{"id":392,"date":"2018-09-09T19:29:42","date_gmt":"2018-09-09T17:29:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=392"},"modified":"2018-09-09T19:29:42","modified_gmt":"2018-09-09T17:29:42","slug":"kvb-09september","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2018\/09\/09\/kvb-09september\/","title":{"rendered":"KvB 09. September 2018 oder Gejammer"},"content":{"rendered":"<p>Ganz ehrlich? B\u00fccher schreiben kann sch\u00f6n sein, berauschend, wundervoll und gro\u00dfartig. B\u00fccher schreiben kann schrecklich sein, deprimierend, nervig, deprimierend und frustrierend. Man kann sich monatelang mit einem Projekt wohlf\u00fchlen, oder man kann monatelang an einem Projekt herumknabbern, und einfach keine Freude am Schreiben finden. Oder man kann zwischen diesen beiden Extremen oszillieren, mehrmals die Woche, mehrmals am Tag, mehrmals in der Stunde.<\/p>\n<p>KvB ist mein Lieblingsprojekt, es soll gro\u00dfartig werden, und ich hasse KvB, wie ich sonst nur &#8222;Die Rose von Huwelreich&#8220; gehasst habe. Manchmal liebe ich KvB, ich bin zufrieden, ich baue Zitate ein und habe einen Heidenspa\u00df dabei \u2013 und dann ist wieder alles miserabel, jeder Satz ist ein Klischee, alles war schon mal da, das Buch hat keine Tiefe, es ist zu weit entfernt von seinem Original, die Zielgruppe wird toben, es ist zu doof, es gibt zu viele Kampfszenen, es gibt zu wenig Frauen, und so weiter. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht schreibe \u2013 und wenn ich schreibe, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es nicht gut ist, was ich schreibe. Zu KvBs Ausgangsstoff gibt es schon unz\u00e4hlige Bearbeitungen \u2013 st\u00e4ndig vergleiche ich mein Projekt mit diesen, und st\u00e4ndig verliert meines im Vergleich. Bis auf die Begr\u00fc\u00dfungszeremonien, die Politik und das Hofwesen. (Na, kein Wunder, zu irgendwas m\u00fcssen wir altmodischen Geister ja auch nutze sein.)<br \/>\nIn der &#8222;Rose von Huwelreich&#8220; habe ich die Hauptfigur gehasst; in KvB finde ich die Hauptfiguren toll, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich sie so darstelle, wie es &#8222;richtig&#8220; ist. Die Figuren der Huwelreich-B\u00fccher sind erfunden, sind Eigensch\u00f6pfungen von mir, da muss ich nicht gr\u00fcbeln, was richtig ist und was nicht. Glaubw\u00fcrdig m\u00fcssen sie sein und in sich stimmig \u2013 aber \u00fcber &#8222;richtig&#8220; und &#8222;falsch&#8220; bestimme ich als die Urheberin dieser fiktiven Figuren.<\/p>\n<p>Bei KvB jedoch habe ich bereits bestehende Vorbilder f\u00fcr das halbe Personal, es gibt unz\u00e4hlige Interpretationen dieses Stoffes, die sich widersprechen, erg\u00e4nzen oder zueinanderpassen. Auch ich werde nur eine weitere Interpretation liefern, nichts weiter, f\u00fcr viele wird sie falsch sein, f\u00fcr andere vielleicht ganz ansprechend \u2013 aber trotzdem gr\u00fcble ich und gr\u00fcble und habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich zuk\u00fcnftige Leser entt\u00e4uschen werde.<\/p>\n<p>Deshalb schreibe ich alternative historische Romane und keine &#8222;herk\u00f6mmlichen&#8220; historischen Romane. Ich h\u00e4tte st\u00e4ndig Angst, die historischen Pers\u00f6nlichkeiten falsch darzustellen; und da ich daran glaube, dass die alle von da oben zu uns herabsehen, w\u00fcrde ich dauernd bef\u00fcrchten, dass nun Kaiser und P\u00e4pste und Kanzler sich da oben \u00e4rgern wie noch nie, weil ich total an ihrem Charakter vorbeischreibe. (Und wer \u00e4rgerte sich noch? Die Leute, die sich mit Geschichte auskennen! Geht mir selber ja oft auch so.)<br \/>\nNach KvB werde ich zur\u00fcckgehen in die Huwelreich-Welt. Dort f\u00fchle ich mich wohler und nicht so unter Druck.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das schon eine halbe Schreibblockade, ich wei\u00df nicht. Fr\u00fcher war ich st\u00e4ndig im Flow beim Schreiben, heutzutage bin ich vielleicht ein Viertel der Zeit wirklich gl\u00fccklich w\u00e4hrend des Schreibens. Die anderen drei Viertel k\u00e4mpfe ich mich voran, \u00e4rgere mich \u00fcber meinen geringen Wortschatz und meine lahmen Metaphern und \u00fcberhaupt und sowieso. (W\u00e4hrend des Mini-9-Tage-Projekts war \u00fcbrigens alles super und spa\u00dfig und wunderbar. Ich glaube, es liegt eigentlich an den B\u00fcchern.)<br \/>\nVor drei Tagen habe ich die bisher geschriebenen Szenen von KvB durchgelesen. Sch\u00f6n, Begeisterung, ich war zufrieden, die Hauptfigur ist niedlicher, als ich es geplant habe, ich habe mich gefreut und konnte es kaum erwarten, es als Buch in der Hand zu halten. \u2013 Jetzt? Deprimiert, alles doof, Blabla.<\/p>\n<p>Und wenn jemand meine B\u00fccher kauft, freue ich mich dann, wie man das von Autoren erwarten d\u00fcrfte? Nein, ich nicht! Ich mache mir Sorgen, dass es der Leserin nicht gefallen wird, dass sie es bl\u00f6d findet, und au\u00dferdem habe ich ein schlechtes Gewissen, dass sie wegen mir Geld ausgegeben und Zeit vergeudet hat f\u00fcr etwas, das ihr nicht gef\u00e4llt. Aber nicht dass ihr meint, ich werfe B\u00fccher auf den Markt, von denen ich denke, dass sie von schlechter Qualit\u00e4t sind. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, und ver\u00f6ffentliche meine B\u00fccher nur, wenn ich der Meinung bin, jetzt sind sie gut. Nur dass sich diese Ansicht f\u00fcnftausendmal im Monat \u00e4ndert. Heute habe ich ein wenig in &#8222;Dietrich von Bern&#8220; gelesen und habe mich am\u00fcsiert. Gestern fand ich alle meine B\u00fccher schrecklich. Vorher habe ich die Anfangsszene von KvB gelesen und fand sie toll. Oder auch nicht, es \u00e4ndert sich alle zwei Minuten. Mal sind meine B\u00fccher Solala, dann sind sie doch ganz sch\u00f6n, dann schrecklich peinlich, dann komme ich in eine vers\u00f6hnliche Stimmung und denke: &#8222;Nichts ist perfekt au\u00dfer meinen Schwarzk\u00f6pfchen und G\u00f6tterd\u00e4mmerung, Fehler machen wir alle&#8220;, und es geht wieder von vorne los.<br \/>\nEigentlich sollte ich im Lotto gewinnen, und dann k\u00f6nnte ich alle meine B\u00fccher kostenlos anbieten, damit die Leser im Falle der Entt\u00e4uschung wenigstens nicht noch Geld ausgegeben haben. \u2013 K\u00f6nnte man ein \u00e4hnliches Modell bei Opernh\u00e4usern einf\u00fchren? Wenn einem die Inszenierung nicht gefallen hat, Geld zur\u00fcck? Ich w\u00fcsste da jemanden, der das einf\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen schrieb ich ein paar Szenen aus der Sicht eines Tyrannen: Alles super, cool, schnell, juhu! Hat total Spa\u00df gemacht, ich war so produktiv wie schon lange nicht mehr, wie schade, dass dieser Tyrann uns demn\u00e4chst verlassen wird! \u2013 Jetzt schreibe ich wieder aus der Sicht von KvB, Jammerlappen vom Dienst: Alles grauenvoll. Ich w\u00fcnschte, irgendwann machte es &#8222;Knall&#8220; und ich w\u00e4re wieder zur\u00fcck in der Phase, in der das Schreiben nur Freude bereitet, wie damals bei &#8222;Der Kaiser von Huwelreich&#8220; und noch fr\u00fcher. Oh, und jetzt komme ich wieder in gute Stimmung am Ende dieses Blogartikels. Wahnsinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz ehrlich? B\u00fccher schreiben kann sch\u00f6n sein, berauschend, wundervoll und gro\u00dfartig. B\u00fccher schreiben kann schrecklich sein, deprimierend, nervig, deprimierend und frustrierend. Man kann sich monatelang mit einem Projekt wohlf\u00fchlen, oder man kann monatelang an einem Projekt herumknabbern, und einfach keine Freude am Schreiben finden. 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