr\u00e8s dance, mais ne marche pas.<\/p>\n<blockquote><p>Just in diesem Augenblick verlor der Leibkammerdiener das Gleichgewicht, die Sch\u00fcsseln in seiner Hand neigten sich nach vorne, und mit einer gewaltigen Welle schwappten Leberkn\u00f6del und Suppe \u00fcber den Rand und auf den Boden.<\/p>\n<p>\u201eUm Himmels willen verdammt nochmal!\u201c, sagte der Leibkammerdiener und holte Luft, als wappne er sich f\u00fcr das B\u00fccken. \u201eDas tut mir leid, Majest\u00e4t! Ich lege mich Eurer Majest\u00e4t zu F\u00fc\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas lassen Sie bleiben\u201c, sagte Leopold. \u201eZu meinen F\u00fc\u00dfen liegen ja schon die Leberkn\u00f6del.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist genauso dem Kaiser Franz Joseph passiert. Eugen Ketterl hat&#8217;s aufgeschrieben.<\/p>\n<blockquote><p>Von hier und heute ging eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, denn Karrenbauer, der Menschheit Gr\u00f6\u00dfter, fand einen M\u00e4zen!<\/p><\/blockquote>\n<p>Goethe<\/p>\n<p>Hellwigs Adelshandbuch: Das ist quasi der Gotha.<\/p>\n<blockquote><p>Die Zirser (&#8230;) beflei\u00dfigten sich seit Jahrhunderten auch der Kunst des F\u00e4hnchenschwenkens. Die Zirser hatten nahezu keinen Krieg auf der Seite desjenigen Landes beendet, mit dem gemeinsam sie ihn begonnen hatten.\u00a0(Aus diesem Grund hatte im f\u00fcnfzehnten Jahrhundert der Friedenfelser Kaiser, als er die Ehren\u00e4mter bei Hofe neu verteilte, eigens f\u00fcr den Zirser Grafen das Amt des Fahnenschwenkers eingef\u00fchrt.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gab fr\u00fcher Ehren\u00e4mter f\u00fcr die Kurf\u00fcrsten. Erzk\u00e4mmerer\u00a0(der Brandenburger Markgraf), Mundschenk, Marschall, Truchsess. Fahnenschwenker gab es jedoch nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Wie das Sprichwort fr\u00fcher sagte: \u201aAndere Herrscher haben Haustiere; die Hohenmeininger haben ihr Heer.\u2018<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist eine Variation des bekannten Bonmots: &#8222;Preu\u00dfen ist kein Staat, der sich eine Armee h\u00e4lt, sondern eine Armee, die sich einen Staat h\u00e4lt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Bartpomade von Kaiser Johann, &#8222;Wunderwerk&#8220;, entspricht der Bartpomade, die Kaiser Wilhelm II. Barbier verwendete und die &#8222;Es ist erreicht!&#8220; hie\u00df.<\/p>\n<blockquote><p>Wenigstens hatten die Dakadier, diese Nudeln, doch noch einen lichten Moment gehabt und endlich eingesehen, dass Aarenland und Huwelreich die Landwirte waren, die die Felder des Friedens bestellten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Kaiser Wilhelm II. einmal \u00fcber die Engl\u00e4nder: &#8222;Die Nudeln scheinen einen lichten Moment gehabt zu haben.&#8220;<\/p>\n<p>Die Sozialistenkneipe hei\u00dft &#8222;Zum Stillen Rad&#8220;.<br \/>\nDenn wie dichtete Georg Herwegh? &#8222;Mann der Arbeit, aufgewacht! Und erkenne deine Macht! Alle R\u00e4der stehen still, wenn dein starker Arm es will!&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>Und, oh Wunder, ungeahnt: Der sozialistische \u201eAuf geht\u2019s!\u201c hatte heute auf der Titelseite ein Bild von Eisenbiss ver\u00f6ffentlicht, mit der \u00dcberschrift: \u201eWir wollen unsern alten Kanzler wiederhaben!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das eine Anspielung auf den &#8222;Vorw\u00e4rts!&#8220;, und auf den volkst\u00fcmlichen Text des Fehrbelliner Reitermarschs.<br \/>\nEs gibt noch ein Satireblatt &#8222;Der Schwafelhannes&#8220;, das dem &#8222;Kladderadatsch&#8220; entspricht.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSie sind also der Meinung, das Automobil wird sich durchsetzen?\u201c, sagte Vater barsch und stach in seinen Kabeljau.<br \/>\n\u201eAllerdings. Das Pferd hat seinen Dienst an der Menschheit erf\u00fcllt, nun bricht das Zeitalter des Motors an.\u201c<br \/>\n\u201eIch glaube nicht an das Fortbestehen des Automobils\u201c, sagte Vater. \u201eEs wird sich nicht durchsetzen. Und daf\u00fcr wollen wir dankbar sein! Man stelle sich vor, zu welchen Gr\u00e4ueln der Mensch f\u00e4hig w\u00e4re, wenn er mit Motorwagen auch auf den Schlachtfeldern umherf\u00fchre! Nein, nein, das Automobil ist nur eine Modeerscheinung. Der Gott, der Bl\u00fcmchen wachsen lie\u00df, der wollte keine R\u00e4der.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Es gab ein vaterl\u00e4ndisches Lied mit dem Text &#8222;Der Gott, der Eisen wachsen lie\u00df, der wollte keine Knechte&#8220;.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: 1rem;\">In allen gro\u00dfen St\u00e4dten Aarenlands hatte man Spruchb\u00e4nder aufgeh\u00e4ngt, derselbe Gru\u00df, in allen Dialekten: \u201eTsch\u00fcss, alter Kaiser!\u201c \u201ePfiadi, alter Kaiser!\u201c \u201eAde, alter Kaiser!\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Vale, senex imperator!<\/p>\n<p>Das Kaiserbegr\u00e4bnis in einem der B\u00fccher (Spoiler) ist inspiriert vom habsburgischen Hofzeremoniell wie auch vom Grabspruch von Wilhelm II.<\/p>\n<p>Aarenlands Hymne:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eOh Aarenland, einst kriegsgeboren, rufst die S\u00f6hne du ins Feld, stets zu siegen auserkoren, dass es ewig dir gef\u00e4llt! Gott im Himmel singt uns Lieder, schaut mit Stolz auf uns hernieder! Einzig ihn nur f\u00fcrchten wir, sonst ja weder Mensch noch Tier!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In guter alter Hymnentradition klingt es arg gezwungen. Jepp, das war Absicht. Hymnen klingen immer ziemlich bem\u00fcht.<br \/>\nDer grammatikalische Fehler im ersten Satz entspricht einer Stelle in der G\u00f6tterd\u00e4mmerung, wo genau die gleiche Satzkonstruktion verwendet wird. (Wagner sagt, das ist so in Ordnung.)<br \/>\nGott im Himmel singt uns Lieder: Im bekannten vaterl\u00e4ndischen Lied &#8222;Was ist des Deutschen Vaterland&#8220; hei\u00dft es am Ende: &#8222;Dort, wo die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt: Das soll es sein, das wack&#8217;rer Deutscher, nenne dein!&#8220;<br \/>\nViele Zeitgenossen haben sich dar\u00fcber am\u00fcsiert und meinten, Gott selber singe sich da oben Lieder. (Wussten die schon damals nicht mehr, dass man nicht nur f\u00fcr jemanden, sondern auch jemandeM singen kann? \u2013 &#8222;So sing ich dir Lieder von meinen jungen Tagen&#8220; hei\u00dft es bei Wagner, und in der Bibel hei\u00dft es: &#8222;Dem Herrn will ich singen ein Lied.&#8220; Bei Homer: &#8222;Singe mir, Muse&#8220;.)<br \/>\nSchaut auf uns hernieder: &#8222;Unser gro\u00dfer Verb\u00fcndeter im Himmel&#8220; sagte Wilhelm II.<br \/>\nDer letzte Satz bezieht sich nat\u00fcrlich wieder auf einen Bismarckspruch, den sehr bekannten: &#8222;Wir Deutsche f\u00fcrchten nichts auf der Welt, und die Gottesfurcht ist es, die uns den Frieden lieben und pflegen l\u00e4sst.&#8220;<\/p>\n<h1>Anspielungen im Worms-Buch<\/h1>\n<p>Der Kr\u00f6nungseid besteht aus St\u00fccken des Hohelieds der Liebe und des Psalms &#8222;Schwur eines K\u00f6nigs&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Wie ein Sturmwind aus den Bergen&#8220;: schrieb irgendein Chronist \u00fcber die Hunnen<\/p>\n<p>\u201eEs wird eine Zeit des Kampfes anbrechen\u201c, sagte es, \u201eund eine Zeit der Fehden, eine Zeit des Elends und eine Zeit, in der du dein Geschick verfluchen wirst!\u201c &#8211;&gt; Bibel. Alles hat seine Zeit.<\/p>\n<p>&#8222;Windhauch (und Luftgespinst)&#8220;: Die ikonische Stelle aus dem Buch Kohelet.<\/p>\n<p>&#8222;verr\u00fcckt wurden wie M\u00e4rzhasen&#8220; &#8211;&gt; Sogar hier ein Kaiser-Wilhelm-II.-Zitat!<\/p>\n<p>&#8222;ein ehrenwerter Mann&#8220; &#8211;&gt; Das hat der eine \u00fcber Brutus auch gesagt im Shakespeare-Drama<\/p>\n<p>&#8222;er schl\u00e4gt sich selber in Bande&#8220; &#8211;&gt; ich wollte nur mal Schiller zitieren (schlugen die H\u00e4scher in Bande)<\/p>\n<p>&#8222;Mit dir zerschlug ich St\u00e4dte und Wagen, &#8230;&#8220; &#8211;&gt; aus der Bibel, es geht um Babel<\/p>\n<p>Das Zitat des Alten Fritz &#8222;Hunde, wollt ihr ewig leben&#8220;, kommt in leicht ver\u00e4nderter Form in Band 2 vor.<\/p>\n<p>&#8222;\u00f6de Behausung f\u00fcr Schakale&#8220; &#8211;&gt; \u00fcber die Zerst\u00f6rung einer Stadt in der Bibel<\/p>\n<p>&#8222;Befehlsruf der Posaune usw.&#8220; &#8211;&gt; aus der katholischen Messe (vorkonziliar)<\/p>\n<p>&#8222;Alles Menschenwerk ist nutzlos, Rachen des Todes, &#8230;&#8220; &#8211;&gt; wieder Kohelet<\/p>\n<p>Gibichs Pferd hei\u00dft Zerst\u00f6rer. Damals gab es diesen Schiffstyp nat\u00fcrlich noch nicht; wenn es trotzdem Assoziationen weckt: Danke, so habe ich das beabsichtigt!<\/p>\n<p>Es gibt noch viel mehr, eigentlich reden sie st\u00e4ndig in Zitaten daher.<\/p>\n<p>Augustinuszitate:<\/p>\n<ul>\n<li>In dir muss brennen, was du in anderen entz\u00fcnden willst.<\/li>\n<li>Ich tadle nur aus Liebe.<\/li>\n<\/ul>\n<h1>Die Lieblingsanspielung<\/h1>\n<blockquote><p>\u201eDieser Sieg beruhte nicht nur auf Dusel\u201c, sagte Johann. \u201eDie haben einen Fuchs im Generalstab, einen richtig listigen! Ich sehe es schon kommen: Ich werde einer dieser armseligen K\u00f6nige werden, der mit seinem ganzen Land unterging! Und noch in tausend Jahren wird man Opern komponieren \u00fcber meine Schmach, und Sie beide: Sie sind die Schurken, und ich bin der arme willenlose gutherzige Landesvater, der das alles gar nicht gewollt hat!\u201c<\/p>\n<p>Eisenbiss richtete sich auf und sagte: \u201eJa, wenn das unser Schicksal ist, dann werden wir an der Spitze unserer Truppen in die letzte Schlacht ziehen und fallen. Und k\u00f6nnten wir anst\u00e4ndiger umkommen? Ich selbst im Kampfe f\u00fcr die Sache meines K\u00f6nigs, und Euer Majest\u00e4t, indem Sie Ihr Land mit dem eignen Blute verteidigen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGro\u00dfartig!\u201c, rief Johann, der ob dieser Aussichten nicht in Begeisterung verfiel, \u201eund am Ende werden die Huwelreicher in meine Hauptstadt einziehen, \u00fcber meine Fahne hinwegreiten, die Statuen meiner Vorfahren zerschmettern, meinen Palast anz\u00fcnden, meine M\u00f6rsersammlung nach Gutensaat entf\u00fchren, Kaiser Leopold wird auf meinem Thron sitzen und der Kronprinz wird meine Tochter heiraten. Dabei w\u00e4re der Prinz ein viel netterer Ehemann f\u00fcr sie. Ich sage Ihnen: Das wird eintreffen, alles! Leb wohl, Feuerburg!\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier ist alles versammelt, was ich mag:<\/p>\n<p>Wir haben zuerst eine Anspielung aufs Nibelungenlied und auf Wagners G\u00f6tterd\u00e4mmerung. Weiterhin haben wir eine Anspielung auf die Postkarten\/Bildchen, die nach (w\u00e4hrend?) dem Ersten Weltkrieg gedruckt wurden und Kaiser Wilhelm II. in Feldgrau und mit Pferd und Pickelhaube vor einem Soldatengrab zeigen. Darunter steht: &#8222;Ich habe den Krieg nicht gewollt.&#8220;<br \/>\nWer meine B\u00fccher liest, erkennt zwangsl\u00e4ufig, dass Johann von den beiden Wilhelms inspiriert ist.<\/p>\n<p>Es folgt das unverzichtbare Eisenbahnwagon-Zitat.<\/p>\n<p>M\u00f6rsersammlung: Schlaue K\u00f6pfe werden ahnen, dass damit nicht M\u00f6rser zum Zersto\u00dfen von Kr\u00e4utern, sondern die Gesch\u00fctze gemeint sind. (Mich hat eine Anekdote \u00fcber Bismarck und die Kanonen im Schlossgarten der Hohenzollern dazu inspiriert.)<\/p>\n<p>Kronprinz und Prinz von Huwelreich: Der Johann wei\u00df halt, wie &#8222;Der Kaiser von Huwelreich&#8220; ausgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anspielungen sind Perlen f\u00fcr diejenigen, die tauchen k\u00f6nnen. Deshalb schreiben eifrige Germanisten Erl\u00e4uterungsb\u00e4nde zu den Werken von Anspielungshelden wie Goethe! Er hat uns mit zahllosen Anspielungen beschenkt. Auch heute noch gibt es Meister der Anspielungen; genannt seien Walter Moers oder Franz Herre. Ich habe es geliebt, fr\u00fcher in meiner in gelbes Leinen gebundenen Goethe-Ausgabe oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,5,8,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=600"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1281,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions\/1281"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}