{"id":1683,"date":"2025-02-07T18:09:45","date_gmt":"2025-02-07T17:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=1683"},"modified":"2025-02-11T18:19:27","modified_gmt":"2025-02-11T17:19:27","slug":"der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-7","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2025\/02\/07\/der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-7\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig von Burgund und der Bastard, Kapitel 7"},"content":{"rendered":"\n<h2>An Feinden fehlte es ihm nie<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier kommt ein l\u00e4ngeres Kapitel mit 6700 W\u00f6rtern. Die Anmerkungen sind 1000 W\u00f6rter lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier kommt leider eine Stelle, die zu den Vorg\u00e4ngerb\u00e4nden in direktem Widerspruch steht. Bitte ber\u00fccksichtigt allerdings, dass ich an Band 4 schon seit 4 Jahren herumbastle, zwischen der Beendigung von Band 3 und Band 4 ein Jahr lang eine enorme Depression hatte, w\u00e4hrend der ich diese B\u00fccher absolut hasste, und die Vorg\u00e4ngerb\u00e4nde erst 2024 nach vier Jahren wieder durchgelesen habe. In dieser Zeit sind mir manche Dinge entfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Widerspruch ist gravierend und zugleich leicht zu akzeptieren, denn er betrifft nur 4 S\u00e4tzchen in Band 3. Am Ende von Band 3 er\u00f6ffnete der alte Herzog Gunther, dass Hagen ein \u201eBastard\u201c von Gibich ist. Er sagt in 2 knappen S\u00e4tzen, dass es auch Gunthers Mutter wisse. Wenn Gunther sp\u00e4ter Hagen von seiner wahren Herkunft berichtet, fragt der ihn, wer es noch wisse. Da hei\u00dft es \u201eNur meine Mutter\u201c. Mehr nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich hatte in der Zwischenzeit vergessen, dass die Hauptfiguren wussten, dass Ute in Kenntnis gesetzt war. In meiner Vorstellung dachten sie, bis auf den alten Herzog habe niemand davon erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt folgt eine Szene, in der Ute Gunther mitteilt, dass sie sehr wohl von Gibichs illegitimem Sohn wei\u00df, und er reagiert entsprechend geschockt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich euch bitte, die 4 S\u00e4tze aus Band 3 auch zu vergessen. Sp\u00e4ter werde ich sie anpassen; am sehr kleinen Umfang der notwendigen \u00c4nderung zeigt sich, dass die Sache ziemlich nebens\u00e4chlich ist. Dann hei\u00dft es einfach: Wer wei\u00df sonst noch davon? \u2013 Niemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch davon abgesehen bin ich mit dem ersten Abschnitt keineswegs zufrieden. Vielleicht wird die Szene noch komplett umgeschrieben oder herausgeworfen. Wenn ihr sie deshalb nicht lesen wollt, k\u00f6nnt ihr runterscrollen bis zum n\u00e4chsten Abschnitt, der dann wieder wichtig ist f\u00fcr die weitere Handlung.<\/p>\n\n\n\n<h2>Jetzt geht es los:<\/h2>\n\n\n\n<p>Gunther konnte nicht leugnen, dass die Abwesenheit seines besten Beraters den Wormser Hof in Unruhe versetzte: Es gemahnte ihn an die Tierwelt, wenn sich der Adler von dannen gehoben hatte, und nun aus allen Ecken, Spalten und Winkeln die M\u00e4use hervortrippelten. Jeden Tag umgaben ihn Grafen und Ritter, die sonst nicht das Wort zu ergreifen wagten. Manche baten ihn, ehrf\u00fcrchtig oder dr\u00e4ngend, um neue Lehen, Privilegien und sonstige Gunsterweise; manch andere beschr\u00e4nkten sich darauf, gegen seinen teuren Herzog zu sticheln. Sie versuchten, ihm geschickt dessen Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten aufzuzeigen, wisperten hechelnd von seinem Hochmut und seiner Hybris, ja, und die k\u00fchnsten erfrechten sich gar, das steinerne Fundament seiner Treue anzuzweifeln, zu behaupten, alle Hingabe sei auf Sand gebaut, nicht auf den Fels der Verehrung und Freundesliebe. Ihre R\u00e4nke \u2013 das musste sie vergr\u00e4men \u2013 trugen keine Fr\u00fcchte; vielmehr erw\u00fcrgten die Neider damit das Ansehen, das Gunther f\u00fcr sie vordem im Herzen getragen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als einmal ergriff ihn der Zorn! Dann beendete er das Intrigenspiel mit herrischen Worten: \u201eZum Undank wollt Ihr mich anstiften, wie? Denjenigen, der f\u00fcr mich im Feindesland die Schwerthiebe abfing, und die Leibesstrafe f\u00fcr den versp\u00e4teten Tribut, dem soll ich\u2019s mit Verachtung entgelten? Und, und meint Ihr, ich sei zu t\u00f6richt, um echte Treue von falschem Ges\u00e4usel zu unterscheiden? Nein, nein, ich bin kein Narr. Nur wenige Dinge sind auf dieser Welt gewiss \u2013 die Treue meines Tronjers ist eines davon. So ist\u2019s, und habt Ihr nichts anderes zu tun, als mir einreden zu wollen, dass Gold nur Lehm sei, dann schweigt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Danach wagte der Ger\u00fcgte es nicht mehr, Gunthers ersten Lehnsmann zu schm\u00e4hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beratungen im Thronsaal waren von schonender K\u00fcrze: Alles, was kaum \u00fcber den Rang einer Kleinigkeit hinausragte, konnte Gunther bew\u00e4ltigen mit der erl\u00f6senden Losung: \u201eWarten wir mit dem Urteil, bis der Herzog zur\u00fcckgekehrt ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal hinterbrachte ihm Kriemhild, dass Gernot, der uns\u00e4gliche, sich erdreistet hatte zu behaupten: \u201eEin Gl\u00fcck, dass unser K\u00fcchenmeister die Speisen des Tages festlegt. Obl\u00e4ge dies unserem lieben K\u00f6nig, h\u00e4tten wir bis zur R\u00fcckkehr des Herzogs nichts zu essen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Elender Schw\u00e4tzer! Gunther sorgte f\u00fcr seine Strafe. In der n\u00e4chsten Ratssitzung stellte er Gernot genau vor jene Pr\u00fcfung, die M\u00e4nner der Tat von den M\u00e4nnern des Besserwissens schied: Er fragte vor allen Leuten seinen Bruder um Rat. Es erf\u00fcllte Gunther mit Triumph, wie Gernot darum rang, die \u00dcberlegenheit zu bewahren und sich gleichzeitig einer echten Antwort zu entwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab und an stahl sich Gunther \u2013 hoffentlich unbemerkt von den l\u00e4sterfrohen H\u00f6flingen \u2013 in die Kemenate, um Mutter zu besuchen. Die Begegnungen der letzten Monate waren stets fl\u00fcchtig gewesen \u2013 und eigentlich hatte er sie ja doch ein wenig vermisst.<\/p>\n\n\n\n<p>Des \u00d6fteren mischte sich auch die Schw\u00e4bin in ihre Gespr\u00e4che und gab unerm\u00fcdlich mit den Fortschritten ihres Sohnes an \u2013 auch wenn sie bedauerte, ihn nur noch selten zu Gesicht zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages f\u00fchrte ihn Mutter in ihre Kammer hin\u00fcber. Hier hatte er sich fr\u00fcher oft hinter der Kleidertruhe versteckt, wenn Vaters Zorn wieder allzu hei\u00df loderte. Und hatte er sich der Strafe nicht entziehen k\u00f6nnen, kam er oft hierher f\u00fcr Trost und Salben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch, Mutter\u201c, sagte er mit gedankenverlorenem Seufzen, \u201ejetzt hab ich f\u00fcnf Dutzend W\u00e4chter in meinem st\u00e4ndigen Dienst, doch keiner von ihnen hat mich so oft vor Unbill bewahrt wie Ihr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGlaub mir, w\u00fcrden wir Frauen dieselbe Macht genie\u00dfen wie M\u00e4nner, h\u00e4tte dich nur sieben Mal die Strafe ereilt, immer dann, wenn du zu deinen Geschwistern garstig warst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, er hatte das anders in Erinnerung \u2026 Er f\u00fcllte zwei Becher mit Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs gibt da etwas, dass du erfahren musst, Goldst\u00fcck\u201c, sagte Mutter leise. Sie sah ihn an mit eindringlichem Blick. \u201eDein Vater w\u00e4re zufrieden, dass die <em>beiden<\/em> wichtigsten \u00c4mter des Reiches seinem Stamm geh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er erstarrte. Sie wusste \u2013 nein, das konnte nicht sein, oder nicht? Seinem Stamm \u2013 vielleicht war\u2019s nur ungeschickt ausgedr\u00fcckt, jaja, und Mutter wusste gar nicht, wie Recht sie wirklich hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, sagte er hastig, \u201edas w\u00fcrde ihn mit Stolz \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mutter griff nach seiner Hand. \u201eIch wei\u00df nicht, wie viele Halbgeschwister du noch hast \u2013 aber ich wei\u00df, welcher der bedeutendste ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schlug die Linke vors Gesicht. Mutter, die fromme, gottesf\u00fcrchtige K\u00f6nigswitwe, k\u00f6nnte es nicht dulden, dass das wichtigste weltliche F\u00fcrstentum sich in den f\u00e4higen H\u00e4nden eines \u2013 Bastards befand! Sie w\u00fcrde ihn anflehen, diesen Zustand, der die Ordnung der Welt und die Ehre ihres toten Bruders verletzte, alle angestammten Gesetze aus dem Lot brachte \u2013 diesen Zustand aufzuheben, seine Schuld zu tilgen, und seine beste und treueste St\u00fctze hinabzuschleudern in den Staub. Uneheliche Geburt war dreifache Schmach: des Vaters, mehr noch der Mutter, und am meisten des unschuldigen Sohns. Keine Waffe k\u00f6nnte seinen Hagen besiegen, kein Feind ihn \u00fcberlisten, keine Gefahr ihn brechen \u2013 aber ein Wort nur, ein einziges, und nicht einmal Gunthers gesammelte gekr\u00f6nte Macht k\u00f6nnte ihn vor dem Sturz bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte\u201c, fl\u00fcsterte er elend, \u201elasst ihn mir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mutter dr\u00fcckte seine Finger. \u201eH\u00e4tt&#8216; ich\u2019s verraten wollen, h\u00e4tt&#8216; ich nicht f\u00fcnfzehn Jahre lang geschwiegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er lie\u00df die Hand von den Augen wieder sinken. \u201eOh. So lang schon wisst Ihr es?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Die Herzogin war meine beste Freundin, und der ungl\u00fcckliche Ehemann mein Bruder. Bevor sie\u2019s mir gestand, hatte ich es bereits durchschaut.\u201c Sie l\u00e4chelte, und es schien derart heiter und verschw\u00f6rerisch, dass Gunther beinahe Hoffnung sch\u00f6pfte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMutter \u2013 seid Ihr mir b\u00f6se, dass ich ihm das Lehen gab?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wich seiner Frage aus. \u201eSeit wann wei\u00dft du es?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn dem Tag, an dem Dankwart von der Nachfolge ausgeschlossen wurde, hat der Herzog es mir erz\u00e4hlt.\u201c Er schluckte. \u201eIch hab mit mir gerungen, wie ich den Herrgott vers\u00f6hnen k\u00f6nnte\u201c, verlegen sah er zur Decke, \u201eweil ich ja nicht ohne einen Berater und Besch\u00fctzer herrschen kann, und \u2013 Hagen ist doch in jeder Hinsicht daf\u00fcr geschaffen. Es kam mir vor, als wolle mich das Schicksal verspotten, wenn es mir den bestm\u00f6glichen Ausweg f\u00fcr meine Not zeigt, nur um ihn mir dann zu verbieten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mutter nickte. \u201eDu warst dir bewusst, dass du einen illegitimen Sohn mit einem Amt betraust.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZum Teufel! Ich \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFluch nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZweimal zum Teufel! Es waren andere, die sich viel schlimmer vers\u00fcndigt haben! Und falls Ihr Euch wundert: Nein, ich bereue es nicht \u2013 es war die <em>beste<\/em> Entscheidung!\u201c Er entzog ihr seine Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Mutter blickte zum Kreuz an der Wand hin\u00fcber. \u201eEs scheint, als habe der Herrgott seinen Segen dazu gegeben. Freilich m\u00fcssen wir auch weiterhin viel beten, dass er uns vergebe, was du getan hast. \u2013 Ich zumindest bringe ihm morgens und abends zehn Paternoster dar, damit er uns nicht z\u00fcrne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, Mutter!\u201c, sagte er freudig, \u201eich danke Euch! So sehr!\u201c Er erhob sich und umarmte sie. \u201eDass Ihr es mir nachseht \u2013 und dass Ihr das Geheimnis bewahrt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch k\u00f6nnte doch niemals meinem Sohn den wertvollsten Besch\u00fctzer nehmen! Niemals. Aber lehr ihn beizeiten ein wenig das Gehorchen. \u2013 Ich nehme an, Hagen wei\u00df es auch?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm wieder Platz in seinem Stuhl. \u201eJa. Ich lie\u00df ihm freilich keine Zeit, um dar\u00fcber nachzugr\u00fcbeln, sondern verdeutlichte ihm, dass er unverzichtbar ist. Wenn der K\u00f6nig bittet, kann der Diener nicht fernbleiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNiemand sonst wei\u00df es?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo soll es bleiben. H\u00fcte dieses Geheimnis noch sorgsamer als Gold.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er neigte sich leicht. \u201eSeid ohne Sorge. Zu furchtbar w\u00e4re der Preis, den wir entrichten m\u00fcssten. Ich k\u00f6nnte Hagen als Herzog nicht mehr halten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht einmal als W\u00e4chter d\u00fcrfte er dir noch dienen. Die F\u00fcrsten erlaubten es nie, dass der ehemals zweite unter ihnen in der N\u00e4he des K\u00f6nigs weilte, zumal der ihm noch immer die Treue hielte! Sie g\u00e4ben erst den Zorn auf, wenn jeglicher Einfluss von ihm vernichtet w\u00e4r. Ihr liebstes Mittel hie\u00dfe wohl \u201aVerbannung\u2018.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das wollte er alles nicht h\u00f6ren! Gereizt erwiderte er: \u201eWeder ich noch Hagen werden je etwas sagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mutters Blick war eisern und flehend zugleich. \u201eDieses Geheimnis k\u00f6nnte auch dich den Thron kosten. Dem K\u00f6nig, der einen Bastard beschirmt, erwachsen tausend Feinde. Man w\u00fcrde deine Absetzung verlangen, dich f\u00fcr herrschaftsunf\u00e4hig erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir geben acht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch will nur, dass du die Gefahr begreifst, mit der du immer leben musst. Der arme Kerl kann nichts daf\u00fcr, dass seine Tugend dein Panzer und seine Herkunft deine Bl\u00f6\u00dfe ist. Sag niemandem ein Wort davon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2>Neuer Abschnitt ab hier:<\/h2>\n\n\n\n<p>Am selben Tag schickte Gunther nach Kriemhild, sie solle in den Thronsaal kommen. Sie lie\u00df sich unn\u00f6tig viel Zeit daf\u00fcr, die Freche, und als sie ankam, war Gunther bereits ins Gefecht mit einem W\u00e4chter vertieft. Nach dem Ende des Kampfes hob er das Schwert vom Boden auf, nahm den Helm ab und schritt zu Kriemhild hin\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGr\u00fc\u00df dich, kleine Schwester! Du wolltest doch immer die Schwertk\u00e4mpfe einmal von Nahem anschauen \u2013 jetzt ist es soweit!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Falte entstand zwischen ihren Brauen. Mit d\u00fcrftig verhohlenem \u00c4rger murmelte sie: \u201eIch wollte aber richtige Gefechte sehen, von Kriegern, die ein paar mehr Schlachten als du \u00fcberstanden haben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit solchen kann ich zurzeit nicht dienen. Da musst du Ungl\u00fcckliche eben mit mir vorliebnehmen.\u201c Er lachte und wandte sich um.<\/p>\n\n\n\n<p>Richard von Lichtenburg, sein wackerer W\u00e4chter, erwartete schon den n\u00e4chsten Kampf. Er hatte genug Anstand, seinen K\u00f6nig diesmal siegen zu lassen. Beim zweiten Mal ebenso, beim dritten sicherte Richard sich den Sieg schnell wie die Natter, die aus dem Dickicht schoss, und beim vierten Mal gewann Gunther ganz von selber. \u201eHast du das gesehen?\u201c, rief er ausgelassen zu Kriemhild hin\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. In der Schlacht h\u00e4ttest du l\u00e4ngst eine Klinge im Herzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er winkte unwirsch ab und fasste den Schild fester.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeiber\u201c, brummte Richard. \u201eVerstehen nicht einmal den Zweck des \u00dcbens.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther nickte entschlossen und griff an. Richard versetzte seinen Streich gewandt und stie\u00df die Klinge vor. Gunther sprang rasch genug zur Seite. Er zielte auf die entstandenen Bl\u00f6\u00dfe in Richards Seite. \u2013 Wieder ein Sieg! Flink nahm er eine Verteidigungsstellung ein, wartete auf Richards Angriff. Aus der Hut wehrte er zwei ab. Beim dritten \u2013 sie waren hart am Band \u2013 hakte er rasch das Heft \u00fcber die gegnerische Hand und hebelte ihm die Klinge aus. Die zahlreichen Zweik\u00e4mpfe mit Hagen hatten sich gelohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Gefecht danach h\u00e4tten sie beide eine b\u00f6se Wunde empfangen, und beim folgenden musste Gunther ein paar Knaufst\u00f6\u00dfe einstecken, ehe ein gl\u00fccklicher Augenblick ihm einen gegnerischen Fehler und drum den Sieg bescherte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er rief Kriemhild, sie solle den Wein her\u00fcberbringen. Rasch neigte er sich zum W\u00e4chter: \u201eDu schonst mich wirklich nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGar nicht, Herr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Verlegen nahm Gunther den Helm ab. So recht wollte er das nicht glauben; schlie\u00dflich waren ihm die Zweifel vertrauter als das Zutrauen zu sich selber.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild reichte jedem einen Becher. W\u00e4hrend sie tranken, untersuchte sie Gunthers Helm und Schild, hob beide hoch und pr\u00fcfte das Gewicht.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4chter Richard hatte selten so lange und so nahe bei ihr gestanden; Gunther rechnete es ihm hoch an, dass er sich redlich m\u00fchte, nicht zu starren. Au\u00dferdem hatte Richard von Lichtenberg ihm einen gro\u00dfen Dienst erwiesen, damals, als der alte Herzog zu Tode kam. Auf Gunthers Befehl hin hatte der W\u00e4chter die Schuld \u00fcbernommen \u2013 eine federleichte Schuld, denn es war Notwehr zur Rettung des Landesherrn. Er hatte Stillschweigen geschworen, sich verpflichtet, niemandem je zu verraten, wer dem verr\u00fcckten Herzog in Wirklichkeit den Todessto\u00df versetzt hatte. Doch mit Gunsterweisen hielten die Schw\u00fcre noch besser. Zwar hielt ihn Gunther oft in seiner N\u00e4he, f\u00fctterte ihm Brosamen seiner Huld, aber eine weitere Belohnung w\u00e4re kein Nachteil. Er k\u00f6nnte dem Lichtenberg eine ansehnliche Braut aus angesehener Familie vermitteln, aus einem Rittergeschlecht oder dem reichen B\u00fcrgertum.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Becher geleert waren, stellten sie sich erneut zum Kampf. Es folgte eine Kette geschwinder Gefechte, mancher Prachtsieg nach nur ein, zwei Hieben war dabei. Nie dauerte es l\u00e4nger als f\u00fcnfzehn Herzschl\u00e4ge; au\u00dfer die drei Mal, bei denen sie beide zu Fall kamen und den Kampf mit z\u00e4hem Ringen beschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem besonders hart errungenen Sieg klatschte Kriemhild in die H\u00e4nde. \u201eOh, das war wunderbar! Ich will noch \u00f6fter zusehen! Und w\u00fcsst&#8216; ich\u2019s nicht besser, w\u00fcrde ich beinahe meinen, du habest\u201c, sie dachte kurz nach, \u201ein sieben Schlachten gefochten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lob eines Laien, obzwar ohne Substanz, nahm man doch trotzdem gerne an. Gerade als er den n\u00e4chsten Kampf begann, schwang die schwere Saalt\u00fcr auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herold eilte herein mit gro\u00dfen Schritten. \u201eMein K\u00f6nig, drei Boten trafen eben ein, aus Frankreich, Bayern, \u00d6sterreich. Sie lassen ausrichten, was sie Euch mitzuteilen haben, dulde keinen Aufschub.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aller schwirrende Frohsinn verschwand, stattdessen stieg wie Nebel jetzt die Sorge auf. Gunther legte den Schild nieder und nahm den Helm ab. \u201eDas h\u00f6rt man immer. Nein, die Boten werden sich gewiss erst von der Reise erholen wollen. Gebt ihnen Wein; derweil sollen sich meine F\u00fcrsten hier versammeln.\u201c <em>Ermanne dich!<\/em> Es stand einem K\u00f6nig nicht gut an, schon beim zweiten Satz eines Befehls au\u00dfer Atem zu kommen!<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich entstand Aufruhr drau\u00dfen vor dem Portal.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist verboten!\u201c, riefen seine W\u00e4chter. Richard rannte los wie ein Pfeil, hin\u00fcber zum Portal mit gezogener Waffe. Einen Herzschlag lang zauderte Gunther \u2013 dann folgte er rasch. Drau\u00dfen auf der Saalstiege standen die drei Boten und verlangten Einlass. Seine W\u00e4chter \u2013 drei weitere waren bereits herbeigeeilt, es waren nun sechs \u2013 versperrten ihnen den Zugang mit drohenden Speeren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist hier los?\u201c, fragte Gunther hinter ihnen. Nein, zu leise! \u201eWas soll der Aufruhr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die W\u00e4chter bildeten eine treue Wand zu seinem Schutz. Einer der Boten deutete anklagend auf ihn und rief mit franz\u00f6sischem Zungenschlag: \u201eEdelmann, bring uns einen, der bedeutend und vern\u00fcnftig ist! Wir wollen zum K\u00f6nig!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJawoll!\u201c, riefen der Bayer und der aus \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer K\u00f6nig bin ich.\u201c Ihm entging nicht, wie sie ihn jetzt be\u00e4ugten, denn dass er ger\u00fcstet war im Kettenhemd, passte nicht zu dem Bild, das sie sich von Gunther, dem Weichling, vorgestellt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr herablassendes Staunen verlieh ihm Kraft. \u201eDann lasst sie eben eintreten, M\u00e4nner\u201c, sprach er fest. \u201eWenn ihnen die Botschaft derart auf der Zunge brennt, h\u00f6r ich sie sogleich an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schritt den Boten voran in den Thronsaal zur\u00fcck. \u2013 Kriemhild stand am Rand, dem\u00fctig und bescheiden wie ein zartes Singv\u00f6gelchen. Er h\u00e4tte sie vorher fortschicken sollen. Nun denn, sollte sie eben bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Streifen aus Mittagslicht hielt er an. Die Kettenringe blitzten, als er sich umdrehte. Der Thron, noch weit entfernt, lag im Schatten. Er st\u00fctzte eine Hand in die H\u00fcfte und sagte, weniger barsch, als er es beabsichtigt hatte: \u201eWillkommen in Worms. St\u00fcrmisch war Eure Ankunft; ich hoffe, dass Eure Botschaft \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLange Reden tun nicht not, junger K\u00f6nig\u201c, sprach der Bayer. \u201eDie Schonfrist ist vorbei!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus R\u00fccksicht auf Eure Jugend haben unsere Herren bisher g\u00fctig ausgeharrt\u201c, fuhr der \u00d6sterreicher fort, \u201enun aber ist&#8217;s genug! Euer Vater und sein Herzog haben allzu oft ihre Nachbarn betrogen, mit List und T\u00fccke sich L\u00e4ndereien errafft, vor zehn Jahren \u00d6sterreichs Kriegskasse gestohlen, und mit zahllosen Schandtaten mehr den Namen Burgund besudelt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber das ist so lange her!\u201c, rief Gunther.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bayer fuhr fort: \u201eUnd ebenso lange zehrt Burgund von den Zinsen seiner unrecht erlangten Vorteile! Sollen unsere Herren da duldsam aufgeben, was einstmals ihnen selber geh\u00f6rte? Dem verz\u00e4rtelten K\u00f6nig von Burgund alles schenken, wo doch jeder <em>Bauer<\/em> f\u00fcr sein Erbe Abgabe leistet?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein!\u201c, riefen die andern beiden, \u201eniemals!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr genie\u00dft nicht ungest\u00f6rt das ererbte Diebesgut, oh nein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarum\u201c, rief der Bayer stolz, \u201ek\u00fcndigen wir Euch die Erbabgabe an! Wir holen zur\u00fcck, was uns geh\u00f6rt. Unsere Herren \u2013 erkl\u00e4ren Euch den Krieg!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist\u2019s!\u201c, wiederholten der Bayer und der Franzose mit h\u00e4mischem Genuss.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Oh Himmel, warum war Hagen gerade jetzt nicht da!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie bitte?\u201c, fragte Gunther versch\u00fcchtert, mit einer Stimme, die in seiner Kehle verk\u00fcmmerte, \u201eist das wirklich Eure Botschaft?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Feinde, drei! Selbst wenn Schwaben helfen wollte, w\u00e4ren sie zu schwach. Sein armes Land, zermalmt zwischen Frankreich, Bayern, \u00d6sterreich! Was sollte er tun? Kampflos aufgeben, was sie verlangten? Der einzige Ausweg w\u00e4re das, und f\u00fchrte in die Schande. In den Schlachten verl\u00f6re er sein treues Heer, aber wenn er jetzt gleich um Frieden flehte, verl\u00f6re er die Ehre! Verblutende M\u00e4nner \u2013 oder sein guter Name in Fetzen! Warum zum Teufel hatte er Hagen auf diesen t\u00f6richten Umritt geschickt! Und warum lie\u00df man ihn nicht in Ruhe; er hatte keinem etwas B\u00f6ses getan!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Boten nickten triumphierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hob die Hand zur Stirn, wollte sich bekreuzigen \u2013 halt! Das w\u00fcrden sie ihm als Schw\u00e4che auslegen. Stattdessen fuhr er sich durchs Haar. Die drei W\u00f6lfe vor ihm begannen zu wabern, und in seiner Kehle brodelte es. Nicht das noch! Sie betrachteten ihn schadenfroh, erwartungsvoll l\u00e4chelnd, als w\u00fcrde es ihnen schmecken wie himmlisches Manna, wenn sich ein K\u00f6nig vor ihren triumphierenden Augen in Nervenfasern aufl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, furchtbare Not!\u201c, schrie eine helle Stimme \u2013 Kriemhild. Sie rannte von der Seite her\u00fcber, hielt abrupt inne vor den drei Boten, hergeweht wie eine Rosenbl\u00fcte in ihrem zartroten Kleid. \u201eWas tut Ihr uns an! So viele Feinde hatten wir noch nie, und wenn sich nun die halbe Welt gegen uns verschw\u00f6rt, dann m\u00fcssen alle meine Br\u00fcder in den Krieg ziehen, alle! Sogar Giselher, und der ist doch viel zu jung!\u201c Sie blickte mit gl\u00e4nzenden Augen \u00fcber die Boten hinweg und bem\u00fchte sich, nicht loszuschluchzen. \u201eIch hab meine Br\u00fcder lieb! Meine Vettern, meinen Onkel \u2013 und Ihr wollt sie umbringen!\u201c Zwei Tr\u00e4nen rannen ihr \u00fcber die Wangen. Gunther h\u00e4tte sie getr\u00f6stet \u2013 nein, Trost gab es nicht \u2013 sie umarmt, wenn er selber mehr gefasst w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Boten waren immerhin ganz von ihm abgelenkt. Er wischte sich rasch \u00fcbers Gesicht und versuchte, ein paar Br\u00f6ckchen der k\u00f6niglichen W\u00fcrde wiederzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild brach jetzt doch in haltloses Schluchzen aus. Da wollten die Boten, trotz ihrer K\u00e4lte gegen\u00fcber Burgunds Schicksal, nicht schweigen im Angesicht einer weinenden Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerzagt nicht, sch\u00f6nes Kind\u201c, sagte der \u00d6sterreicher und ergriff ihre Hand, um sie zu k\u00fcssen, \u201ees werden bestimmt einige Eurer Verwandten vom Schlachtfeld zur\u00fcckkehren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild sch\u00fcttelte den Kopf. Ihre Tr\u00e4nen fielen auf die Finger des \u00d6sterreichers.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLiebes M\u00e4dchen\u201c, sagte der Franzose sacht, \u201ewenn es Euch nun auch im Herzen schmerzt wie ein Dolch \u2013 es sind ja nur Br\u00fcder, die Ihr beklagen m\u00fcsst, und kein Gemahl!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild schaute zu ihm auf. Ihre Augen waren gro\u00df, ihre Lippen zitterten. \u201eMeine Br\u00fcder sind mir sehr teuer. Der dritte ist froh und lauter wie die Morgensonne, der zweite ist k\u00fchn und stark, und der erste hat Weisheit und Geist, so weit, wie Sand am Ufer des Meeres liegt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNehmt mein Ehrenwort als Ritter\u201c, sprach der Bayer, \u201edass mein Herr, der Herzog Heinrich, nicht aus Feindschaft zum Schwert greift, sondern nur zur Wiedergutmachung fremden Unrechts. Eure Br\u00fcder selber bewahrt er in gro\u00dfer Hochachtung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber das schreckliche Elend, der grausige Krieg!\u201c Sie sch\u00fcttelte den Kopf und wimmerte herzzerrei\u00dfend.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther straffte den R\u00fccken. Die Verzweiflung hatte er noch einmal \u00fcberw\u00e4ltigt, die Tr\u00e4nenschleier waren getrocknet. Er war jetzt Manns genug, den Boten Antwort zu geben. Er r\u00e4usperte sich, um die Verl\u00e4sslichkeit seiner Stimme zu pr\u00fcfen \u2013 es ging \u2013 und trat zu ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild fl\u00fcsterte gerade: \u201eWenn sie ins Feld zogen, sagte ich immer \u201aLebewohl\u2018 \u2013 doch diesmal ist es aussichtslos, keiner kommt zur\u00fcck \u2013 ich kann ihnen nur w\u00fcnschen: \u201aStirb rasch\u2018!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther legte den Arm um sie. Er starrte die Boten an. \u201eNicht ganz, Schwester \u2013 du musst uns w\u00fcnschen: \u201aAuf dass euer Tod teuer sei!\u2018\u201c Seine Verneigung war nur ein Nicken. \u201eEs kann der Anst\u00e4ndigste nicht in Frieden leben, wenn seine Nachbarn Blut begehren. Der Anst\u00e4ndige dankt dem Boten f\u00fcr die M\u00fchsal, ganz gleich, welche Nachricht er \u00fcberbringt. Nun gehet hin und wartet auf meinen Bescheid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Schadenfreude war verglommen; sie verbeugten sich und murmelten einen Abschiedsgru\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie fort waren, zog Kriemhild sanft an seinem eisernen \u00c4rmel. \u201eDu hast dich wieder gefangen, nicht wahr?\u201c Sie l\u00e4chelte ihn an, \u00fcberraschend gefestigt. Er zog sie an sich und umarmte sie. Das war mit Kettenhemd zwar nicht besonders angenehm f\u00fcr seine Schwester, aber er dr\u00fcckte auch nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Er raunte: \u201eJa. Du muss tapfer sein; ich, ich tu, was ich vermag, und bald kommt Hagen zu-\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schniefte und entwand sich seinem Griff. \u201eIch hab\u2019s doch f\u00fcr dich gemacht, das Weinen und das Jammern. Ich h\u00e4tte ihnen n\u00e4mlich am liebsten mit der Faust gedroht, den Elenden!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh\u201c, sagte er. \u201eDann \u2013 danke.\u201c Er r\u00e4usperte sich erneut. Drei Feinde, drei! \u201eLass alle F\u00fcrsten rufen, sofort. Ich komme gleich wieder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er rannte davon, aus dem Saal hinaus, die Treppen hoch. Was k\u00fcmmerte es ihn, dass die Leute ihm erschrocken nachschauten oder riefen: \u201eWas ist geschehn, Herr?\u201c Sie erf\u00fchren es bald genug.<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner Kammer h\u00e4ngte er das Wachs \u00fcber die Kerze und st\u00fcrzte sich dann auf Pergament und Feder.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem schnellsten seiner Boten \u00fcbergab er das Schreiben \u2013 halt, kehr um! Gunther sprach noch ein hastiges Paternoster f\u00fcr beide, Brief und Reiter, und schickte sie endg\u00fcltig fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er in den Thronsaal zur\u00fcckkehrte, waren die F\u00fcrsten versammelt. Der L\u00e4rm und die Aufregung verrieten ihm, dass Kriemhild ihnen den Grund gleich hatte ausrichten lassen. So blieb es Gunther erspart, Zeuge ihres ersten Schreckens, der Emp\u00f6rung und des Zorns zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Godomar kam auf ihn zu und fasste seine H\u00e4nde. \u201eSei stark, Neffe. Einer solchen Lage sah sich keiner deiner Vorg\u00e4nger je ausgesetzt, was jedoch niemanden davon abh\u00e4lt, dir treu beizustehen.\u201c Sah man es Gunther denn so deutlich an, dass er f\u00fchrungslos war? \u201eDer erste Schritt ist der einfachste: Ruf das Heer herbei, gleich jetzt. Daf\u00fcr brauchst du nicht den Herzog zu fragen, der sagte n\u00e4mlich dasselbe wie jeder. Danach kannst du ein paar Tage warten mit den Entscheidungen. \u00dcber das weitere Vorgehen beraten wir, wenn er wieder da ist, schlie\u00dflich ist er dein F\u00fcrst mit der st\u00e4rksten Streitmacht und muss geh\u00f6rt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther hauchte ein schwaches Ja. Er schritt zum Thron, unbemerkt in der allgemeinen Entr\u00fcstung. Er setzte sich. Die Lehnen hielt er fest umklammert, bis die Adern hervortraten. Der leere Platz zu seiner Linken erinnerte ihn drohend: \u201eAlleine bist du unf\u00e4hig!\u201c Es w\u00e4re wohl niemandem aufgefallen, dass der K\u00f6nig anwesend war, wenn nicht der getreue Eckewart f\u00fcr ihn um Ruhe gerufen h\u00e4tte. Wie eine Herbstb\u00f6e fuhr das Schweigen durch den Saal.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rke! In Zeiten der Gefahr blickte jeder zum K\u00f6nig auf \u2013 drum sollte sein Anblick sie nicht mit <em>noch<\/em> mehr Bangigkeit erf\u00fcllen!<\/p>\n\n\n\n<p>Er hielt sich aufrecht, als er das Wort an seine Leute richtete. Was er sprach, war ihm kaum bewusst, denn in seinen Ohren waberte es pochend, wie unter Wasser. Auch schien es ihm, als seien seine Z\u00fcge unbeweglich wie bei einer Statue aus Marmor, keine einzige Regung zuckte dr\u00fcber hinweg. Dabei zitterten ihm die Finger, der Schwei\u00df rann \u00fcber seinen R\u00fccken, seine M\u00e4nner verliefen vor seinen nichtblinzelnden Augen zu Flecken. Er wurde vielleicht zum ersten Menschen, der eine Rede ohne ein einziges Mal Luftholen hielt. Er fand, er stottere, dass es zum Sch\u00e4men war, oder verschlucke ganze Silben. Von seinem reinen Gewissen redete er: Das wonnige Burgund war f\u00fcr alle ein guter Nachbar gewesen, hatte dieses zerbrechlichste Gef\u00e4\u00df, den Frieden, tugendreich geh\u00fctet \u2013 da zogen die scheinbaren Freunde den Dolch und stachen auf sein liebes Land ein, unverdient, kein Krieg war je ungerechter gewesen! In Scherben ging der Frieden, doch schuldlos war Burgund. Ein Schandfleck in allen Chroniken w\u00e4re dieser Krieg, ganz gleich, wie er ausginge, und sollten auch die Franzosen, ihres verlotterten Paris\u2019 \u00fcberdr\u00fcssig, in den Ruinen von Worms ihre neue Hauptstadt gr\u00fcnden, w\u00fcrden deren Enkel einst fragen: \u201aGro\u00dfvater, warum habt Ihr dieses unschuldige Land zerst\u00f6rt?\u2018 Denn die Nachgeborenen w\u00fcrden wissen: Schuldlos war Burgund! Hastig redete er vom Kampfesmut der Schw\u00e4cheren, die sich ungebrochen gegen den starken Gegner wandten, gleich der Drossel, die den finsteren R\u00e4uber, die Kr\u00e4he, mit k\u00fchnem Herzen von ihrem Nest verjagte! Denn schuldlos war Burgund! Am Ende versprach er Sankt Peter, dass kein Burgunde an dessen Pforte klopfen w\u00fcrde, ohne seine Pflicht erf\u00fcllt und <em>tapfer gek\u00e4mpft<\/em> zu haben!<\/p>\n\n\n\n<p>Fast liefen ihm die Tr\u00e4nen herab. Trotzdem gelang ihm das Wunder, die Versammlung am Ende gar zu wagemutigem Jubel zu bewegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die hochgereckten Schwerter wurden schlie\u00dflich wieder eingesteckt, zu den Vorbereitungen wollte jeder eilen, da rief Gunther den Bischof von Worms zum Gebet auf. Gehorsam beugte man das Knie. Gunther selbst glitt aus dem Thron, leicht wankend, und kauerte mehr als dass er kniete. Er musste noch weit inbr\u00fcnstiger flehen als alle andern, denn w\u00e4re seine Unzul\u00e4nglichkeit nicht weltbekannt, w\u00e4r ihnen dieses Unheil vielleicht erspart geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bischof \u201eAmen\u201c sprach, erhob sich mancher getr\u00f6stet und zuversichtlich \u2013 manch anderer dagegen hatte Demut gelernt und das erb\u00e4rmliche Leben in die Hand des H\u00f6chsten gelegt. Burgunds schwerster Krieg hatte begonnen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Neuer Abschnitt ab hier:<\/h2>\n\n\n\n<p>Gehetzte Regsamkeit erf\u00fcllte die Pfalz bei Tag und bei Nacht. Vom Umland holte man Ochsen herbei und S\u00e4cke voll Mehl, auch Schweine und F\u00e4sser voll Wein. Wer den Tross begleiten w\u00fcrde als Schmied oder Metzger wetzte die Messer oder h\u00e4mmerte unaufh\u00f6rlich Hufeisen und Lanzenspitzen zurecht. Man holte die R\u00f6sser von den entfernten Weiden, ordnete das Testament und stiftete Messen f\u00fcr einen guten Ausgang des Krieges. Die B\u00e4uerinnen lieferten Leinenstoffe ab, die M\u00e4gde schnitten sie zurecht f\u00fcr Verb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehntausende Gebete stiegen zum Himmel auf, w\u00e4ren sie V\u00f6gel, m\u00fcsste er sich verdunkeln. Gattinnen und T\u00f6chter knieten stundenlang im Dom, und in den Kl\u00f6stern erflehten die lauteren Weltabgewandten, Nonnen wie Br\u00fcder, die Gnade des Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>Mutter zeigte sich unerm\u00fcdlich, eilte zwischen Dom und Kemenate hin und her, mischte Salben und Pulver, tr\u00f6stete die Frauen, nahm Gunthers Befehle f\u00fcr die Zeit seiner Abwesenheit an, und verlieh wie ein Leuchtturm in schwarzer Nebelnacht den Zaudernden Hoffnung und Halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Sorge um das Schicksal seiner Burgunden war ein weiterer Gedanke allgegenw\u00e4rtig: Wie lange, bis der Bote Hagen erreicht hatte? Er konnte nicht allzu fern sein; der Weg eines feierlichen Umritts wand sich rankengleich von Burg zu Kloster, von Dorf zu Stadt, und jeder Aufenthalt dauerte gleich zwei Stunden. Was f\u00fcr den neuen Herzog eine Tagesreise war, legte der Bote in einem halben zur\u00fcck. Er \u00fcberlegte t\u00e4glich mit Godomar, Eckewart und dem Bischof, wann Hagen fr\u00fchestens eintreffen k\u00f6nnte; und jede Stunde rechnete er es neu aus. Wenn er doch endlich, endlich ank\u00e4me! Sieben Tage w\u00fcrde er brauchen \u2013 bestenfalls. Nicht einmal Totenwache konnte fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther befand sich in einem fahlen Zwischenzustand, weder war er zornig noch furchtsam, weder m\u00fcde noch kraftvoll. In jeder Nacht lag er stundenlang wach, grub sein Hirn gr\u00fcbelnd um und um wie einen Ackerboden, bis er schlie\u00dflich aufstand. Er verlie\u00df die Schlafkammer, um Claudius nicht zu wecken, ging ins Zimmer nebenan und zog das Schwert, um gegen erdachte Feinde zu fechten und vielleicht irgendwann die ersehnte Ersch\u00f6pfung zu finden. Er t\u00e4nzelte ohne Pause umher, ganz sachte wegen der Leute unter ihm. Half es? Nein; als der Morgen graute und ein neuer Wartetag begann, fand ihn das fr\u00fche Licht rastlos und fahrig, beim verbissenen Kampf gegen Gegner ohne Gestalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann lie\u00df er die Waffe sinken, sp\u00e4hte hoffnungsvoll zum Fenster hinaus \u2013 vielleicht waren seine Bitten erh\u00f6rt worden, und der ersehnte Reiter preschte auf den Hof? Doch er kam nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther schalt sich in Gedanken; nicht einmal <em>Hagen<\/em> konnte sich die Zeit untertan machen. Er weckte seine Diener und Knappen, lie\u00df sich ankleiden, gab Claudius K\u00f6rner und eilte in den Dom. Allen Leuten, die er auf dem Weg antraf, sprach er Mut zu, vom F\u00fcrsten bis zur W\u00e4scherin. Was er sagte, lie\u00df sie getr\u00f6stet zur\u00fcck, er wusste selber nicht, wie ihm das gelang. In <em>seinem<\/em> Kopf klang jedes Wort der Aufmunterung hohl und falsch, erzwungenes L\u00fcgengeklapper.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei jeder Fr\u00fchmesse stellte er Berechnungen an. Im Saal erstattete man ihm Bericht \u00fcber tausend Angelegenheiten. Vieles verlief zum Gl\u00fcck nach Plan, da brauchte er nur nicken und in sch\u00f6nen Worten \u201eWeiter so\u201c sagen. Bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten sprang ihm gleich Godomar bei, Eckewart, auch Gernot. Gunther war heilfroh dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach ritt er zum Rheinufer, um zu tjosten. Grau war alles Licht, selbst das Glitzern der Wellen. Nicht heute, nicht morgen, nicht \u00fcbermorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittagsmahl unterbrach die K\u00e4mpfe. Er verteilte Trost und wackere Worte, und wenn er einmal nicht sprach, nippte er schl\u00fcckchenweise am Wein herum. Der Nachmittag zerfasterte sich in derselben Weise, manchmal d\u00e4mmerte er in der Kemenate f\u00fcr zwei Stunden ein, und irgendwann war Abend; endlich, endlich wurde das Ergebnis seiner Berechnungen einen Tag k\u00fcrzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Am f\u00fcnften Tag des Wartens ging er in der Abendd\u00e4mmerung zum Dom hin\u00fcber. \u00dcbermorgen m\u00fcsste Hagen eintreffen, ganz gewiss. Im Laufe des Nachmittags vermutlich. Er w\u00fcrde wissen, was zu tun war, ach, vielleicht k\u00f6nnte Hagen mit seiner Klugheit allein die Gefahr noch abwenden? Schlie\u00dflich hatte er auch Schwaben dem burgundischen Machtbereich einverleibt ohne jeden Schwertstreich, allein mit der Wunderkraft der Rede!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dom umfing ihn behutsam der Weihrauchduft und das weiche Licht der Kerzen. Zwei Dutzend Gl\u00e4ubige knieten noch vor dem Altar, das Haupt tief geneigt. Alle Rastlosigkeit des Tages, alles Hasten, Hetzen und Scharren im Angesicht des nahenden Krieges war bei Sankt Peters Besuchern stets zum Erliegen gekommen. Gleich Espenlaub bei Windstille h\u00f6rte selbst der Eiligste zu schaffen auf; das Schwirren von tausend unerf\u00fcllten Aufgaben kam an ein Ende. Der Dom k\u00fchlte mit seinen w\u00fcrzigen Schatten jede erhitzte Stirn, wie die Hand des barmherzigen Samariters. Hier in der Umarmung der schweigenden W\u00e4nde sp\u00fcrte jeder, dass er aus Staub bestand, dem verg\u00e4nglichsten aller Dinge. Was hatte der Bischof heute gepredigt von der Kanzel herab? Windhauch war alles Streben; jede M\u00fche, noch so gro\u00df, war doch nur j\u00e4mmerliches Erdengezappel. Der Tod holte jeden ein, die Tr\u00e4gen wie die Flei\u00dfigen, die Geschlagenen wie die Sieger. Das wahre Ziel war nicht der Triumph im Krieg, sondern das Reich im Himmel. Die Erbaulichkeit seiner Predigt verging jedoch rasch wie Rauch; nat\u00fcrlich f\u00fchlte jeder das Himmelreich warten \u2013 aber \u2013 der Weg durch Blut und Waffenl\u00e4rm besch\u00e4ftigte die Seelen mehr. Um eine gute Heimkehr flehten die M\u00fctter und Schwestern; um viele Jahrzehnte mit dem Br\u00e4utigam flehten die jungen Br\u00e4ute; die M\u00e4nner beteten f\u00fcr Schlachtengl\u00fcck, f\u00fcr Panzer und Helme, die hielten, f\u00fcr Schwerter und Knochen, die nicht brachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther kniete sich am Rande nieder, reglos, nur seine Finger gaben das Zittern nicht auf. F\u00fcrbitten, Sorgen und Klagen st\u00fcrzten \u00fcbereinander, ein Gl\u00fcck, dass niemand in seinen Kopf sehen konnte. Einzig Mutter und Hagen h\u00e4tten es ihm angemerkt. Kein Paternoster brachte er zu Ende, schon rasten ihm die Gedanken davon, zimmerten nichtsnutzige Schlachtpl\u00e4ne zusammen, z\u00e4hlten seine Krieger oder stellten Mutma\u00dfungen \u00fcber die Namen der k\u00fcnftigen Gefallenen an. K\u00f6nig, ha \u2013 in der Not war er ein Taugenichts. \u00dcbermorgen, schlimmstes Warten, und falls er sich versp\u00e4tet h\u00e4tte, noch l\u00e4nger, l\u00e4nger! Uns\u00e4glicher Hagen, warum war er fort! Er bekam doch bisweilen Visionen \u2013 warum hatte er nicht Burgunds Unheil vorhergesehen und war hiergeblieben? Der Zorn war ungerecht, ja, ja \u2013 aber irgendeiner musste herhalten, sonst bliebe Gunther nur er selber \u00fcbrig, um sich zu beschuldigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Stunde voller Zagen, Flehen und Bef\u00fcrchten erhob er sich. Er schlug das Kreuz und verlie\u00df seinen Freund, den Dom.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht war herabgesunken, in Schw\u00e4rze lagen Pfalz und Stadt. Feuerschalen brannten vor dem Portal des Saals und vor den T\u00fcren f\u00fcrs Gesinde. Aus einigen Fensterritzen drang Kerzenschein. Nur noch wenige Leute gingen \u00fcber den Hof, ihre Schritte beschwert von der M\u00fchsal des Tagewerks, f\u00fcr das der Tag nicht reichte. Schlaff hingen die Fahnen an den Stangen; nur ihre S\u00e4ume wiegten sacht in der Brise. Die Luft war k\u00fchl f\u00fcr Mitte Mai. Der Flatterflug der Flederm\u00e4use unterbrach zischend das Schweigen der Nacht. Manchmal waberten Stimmenfetzen an sein Ohr, von den Fensterl\u00e4den zu Raunen herabged\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder erstreckten sich Stunden vor ihm, eine ganze Ebene, und unerreichbar wie der Horizont schien ihm der Morgen. Er schlang den Umhang enger um sich und strebte der Pfalz zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Hufschl\u00e4ge hallten von den W\u00e4nden wieder; hurtig, eilig, flinker Trab \u2013 dann allm\u00e4hlich Schritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser sp\u00e4ten Stunde lie\u00dfen die Stadtw\u00e4chter nur noch hohe Herren ein. \u2013 Heute, heute schon?<\/p>\n\n\n\n<p>Durchs Hoftor kamen Pferd und Reiter. Entweder h\u00fcllte nur die Nacht das Pferd in Schw\u00e4rze, oder es war ein richtiger Rappe. Ein Stallbursche huschte heran, ergriff den Z\u00fcgel. Der Reiter stieg ab, klopfte dem Pferd den Hals und ging ein paar Schritte zur Seite, schwankend wie einer, der \u00fcber den Zeitpunkt der Ersch\u00f6pfung weit hinausgekommen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther rannte auf ihn zu. Der Sand knirschte bei jedem Sprung. Er schlang die Arme um Hagen und dr\u00fcckte ihn an sich. \u201eDu bist da, du bist da! Eineinhalb Tage fr\u00fcher!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSagte ich doch\u201c, murmelte Hagen. \u201eAraber sind ausdauernd. Jetzt muss er sich erholen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther lie\u00df ihn wieder los. Es hatte niemals ein Zweifel bestanden, wem der Titel des besten Reiters geb\u00fchrte. Nat\u00fcrlich hatte es Hagen arg mitgenommen: Seine Kleider waren durchtr\u00e4nkt, Staub klebte im Gesicht, seine Wangen waren eingefallen. Und trotzdem war er hier!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKomm mit, mein Treuester. F\u00fcr dein Pferd wird gesorgt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schritten los. Wie Hagen auf der Treppe zweimal strauchelte, fasste Gunther ihn am Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die W\u00e4chter \u00f6ffneten ihnen das Portal. Sie machten gro\u00dfe Augen. Ja, \u00fcber diese Geschwindigkeit staunten sie zurecht!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBerichte mir alles\u201c, sagte Hagen, w\u00e4hrend sie durch die dunklen Flure gingen. \u201eObgleich ich furchtbar m\u00fcde bin, war mein Kopf nie wacher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie die herzoglichen Kammern erreichten und anklopften, schlurfte m\u00fcde der alte Diener heraus. Er stutzte. Beinahe fiel ihm der Kerzenhalter herab. \u201eJa, ist\u2019s m\u00f6glich! Wir dachten, Ihr k\u00e4mt erst \u00fcbermorgen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr ist unerreichbar!\u201c, sagte Gunther stolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen nickte nur und schleppte sich bis zum Tisch und zum Weinkrug im Vorzimmer. Er warf Gunther einen knappen Blick zu, der bedeutete, dass er dem Anstand gem\u00e4\u00df zwar teilen w\u00fcrde, jedoch lieber auf die Nachsicht der Freundschaft hoffte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNimm alles.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er leerte gleich zwei Becher. Der Diener z\u00fcndete w\u00e4hrenddessen die Kerzen im Nebenzimmer an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir berufen heute noch den Rat ein\u201c, sagte Hagen \u2013 der \u00fcbliche Eisenklang in seiner Stimme fehlte \u2013 \u201enur erlaubt mir bitte, mich zuvor in vorzeigbaren Zustand zu bringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen war die Kammer hell erleuchtet. Gunther schickte den Diener los, neuen Wein zu holen, das war n\u00f6tig. Hagen lie\u00df den dritten Becher wieder sinken und bedachte Gunther mit einem argw\u00f6hnischen Blick aus rotge\u00e4derten Augen. \u201eWarum siehst du so aus, wie ich mich f\u00fchle?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hab die letzten N\u00e4chte kaum geschlafen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin K\u00f6nig muss schlafen k\u00f6nnen. Um sich nachts den Kopf zu zermartern, hat er seine Vasallen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther zuckte mit den Schultern. \u201eDrei Feinde wie diese sind dem Seelenfrieden nicht f\u00f6rderlich. Au\u00dferdem\u201c, er zog rasch den Dolch und hielt die spiegelnde Klinge Hagen hin, \u201ebist <em>du<\/em> nicht besser dran.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen lehnte sich vor. Dann zog er eine Braue hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther steckte den Dolch wieder ein. \u201eEs tut mir leid, dass ich dir den Gewaltritt antat, und deinem braven Pferdchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWache ist ein Held. Er kommt mit wenig Rast und Erholung aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu auch. Ich lasse aus der K\u00fcche \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen winkte unwirsch ab und stolperte in die Schlafkammer hin\u00fcber, zum Tisch mit der Waschsch\u00fcssel. Kaum dass er sich dar\u00fcberbeugte, rieselte Sand hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Gunther im Nebenzimmer wartete, geriet er pl\u00f6tzlich in trotzigen Mut, in geharnischte Streitlust; eine unbekannte Festigkeit fasste ihn und erf\u00fcllte seine Brust mit Kraft: Er wollte sich vor der Unbill des Schicksals und der Falschheit seiner Feinde nicht mehr schwankend ducken wie eine Binse im Wind, nein, er wollte sich ihnen entgegenstellen, entgegenstemmen wie der Eichbaum dem Sturm! Sie sollten ihn untersch\u00e4tzt haben, sich in ihm irren: Es war kein wehrloses H\u00e4schen, das sie zerrei\u00dfen wollten, sondern ein Eber!<\/p>\n\n\n\n<p>Er sprang auf und st\u00fcrmte zu Hagen hin\u00fcber. Der fuhrwerkte an der Schn\u00fcrung seines neuen Gewands herum. Gunther packte seinen Arm. \u201eWir werden&#8217;s ihnen zeigen\u201c, sagte er heftig, \u201ediesmal tr\u00e4um ich nicht von Frieden, weil Frieden ohne Krieg meine Schande w\u00e4re. Sei du mein Schwert, f\u00fchr du mein Heer, ich halt dich diesmal nie zur\u00fcck! Sie sollen staunen voll Schmerz und Furcht: Hinter dem K\u00f6nig mit dem federweichen Herzen steht ein Mann aus Erz und Feuer!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein gewandelter Sinn \u00fcberraschte ihn selber mehr als Hagen. Der n\u00e4mlich nickte k\u00fchn und raunte: \u201eWer meinen K\u00f6nig herausfordert, w\u00e4hlt <em>mich<\/em> zum Feind. Und wenn die Gegner w\u00fcssten, wie sehr ich auf den Kampf brenne! Zweiundzwanzig Schlachten musste mein Schwert im Dienste Etzels bestehn, es schlug f\u00fcnfhundert M\u00e4nner tot f\u00fcr den, der nie mein Herr war \u2013 ich kann es nicht erwarten, diese Zahlen zugunsten <em>meines<\/em> K\u00f6nigs zu berichtigen.\u201c Sein Blick wurde tr\u00fcbe, wie bei einem, dem vor M\u00fcdigkeit die einfachsten Dinge entfielen. \u201eWas wollte ich denn noch \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther nahm den neuen Umhang, der schon auf der Truhe bereitlag, und h\u00e4ngte ihn Hagen schwungvoll um. \u201eDas hier. \u2013 Jetzt wollen wir sie empfangen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie setzten sich im Nebenzimmer an den hellerleuchteten Tisch. Hagens H\u00f6llenritt zollte immer mehr seinen Tribut, und h\u00e4tte sein Stuhl keine Armlehnen gehabt, w\u00e4re er wohl zur Seite gekippt. Wie jedoch der erste F\u00fcrst eintrat, zuckte Hagen in aufrechteste Haltung, als sei ihm Ersch\u00f6pfung unbekannt. Der Kerl war unvergleichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Binnen einer halben Stunde kamen sie alle: Ortwin und Eckewart, Onkel Godomar, Gerold von Trier, Volker von Alzey und Gernot.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa sowas\u201c, rief Ortwin, \u201ebist du geflogen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo sieht er aus\u201c, murmelte Volker.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin Euch zu tiefem Dank verpflichtet, lieber Herzog\u201c, sagte Gunther nachdr\u00fccklich, \u201edass Ihr auf meinen Hilf- meinen <em>Ruf<\/em> hin hergekommen seid. Nun habt Ihr gebeten, Euren Feldzugsplan gleich heute noch meinen anderen F\u00fcrsten mitzuteilen. Bitte, sprecht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ehe Hagen begonnen hatte, warf Gerold von Rechtenberg, der Trierer Markgraf, heftig ein: \u201eFeldzugsplan? Wie wollt Ihr einen haben, wenn Ihr bis vor einer Stunde durchs Land geritten seid?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEben drum. Zeit zu denken hatte ich genug.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Rechtenberger auf seinen Bedenken beharren wollte, sagte Gunther rasch: \u201eGenau. Also, Herzog!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen leitete seinen Vorschlag mit ein, zwei geschliffenen S\u00e4tzen \u00fcber den Ernst der Lage ein. Der Eisenklang war wieder zur\u00fcck, und eine Mischung aus Dringlichkeit und Selbstvertrauen ging von ihm aus. Wohl keiner konnte sich dem Einfluss seiner St\u00e4rke entziehen; beim Zuh\u00f6ren richtete sich jeder unwillk\u00fcrlich h\u00f6her auf, die Mienen wurden entschlossen und manche Hand umfasste pflichtbewusst das Heft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir m\u00fcssen zuerst unsere Streitmacht nach Westen werfen, Frankreich schlagen in schnellem Kampf. Dann, mit Frankreichs Niederlage an unseren Fahnen, wenden wir uns nach Osten. Bayern und \u00d6sterreich werden uns nur vereint anzugreifen wagen, denn ein bayerischer Alleingang br\u00e4chte keinen sicheren Sieg \u2013 und hielte sich Bayern zur\u00fcck, gen\u00f6sse \u00d6sterreich in dessen Gl\u00fccksfall alle Fr\u00fcchte des Sieges alleine. Zudem ist der Franzosenk\u00f6nig im Norden wieder in Streitereien mit den Engl\u00e4ndern verwickelt, und kann nur eine Teilstreitmacht gegen uns aufbieten. Ergo: Frankreich wird fr\u00fcher kampff\u00e4hig sein, w\u00e4hrend Bayern auf den Verb\u00fcndeten warten muss. Also m\u00fcssen wir uns erst den Franzosen entgegenstellen. \u2013 Mein K\u00f6nig, wie d\u00fcnkt Euch das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHaltet ein!\u201c, rief Godomar und lehnte sich vor, \u201ewas ist mit den Schwaben?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie m\u00f6gen sich uns anschlie\u00dfen, wenn wir gegen Bayern und \u00d6sterreich ziehen. Die Aussicht auf Beute wird sie \u00fcberzeugen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin dagegen\u201c, sagte Rechtenberg. \u201eWenn wir nach Frankreich eilen, entbl\u00f6\u00dfen wir unsere \u00f6stliche Grenze. An der \u00fcbrigens, wie ich erw\u00e4hnen m\u00f6chte, das Herzogtum Tronje liegt, und um dessen Wohl sich zu sorgen eigentlich Aufgabe seines neuen F\u00fcrsten w\u00e4re.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarum muss die Entscheidung im Westen schnell fallen\u201c, sagte Hagen scharf. \u201eNur eines d\u00fcrfen wir nicht: s\u00e4umen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Rechtenberg gab nicht nach. \u201eBei aller Ehrfurcht vor Eurer neuen W\u00fcrde, Hagen, und vor den Gebr\u00e4uchen seit altersher: Ist es nicht vern\u00fcnftiger, wenn wir die Leitung in diesem Krieg einem Mann anvertrauen, der schon mehrere Kriege im Dienste Burgunds ausgefochten hat? Denn Euer Eifer steht Euch gut an, nat\u00fcrlich \u2013 allerdings \u00fcbertrifft in einem Fall wie diesem die Erfahrung alles Feuer der Jugend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch schlie\u00dfe mich dieser Meinung an\u201c, sagte Godomar mit einem verlegenen Seitenblick auf Gunther.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bedaure es mehr als jeder andere, dass ich zweiundzwanzig Schlachten nicht im Dienste Burgund ausgefochten habe\u201c, fauchte Hagen, \u201eaber ich habe auch schon bei den Hunnen ein Heer gef\u00fchrt und gewonnen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther bedeutete ihm mit verstohlener Geste, dass er schweigen solle. <em>Dieses<\/em> Argument schlug nicht zu Hagens Gunsten aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine Schlacht ist kein Krieg\u201c, sagte h\u00e4misch der Rechtenberger. \u201e<em>Mein<\/em> Vorschlag, edler K\u00f6nig, ist es, dem Markgrafen von Speyer die F\u00fchrung anzuvertrauen. Da wei\u00df man, dass er den Rat der anderen billigt, wie es sich geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZuerst einmal vielen Dank\u201c, begann z\u00f6gerlich Eckewart.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther unterbrach ihn: \u201eZuerst einmal m\u00f6cht ich sagen, dass ich Euch beide, Gerold und Eckewart, hoch sch\u00e4tze f\u00fcr die Treue, die Ihr meinem Reich stets erwiesen habt \u2013 doch dies ist nicht die Zeit, um einen Disput \u00fcber Grundsatzfragen zu beginnen. Immer schon f\u00fchrte der rangh\u00f6chste F\u00fcrst das Heer an \u2013 im Verein mit den anderen, nota bene \u2013 und so bleibt es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Warum zog Gernot in der Ecke die Brauen hoch, als sei er \u00fcberrascht, dass Gunther einmal Schneid hatte? \u2013 Wie dem auch sei. Gunther schaute in die Runde und hoffte, dass ihm jemand beispringe.<\/p>\n\n\n\n<p>Volker r\u00e4usperte sich und sagte beschwingt: \u201eIch schlie\u00dfe mich dem Rat des Herzogs an und h\u00e4tte auch ohne ihn dahingehend\u201c \u2013 sein Blick ging \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg, als suchte er nach einem Wort.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVotiert?\u201c, schlug Hagen vor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGewiss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch auch\u201c, sagte Ortwin. \u201eIch kann\u2019s nicht erwarten, die Unheilstifter meine Streitaxt kosten zu lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gernot schaffte es, zu nicken und gleichzeitig so auszusehen, als habe er keine Wahl. \u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eckewart von Speyer stimmte ebenfalls Hagen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann sind wir uns mehrheitlich einig\u201c, sprach Gunther, \u201eich n\u00e4mlich auch, ich hab Vertrauen zu meinem Herzog \u2013 und somit ist entschieden: Wir ziehen nach Frankreich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen:<\/h2>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Lehnen hielt er fest umklammert, bis die Adern hervortraten\u201c:<\/em> Sorry f\u00fcr das Klischee<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tagewerks, f\u00fcr das der Tag nicht reichte:<\/em> Ich mache mir Sorgen, ob man mir vorwerfen w\u00fcrde, ich h\u00e4tte einen nicht funktionierenden Hof geschaffen. Warum bew\u00e4ltigen die ihre Arbeit nicht? Sind die Figuren (das Gesinde eingeschlossen) als unf\u00e4hig konzipiert? Also: Zum einen dachte ich mir, dass ein nahender Kriegszug immer Mehrarbeit mit sich bringt. Zum anderen f\u00fchlt man sich in h\u00f6herem Alter (das kann schon ab 25 sein) auch heute noch so, als ob der Tag nie ausreicht, alles zu tun, was man will (zumindest bei uns Schwaben!).<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eHufschl\u00e4ge hallten von den W\u00e4nden wieder; hurtig, eilig, flinker Trab \u2013 dann allm\u00e4hlich Schritt\u201c<\/em>: Da habe ich mich extra bem\u00fcht, durch den Rhythmus und die L\u00e4nge der Silben die Gangarten des Pferds nachzuahmen!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Herzog klopft an seiner eigenen T\u00fcre an<\/em>: Das scheint aufs Erste total sonderbar. Doch man muss bedenken: Der Herzog war bis eben noch auf Reisen, sein Diener war also allein. In einem meiner 300 B\u00fccher \u00fcber das Mittelalter hatte ich einst gelesen, dass mittelalterliche T\u00fcren jedes Mal, wenn man sie zumachte, abgeschlossen waren und mit dem Schl\u00fcssel wieder ge\u00f6ffnet werden mussten. Leider wei\u00df ich nicht mehr, in welchem Buch das stand, und kann es nicht mehr nachschauen. Sollte dies stimmen, w\u00e4re es sinnvoll, dass der Herzog anklopfen muss. Alternativ kann sich der Diener auch eingeschlossen haben, damit nicht jeder Unbefugte hereinspazieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEin K\u00f6nig muss schlafen k\u00f6nnen\u201c:<\/em> Das sagte Bismarck zu Friedrich Wilhelm IV. w\u00e4hrend der Revolution von 1848\/49!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Feinde sollen erkennen, dass es kein H\u00e4schen ist, das sie angreifen, sondern ein Eber<\/em>: Gemeint ist ein Keiler. Bei Wagner z. B. wird auch immer das Wort \u201eEber\u201c verwendet, und so ist es mir ins Ged\u00e4chtnis eingegangen. Die Gleichsetzung von Gunther mit einem Keiler ist den Leserinnen des Epos nat\u00fcrlich bekannt, wo Kriemhild in der Nacht vor der t\u00f6dlichen Jagd von einem Traum heimgesucht wird, in dem ihr Mann Siegfried von zwei wilden Schweinen (zwei wildiu sw\u00een) \u00fcber die Heide gejagt wird, bis die Blumen sich r\u00f6ten \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kriegsrat:<\/em> Es w\u00e4re sinnvoll, wenn auch der Bischof von Worms am Kriegsrat teilgenommen h\u00e4tte, denn auch geistliche F\u00fcrsten stellten ein Aufgebot f\u00fcr den Heereszug und begleiteten ihre Leute oftmals auf dem Feldzug. Ich wollte die Szene aber nicht mit Figuren \u00fcberladen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kriegsplan<\/em>: <\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage dieses fiktiven Krieges ist eine sehr spezielle:<\/p>\n\n\n\n<p>Das Burgund der Sage findet man nat\u00fcrlich nicht auf Landkarten; \u00fcber dessen Ausdehnung kann man zwar spekulieren anhand der Namen der im Epos genannten Figuren (Ortwin von Metz, Volker von Alzey, und auch der Bischof von Speyer darf zweimal etwas sagen), aber schlussendlich bleibt alles vage. Die Burgunden interagieren im Epos mit Siegfried und dessen Leuten aus \u201eNederland\u201c, mit Island, mit den Sachsen, den D\u00e4nen, auf der Fahrt in den Osten noch mit den Bayern, dem \u201e\u00d6sterreicher\u201c R\u00fcdeger und an Etzels Hof mit den Hunnen, den M\u00e4nnern von R\u00fcdeger den Leuten von Dietrich und mit den Th\u00fcringern.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kann man nat\u00fcrlich fragen: Warum um Himmels willen sollen in dieser Fanfiction-Geschichte hier die \u00d6sterreicher einen Krieg gegen Burgund f\u00fchren wollen, wenn doch offenbar das ganze BAYERN zwischen ihnen liegt? Ist ja nicht so, dass ein Feldzug ein Spaziergang war. Warum sollten die Bayern sich darauf einlassen? Wer will schon einen Verb\u00fcndeten haben, der erst einmal <em>durchs ganze eigene Land ziehen muss<\/em>, bevor er in Feindber\u00fchrung kommen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Antwort 1: Dass im Epos die D\u00e4nen den langen Weg auf sich nehmen, und im Verein mit Sachsen Burgund angreifen, zeugt auch von einer recht umst\u00e4ndlichen Form der Kriegsf\u00fchrung. Au\u00dferdem ist zu bedenken, dass das Herzogtum Sachsen (im Epos ist es ein K\u00f6nigreich) sich bis 1180 weiter nach Westen erstreckte. Nachdem es Heinrich dem L\u00f6wen entzogen wurde, sind einige Teile abgetrennt worden (noch nachpr\u00fcfen: z. B. Westfalen kam an den Erzbischof von K\u00f6ln). Der unbekannte Dichter des Epos hat sich wom\u00f6glich noch an die Zeit erinnert bzw. die Zeit erlebt, als Sachsen noch viel gr\u00f6\u00dfer war. Da sich die Handlung des Lieds \u00fcber viele Jahrzehnte erstreckt, ist es denkbar, dass er sich f\u00fcr den Sachsen- und D\u00e4nenkrieg, der zu Anfang der Geschichte spielt, ein gr\u00f6\u00dferes Sachsen vorstellte, so wie es m\u00f6glicherweise seine Generation, aber zumindest die \u00c4lteren von fr\u00fcher noch kannten. Wenn man die politisch-geografischen Verh\u00e4ltnisse des 12. Jahrhunderts mit der Eposhandlung verbindet, m\u00fcssen die D\u00e4nen f\u00fcr den Krieg gegen Burgund eventuell durch das Land ihres Verb\u00fcndeten reisen. AHA! Wie bei mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Und darum habe ich gedacht, dass ich das so machen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Antwort 2: Ich wollte halt eine spannende Handlung, hatte aber nicht genug Anrainerstaaten, die Kriegsgegner sein konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Feinden fehlte es ihm nie Hier kommt ein l\u00e4ngeres Kapitel mit 6700 W\u00f6rtern. Die Anmerkungen sind 1000 W\u00f6rter lang. Hier kommt leider eine Stelle, die zu den Vorg\u00e4ngerb\u00e4nden in direktem Widerspruch steht. Bitte ber\u00fccksichtigt allerdings, dass ich an Band 4 schon seit 4 Jahren herumbastle, zwischen der Beendigung von Band 3 und Band 4 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1683"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1683"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1732,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1683\/revisions\/1732"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}