{"id":435,"date":"2018-10-15T20:35:21","date_gmt":"2018-10-15T18:35:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=435"},"modified":"2024-02-04T14:04:12","modified_gmt":"2024-02-04T13:04:12","slug":"autoren-anfaengerfehler-die-ihr-noch-nicht-kennt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2018\/10\/15\/autoren-anfaengerfehler-die-ihr-noch-nicht-kennt\/","title":{"rendered":"Autoren-Anf\u00e4ngerfehler, die ihr noch nicht kennt"},"content":{"rendered":"<p>Wer diesen Artikel liest, ist mit Sicherheit eines: kein Anf\u00e4nger. Anf\u00e4ngerautoren lesen grunds\u00e4tzlich keine Artikel \u00fcber Anf\u00e4ngerfehler. Warum auch? Sie sonnen sich ja noch im seligen Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten. Wer nicht an sich zweifelt, ist entweder ein Amateur oder ein wahrer Meister, und die Anf\u00e4nger optieren in ihrem Falle alle f\u00fcr den wahren Meister. (Und niemand gibt es gerne zu, aber genossen wir nicht alle einst diese ersten Jahre unbek\u00fcmmerter St\u00fcmperei, und hielten uns f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer, als wir waren?)<\/p>\n<p>Nur ge\u00fcbte Autoren lesen Artikel \u00fcber Anf\u00e4ngerfehler, vornehmlich in Phasen wankender Motivation, um sich daran zu freuen, dass man diese Fehler nicht begeht und ergo ein guter Autor sein muss. (Und die alten Manuskripte, in denen man all diese Fehler beging, bleiben verborgen auf alten Festplatten oder in staubigen Schubladen.)<\/p>\n<p>Hier sind die \u00e4rgerlichsten Anf\u00e4ngerfehler, denen noch niemand entkommen ist, und die bisher noch nicht gesammelt worden sind!<\/p>\n<h2>Alle Figuren sind intelligent, und die Heldin am allermeisten<\/h2>\n<p>Eine Protagonistin, deren IQ geringer ist als 130? Auf keinen Fall, das darf es nicht geben! Bestenfalls ist die Figur sogar kl\u00fcger als Einstein, und am allerbesten ist es, wenn der Leser das gleich auf den ersten Seiten erf\u00e4hrt. Er muss ja schlie\u00dflich wissen, dass er es mit einem Genie zu tun hat.<\/p>\n<p>In der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der F\u00e4lle sind die Schlaumeier unter den literarischen Figuren noch Jugendliche, und verhalten sich f\u00fcr den Rest des Buches wie normale Teenager, oder, noch schlimmer: wie sehr unbesonnene Teenager.<\/p>\n<p>Warum Anf\u00e4ngerautoren Hochbegabte und Hochintelligente so lieben, liegt auf der Hand: Die \u00fcberragenden geistigen F\u00e4higkeiten sollen bei den Lesern Bewunderung ausl\u00f6sen, und am besten folgern die Leser gleich, dass, wer eine solch kluge Figur erschaffen hat, auch selber superklug sein muss!<\/p>\n<p>Alte Bauernweisheit: Was man erst m\u00fchsam erkl\u00e4ren muss, ist nicht offensichtlich. Wenn der Autor uns wortreich versichert, sein Protagonist sei ein neuer Newton, ein neuer Goethe oder wer auch immer, dann hat er schon Minuspunkte gesammelt. Die Intelligenz der Figur sollte aus ihren Aktionen, Gedankeng\u00e4ngen und ihrem Verhalten hervorgehen. Eine Behauptung von Seiten eines \u00fcbereifrigen Erz\u00e4hlers reicht nicht, die heutigen Leser zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist Friedhelm. Friedhelm ist auf einem Eliteinternat. Friedhelm ist total klug. Ich wei\u00df zwar nicht, wie ich das zeigen kann, aber wenn ich als Autor das sage, stimmt es auch!&#8220;<\/p>\n<p>Sorgf\u00e4ltigere Anf\u00e4nger versuchen, uns die Intelligenz der Figuren zu zeigen. Nun k\u00f6nnte man die Figur zum Beispiel eine hochkomplexe Rechenaufgabe l\u00f6sen lassen, deren L\u00f6sung nur die kl\u00fcgsten 1% der Weltbev\u00f6lkerung verstehen \u2013 doch das habe ich bisher noch in keinem Buch gelesen. Liegt vielleicht daran, dass die meisten Autoren schon als Sch\u00fcler eine Privatfehde mit Mathematik f\u00fchrten. (Und nein, ich h\u00e4tte die Rechenaufgabe auch nicht verstanden.) \u2013 Die liebste L\u00f6sung der Anf\u00e4nger: Die Figur hat Bildung, vornehmlich auf dem Gebiet der Geschichte. Wer n\u00e4mlich wei\u00df, dass Jaques de Molay der letzte Gro\u00dfmeister der Templer war oder dass sich Napoleon am 2. Dezember 1804 zum Kaiser kr\u00f6nte, der ist ja eindeutig klug!<br \/>\nGlaubt mir, das stimmt nicht. Bildung und Intelligenz sind kein Dioskurenpaar. (Ich erz\u00e4hle st\u00e4ndig Anekd\u00f6tchen aus der Geschichte, und mich halten alle f\u00fcr verr\u00fcckt! Am Habsburger Kaiserhof gab es zu Jahresanfang zwei gro\u00dfe B\u00e4lle. Der Ball bei Hof und der Hofball. \u2013 Heinrich IV. hat beim Vers\u00f6hnungsmahl in Canossa \u00fcbrigens nichts gegessen, sondern nur mit dem Fingernagel die Tischplatte zerkratzt, Kaiser Franz Joseph starb am 21. November 1916, und am 21. November 1874 hat Wagner die Partitur der G\u00f6tterd\u00e4mmerung vollendet und sich danach schrecklich mit Cosima gestritten, weil der Schwiegervater kommen wollte, und Kaiser Franz II.\/I. stellte gerne Pralinen her und spielte mit Metternich und zwei anderen im Quartett. \u2013 Und, beeindruckt? Nein? Eben &#8230;)<\/p>\n<p>Warum diese Abneigung gegen Normalbegabte? Warum m\u00fcssen alle Leute Genies sein? Normal ist v\u00f6llig wunderbar, und es gibt viele andere sch\u00f6ne Eigenschaften, die eine Figur besitzen kann. Sozialkompetenz, Loyalit\u00e4t, Mut &#8230;<\/p>\n<h2>Transitszenen<\/h2>\n<p>Anf\u00e4ngerautoren schildern mit Hingabe, wie jemand von A nach B gelangt. Gerade w\u00e4hrend der Exposition h\u00e4ufen sich diese Szenen, die nichts zur Handlung beitragen und niemanden interessieren. Ob die Figur mit dem Fahrrad zum n\u00e4chsten Handlungsort gelangt oder mit dem Zug, ob sie eine BahnCard hat oder der Zug Versp\u00e4tung, ob sie ein Taxi nimmt oder die U-Bahn \u2013 das ist nicht von Belang. Tats\u00e4chlich kann man die Szene sogar am einen Ort abbrechen und erst am anderen Ort wiederaufnehmen \u2013 die Leser kommen trotzdem mit!<\/p>\n<p>(Wenn die Transitszene verwendet wird, um wichtige Details zu \u00fcbermitteln, wie wichtige (!) Gedanken der Figur, die Atmosph\u00e4re des Schauplatzes o. \u00c4. kann sie ihre Berechtigung haben.)<\/p>\n<h2>Das Allt\u00e4gliche, geschildert mit Liebe zum Detail<\/h2>\n<p>Wieso schreiben gef\u00fchlt alle Anf\u00e4ngerautoren, wie sich ihre Figuren duschen, anziehen, was sie fr\u00fchst\u00fccken (und sei es auch nur Kaffee), und oft auch noch, wie sie sich schminken? (Und warum pflegt sich eigentlich niemand nach der koreanischen 10-Schritt-Routine?)<\/p>\n<p>Das hat keinen Nutzen f\u00fcr den Leser, schlie\u00dflich ist der Alltag der meisten Leser dem geschilderten Alltag ziemlich \u00e4hnlich und deshalb langweilig. Doch keine Sorge: Nachdem man hingebungsvoll ein oder zwei uninteressante Alltagserlebnisse beschrieben hat, wird es auch dem Anf\u00e4nger zu langweilig, und er w\u00fcrzt beim n\u00e4chsten Mal seine Fr\u00fchst\u00fccksszene mit einem Kometeneinschlag oder einem Angriff von Einhorn-Aliens.<\/p>\n<p>Wer sich lieber in historischen oder Fantasy-Settings tummelt, hat nat\u00fcrlich Gl\u00fcck. Der Alltag einer vergangenen Epoche oder einer erfundenen Welt kann dank seiner Fremdartigkeit durchaus interessant sein.<\/p>\n<h2>Alle sind sooo lieb zur Hauptfigur!<\/h2>\n<p>Selbst Pappeln und Laternenpfosten verneigen sich vor ihr, wildfremde Leute haben das Bed\u00fcrfnis, sie zur Alleinerbin ihres nicht unbedeutenden Verm\u00f6gens zu bestimmen, und bald hat die Hauptfigur eine Schar entschlossener Getreuer um sich gesammelt, die sich f\u00fcr sie sogar in St\u00fccke rei\u00dfen lie\u00dfen, wenn es sein m\u00fcsste!<\/p>\n<p>Vor allem, wenn v\u00f6llig Fremde sofort Zuneigung zum Protagonisten fassen, ist das ein Warnzeichen. Dass ein Milliard\u00e4r nach nur einem kurzen Gespr\u00e4ch einen Jugendlichen an Sohnes Statt annimmt, ist nicht mehr glaubw\u00fcrdig, das ist Wunschdenken von Seiten des Autors. Das Problem ist: Wenn alle die Hauptfigur lieben, liebt sie eine mit Sicherheit nicht: Die Leserin.<\/p>\n<p>(Das ist zwar kein gro\u00dfer Verdienst, aber diesen Fehler beging ich nie, und es gibt wohl noch einige Autoren mehr, die ihre Hauptfiguren nicht in Watte packten. Wir begingen daf\u00fcr den folgenden Fehler:)<\/p>\n<h2>Alle sind sooo b\u00f6se zur Hauptfigur!<\/h2>\n<p>Oh, Drama! Oh, Elend, oh Undank, sch\u00e4ndlichster Lohn! Oh Schmach, oh Schande! Wehe mir, dem jammervollsten Protagonisten!<\/p>\n<p>Seine Feinde hassen ihn. Seine Freunde auch. Seine Eltern, wenn sie denn noch leben, hassen ihn ebenfalls. Falls ihn seine Eltern geliebt haben, sind sie gleich nach seiner Geburt gestorben.<br \/>\nWo er auch wandelt, Unheil ist sein Geleit und Verachtung sein Brot. Seine Tr\u00e4nen versalzen ihm den Trank, und wenn er nicht gerade verpr\u00fcgelt wurde, dann wird er in einer Schlacht halb totgeschlagen oder irgendwo unschuldig geteert und gefedert.<\/p>\n<p>Anf\u00e4ngerautoren wissen noch nicht, dass auch Leid \u00fcberdosiert werden kann. Leiden die Figuren ohne Ende, verwirken sie das Mitleid des Lesers, denn die Schicksalsschl\u00e4ge, die einzeln ernst und schmerzvoll w\u00e4ren, werden banalisiert, wenn sie auf die Figur herabprasseln wie ein Regenguss. Fiktives Leid kann die Leser tief ber\u00fchren, denn es weckt in ihnen Erinnerungen an schmerzvolle Ereignisse aus dem echten Leben oder dient als &#8222;Memento mori&#8220;; doch dazu muss man ihm Raum geben. Wenn man Elend auf Elend und Qual auf Qual h\u00e4uft, heben sich alle gegenseitig auf; dann ist die Handlung nicht mehr tragisch, sondern nur noch ein Potpourri der Scheu\u00dflichkeiten.<\/p>\n<p>Interessanterweise umschiffen die Verursacher dieses Fehlers souver\u00e4n eine andere Klippe der Schriftstellerei: die Klippe namens &#8222;Wenn sie nicht daran zerschellen, werden sie nur st\u00e4rker!&#8220; \u2013 Die Figuren in Trivialromanen erfreuen sich ja oft \u00fcbermenschlicher Resilienz, erleben die schlimmsten Traumata, und wandeln am Ende in ihr rosarotes Happy-End, ohne den kleinsten Kratzer in der Psyche. Krieg? Verkraftet! Die Familie wurde vor seinen Augen ermordet? Verkraftet! Er hing am Galgen, fiel aber nach drei Minuten herunter, weil unter seiner Muskelmasse der Strick abriss? Verkraftet! \u2013 Die Anf\u00e4nger mit Hang zur \u00dcberdosierung des Dramas unterwerfen sich hier nicht dem Mainstream. Hier gibt es gebrochene Figuren und zerschundene Seelen, hier tr\u00e4gt man an den S\u00fcnden der V\u00e4ter noch bis in die n\u00e4chste Generation, hier ist Liebe nicht das Allheilmittel, weil eine komplette Heilung nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>(Ich hatte auch solch einen &#8222;Liebling des Unheils&#8220; in einem meiner fr\u00fchen Projekte. Was der nicht alles aushalten musste!)<\/p>\n<h2>Pseudophilosophisches Gelaber<\/h2>\n<p>Anf\u00e4ngerautoren neigen dazu, weitschweifig \u00fcber die Welt, deren Sinn oder Unsinn, Frieden und Freiheit, B\u00fccher und Demokratie und dergleichen mehr zu schwadronieren; in der Hauptsache, es klingt umst\u00e4ndlich und poetisch. Wenn diese Gedankeng\u00e4nge Tiefe aufweisen, dann sei ihnen das geg\u00f6nnt; meistens sind sie aber sehr seicht, fast jeder hat schon einmal dasselbe gedacht bei einem Anfall von Sentimentalit\u00e4t, und wenn in wuchtigen Worten nur Plattit\u00fcden geschildert werden, ist das eigentlich ziemlich peinlich. Die besten Einsichten sind \u00fcbrigens kurz und knapp und passen in ein Bonmot. Selbst ein Aphorismus, der nur eine Binsenweisheit elegant ausdr\u00fcckt, ist pseudoweisem Gefasel jederzeit vorzuziehen.<\/p>\n<p>&#8222;Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zukn\u00f6pfen nicht zurande.&#8220; (Goethe)<\/p>\n<p>&#8222;Es liegt in der menschlichen Natur, da\u00df man von jeder Einrichtung die Dornen st\u00e4rker empfindet als die Rosen.&#8220;<br \/>\n(Bismarck)<\/p>\n<p>Wir haben&#8217;s zwar alle auch schon vorher gewusst, aber so sch\u00f6n hat es noch niemand ausgedr\u00fcckt!<\/p>\n<h2>Die Figur wird minuti\u00f6s beschrieben<\/h2>\n<p>Gerade junge Autorinnen versp\u00fcren das Bed\u00fcrfnis, dem Leser die (weibliche) Hauptfigur in allen Einzelheiten zu schildern, damit er sie ganz genau kennen und lieben lernt. Da erf\u00e4hrt man, dass die Augen der Protagonistin bei Tageslicht eine andere Nuance von Blau aufweisen als bei k\u00fcnstlichem Licht, und dass ihre Unterlippe im Vergleich zur Oberlippe ein wenig zu voll ist. Wir erfahren die Kleidergr\u00f6\u00dfe der Heldin, aber nie ihren BMI, und wir erfahren, welche Musikbands sie mag, welche Serien und welche Filme.<\/p>\n<p>Noch hingebungsvoller werden wir \u00fcber das Innenleben der Figur unterrichtet: Anstatt uns zu zeigen, wie der Charakter der Figur beschaffen ist, wird es uns erkl\u00e4rt. Sie ist fr\u00f6hlich und lieb, manchmal sogar zu lieb, sie ist sehr tolerant und versteht sich bestens mit allen ihren Mitmenschen. (Auftritt einer zweiten weiblichen Person, die nicht die beste Freundin ist: Bumm! Die engelshafte Hauptfigur wird zur Gift und Galle speienden Furie, denn Frauen sind alle Zicken, und es darf nicht sein, dass in diesem Roman ein weibliches Wesen umherschwebt, das hei\u00dfer oder kl\u00fcger oder f\u00e4higer als die Heldin ist! Alle Menschen sind lieb, aber diese eine, diese eine \u2013 die ist die Bitch!ParExcellence!)<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig: Oft wird eine unbedeutende Aktion der Figur gleich um den Zusatz erg\u00e4nzt, dass sie normalerweise ganz anders handeln w\u00fcrde.<br \/>\n&#8222;Ich entschied mich f\u00fcr die Schinkenpizza, aber normalerweise nahm ich immer die mit Salami. \u2013 Als Abschlussballkleid suchte ich ein gelbes Prinzesskleid aus, obwohl ich f\u00fcr gew\u00f6hnlich lieber Lila trug. \u2013 Der Bariton gefiel mir bei dieser Auff\u00fchrung nicht, obwohl f\u00fcr gew\u00f6hnlich jeder Bariton mein Herz zum Schmelzen bringt.&#8220;<br \/>\nWenn man einmal darauf achtet, stolpert man st\u00e4ndig dar\u00fcber. Mal im Vertrauen: Wenn etwas nach Self-Insert schreit, dann das hier. Warum sollte es wichtig sein, dass wir \u00fcber die unbedeutenden Kleider- oder Essensvorlieben der Protagonistin unterrichtet werden? Und wenn es denn unbedingt in die Geschichte hineinmuss, warum dann auf diese umst\u00e4ndliche Weise, dass sich die Figur f\u00fcr etwas entscheidet, f\u00fcr das sie sich eigentlich nicht entscheiden w\u00fcrde, und sich deshalb gen\u00f6tigt sieht, uns zu erl\u00e4utern, was ihr normalerweise gef\u00e4llt?<\/p>\n<p>Im wahren Leben enthalten viele Gespr\u00e4che solche Wortwechsel. &#8222;Was willst du anschauen?&#8220; \u2013 &#8222;Eigentlich mag ich keine Horrorfilme, aber dieser hier, bei dem der Kaiser und der Papst sich mitten im Investiturstreit verb\u00fcnden, um die verheerende Invasion der Drachen zu beenden, spricht mich an.&#8220; \u2013 Wunderbar, hier hat ein derartiges Gespr\u00e4ch seine Berechtigung; bestenfalls merkt sich das Gegen\u00fcber, dass es beim n\u00e4chsten Horrorfilm jemand anderen mitnehmen muss. Aber bitte erspart uns das in Romanen!<\/p>\n<p>Nur, wenn sich die Figur normalerweise f\u00fcr besondere Dinge entscheiden w\u00fcrde, jetzt aber mit dem Normalen Vorlieb nimmt, haben diese Erl\u00e4uterungen ihre Berechtigung:\u00a0&#8222;F\u00fcr gew\u00f6hnlich vergiftete der M\u00f6rderkoch seine Opfer mit Mandelt\u00f6rtchen; aber weil dem wackeren Apotheker die Blaus\u00e4ure gestern ausgegangen war, buk er f\u00fcr sein n\u00e4chstes Opfer eben Muffins und bestreute sie mit Schneckenkorn.&#8220;<\/p>\n<h2>Kaffee<\/h2>\n<p>Zwei Fehler mit Kaffee:<\/p>\n<p>In den B\u00fcchern erwachsener Autorinnen trinken Jugendliche Kaffee. Aber \u2013 welcher Jugendliche macht das? Als ich noch in der Schule war, zu der Zeit, als die wackeren Tageslichtprojektoren verdr\u00e4ngt wurden von diesen zickigen Beamern und den bescheuerten Plakatw\u00e4nden \u2013 da trank von meinen 60, 70 Mitsch\u00fclern des Jahrgangs nur ein einziger Kaffee. Wie war es bei euch? Die Kaffeephase bricht sp\u00e4ter an, oder nicht?<\/p>\n<p>Und zweitens: Wenn die Hauptfigur Kaffee zu sich nimmt, wird immer erw\u00e4hnt, ob Milch oder Zucker rein muss, am besten noch wie viele L\u00f6ffel\/welcher Anteil Milch &#8230; Aber \u2013 welche Leserin soll das interessieren? Wenn es etwas gibt, das nicht zur Handlung beitr\u00e4gt, dann die Kaffeew\u00fcnsche der Hauptfigur! Warum m\u00fcssen die Leserinnen das wissen? (Es sei denn, er w\u00fcnscht statt Milch Blut. Dann hat er sich verraten und ist ein Vampir.)<\/p>\n<p>Oder sollen die Kaffeevorlieben zur Charakterisierung dienen? Wer den Kaffee schwarz trinkt, ist hart und unbeugsam, wer ihn mit Milch mag, ist sanft und nat\u00fcrlich, und wer ihn mit Zucker nimmt, ist s\u00fc\u00df und lieb? (Das ist falsch, sagen die Historiker.)<\/p>\n<p>Es gibt hunderte gute M\u00f6glichkeiten, die Figur nebenbei zu charakterisieren. Die Vorlieben in Bezug auf Kaffee taugen nicht dazu.<\/p>\n<h2>Die rechte und die linke Hand der Protagonistin<\/h2>\n<p>In Anf\u00e4ngertexten winkt jemand mit der Hand. Andere nicken mit dem Kopf. Manche nicken zustimmend. Manche ergreifen die Klinke einer T\u00fcr mit der rechten Hand, dr\u00fccken sie nach unten, sto\u00dfen die T\u00fcre auf und gehen hinaus. Andere schlagen das rechte Bein \u00fcber das linke, setzen den rechten Ellenbogen aufs Knie und st\u00fctzen das Kinn auf der rechten Hand ab. (Der Vogelweide war kein Anf\u00e4nger, der stellte uns frei, welches Knie und welcher Ellenbogen gemeint sind.)<\/p>\n<p>Manche neigen auch dazu, Orte derart genau zu beschreiben. Was steht rechts, was links, und ist das Bett nun links vom Papierkorb oder davor, und steht der Rucksack zwischen dem Tisch und dem K\u00fchlschrank?<\/p>\n<p>Absolut unwichtig. Das Bild, das der Leser im Kopf hat, muss nicht dem des Autors entsprechen wie ein Foto der Wirklichkeit. Eine grobe \u00c4hnlichkeit reicht; die genaue Position irgendwelcher unwichtiger Gegenst\u00e4nde ist Wurscht. F\u00fcr Gesten gilt dasselbe: Welcher Arm jetzt was tut, ist fast immer bedeutungslos; wenn man minuti\u00f6s die Abl\u00e4ufe von Bewegungen schildert, verlangsamt man n\u00e4mlich den Lesefluss ungemein. Linkes Bein, rechter Arm, linker Trizeps, rechter Quadrizeps, was wird das, Walzer oder ein Workout oder wie? Ach nein, wir erfahren, wie sich die Figur zum Schlafen bettet.<\/p>\n<p>(Ausnahmen: Jemand hebt die linke Hand zum Schwur, obwohl er eine Rechte hat. Der hat bestimmt b\u00f6se Absichten, dass er die falsche Hand nimmt! \u2013 Jemand schlie\u00dft eine Ehe zur linken Hand. \u2013 Zwei Bisch\u00f6fe streiten sich dar\u00fcber, wer an des K\u00f6nigs rechter Seite sitzen darf. Der Streit endet in Mord und Totschlag. &#8211;&gt; siehe Goslarer Sesselstreit)<\/p>\n<h2>Sagen wir &#8222;Du&#8220; zu uns!<\/h2>\n<p>Dieser Trend ist \u00fcberall! H\u00f6herrangige\/\u00e4ltere Nebenfigur sagt zur Hauptfigur: &#8222;Aber mein Lieber, ich bitte dich, sag Du zu mir!&#8220; \u2013 Und dann verspricht sich die Hauptfigur in JEDEM BUCH und spricht ihr Gegen\u00fcber erst noch einmal aus Gewohnheit mit Sie an, ehe sie sich selber korrigiert. &#8222;Ich danke Ihnen, Herr Knallt\u00fcte \u2013 \u00e4h, DIR, Waldemar.&#8220;<\/p>\n<p>Das ist wie eine Plage! Es ist \u00fcberall! Selbst in einem meiner alten Historiendramen machen die das! Hilfe!<\/p>\n<p>Fun Fact: Wilhelm I., damals noch Bruder des Thronerben, und seine Frau Augusta gingen erst mehrere Wochen nach der Hochzeit zum Du \u00fcber. Wilhelms j\u00fcngerer Bruder und Augustas \u00e4ltere Schwester hatten auch geheiratet, und die waren schon am Morgen nach der Hochzeit beim Du! Was Wilhelm und Augusta wohl davon hielten?<\/p>\n<p>Fun Fact 2: Die Kurzgeschichte &#8222;Huwelreich \u2013 2 Jahre sp\u00e4ter&#8220; ist von dieser Anekdote inspiriert.<\/p>\n<h2>Zu viele Figuren auf einmal einf\u00fchren<\/h2>\n<p>Anf\u00e4nger \u00fcberschwemmen die arglose Leserin gerne einmal mit ihrem Personal. Wenn in der ersten Szene die Heldin, ihre beste Freundin, der gro\u00dfe Bruder der besten Freundin und der kleine Bruder der besten Freundin dar\u00fcber debattieren, dass irgendjemand vermisst wird und jetzt gesucht werden sollte \u2013 nein, das ist zu viel des Guten. Zwar ist die Anzahl der Figuren \u00fcberschaubar, und Leser sind schlaue Leute \u2013 aber trotzdem ist es unh\u00f6flich, dem Leser gleich eine ganze Handvoll neuer Figuren hinzuwerfen, von denen er nicht wei\u00df, wer nun f\u00fcr den Handlungsverlauf von Bedeutung sein wird, und wer nicht mehr ist als Staffage. (Wenn die Staffage-Figuren keine Namen haben, sondern nur Berufsbezeichnungen etc. ist das hilfreich, denn nun sind sie schon fein einsortiert in die Kategorien &#8222;wichtig, weil wir kennen den Namen&#8220; und &#8222;unwichtig, weil wir den Namen nicht kennen m\u00fcssen&#8220;).<\/p>\n<p>Auch wenn mehrere Figuren in der Szene auftreten, aber nur wenige miteinander interagieren, ist das in Ordnung. (A la: &#8222;Auf dem Ball unterhalten sich die zwei besten Freundinnen mit dem greisen weisen Kanzler, und ab und zu weht Prinz Ludwig vorbei und zwinkert der Heldin zu, oder die Tratschtante Gr\u00e4fin Guthild redet schon seit einer halben Stunde auf die arme Margarete ein. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf dem Gespr\u00e4ch der drei Erstgenannten.) \u00a0Hier wird der Leser darauf vorbereitet, dass in den Folgeszenen noch einige Figuren mehr dazukommen werden, die der Hauptfigur schon bekannt sind. Der Leser aber hat die erste Gruppe schon kennengelernt, und wird deshalb von der ausf\u00fchrlicheren Einf\u00fchrung der n\u00e4chsten Gruppe nicht \u00fcberfordert.<\/p>\n<h2>Zu schnelle Perspektivwechsel<\/h2>\n<p>Dieser Fehler ist mit dem vorhergehenden verwandt. Nat\u00fcrlich ist es eine der sch\u00f6nsten Sachen des B\u00fccherlesens und -schreibens, dass man in verschiedene K\u00f6pfe hineinsehen kann. Extrapunkte, wenn sich die Sichtweisen der Figuren sprachlich deutlich unterscheiden! Damit diese Technik aber ihre Wirkung entfaltet, d\u00fcrfen die Szenen unterschiedlicher Figuren nicht zu kurz sein. Sie sollten sich mindestens \u00fcber mehrere Seiten erstrecken.<\/p>\n<p>In den Texten von Anf\u00e4ngern erfolgen die Perspektivwechesel oft viel zu schnell. Vielleicht versprechen sich die Autoren davon eine Steigerung der Spannung \u2013 doch das Gegenteil ist der Fall. Der Text wirkt atemlos, es kommt kein Lesefluss auf, und das st\u00e4ndige Umherspringen zwischen verschiedenen K\u00f6pfen ist unangenehm. Was die jeweilige Figur erlebt, kann im Leser nicht nachhallen, denn schon wird es unterbrochen von einem neuen Schnipsel.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter im Roman mag diese Technik ihre Berechtigung haben; gerade beim Finale kann die Geschichte aufgrund des schnellen Wechsels von Schaupl\u00e4tzen und Perspektivtr\u00e4gern rasant an Fahrt aufnehmen. Doch die Technik funktioniert nur, weil die Leser zu diesem Zeitpunkt mit den Figuren wie auch den Umst\u00e4nden vertraut sind; wenn die Geschichte am Anfang zwischen wildfremden Figuren an unbekannten Schaupl\u00e4tzen in unbekannten Situationen oszilliert, entsteht nicht Spannung, nur \u00dcberdruss.<\/p>\n<h2>\u00c4hnliche Namen<\/h2>\n<p>Alina, Alex, Andrea und Anna sind zu viel des Guten. Norbert und Herbert? Franz und Karl?\u00a0Lieber nicht. Ulf und Urs? Sehr fies. \u2013 Gerd, Gernot und Gere? Das wird interessant werden.<\/p>\n<p>Dieselben Anfangsbuchstaben sind ziemlich kritisch. Wenn die Namen daf\u00fcr unterschiedlich lang sind, kann es gehen. Fritz und Fidelius sind dann doch recht gut auseinanderzuhalten. Auch \u00e4hnliche Endsilben k\u00f6nnen zu Verwirrung f\u00fchren, und sogar \u00e4hnliche oder gleiche Vokale: Tats\u00e4chlich habe ich beim Lesen meines eigenen Buches manchmal Dietrich und Hildebrand verwechselt.<\/p>\n<h2>Einfach unbeschreiblich!<\/h2>\n<p>Wenn eine Figur in der w\u00f6rtlichen Rede das W\u00f6rtchen &#8222;unbeschreiblich&#8220; verwendet, will ich nicht meckern. Aber wenn der Erz\u00e4hler etwas als &#8222;unbeschreiblich&#8220; bezeichnet und dann davon ausgeht, die Leser sind von diesem unbeschreiblichen Objekt\/Ereignis\/Wesen ebenso hingerissen wie der Autor selber, dann hat er sich get\u00e4uscht. Wer Autor sein will, darf vor dem Unbeschreiblichen nicht kapitulieren.<\/p>\n<h2>Nervige Ticks, die keine sein sollen<\/h2>\n<p>Den Figuren Ticks zu verleihen, ist eine charmante Idee. Sie scheinen dadurch gleich plastischer. (Das Dumme daran ist, dass man diese Ticks \u00fcber ein ganzes Buch hinweg beibehalten muss. Und dabei neigen doch Ticks dazu, pl\u00f6tzlich in der zweiten H\u00e4lfte zu verschwinden, weil der Autor sie vergessen hat! Irgendeine aufmerksame Leserin bemerkt es immer. Lesern entgeht nichts. (Au\u00dfer vielleicht das kaum wiederzuerkennende Bismarckzitat, das ich einer Figur in &#8222;Dietrich von Bern&#8220; aufoktroyiert habe. Ich h\u00e4tte es fast selber nicht mehr erkannt.))<\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich mit Handlungen, die immer wiederkehren, ohne dass es dem Autor bewusst ist. Das kann rasch nervig werden. Ganz beliebt ist \u2013 das L\u00e4cheln. Im wahren Leben eine sch\u00f6ne Sache \u2013 aber in B\u00fcchern sollte man es sparsam einsetzen. Dauerl\u00e4chler sind echt nervig.<br \/>\nAuch das &#8222;auf der Unterlippe kauen&#8220; kann schnell zu viel werden und wirkt au\u00dferdem sehr kindisch. Einmal las ich ein Buch, in dem die Hauptfigur sich st\u00e4ndig &#8222;die Lippen befeuchtete&#8220; \u2013 ich fand&#8217;s eklig.<\/p>\n<p>Das Schwierige nat\u00fcrlich ist, diese H\u00e4ufungen von L\u00e4cheln, Lippenkauen usw. zu entdecken. Aber ist man einmal davor gewarnt, ist man auf der Hut!<\/p>\n<h2>Unn\u00f6tige Synonyme<\/h2>\n<p>In der Grundschule bringt man uns bei, dass man nie mehrmals dasselbe Wort verwenden darf, wenn es auch ein Synonym daf\u00fcr gibt. Manchen Autoren geht dieser Humbug noch jahrelang nach, und flei\u00dfig garnieren sie ihre Texte mit den sch\u00f6nsten und abwegigsten Synonymen.<\/p>\n<p>Wenn es vorher nur &#8222;Wein&#8220; war, muss es beim n\u00e4chsten Mal &#8222;das fermentierte Blut der Reben&#8220; hei\u00dfen! Man darf nur einmal im Kapitel das Wort &#8222;Blut&#8220; verwenden; bei der zweiten Erw\u00e4hnung nehme man bitte &#8222;der rote Lebenssaft&#8220;; was vorher ein &#8222;Haus&#8220; war, muss nachher ein &#8222;Geb\u00e4ude&#8220; sein, und so weiter. Ein Kaiser ist ein Monarch, ein Staatsoberhaupt, ein Herrscher und ein Regent. (Wer stellvertretend f\u00fcr den Kaiser dessen Aufgaben ausf\u00fchrt, ist auch ein Regent, aber kein Kaiser.)<\/p>\n<p>Dabei ist nichts falsch an Begriffen wie &#8222;Haus&#8220;, &#8222;Wein&#8220; und &#8222;Kaiser&#8220;; doch wenn st\u00e4ndig wirre Synonyme ihren Platz einnehmen, wirkt der Text schnell bem\u00fcht und verkrampft.<\/p>\n<h2>Angst vor der szenischen Tiefe<\/h2>\n<p>So gerne Anf\u00e4ngerautoren Fr\u00fchst\u00fcckssituationen schildern und entspannende Stunden im Spa-Hotel \u2013 so sehr f\u00fcrchten sie die wirklich wichtigen Szenen. Sobald es spannend wird oder dramatisch, sobald die Leserin sich freut, jetzt gleich in die Handlung hineingezogen zu werden, alles mitzuerleben, als w\u00e4re sie dabei \u2013 da kneift der Autor und l\u00e4sst nach ein paar kurzen S\u00e4tzen die Szene enden. Es scheint, als bef\u00fcrchte er, wenn er nun detailgenau den Verlauf der epischen Schlacht oder den Ablauf der Verhandlung \u00fcber Krieg oder Frieden schildere, w\u00fcrde er die Leser langweilen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht! Wir lesen B\u00fccher wegen der Konflikte, nicht wegen der plastischen Schilderungen des Alltags. Fr\u00fchst\u00fccken kann jeder; aber nicht jeder ist schon einmal an der Seite von Attila dem Hunnenk\u00f6nig in die Schlacht geritten oder hat dem Erzbischof von Gran drei Kisten Gold abgeschwatzt. Die Leser sind wegen der gro\u00dfen dramatischen Szenen hier; geben wir ihnen, was sie verlangen! Sie sollen sp\u00fcren, was die Figur f\u00fchlt, sie sollen bangen und hoffen, in der Geschichte versinken und ganz gefesselt sein. Oder wir schreiben alles in auktorialer Erz\u00e4hlweise, mit satirischem Unterton, oder wir schildern alles lapidar, denn manchmal wirkt gef\u00fchllose Berichterstattung st\u00e4rker als alles gef\u00fchlsselige Pathos. Ganz gleich, wie wir es umsetzen: Geben wir der Szene Luft! Nur wer feige vor ihr davonkriecht, hat es falsch gemacht.<\/p>\n<h2>Der Autor sagt, wie es ist<\/h2>\n<p>Anf\u00e4ngerautoren gehen davon aus, dass das geschriebene Wort st\u00e4rker ist als ein Ziegelstein. Was man Schwarz auf Wei\u00df besitzt, kann man nicht nur getrost nach Hause tragen, sondern das muss man glauben, ohne es zu hinterfragen. In r\u00fchrendem Vertrauen auf ihre literarische Sch\u00f6pfungskraft glauben die Anf\u00e4nger, alles, was sie schreiben, wird der Leser ihnen abnehmen. (Siehe oben, die Ausf\u00fchrung zu intelligenten (?) Figuren). Die Figur ist sympathisch, nett und sch\u00f6n, weil der Autor das behauptet. Die Figur ist der beste K\u00e4mpfer, weil die Autorin das behauptet. Sie ist auch eine hervorragende Spionin im Dienste des Kaisers \u2013 die Leser sehen sie zwar nie spionieren, aber es wurde ja am Anfang erw\u00e4hnt, also glauben sie es bestimmt!<\/p>\n<p>Der Autor h\u00e4ngt dem Trugbild an, er habe hochkomplexe, unverwechselbare Figuren geschaffen \u2013 in Wirklichkeit hat er nur ein paar Adjektive angeh\u00e4uft. Zu diesem Pappkameraden, der durch die Geschichte stolpert, passen die Adjektive freilich nicht.<\/p>\n<p>Man sollte den Leser nicht betr\u00fcgen. Wer den Eindruck erweckt, es ginge in seiner Geschichte um eine unnahbare K\u00f6nigin, die auch Vampirin ist, Kriege gegen die Nation der Werw\u00f6lfe f\u00fchrt, Englands Kolonialreich zerschlagen will und bereits seit f\u00fcnfhundert Jahren nach einem Ehemann sucht, der ihre Anspr\u00fcche erf\u00fcllt (nach der ersten Verliebtheit hat sich jeder potenzielle Gemahl als unzureichend herausgestellt und endete als Hauptgang), und dann tischt er den Lesern die immer gleiche Liebesgeschichte auf, die Vampirin wird zum pampigen G\u00f6r, das vor einem eigenschaftslosen Typen dahinschmilzt, blabla &#8230; Der muss sich nicht wundern, wenn es den Lesern nicht gef\u00e4llt. Die Verpackung muss zum Inhalt passen.<\/p>\n<p>Ein Roman ist Arbeit, und Leser sind keine leicht zu beeindruckenden Einfaltspinsel. Leser sind intelligent, sie hinterfragen, sie finden Fehler und L\u00f6cher im Handlungsstrang. Geben wir unser Bestes f\u00fcr unsere Leser. Sie verdienen es.<\/p>\n<h2>Und zum Schluss: Der allererste Anf\u00e4ngerfehler<\/h2>\n<p>Jeder Anf\u00e4nger durchl\u00e4uft einmal die Phase, in der er dem soliden Sprecherverb &#8222;sagen&#8220; untreu wird. Es gibt ja zig bessere! &#8222;\u00c4chzen&#8220; und &#8222;nuscheln&#8220;, &#8222;erwidern&#8220; und &#8222;sich erkundigen&#8220;, &#8222;nachhaken&#8220; und &#8222;wissen wollen&#8220;, &#8222;kr\u00e4chzen&#8220; und &#8222;knurren&#8220;, &#8222;brummen&#8220; und &#8222;murmeln&#8220;, &#8222;l\u00e4cheln&#8220; (das ultimative Eigentor), &#8222;nicken&#8220;, &#8222;zustimmen&#8220; &#8230;<\/p>\n<p>Aber keine Sorge, liebes &#8222;sagen&#8220;: Irgendwann kommen sie alle wieder zu dir zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>Das war&#8217;s &#8230;<\/h2>\n<p>Das waren die Anf\u00e4ngerfehler, die jeder Autor begangen haben muss, ehe er sich weiterentwickeln kann. Denn wie sagte unser gro\u00dfer Goethe: &#8222;Stolpern f\u00f6rdert!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer diesen Artikel liest, ist mit Sicherheit eines: kein Anf\u00e4nger. Anf\u00e4ngerautoren lesen grunds\u00e4tzlich keine Artikel \u00fcber Anf\u00e4ngerfehler. Warum auch? Sie sonnen sich ja noch im seligen Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten. 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