{"id":512,"date":"2019-01-15T08:07:52","date_gmt":"2019-01-15T07:07:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=512"},"modified":"2019-01-09T19:29:30","modified_gmt":"2019-01-09T18:29:30","slug":"weihnachtsgeschenk-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2019\/01\/15\/weihnachtsgeschenk-2018\/","title":{"rendered":"Weihnachtsgeschenk 2018"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein bisschen sp\u00e4t f\u00fcr ein Weihnachtsgeschenk, aber wenn man was umsonst bekommt, will man ja nicht meckern, oder nicht?<\/p>\n<p>Hier eine Kurzgeschichte zu &#8222;Dietrich von Bern \u2013 K\u00f6nig ohne Reich und Krone&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"\"><\/div>\n<div>\n<p>Dietrich von Bern schleppte sich die letzten Stufen zur Schwarzen Burg hinauf. Sein Umhang peitschte im Wind, Schneeflocken kratzten in seinem Gesicht. Die B\u00f6en drangen durch das Kettenhemd und lie\u00dfen ihn fr\u00f6steln trotz seines ledernen Wamses. Er murmelte einen Fluch und k\u00e4mpfte sich weiter.<br \/>\nDer Aufstieg zur Schwarzen Burg war niemals gef\u00e4hrlicher als im Winter; ein falscher Tritt, und man st\u00fcrzte hinab in den klaffenden Abgrund, brach sich das Genick und endete als Brei f\u00fcr alte, zahnlose W\u00f6lfe. Unter der Schneeschicht verbargen sich Krater und Risse; Eisfelder schleuderten den arglosen Wanderer mit Schwung hinunter, und es hie\u00df, nur wer lebensm\u00fcde oder ein wahrer Held war, wagte es, im Winter hier hinaufzuklettern.<br \/>\n\u201eH\u00f6r zu, Nagelring\u201c, sagte er zu seinem treuen Schwert. \u201eViele K\u00e4mpfe haben wir beide schon bestanden, gegen die pr\u00e4chtigsten Gegner \u2013 doch jedes Mal gingen wir lebend daraus hervor; wir besiegten den unverwundbaren Siegfried von Xanten genauso wie den stolzen Wittich, den furchtlosen Iring von Th\u00fcringen und den unausstehlichen Hildebrand.\u201c<br \/>\nHildebrand hinter ihm seufzte.<br \/>\n\u201eWir besiegten den m\u00e4chtigen L\u00fcdeger von Sachsen und den \u2013 \u00e4hm \u2013 K\u00f6nig von Burgund, dessen Schwertkampfk\u00fcnste genauso gro\u00df sind wie seine Entschlossenheit.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist nun wahrlich keine Errungenschaft, den zu besiegen\u201c, sagte Hildebrand. Ewig grantiger Alter!<br \/>\n\u201eHe\u201c, sagte Dietrich, \u201egibt Acht auf deine Worte, alter Mann! In dieser K\u00e4lte k\u00f6nntest du leicht stolpern, und wenn ich vergr\u00e4mt bin, vermag ich es vielleicht nicht, dich noch rechtzeitig am Fallen zu hindern. \u2013 Also, Nagelring: Au\u00dferdem besiegten wir sogar den Herzog von Tronje, der so grimmig ist, dass man ihn f\u00fcr einen unehelichen Sohn meines alten Hildebrands halten \u2013\u201c<br \/>\n\u201eNie wurde ich schlimmer beleidigt als heute! Au\u00dferdem war der Tronjer bei eurem letzten Zweikampf schon arg angetrunken.\u201c<br \/>\n\u201eAch was, diese Rheinl\u00e4nder sind trinkfest! \u2013 Wie dem auch sei, Nagelring, unser h\u00e4rtester Kampf steht uns noch bevor: Wir wollen k\u00e4mpfen gegen den Herrn dieser starken Burg, gegen den Schwarzen Ritter, den Schrecken des Landes!\u201c<br \/>\nEine besonders garstige B\u00f6e wehte Dietrich den Umhang \u00fcber den Kopf. Er fluchte und streifte ihn zur\u00fcck. Beinahe verlor er dabei das Gleichgewicht und w\u00e4re seinem Tod entgegengest\u00fcrzt \u2013 h\u00e4tte ihn nicht der alte Hildebrand gest\u00fctzt, wie es sich f\u00fcr einen wackeren, treuen Gefolgsmann geh\u00f6rte.<br \/>\nDietrich schnaufte und schaute nach oben. Aus dem grauen Himmel fielen unentwegt die Flocken herab; vor ihm ragte eine schwarze Masse in die H\u00f6he: der Schwarze Turm des Schwarzen Ritters. Diesmal umkreisten ihn keine Kr\u00e4hen; die Kr\u00e4hen waren wohl alle erfroren oder hatten sich in die W\u00e4lder im Tal verkrochen.<br \/>\nNiemand hatte den Schwarzen Ritter je im Zweikampf besiegt. Wer ihn zum Kampf forderte, war ein toter Mann.<br \/>\nDietrich w\u00fcrde den Kampf wagen, wie er es dem Schwarzen Ritter einst versprochen hatte. Er m\u00fcsste nur darum bitten, dass er sich vorher am Feuer aufw\u00e4rmen d\u00fcrfte, er war steif wie sein Schwert. Seine Nase war vermutlich blau wie ein Saphir. Er ballte die Faust und schlug kraftvoll gegen das geschw\u00e4rzte Tor aus Eichenholz.<br \/>\nNichts regte sich. War der Schwarze Ritter bereits erfroren? Es n\u00e4hme ihn nicht wunder. Hildebrand neben ihm wuchsen bereits Eiszapfen aus dem Bart.<br \/>\nDer Wind r\u00fcttelte an ihnen beiden und wollte sie hinabsto\u00dfen. Dietrichs Z\u00e4hne klapperten; das geh\u00f6rte sich nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr einen gro\u00dfen Helden, deshalb fing er an zu summen, damit es schiene, als singe er eine heitere Weise. Er stampfte dazu, als schl\u00fcge er den Takt.<br \/>\n\u201eEin gro\u00dfartiger Einfall\u201c, sagte Hildebrand. \u201eIm \u00e4rgsten Winter auf Wanderschaft gehen! Nun stehen wir hier herum wie Lots Frau.\u201c<br \/>\n\u201ePah\u201c, sagte Dietrich, \u201eer wird \u00f6ffnen!\u201c<br \/>\nErneut hob er die Faust und h\u00e4mmerte gegen das Holz. Zwei Eiszapfen fielen herunter und h\u00e4tten ihn fast durchbohrt. Zum Gl\u00fcck trug er seinen Helm.<br \/>\nNichts. Der Wind heulte um sie her, und Dietrichs Z\u00e4hne klapperten.<br \/>\n\u201eHe!\u201c, rief er hinauf, \u201eSchwarzer Ritter! Hast du mich vergessen? Ich bin Dietrich von Bern, der gro\u00dfe Held, und fordre dich zum Kampf! Und au\u00dferdem ist es hier verdammt kalt! Das ist nicht gastlich, die Leute vor der T\u00fcre erfrieren zu lassen!\u201c<br \/>\n\u201eDein Lehrmeister muss ein unh\u00f6flicher Mann gewesen sein!\u201c, f\u00fcgte Hildebrand hinzu.<br \/>\nNur der Wind heulte so hingebungsvoll, als wolle er sie nach\u00e4ffen.<br \/>\nAuf einmal erklang ein schabendes Ger\u00e4usch, Holz auf Holz: Der Riegel wurde zur\u00fcckgeschoben. Das schwere Eichentor bewegte sich. Langsam schwang es auf und gab den Blick frei auf den Innenhof der Schwarzen Burg, mit einem bl\u00e4tterlosen Rosenbogen, einem zugefrorenen Teich, auf dem die Enten umherwatschelten, und verh\u00e4rmten Kirschb\u00e4umen. Eine schlanke Ricke stakste vorbei in Richtung einer Raufe voll Heu. Vor ihnen stand ein kleiner Knappe, ganz in Schwarz.<br \/>\n\u201eGott, ist das kalt. Was w\u00fcnscht Ihr?\u201c, sagte er mit noch weibisch hoher Stimme.<br \/>\n\u201eIch komme, um zu k\u00e4mpfen gegen deinen Herrn! Er soll sein letztes Gebet sprechen und sich wappnen.\u201c<br \/>\n\u201eDa kommt Ihr gerade recht\u201c, sagte der Kleine. \u201eNur herein mit Euch!\u201c<br \/>\nEr f\u00fchrte sie in die Burg, durch eine T\u00fcre und eine Treppe hinunter. Brachte er sie in den Kerker, in dem der Schwarze Ritter seine Gefangenen folterte? Schreie stiegen zu ihnen herauf, das Gejohle blutr\u00fcnstiger Kerkermeister, irrsinniges Gel\u00e4chter.<br \/>\nDietrich legte die Hand ans Heft und wollte Nagelring halb ziehen \u2013 es ging nicht. Es war festgefroren.<br \/>\n\u201eIn meiner Jugend waren die Winter viel h\u00e4rter\u201c, sagte Hildebrand. \u201eDamals ging mir der Schnee noch bis zum Hals!\u201c<br \/>\n\u201eDamals warst du auch nur so gro\u00df wie ein Hase.\u201c<br \/>\n\u201eUnsinn! Ich war fr\u00fcher viel gr\u00f6\u00dfer, als mich Kummer und Sorgen noch nicht verbogen hatten wie ein misshandeltes Schwert! Au\u00dferdem \u2013\u201c<br \/>\nDietrich zischte um Ruhe. In das Geschrei mischten sich auch Geigenkl\u00e4nge. Eigenartiger Kerker.<br \/>\nDer Knappe blieb stehen und stie\u00df eine schwere Holzt\u00fcre auf. Dietrich trat hindurch, bereit, sich zu verteidigen, falls ihn ein Feind angriffe. Dann erstarrte er.<br \/>\nDas war nicht der Kerker. Es war der Weinkeller, und hier fand ein Fest statt: Gewiss hundertf\u00fcnfzig Leute dr\u00e4ngten sich um die F\u00e4sser oder sa\u00dfen auf B\u00e4nken; manche tanzten sogar auf den Tischen. Es waren Menschen und Zwerge, Frauen und M\u00e4nner, manche kannte er sogar: In einer Ecke stand ein blonder Recke, mit einer Statur wie der heidnische Donnergott, und stemmte zwei Weinf\u00e4sser hoch, indessen die M\u00e4dchen ihm zujubelten. Das war Siegfried von Xanten, Drachent\u00f6ter und Angeber, wie es keinen zweiten gab. Hildebrand behauptete immer, Dietrich und Siegfried seien Br\u00fcder im Geiste. Hildebrand erging es wie allen Alten: Das Greisenalter hatte ihn nicht mit Weisheit, sondern nur mit Missmut gesegnet.<br \/>\nUmringt von Zwergen und Menschenkriegern sa\u00df Olm, der Zwergenk\u00f6nig, ihm zur Seite sein sch\u00f6nes Weib, dessen liebliches Aussehen mit seinem kratzb\u00fcrstigen Wesen so gar nicht zusammengehen wollte. Gerade zeterte es, Olm solle nicht immer den Weinkelch umherschwenken, dass die H\u00e4lfte herausschwappe, sie trage ein wei\u00dfes Kleid, und es s\u00e4he ja bald aus, als habe sie einer Mordtat beigewohnt in n\u00e4chster N\u00e4he! Olm erkl\u00e4rte, so umst\u00e4ndlich w\u00fcrde niemand denken, man schl\u00f6sse vielmehr, sie habe h\u00f6chstselbst jemanden ermordet \u2013 mit blo\u00dfen H\u00e4nden.<br \/>\nDie Schw\u00e4gerinnen des Zwergenk\u00f6nigs tanzten zusammen auf einem Tisch, wobei einer der begeisterten Zuschauer ein ums andere Mal ausrief, von den Spr\u00fcngen der Dicken br\u00e4che bald alles zusammen, und er wolle sie gerne auffangen, wenn sie fiele.<br \/>\n\u201eSo dick ist sie nun auch wieder nicht\u201c, sagte Dietrich emp\u00f6rt. Heutzutage wollten die M\u00e4nner offenbar keine Weiber mehr, sondern Zweige. In seiner Jugend wusste man wahre Sch\u00f6nheit noch zu sch\u00e4tzen \u2013 ach weh, er redete ja schon daher wie der alte Hildebrand!<br \/>\nAuf einem anderen Tisch stand ein Spielmann und geigte munter vor sich hin. Die Weise, die er spielte, vertrug sich allerdings keineswegs mit dem Lied, das die Umstehenden sangen; eine ganz w\u00fcste Weise war es, irgendein schamloses Trinklied aus Schwaben, das davon handelte, dass \u00fcber den W\u00fcsten Afrikas einst ein Meer aus Bier schwappte, ehe der S\u00e4nger alles ausgesoffen hatte.<br \/>\nIring von Th\u00fcringen und L\u00fcdeger von Sachsen kauerten einander gegen\u00fcber an einem Tisch und widmeten sich dem Armdr\u00fccken. Das betrieben sie mit so viel Ernst, dass immer wenn einer zu unterliegen drohte, seine Gefolgsleute hinter ihm schon die Dolche zogen.<br \/>\nDer Burgpriester lehnte an einem Weinfass, ins Gespr\u00e4ch vertieft mit K\u00f6nig Gunther. Der Burgunderk\u00f6nig hatte offenbar schon f\u00fcnf Kelche zu viel, denn er plapperte und fuchtelte mit einer Hingabe, die man bei seinem ged\u00e4mpften Temperament gar nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Dietrich schnappte ein paar Gespr\u00e4chsfetzen auf: \u201eAnathema\u201c und \u201eH\u00e4retiker\u201c, \u201eInterdikt\u201c und \u201eTranslation\u201c. Den guten Gunther hatte wohl niemand je gelehrt, was passende Gespr\u00e4chsinhalte f\u00fcr eine Feier waren.<br \/>\nDer Spielmann (in dem Dietrich nun den Herrn von Alzey erkannte) verlor offenbar die Geduld ob der schn\u00f6den Kunstver\u00e4chter, endete mit einem schrillen Misston und sprang vom Tisch herab, indem er emp\u00f6rt vor sich hinmurmelte. Niemand schien das Ende seines Vortrags zu bedauern.<br \/>\nDas Gr\u00fcppchen, das ihnen am n\u00e4chsten stand, brach in schallendes Gel\u00e4chter aus. Es waren drei Zwerge und Hagen von Tronje. Er hatte offenbar schon ein Fass zu viel getrunken, denn der Tronje lachte nur, wenn er sturzbetrunken war oder eine Stadt niedergebrannt hatte. Er bemerkte Dietrich und kam her, schon arg wankend.<br \/>\n\u201eIsch gr\u00fc\u00df Euch, K\u00f6nisch Diedrisch\u201c, sagte er. Diese Wormser konnte keiner mehr ernst nehmen, wenn sie erst einmal betrunken waren.<br \/>\n\u201eHeiteres Fest, wie?\u201c, sagte Hildebrand. \u201eWas erz\u00e4hlen die Zwerge so Lustiges?\u201c<br \/>\n\u201eIsch wei\u00df nicht, es war auf Zwergisch. Aber luschdisch war\u2019s schon.\u201c Er grinste versonnen in seinen Becher, als teile der mit ihm irgendein unheilbringendes Intrigantengeheimnis.<br \/>\n<span style=\"font-size: 1rem;\">\u201eWas feiert man denn?\u201c, sagte Dietrich, \u201eund wo ist der Burgherr?\u201c<br \/>\n<\/span>Hagen \u2013 nicht ohne Ursache warnte man alle Leute vor seiner messerscharfen Klugheit \u2013 drehte seinen Becher um, stellte fest, dass nur noch ein Tropfen herausfiel und kam zum Schluss, sein Becher m\u00fcsse somit leer sein. Den n\u00e4chsten Knappen, der vorbeist\u00fcrmte, hielt er mit dem Dolch auf und tauschte seinen Becher gegen den ganzen Krug.<br \/>\nDietrich winkte ab und st\u00fcrmte an ihm vorbei. Irgendjemand musste doch noch n\u00fcchtern genug sein, um ihm zu erkl\u00e4ren, was hier vor sich ging!<br \/>\nEs war so hei\u00df, inzwischen war er wieder aufgew\u00e4rmt und in bester Verfassung f\u00fcr den Zweikampf.<br \/>\n\u201eIch gr\u00fc\u00df Euch, K\u00f6nig Dietrich!\u201c, sagte K\u00f6nig Gunther. \u201eWie \u2013\u201c<br \/>\nDietrich winkte unwirsch ab. Kreischen drang durch den Weinkeller, dass es wahrhaftig klang wie bei der Folterung armer Weiber. Das kam von den M\u00e4dchen, die jetzt auf den Weinf\u00e4ssern sa\u00dfen und mitsamt Fass vom Xantener hochgehoben wurden. Die hatten alle den Verstand verloren.<br \/>\n\u201eDietrich von Bern, seid mir willkommen!\u201c<br \/>\nEine unbekannte Stimme. Sie geh\u00f6rte einem Mann in wei\u00dfem Gewand. Er eilte auf ihn zu und breitete die Arme aus. \u201eWie freue ich mich, dass Ihr hier seid!\u201c<br \/>\n\u201eWer seid Ihr?\u201c<br \/>\n\u201eIch bin es doch, der Schwarze Ritter!\u201c<br \/>\n\u201eIhr! Ha! Ich fordre Euch zum Zweikampf, wie ich es Euch versprochen habe, wisst Ihr noch?\u201c<br \/>\n\u201eAber ja doch! Nie habe ich Euch vergessen. Doch heute wollen wir nicht k\u00e4mpfen, lasst uns lieber feiern, denn heut ist mein Geburtstag!\u201c<br \/>\n\u201eOh\u201c, sagte Dietrich. \u201eGl\u00fcckwunsch und Gottes Segen w\u00fcnsche ich Euch, dazu noch ein langes Leben und einen nachsichtigen Priester f\u00fcr die letzte Stunde.\u201c<br \/>\n\u201eDas hei\u00dft freilich, dass du morgen unterliegen wirst\u201c, sagte Hildebrand.<br \/>\n\u201eEin gro\u00dfes Fest\u201c, sagte Dietrich. \u201eAlle Eure Freunde habt Ihr eingeladen, wie ich sehe.\u201c<br \/>\nDer Schwarze Ritter winkte ihn n\u00e4her heran und raunte ihm ins Ohr mit einem Blick in Richtung der Burgunden: \u201eEs sind auch ein paar dabei, die ich nur der H\u00f6flichkeit halber einlud.\u201c<br \/>\nDietrich nickte verst\u00e4ndnisvoll.<br \/>\nDer Schwarze Ritter schnippste seinem Knappen, und lie\u00df Dietrich einen Weinkelch reichen.<br \/>\n\u201eAuf Euch!\u201c, sagte Dietrich herzlich.<br \/>\n\u201eOh, seht! Es ist soweit, die Zwerge sind bereit!\u201c Der Ritter deutete hin\u00fcber ans andere Ende, wo man ein Podest aufgebaut hatte. Sechs Zwerge stiegen gerade hinauf, und ein Mensch \u2013 das war ja sein Ulf!<br \/>\nAuf dem Podest lagen bereits Trommeln, H\u00f6rner und Schellen. Gel\u00e4chter und H\u00e4ndegeklapper begr\u00fc\u00dfte die Gruppe, woraufhin sich alle sechs verneigten. Dann nahmen sie Platz auf den bereitgestellten Schemeln. Der Zwerg hinter der Trommel ergriff zwei St\u00f6cke. Ulf ruckte dreimal mit dem Kopf, als wolle er ein paar wirre Gedanken herausschleudern, und griff in die Saiten seiner Leier. Mit hoher Stimme sang er eine fr\u00f6hliche Weise, vom besten K\u00e4mpfer des Erdenrunds. Die Zwerge begleiteten ihn mit rauen Stimmen, und der Trommelzwerg ruckte so heftig mit dem Kopf, dass Dietrich schon bef\u00fcrchtete, er l\u00f6se sich bald vom Hals. Einmal verfingen sich seine St\u00f6cke in seinen Barthaaren, da h\u00f6rte das Getrommel eine Weile lang auf, bis er sie wieder befreit hatte. Im Kehrreim behauptete Ulf jedes Mal, der beste K\u00e4mpfer sei der Schwarze Ritter.<br \/>\nDietrich wandte sich um. Den anderen Recken gefiel das Lied auch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig: Der Xantener schmollte, Iring von Th\u00fcringen rollte die Augen und L\u00fcdeger von Sachsen sang leise mit, wobei er \u201eder beste\u201c zu \u201eder bl\u00f6d\u2019ste\u201c verballhornte. Der Herr von Alzey hatte die Arme vor der Brust verschr\u00e4nkt und machte eine Miene wie ein Jahrtausenddichter, dem man einen St\u00fcmper vorzog. Gunther lauschte h\u00f6flich und griff sich nur manchmal ans Ohr, und Hagen lehnte am Weinfass und f\u00fcllte seinen Krug nun gleich selber nach.<br \/>\nDietrich sch\u00fcttelte den Kopf. Die Musik von heute war furchtbar; in seiner Jugend war alles viel besser gewesen. Er wurde vermutlich alt, und er war froh dar\u00fcber!<br \/>\nIn einer Pause erhob sich L\u00fcdeger von Sachsen und hielt eine Ansprache zu Ehren des Geburtstagskinds. Danach ergriff der Xantener das Wort, lobte den Schwarzen Ritter f\u00fcr seine heiteren Feste, wie man sie nirgends sonst erleben konnte. Iring von Th\u00fcringen lie\u00df einen Knappen ein Gedicht aufsagen; Zwergenk\u00f6nig Olm sagte sein Gl\u00fcckwunschgedicht sogar selber auf, auf Zwergisch, es k\u00f6nnte auch ein Fluch sein, so grob wie diese Sprache klang. K\u00f6nig Gunther brachte es zustande, in seiner Rede drei Bibelverse zu verstecken, und wenigstens den Tronje lie\u00df man schweigen.<br \/>\nDer Schwarze Ritter erstieg das Podest. \u201eIch bedanke mich f\u00fcr Euer Kommen\u201c, rief er, \u201eund vor allem begr\u00fc\u00dfe ich erneut den k\u00fchnen Recken Dietrich von Bern, der mich, was mir eine gro\u00dfe Ehre ist, zum Kampf gefordert hat! Morgen will ich gegen ihn antreten, heute aber wollen wir alle miteinander in Frieden leben! Hurra!\u201c<br \/>\nMan hob die Becher und trank.<br \/>\n\u201eWenn du weiter so s\u00e4ufst, wirst du morgen im Kampf unterliegen\u201c, sagte Hildebrand.<br \/>\n\u201eAch, Unsinn, ich bin trinkfest!\u201c<br \/>\n\u201eLasst uns auf Dietrich trinken!\u201c, rief der Schwarze Ritter. \u201eAuf jeden Buchstaben seines Namens!\u201c Er winkte den Burgunderk\u00f6nig her, ihm die Buchstaben einzusagen. Nach acht Bechern fragte sich Dietrich, wie er morgen den Kampf bestreiten sollte. Der Schwarze Ritter trinke aus Gewissensgr\u00fcnden nur Wasser, hatte Gunther ihm verraten. Oh, verdammt.<br \/>\n\u201eNun lasst uns auf Siegfried trinken!\u201c, rief der Schwarze Ritter. \u201eWenn er mir die Ehre erweist, morgen im Zweikampf gegen mich anzutreten, auf Leben und Tod, w\u00e4re mir das die hehrste Freude!\u201c<br \/>\nNachdem man auf jeden Buchstaben seines Namens getrunken hatte, trank man auf Iring, auf L\u00fcdeger, auf Gunther und auf Hagen. Jeden forderte der Schwarze Ritter heraus, und keiner war so feige oder so vern\u00fcnftig, dass er ablehnte.<br \/>\nSie w\u00fcrden alle sterben.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Als er erwachte, wogte ein Zeltdach \u00fcber ihm. Auch die Erde wogte, als w\u00fcrde er auf einem Schiff liegen. Zum Teufel, war er tot? Diese Kopfschmerzen, waren das die Qualen der H\u00f6lle oder die Qualen eines Katers? Er st\u00f6hnte und griff sich an die Schl\u00e4fen.<br \/>\nWenn der Schwarze Ritter ihm bei Zweikampf den Kopf abschl\u00fcge, w\u00e4re es gar nicht so schlimm.<br \/>\nNeben ihm knurrte der Alte: \u201eAuch wach, he?\u201c<br \/>\n\u201eWo sind wir? Im Grab?\u201c<br \/>\n\u201eHast du Erde im Maul?\u201c, fragte Hildebrand grantig. \u201eNein? Eben.\u201c<br \/>\nDietrich seufzte. Rauch drang in seine Nase, und ihm war schlecht wie nach seinem allerersten Bes\u00e4ufnis.<br \/>\n\u201eEr wird dich umbringen.\u201c<br \/>\n\u201eHm\u201c, sagte Dietrich. \u201eDa hoffe ich, dass die alten Sagen verschweigen, dass ich an den Folgen eines Katers starb, das w\u00e4re ja allzu peinlich.\u201c<br \/>\nDer Stoff neben ihnen wogte.<br \/>\n\u201eIch gr\u00fc\u00dfe Euch, meine Freunde!\u201c, rief der Burgunderk\u00f6nig, so heiter und so laut, als w\u00e4re heute nicht der Tag seines Todes.<br \/>\n\u201eVerdammt, der wird uns \u00fcberleben\u201c, murmelte Hildebrand. \u201eDiese trinkfesten Rheinl\u00e4nder!\u201c<br \/>\nHinter Gunther trat Hagen herein, eisern und stolz wie immer.<br \/>\n\u201eHe\u201c, sagte Dietrich vorwurfsvoll, \u201ewarum geht es dir so gut?\u201c<br \/>\nHagen hob die Braue \u00fcber seinem einen Auge. \u201eNichts erhellt das Gem\u00fct so leicht wie Erfolg.\u201c<br \/>\n\u201eDer Schwarze Ritter ist \u2013 war ein Schurke\u201c, sagte Gunther. \u201eEr verleitete Euch zum Trinken, bis Ihr nicht mehr bei Sinnen wart, und wollte Euch alle schm\u00e4hlich meucheln in einem sogenannten Zweikampf.\u201c<br \/>\n\u201eIn Eurem Zustand w\u00e4re das eine Hinrichtung geworden\u201c, sagte Hagen. \u201eWir aber durchschauten seine List.\u201c<br \/>\n\u201eWir erlaubten es nicht, dass er Euch und die anderen hervorragenden Recken hinmordet.\u201c<br \/>\n\u201eDeshalb k\u00e4mpfte ich gegen ihn als erster, denn ich war gar nicht betrunken, ich gab es nur vor.\u201c<br \/>\n\u201eUnd nat\u00fcrlich hat er ihn besiegt\u201c, sagte Gunther stolz.<br \/>\n\u201eUnd erschlagen\u201c, sagte Hagen.<br \/>\n\u201eUnabsichtlich\u201c, sagte Gunther.<br \/>\n\u201eNat\u00fcrlich.\u201c<br \/>\n\u201eUnd somit kann der b\u00f6se Schurke Euch kein Leid mehr antun.\u201c<br \/>\nDietrich stemmte sich hoch. Der Rauchgeruch wurde immer st\u00e4rker. \u201eUnd ihr habt seine Burg niedergebrannt, nicht wahr?\u201c<br \/>\n\u201eJa nun\u201c, sagte Gunther.<br \/>\n\u201eEs bot sich an\u201c, sagte Hagen. \u201eAber daf\u00fcr k\u00f6nnt Ihr alle weiterleben! Vielen Dank f\u00fcr Eure Dankbarkeit.\u201c<br \/>\nGunther winkte verlegen ab, als w\u00e4re Dietrichs noch gar nicht gezollter Dank viel zu viel.<br \/>\n\u201eIhr Narren\u201c, sagte Hildebrand. \u201eDie Burg niederbrennen! Wisst Ihr nicht, dass der Schwarze Ritter in den Tunneln unter seiner Burg Sch\u00e4tze ohne Zahl hortete? Die sind jetzt alle verloren.\u201c<br \/>\n\u201eFrohe Kunde!\u201c, sagte Hagen, \u201esie sind nicht verloren! Sie haben sogar schon einen neuen Herrn gefunden, der sie viel besser zu nutzen wei\u00df.\u201c<br \/>\nGunther neigte sich.<br \/>\n\u201eUnd zum Dank f\u00fcr Eure Rettung \u00fcberlasst Ihr das Gold gerne meinem K\u00f6nig\u201c, fuhr Hagen fort.<br \/>\n\u201eEs ist uns eine Freude, ehrenwerte M\u00e4nner zu retten\u201c, sagte Gunther. \u201eIch w\u00fcrde es jederzeit wieder tun.\u201c<br \/>\nSie wandten sich um und brausten hinaus.<br \/>\nDietrich lie\u00df sich wieder aufs Lager fallen. \u201eDiese Aaskr\u00e4hen\u201c, sagte er. \u201eIch bin mir sicher, ich h\u00e4tte ihn trotzdem besiegt!\u201c<br \/>\n\u201eJaja\u201c, sagte Hildebrand, \u201ewas unm\u00f6glich zu beweisen ist, das will immer jeder k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein bisschen sp\u00e4t f\u00fcr ein Weihnachtsgeschenk, aber wenn man was umsonst bekommt, will man ja nicht meckern, oder nicht? 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