{"id":1667,"date":"2025-01-10T15:07:57","date_gmt":"2025-01-10T14:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=1667"},"modified":"2025-02-10T14:16:51","modified_gmt":"2025-02-10T13:16:51","slug":"der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-5","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2025\/01\/10\/der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-5\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig von Burgund und der Bastard, Kapitel 5"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieses Kapitel braucht noch einen Titel! Ich habe es \u00fcbergangsweise &#8222;Ein ungleicher Kampf&#8220; genannt, doch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Es hat 3000 W\u00f6rter, ist also mittellang. Nachdem wir den Schwaben-Handlungsstrang beendet haben, ist das folgende Kapitel zun\u00e4chst eine Art Atempause. Es geht um Character Building und Atmosph\u00e4re. Allerdings wird darin auch die Grundlage f\u00fcr einen sp\u00e4teren Handlungsstrang gelegt. W\u00fcrde Hagen wissen, welche Folgen sein Verhalten sp\u00e4ter f\u00fcr ihn haben wird, w\u00fcrde er vielleicht anders reagieren &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 16.000 W\u00f6rtern, in denen noch kein Schwertstreich gefallen ist, kommt es jetzt zum ersten Mal in Worms-Buch 4 zu einem Kampf! Au\u00dferdem m\u00f6gen wir es doch immer, wenn a) Hagen impulsiv handelt und b) wenn die beiden Hauptfiguren miteinander interagieren. Nachdem sie in den vergangenen Kapiteln harmonisch zusammen R\u00e4nke schmiedeten, gibt es hier einen Streit, bei dem Gunther zu 100 % im Recht ist und er Hagen gewaltig die Meinung sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt geht&#8217;s los:<\/p>\n\n\n\n<p>Unter Jubel und Lobpreis kehrten sie wieder nach Worms zur\u00fcck. Gunther gab die Herzogin mit ritterlich verhohlener Erleichterung in die Obhut der K\u00f6nigsmutter Ute und ihrer Frauenschar; sie w\u00fcrden die Schw\u00e4bin mit dem vielf\u00e4ltigen Flitterkram des Weiberdaseins rasch von ihren Einmischungsversuchen in die Leitung des Herzogtums abbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wiesen dem Knaben die besten Lehrer zu, gaben ihm eine ger\u00e4umige Kammer weit weg von seiner Mutter, und beschlossen, dass es ausreiche, sich alle f\u00fcnf Tage \u00fcber den Fortgang seiner Studien und das Gedeihen der Freundschaft zu seinem Gastgeberreich zu unterrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweit\u00e4giges Fest bildete den glanzvollen Abschluss der Schwabenangelegenheit. Gunther bewies dabei eine Geduld, wie Hagen sie nur bewundern, nicht aber nachahmen konnte; <em>er<\/em> war die ewige Anwesenheit anderer und ihr endloses Gerede \u00fcber Nichtigkeiten inzwischen v\u00f6llig leid, und sehnte sich beinahe verzweifelt nach einigen Stunden Ruhe und Ungest\u00f6rtheit. Am ersten Festtag hatte er sich noch zusammennehmen k\u00f6nnen und umg\u00e4ngliche Heiterkeit zur Schau gestellt \u2013 am zweiten war es ihm Verstellung genug, er schickte alle Langmut zum Teufel und verschanzte sich hinter Grimm und Schweigen. Das hatte zum Ergebnis, dass ihn nur noch die Unbedarften, die Tollk\u00fchnen und sein K\u00f6nig ansprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>So stand er, an eine S\u00e4ule gelehnt, den wackeren Genossen, den Weinkelch, in der Hand, und betrachtete die Menge der Tanzenden in der Saalesmitte. Die Kerzenflammen waberten im Rhythmus der Spr\u00fcnge, und ihr Widerschein blitzte als Myriaden Lichtfunken \u00fcber Edelsteine, Ringe und Stirnreifen. Volker von Alzey \u2013 einer der Tollk\u00fchnen ohne Zweifel \u2013 hatte ihm vorher umst\u00e4ndlich zu erl\u00e4utern versucht, dass der Endreim dem Stabreim in Liebesliedern stets \u00fcberlegen war. Zudem hatte er seinen Vortrag immer wieder unterbrochen, um mit der Musik der fahrenden Spielleute mitzusummen und dann vor sich hinzumurmeln, an dieser oder jener Stelle h\u00e4tte <em>er<\/em> die Weise abge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen vertrieb ihn schlie\u00dflich, indem er sagte: \u201eWas soll\u2019s \u2013 das Schwert ist immer m\u00e4chtiger als die Fiedel, denn so ein Holzding kann das Schwert einfach zertr\u00fcmmern!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Viertelstunde sp\u00e4ter erschien ein Knappe und \u00fcberbrachte ihm die k\u00f6nigliche Mahnung, er solle zum einen die Empfindlichkeit einer K\u00fcnstlerseele beachten, und zum andern mit dem Wein etwas besser haushalten. \u2013 Nat\u00fcrlich, nur noch dieser eine Kelch oder zwei. F\u00fcr seinen K\u00f6nig m\u00e4\u00dfigte er sich gerne!<\/p>\n\n\n\n<p>Sonderbare Musik, dass sie die Leute alle zum Mitwippen anspornte. Selbst die Bisch\u00f6fe an der Tafel konnten sich eines verhaltenen Fingertrommelns nicht erwehren. Wirklich sonderbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Oh, da kam wieder jemand auf ihn zu. Dankwart. Um so wie der zu strahlen, m\u00fcsste Hagen schon drei Stunden lang besoffen sein, aber auch nur an einem Tag, an dem er in einem Turnier gewonnen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHei\u201c, sagte Dankwart sacht. \u201eFalls du vorhast, irgendwann noch deinen Herzogsumritt zu beginnen, dann kann ich gerne mitkommen, um dir Wegf\u00fchrer zu sein und dir \u00fcber alles Auskunft zu geben. Aber in sieben Monaten nicht mehr \u2013 dann braucht mich meine Frau.\u201c Er erschien vergn\u00fcgt wie ein Welpe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dankwart als Begleitung mitnehmen? Auf keinen Fall! Die Lehnsm\u00e4nner und alle Leute w\u00fcrde das zu st\u00e4ndigen Vergleichen verlocken, und da die Leute einf\u00e4ltig stets <em>das<\/em> bevorzugen, was sie schon kannten, fiele das Urteil selten zu Hagens Gunsten aus! Es hie\u00dfe dann immer: \u201aSeht nur den Dankwart mit seinem liebenswerten Wesen! In unsrer Mitte ist er herangewachsen, ein Sohn des Landes f\u00fcrwahr! Der andere dagegen, ein Spross der Steppe; hinter jedem L\u00e4cheln lauert die Sch\u00e4rfe eines harten Willens. Er soll ja ein vortrefflicher Krieger sein, aber wir m\u00f6gen ihn nicht, oh nein!\u2018<\/p>\n\n\n\n<p>Er sollte Dankwarts Angebot freundlich ablehnen. \u201eIn der Tat plane ich, in n\u00e4chster Zeit \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dankwart unterbrach ihn atemlos: \u201eWeil ich n\u00e4mlich Vater werde!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hoffentlich war\u2019s kein Sohn, sonst bedauerte man gewiss, dass der Junge einst nicht erben durfte! Hagen hob den Becher. \u201eAuf das Wohl von Mutter und Kind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dankwart gab sich so hingerissen, als m\u00fcsste es ihn fast zerrei\u00dfen. &#8222;Ich sag\u2019s dir, mit keiner anderen Frau h\u00e4tte ich dieses \u00dcberma\u00df an Seligkeit je kennengelernt! Nichts hat mein Gl\u00fcck mehr bef\u00f6rdert als die Verbindung mit Agnes, und m\u00fcsste ich mich erneut entscheiden \u2013 ich g\u00e4be freudig jedes Herzogtum dieser Welt hin, um <em>sie<\/em> zu bekommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der selbst nach drei Monaten Ehe noch derart bet\u00f6rt war \u2013 Hagen sollte es recht sein; wenn Dankwart seine unm\u00e4nnliche Hingabe an ein Weib flei\u00dfig zelebrierte, f\u00e4nden sich mehr Bef\u00fcrworter seiner Enterbung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht n\u00e4hme er ihn doch auf den Umritt mit.<\/p>\n\n\n\n<h2>Neuer Abschnitt ab hier:<\/h2>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tag sah den immerregen Wormser Hof endlich einmal zur\u00fcckhaltend. Die magere Teilnahme am fr\u00fchen Gottesdienst gab dem Bischof Anlass zu heftigem Tadel, was freilich nichts n\u00fctzte, da diejenigen, die der Grund seiner Emp\u00f6rung waren, nichts davon h\u00f6rten.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach verabschiedete Gunther seine G\u00e4ste, geordnet nach Rang und Namen. Den Schwaben, die ihren Herzog bis zum Rhein gef\u00fchrt hatten, gab er das Geleit bis vor die Tore der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Drauf kehrte man zur\u00fcck in die Pfalz. Gunther ordnete an, dass jeder jetzt seinen eigenen Angelegenheiten nachgehen d\u00fcrfe. F\u00fcr ihn und Hagen hie\u00df das, den Mittelpunkt der allgemeinen Beachtung f\u00fcr eine hart verdiente Stunde oder zwei verlassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lud Hagen in die k\u00f6niglichen Gem\u00e4cher ein, und Kriemhild ebenfalls. Zwei Knappen trugen ihr eine Kiste aus Kirschholz hinterher und stellten sie schnaufend auf dem Tisch ab. Taube Claudius geriet dar\u00fcber in helle Aufregung und flatterte eine Runde durchs Zimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHagen, rat nur, was drin ist!\u201c, sagte Gunther lebhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHoffentlich nicht der gesamte Inhalt der Schatzkammer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas? Unsinn, der passte nie in eine einzige Kiste. Nein, es sind B\u00fccher!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus dem Kloster Lorsch\u201c, warf Kriemhild ein. \u201eIch hab sie ausgew\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch hab\u2019s meiner Schwester aufgetragen, bevor wir nach Schwaben gezogen sind. Jedes Vierteljahr leihen wir bei den Abteien ein paar Dutzend aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild drehte den Schl\u00fcssel um und stemmte den Deckel hoch. Zwei Stapel ledergebundener Codices warteten verhei\u00dfungsvoll auf einen, dem sie ihr Wissen offenbaren durften. Fr\u00fcher, als Hagen Gerds musterg\u00fcltiger Sch\u00fcler gewesen war, h\u00e4tte ihn bei diesem Anblick rasende Begeisterung gepackt. Jetzt erf\u00fcllte ihn die Gegenwart der B\u00fccher immerhin noch mit der \u00dcberlegung, ob er zwischen Reichsf\u00fchrung, Umritt und t\u00e4glichem Schwertkampf f\u00fcr zwei oder drei wohl noch Zeit finden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild holte ein Pergament heraus. \u201eDer Abt sendet viele Gr\u00fc\u00dfe und begl\u00fcckw\u00fcnscht den K\u00f6nig zu seinem auserlesenen Geschmack. Er hat auch ein Buch mit erbaulichen Heiligengeschichten f\u00fcr die Damen beigelegt, leicht verst\u00e4ndlich, wie es angemessen ist, denn die Speise des Wissens sei dem sch\u00f6nen Geschlecht nur in kleinen Dosen bek\u00f6mmlich. \u2013 Da ist ja mein Buch \u00fcber den gallischen Krieg! \u2013 Hier, das wird dir gefallen, frommer Bruder, die Lorscher haben ganz neu einen Codex aus St. Gallen kommen lassen und kopiert: einen Beda Venerabilis!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther nahm ihr das Buch sofort aus der Hand und bl\u00e4tterte ehrf\u00fcrchtig darin herum. Dann legte er es zur Seite und fragte: \u201eSind auch V\u00e4ter dabei?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Ich dachte mir, dass du auf ein Werk von Ambrosius nicht verzichten wolltest; es wurde auf der Reichenau abgeschrieben und ist von den Lorschern eben erst gepr\u00fcft worden. Sie haben es gerade wieder zur\u00fcckschicken wollen, als ich davon erfuhr und in deinem Namen Veto einlegte. Wie hab ich das gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHervorragend wie stets! Und da ist das Kompendium der V\u00e4tertexte, von dem ich dir erz\u00e4hlt hab.\u201c Er nahm einen besonders abgegriffenen Band heraus und \u00fcberreichte ihn Hagen. \u201eWie man sieht: vielgesch\u00e4tzt und vielgeliebt. Ich lie\u00df ihn wohl schon siebenmal nach Worms bringen, als ich noch Thronerbe war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann lass ihn doch nun abschreiben f\u00fcr die Hofbibliothek.\u201c Er \u00fcberflog ein paar Abs\u00e4tze. An den Rand der Seiten waren, in unterschiedlichen Handschriften, knappe Marginalien notiert worden, zur Hervorhebung besonders wichtiger Stellen: \u201eutilis ratio\u201c, \u201eoptima ratio\u201c und dergleichen. Auf einer Seite erkannte er Gunthers ordentliche Schrift, und darunter, das \u2013 durfte er seinen Augen trauen? Das stammte von Bischof Gerds schwungvoller Hand. Vor \u00fcber zehn Jahren hatte er dieses Buch gelesen, und das Pergament bewahrte treu sein Andenken. \u201eOder lass die M\u00f6nche die Abschrift behalten, und f\u00fcge genau dieses deiner Sammlung bei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kriemhild wollte seine Aufmerksamkeit erregen und schlug ihn leicht auf den Arm. \u201eDas hier sind die ersten zwei B\u00e4nde der Lorscher Chronik \u00fcber die Herrschaft meines Vaters. Ich dachte mir, es schadet nicht, wenn du hineinschaust; es ist wohl nicht mehr viel, aber doch manches, was dir unbekannt ist \u00fcber all die Wirren der letzten Jahre.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBestens, vielen Dank.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther war schon ins n\u00e4chste Buch vertieft; nun sah er auf und zeigte ihnen, wie gr\u00fcndlich der Exeget am Rande die Urheber jedes Gedankens aufgef\u00fchrt hatte; K\u00fcrzel gaben Namen und Werk an, und meist noch das entsprechende Kapitel. Kriemhild wollte gerade die n\u00e4chsten Codices aufschlagen, als drau\u00dfen im Hof L\u00e4rm entstand.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh, was ist denn\u201c, murmelte Gunther, legte sein Buch beiseite und trat ans Fenster. Hagen folgte ihm; Kriemhild sagte, sie lasse sich nicht st\u00f6ren vom Gr\u00f6len des P\u00f6bels.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es waren nicht viele, die diesen Aufruhr veranstalteten, sondern einer allein: Er stand in der Mitte des Hofes, ger\u00fcstet und gewappnet, und forderte lauthals den besten K\u00e4mpfer heraus. Seinem forschen Zungenschlag nach musste er ein Bayer sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMeint er mich?\u201c, fragte Hagen. \u201eWenn ich hinuntergehe, wirft man mir dann Hochmut vor?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, bleib hier. Der Herzog von Tronje braucht nicht den Launen eines dahergelaufenen Bayern zu gehorchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen zuckte die Schultern und ging zur\u00fcck zu den B\u00fcchern. Lange konnten sie sich den Sch\u00e4tzen des Lorscher Skripturiums leider nicht mehr widmen, denn kurz darauf klopfte es an der T\u00fcre. Ohne den Diener ausreden zu lassen, sprang Giselher herein. \u201eHabt ihr&#8217;s nicht gemerkt? Es steht ein K\u00e4mpfer auf dem Hof, der \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df, ich wei\u00df\u201c, unterbrach ihn Gunther, \u201ewir sind ja nicht taub.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGut! Denn alles wartet schon gespannt auf Hagen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf den besten K\u00e4mpfer\u201c, sprach Kriemhild und drehte versonnen eine Haarstr\u00e4hne um den Finger.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther seufzte \u00fcberdeutlich. Dann schlug er mit einer wohlbemessenen Geste grimmiger Endg\u00fcltigkeit den Kistendeckel zu. \u201eWir schauen, was der uneingeladene Gast von uns will. \u2013 Nicht du, Kriemhild! Du bleibst hier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit m\u00e4\u00dfiger Geschwindigkeit schritten sie durch die G\u00e4nge; Giselher wollte ihnen vorausrennen und ihr Kommen den Versammelten ank\u00fcndigen, aber Gunther hielt ihn zur\u00fcck. Recht so. Sollte der Fremde nur warten!<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie in den sonnigen Hof hinaustraten, brachen die Scharen in Jubel aus. Schon mehrere hundert hatten sich zusammengefunden, Ritter, Gesinde, Stadtb\u00fcrger und Reisende.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther blieb auf dem Absatz der Saalstiege stehen und hob die Hand. Schweigen strich \u00fcber die Menge hin. \u201eWas soll die Unruhe, liebe Wormser?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Vielzahl von Stimmen antwortete ihm zuerst, und man verstand kein Wort; nachdem die R\u00fccksichtsvollen von selber verstummten und die Schwerf\u00e4lligen zur Ruhe gezischt worden waren, gab der Fremde laute Antwort: \u201eIch bin Egbert von Krummenstein, Vasall des Herzogs von Bayern. Ich bin der beste Fechter des Jahrhunderts, und wer\u2019s nicht glaubt, dem werd ich es beweisen. Zehn Ritter hab ich schon besiegt, im noblen Kampf zu zweit. Da mein Schwert l\u00e4ngst noch nicht ges\u00e4ttigt ist, sein Stahl noch immer Durst versp\u00fcrt, gel\u00fcstet\u2019s uns nach einem neuen Gegner. Nun h\u00f6rte ich, in Burgund g\u00e4b\u2019s einen ansehnlichen Krieger, Sieger \u00fcber Etzel \u2013 ist das wahr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen beschied sich mit Schweigen. Genug andere antworteten f\u00fcr ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGut\u201c, rief der Ritter, \u201edas klingt recht vielversprechend. Vielleicht wird <em>er\u2019s<\/em> mir schwerer machen als die andern, weil bei denen war es ein Spiel f\u00fcr mich.\u201c Er deutete mit langem Arm zum Sattel seines Pferds hin\u00fcber, von dem zehn Ringe herabhingen. \u201eDas hier sind die Beweise meiner Heldentaten, jedes Besiegten Siegelring! Wenn Ihr unterliegt, Herzog, wird Eurer sich dazugesellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jaja.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNehmt Ihr den Kampf an, Tronjer?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute kreischten und jubelten; Hagen bedeutete ihnen, sie sollten stille sein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr wollt meinen Ring im Falle Eures Sieges \u2013 doch was versprecht Ihr mir, wenn ich gewinne?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bayer regte sich voll Genuss. \u201eDas Leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen entfuhr ein trockenes Lachen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Leute sich dr\u00fcber erheiterten, dass einer Hagen von Tronje mit der Aussicht auf nichts zum Kampf reizen wollte, dr\u00fcckte Gunther dr\u00e4ngend seinen Arm und raunte: \u201eGeh nicht drauf ein. Der ist nicht ganz bei Sinnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas glaub ich auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, rief der Bayer vollt\u00f6nend, \u201edas Leben wird der Siegespreis sein! Und der Verlierer bekommt den Tod! Das sind die Regeln meines Kampfes. So einfach ist das!\u201c Er deutete sp\u00f6ttisch auf Hagen. \u201eNehmt Ihr meine Herausforderung an?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beifall und Gejohle brachen los wie ein Sturm. \u2013 Was f\u00fcr ein Tor. Eine kleine Scharte k\u00f6nnte sein Stolz gut vertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts da\u201c, zischte Gunther mit ungeahnter Heftigkeit, \u201esag ihm, dass er sich Gegner seines Ranges suchen soll, und mein erster Vasall ist nicht Spielgef\u00e4hrte eines Narren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber er \u00e4rgert mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHehe!\u201c, schrie der Bayer aus Leibeskr\u00e4ften, \u201eIhr schwankt noch und z\u00f6gert? Ihr tut gut daran! Denn das Ergebnis, einmal erzielt, l\u00e4sst sich nicht wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen! Seid Ihr klug, so klug, wie man Euch zuschreibt, dann nehmt Ihr die Herausforderung nicht an! Feigheit hat schon viele gerettet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen l\u00e4chelte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun wartet einmal\u201c, rief Gunther zum Bayern hinab, \u201edenn ich bin noch unschl\u00fcssig, ob ich Euch als Gast oder als Friedensst\u00f6rer empfangen soll.\u201c Und leise zu Hagen: \u201eDer ist verr\u00fcckt. Wir lassen ihn unbeschadet fortziehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa. Ich entwaffne ihn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein! Ein Herzog braucht nicht auf das Gebell eines K\u00f6ters einzugehn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist kein Aufwand. Geht ganz schnell.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu k\u00f6nntest zu Tode kommen, zum Teufel! Wegen eines kl\u00e4ffenden Fremden gef\u00e4hrde ich nicht meinen wichtigsten Ratgeber!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zorn stieg auf wie Galle. Dreiundzwanzig Schlachten, der Kampf gegen Etzel, keiner reichte an seine Meisterschaft heran \u2013 und sein K\u00f6nig fand noch immer Anlass zur Sorge? \u201eDann seh und staune\u201c, sagte Hagen tonlos, wandte sich um und st\u00fcrmte die Stiege hinunter in vier gro\u00dfen S\u00e4tzen. Beim letzten Sprung zog er das Schwert, landete m\u00fchelos und rief: \u201eLos, Ihr fallt mir l\u00e4stig!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00fcmmerte es ihn, dass er weder R\u00fcstung noch Schild trug, der Bayer dagegen mit dem Kettenhemd beschirmt war? Es machte keinen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Egbert der Bayer war bei seinem Ansturm \u00fcberrascht zur\u00fcckgewichen; schnell ergriff er den Schild und zog die Waffe. Das gab Hagen Zeit genug, um zu entscheiden, ob er das Ende des Zweikampfs hinausziehn oder den Toren gleich sofort niederstrecken wollte. Jajaja! Sein K\u00f6nig sollte erkennen, wie er zu fechten imstande war!<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde der k\u00fcrzeste Kampf, den die Pfalz zu Worms je gesehen hatte. Der Staub von Hagens Landung hatte sich noch nicht gelegt, da lag der Bayer schon am Boden. Hagen steckte beide Klingen durch den Sehschlitz des Helms.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute verharrten atemlos.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo viel zu Eurer Herausforderung\u201c, sagte Hagen mit st\u00e4hlerner Stimme. \u201eMein Vorschlag f\u00fcr die Strafe des Verlierers: Der Ausgang des Gefechts soll noch schlimmer sein als der Tod \u2013 denn der Unterlegene wird verschont und muss mit der Schmach der Niederlage leben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog geschwind die Klingen aus dem Sehschlitz; das Schwert des Bayern warf er unbeeindruckt neben ihm zu Boden. Er gab vor, die Raserei der Zuschauer nicht zu h\u00f6ren, und schritt die Stiege hinauf, so unbek\u00fcmmert, als habe er lediglich eine M\u00fccke fortgescheucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf halbem Weg holte ihn Kriemhild ein, hatte vermutlich von einer Seitent\u00fcre aus zugeschaut, und war ihm jetzt hinterhergeeilt. Die h\u00f6rte auch nie auf ihren Bruder. Er wandte sich halb zu ihr. Sie nahm seine H\u00e4nde. \u201eMein wilder Fechter! Ich wei\u00df gar nicht, ob es dich ehrt oder beleidigt, wenn ich dich zum Sieg begl\u00fcckw\u00fcnsche \u2013 derart m\u00fchelos war es!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist nicht der Rede wert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lie\u00df seine H\u00e4nde wieder los und suchte stattdessen, den Staub von seinem Gewand abzuklopfen. Da gab es freilich nicht viel zu finden. Nachdem sie etwas an seiner Schulter herumgezupft hatte, gab sie vergn\u00fcgt wieder auf. Sie sp\u00e4hte an ihm vorbei auf den Hof hinab. \u201eDein armseliger Widersacher ist nicht mehr keck wie vorher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeschieht ihm recht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er stieg die verbleibenden Stufen hinauf. Oben erwartete ihn sein K\u00f6nig. Dessen Miene zeigte Hagen genau, welch ein Gewitter sich nachher \u00fcber ihm entladen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt hat er Demut gelernt\u201c, sagte Hagen leichthin. \u201eM\u00f6ge es ihm zum Vorteil gereichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein W\u00e4chter trat an Gunther heran. \u201eWie sollen wir mit dem Fremden verfahren, Herr? Sollen wir ihn von dannen jagen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGebt ihm einen Schlauch Wein, ein B\u00fcndel Essen, und w\u00fcnscht ihm \u2013 gute Reise.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eilfertig gab der W\u00e4chter die Anweisung weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du Hagen b\u00f6se?\u201c, fragte Kriemhild. \u201eIch bin es nicht, ich hatte v\u00f6lliges Vertrauen in seine Kampfk\u00fcnste.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunthers Blick glitt zu ihr und verlor dabei nichts an H\u00e4rte. Er deutete Richtung Kemenate.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFort mit dir. Der Bayer starrt schon her. Ich will nicht, dass du vor Fremden herumt\u00e4nzelst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie atmete nur unwillig aus und ging dann gehorsam davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther sah ein letztes Mal in den Hof hinab. Dann bedeutete er Hagen unwirsch, ihm zur\u00fcck in den Palas zu folgen. Kaum waren sie den f\u00fcnfhundert Augen der Leute drau\u00dfen entkommen, als Gunther herumwirbelte: \u201eBist du denn immer noch besoffen? Was hast du dir dabei gedacht? Rennst einem Wildfremden vor die Klinge, und auch noch \u2013\u201c, er versetzte ihm einen Sto\u00df gegen die Brust, \u201eohne R\u00fcstung?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein K\u00f6nig, seid ohne Sorge. Ich kann Gefahr sehr wohl einsch\u00e4tzen, ich hab in dreiundzwanzig \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchlachten, jaja! So unbesiegbar bist du nicht gewesen, sonst s\u00e4he deine Haut nicht aus wie ein Fischernetz!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das<\/em> tat weh.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGr\u00f6\u00dfte Torheit, dich einfach vom Gefasel dieses Niemands reizen zu lassen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wusste, was ich wagen darf. Mich ehrt deine Emp\u00f6rung, aber sie tut nicht not.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm Himmels willen!\u201c, rief Gunther, \u201eich machte dich wegen deiner Klugheit zum Herzog, nicht wegen deiner Kampfkunst. Heute merkte ich freilich nichts von deiner Vernunft!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum soll ich mich feige \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeil es ein Kampf war auf Leben und Tod! H\u00e4tte er k\u00e4mpfen wollen wie bei einem Turnier, dann nur zu, fechte so lang du willst, und ich w\u00fcrd drei Goldbarren auf dich wetten \u2013 aber wegen einer Torheit wie dieser will ich nicht meinen besten Berater verlieren, und Freund! Wenn\u201c, er fuchtelte vage Richtung drau\u00dfen, \u201ewenn du gegen, gegen hundert M\u00e4nner k\u00e4mpfen w\u00fcrdest, dann w\u00fcrdest du bei achtzig m\u00fchelos gewinnen, ja \u2013 bei zehn w\u00e4r es schwer, und bei den andern zehn, da k\u00f6nnte gar einer dabei sein, der <em>dich<\/em> besiegen w\u00fcrd. Und \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu magst Recht haben. Mir war es allerdings von Anfang an bewusst, dass dieser hier zu den achtzig geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJeder kann sich t\u00e4uschen. Im \u00dcbrigen \u2013 w\u00fcsste ich\u2019s nicht, w\u00fcrd ich nie vermuten, dass <em>du<\/em> Etzel besiegt hast. Also lass die Sturheit und sieh endlich ein, dass <em>ich<\/em> Recht habe! Was h\u00e4tt\u2019 ich tun sollen, wenn meine wichtigste St\u00fctze mit einem Schwert im Herzen verr\u00f6chelt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein K\u00f6nig war zu keinem so herrisch wie zu dem, dessen Hingabe er nie verlieren k\u00f6nnte. Zum ersten Mal bei diesem Streit wich Hagen seinem Blick aus. \u201eJa gut\u201c, sagte er langsam. \u201eIch ging m\u00f6glicherweise unbedacht vor. Doch in der Schlacht hab ich schon oft gegen Unbekannte gefochten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStell dich nicht begriffsstutzig! In der Schlacht ist\u2019s gut so \u2013 f\u00fcr ein Gefecht gegen Taugenichtse ist mir <em>jeder<\/em> Krieger zu schade!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hagen seufzte. \u201eIch \u2013 seh es ein. Vielleicht hat mich der Stolz zu sehr angespornt. Beim n\u00e4chsten Mal z\u00fcgle ich mich fr\u00fcher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er sah sich rasch um, ob jemand seine Zurechtweisung und seine Kapitulation beobachtet hatte. Es waren zum Gl\u00fcck nur zwei W\u00e4chter in der N\u00e4he, die sich alle M\u00fche gaben, seine Verlegenheit mit r\u00fccksichtsvoller Nichtbeachtung zu lindern.<\/p>\n\n\n\n<h2>Anmerkungen:<\/h2>\n\n\n\n<p><em>\u201eS<\/em><em>ie w\u00fcrden die Schw\u00e4bin mit dem vielf\u00e4ltigen Flitterkram des Weiberdaseins rasch von ihren Einmischungsversuchen in die Leitung des Herzogtums abbringen\u201c<\/em>: Hier lasse ich nur eine misogyne Figur sprechen! Wahrscheinlich ist es Hagen nicht einmal bewusst, dass er frauenfeindlich denkt. Allerdings zeichnet er sich im Epos auch nicht gerade durch feministische Ansichten aus \u2026 Die Autorin selber denkt ganz anders als Hagen. Wisst ihr, wen ich dagegen als unerwarteten mittelalterlichen \u201eFeministen\u201c einordnen w\u00fcrde? Bischof Burchard von Worms! (1000\u20131025). Sp\u00e4ter werde ich zu einem Blogartikel \u00fcber ihn verlinken.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eGrimm und Schweigen\u201c<\/em>: \u201eGrimm\u201c klingt nat\u00fcrlich weitaus getragener, ja legitimer als \u201eGrantigkeit\u201c. Aber Hagen ist in dieser Geschichte als unzuverl\u00e4ssiger Erz\u00e4hler angelegt. Mit 15 hat noch niemand \u201eGrimm\u201c, da hei\u00dft das einfach \u201eschlechte Laune\u201c \u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUm so wie der zu strahlen, m\u00fcsste Hagen schon drei Stunden lang besoffen sein, aber auch nur an einem Tag, an dem er in einem Turnier gewonnen hatte.\u201c<\/em>: Dieser Satz ist unbeholfen formuliert. (Jaja, ich wei\u00df, alle anderen sind das auch, aber bei diesem steckte sogar Absicht dahinter! So!) Er soll zeigen, dass Hagen nicht mehr der N\u00fcchternste ist. Da ich selber keinen Alkohol trinke und keine Feste besuche, kann ich diesen Zustand nur ann\u00e4hernd wiedergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eUnm\u00e4nnliche Hingabe an ein Weib\u201c<\/em>: Im Erec-Epos wird dem Helden der Vorwurf gemacht, dass er sich zu sehr um seine Frau k\u00fcmmere. (Der Vorwurf ist sogar noch konkreter als hier, wo Dankwart einfach allgemein von ihr hingerissen ist, also auch von ihrem Wesen und ihrem Charakter. Erec verspottet man, sich mit Enite \u201everlegen\u201c zu haben, also sozusagen einen \u00fcberlangen \u201eHoneymoon\u201c zu leben.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eF\u00fcr ihn und Hagen hie\u00df das, den Mittelpunkt der allgemeinen Beachtung f\u00fcr eine hart verdiente Stunde oder zwei verlassen zu k\u00f6nnen\u201c<\/em>: Bei mir sind die beiden Hauptfiguren als introvertiert konzipiert. Wer war noch introvertiert und muss vielmals als Inspiration herhalten? Nat\u00fcrlich Bismarck! Obwohl im Hause Bismarck oft viel Trubel herrschte, G\u00e4ste ein-und ausgingen, im Garten Kinder und Hunde spielten, w\u00e4hrend irgendwelche Familienmitglieder mit Pistolen herumballerten usw., zog sich Bismarck doch manchmal f\u00fcr eine Stunde nach oben zur\u00fcck, um in aller Ruhe Zeitung zu lesen. Er machte auch gerne lange Ausritte oder Spazierg\u00e4nge. In den letzten Jahren seiner Kanzlerzeit hielt er sich fern der quirligen Hauptstadt (und des energiegeladenen Wilhelms II.) monatelang auf seinen G\u00fctern auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Seid ihr auch introvertiert? Ihr seid wie Bismarck!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache mit den <em>mittelalterlichen Handschriften<\/em> basiert auf dem Buch \u201eKarolingische Kl\u00f6ster. Wissenstransfer und kulturelle Innovation\u201c der Reihe \u201eMateriale Textkulturen\u201c, herausgegeben von Professor Stefan Weinfurter. Ich habe das Buch als eBook gekauft, da kostet es 0 Euro. (Wie war das nochmal mit den sparsamen Schwaben?)<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Buch habe ich verschiedene Infos entnommen: Abschrift und Gegenpr\u00fcfung einer Handschrift erfolgte in verschiedenen Kl\u00f6stern; nach erfolgter Pr\u00fcfung brachte der Pr\u00fcfer oft einen Vermerk an. Manchmal hinterlie\u00df auch der Abschreiber seinen Namen, bisweilen mit einer Bitte um ein Gebet oder mit einem Sto\u00dfseufzer, wie m\u00fchevoll die Arbeit gewesen war. Dass die Rezipienten den Text mit Randbemerkungen versahen, ist ebenfalls historisch verb\u00fcrgt. (Wobei es mich beim Schreiben sehr viel \u00dcberwindung kostete, Gunther und Bischof Gerd zu solchen Barbaren zu machen, die in B\u00fccher kritzeln.) Die lateinischen Phrasen sind Zitate aus dem Buch. Gr\u00fcndliche Quellenarbeit, wie sie hier bei einem Exegeten angedeutet wird, war schon zu karolingischer Zeit bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201edie Speise des Wissens sei dem sch\u00f6nen Geschlecht nur in kleinen Dosen bek\u00f6mmlich\u201c<\/em>: Wissensaneignung wurde schon in einem karolingischen Text mit Nahrungsaufnahme verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass sich <em>Kriemhild als junge Dame ein Buch \u00fcber einen Krieg kommen lie\u00df<\/em>, halten alte wei\u00dfe M\u00e4nner bestimmt f\u00fcr modernen Firlefanz, an den Haaren herbeigezogen, \u201ewoke\u201c \u2013 sofern sie das Wort kennen. Dabei gibt es genug Frauen, die sich auch f\u00fcr angebliche \u201eM\u00e4nnerthemen\u201c interessieren. Ich kenne zum Beispiel drei Geschwister, zwei Br\u00fcder und eine Schwester, von denen einer genau 0 B\u00fccher zu Kriegen hat, einer genau eines (ein Geschenk seiner Schwester), w\u00e4hrend die Schwester ihre B\u00fccher \u00fcber Krieg noch z\u00e4hlen muss und dann die Anzahl hier (&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; ) eintragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSind auch V\u00e4ter dabei?\u201c<\/em> Gemeint sind die Kirchenv\u00e4ter. Hier wird Ambrosius von Mailand erw\u00e4hnt. Er verweigerte dem Kaiser Theodosius den Zutritt zur Kirche, bis er Bu\u00dfe f\u00fcr ein Massaker ablegte. Gunthers Lieblingskirchenvater ist aber Augustinus von Hippo.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Reichenau<\/em>: Insel im Bodensee mit wichtigem Kloster. Insel und Kloster kann man besichtigen. Die Insel ist heutzutage auch als \u201eGem\u00fcseinsel\u201c bekannt, und so sieht es dort auch aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass <em>Hagen \u00fcberlegt, ob er bei so viel Politik, Umritt und Schwertkampf noch Zeit f\u00fcr B\u00fccher finden k\u00f6nnte<\/em>, ist wieder einmal inspiriert von Bismarck. Er erz\u00e4hlte einmal, es verhalte sich mit der Politik wie mit dem gr\u00f6\u00dften Karpfen im Teich, der alle anderen auffrisst, bis er alleine \u00fcbrigbleibt: So habe bei ihm die Politik alle anderen Leidenschaften aufgefressen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Haudrauf fordert einen Burgunden zum Zweikampf:<\/em> Das ist ja nichts Neues, im Epos macht es Siegfried genauso, indem er Gunther, den rechtm\u00e4\u00dfigen K\u00f6nig von Burgund, zum Zweikampf um das K\u00f6nigreich Burgund fordert. (Dieser Auftritt zeugt nicht gerade von \u00fcberragendem politischen Feingef\u00fchl.) Dieser Bayer wird in sp\u00e4teren Kapiteln wieder zur\u00fcckkehren und Hagen einige Probleme machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Kapitel braucht noch einen Titel! Ich habe es \u00fcbergangsweise &#8222;Ein ungleicher Kampf&#8220; genannt, doch das ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Es hat 3000 W\u00f6rter, ist also mittellang. Nachdem wir den Schwaben-Handlungsstrang beendet haben, ist das folgende Kapitel zun\u00e4chst eine Art Atempause. Es geht um Character Building und Atmosph\u00e4re. 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