{"id":1655,"date":"2024-12-31T17:46:12","date_gmt":"2024-12-31T16:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?p=1655"},"modified":"2025-02-09T15:03:33","modified_gmt":"2025-02-09T14:03:33","slug":"der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/2024\/12\/31\/der-koenig-von-burgund-und-der-bastard-kapitel-2\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6nig von Burgund und der Bastard, Kapitel 2"},"content":{"rendered":"\n<h2>Bl\u00fcten im Sand<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Kapitel hat nur 1500 W\u00f6rter. Es gibt diesmal keine Anmerkungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag dr\u00e4ngten sich Tausende um den Turnierplatz, ganz Worms und Umland war gekommen. Die Frauen auf der Trib\u00fcne in ihren kostbaren Seidenkleidern, durchwirkt mit Gold- und Silberf\u00e4dchen, mit Steinbesatz und Bernsteinschmuck, schillerten zart wie Libellenfl\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Reiterscharen w\u00fcrden nun gegeneinander streiten und sich bem\u00fchen, die Ritter der Gegenseite bis zur eigenen Bande zu zerren, wie man bei der Schlacht den Feind ins eigene Lager schleifte. Als Preis fiele die R\u00fcstung des Unterlegenen an den Sieger, aber nicht mehr das Ross. Gunther hatte es eigens so bestimmt. Zu viel Kummer und Bitterkeit hatte diese Sitte schon ges\u00e4t, als dass er noch neuen Groll wachsen lassen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Scharen waren vom Los bestimmt worden; es fochten drum M\u00e4nner des Erzbischofs von Mainz gemeinsam mit Vasallen des neuen Herzogs; k\u00f6nigliche Ritter an der Seite der Bruchsaler, Speyerer neben Trierern. Auf glatte Rheinkiesel hatte man die Wappen aller Teilnehmer gemalt, sie in einen goldbestickten Seidenbeutel gegeben, aus dem Kriemhild nacheinander die Steine, ohne hinzusehen, herausgeholt hatte. Abwechselnd wurden die M\u00e4nner den zwei Scharen zugeordnet. Volker von Alzey hatte ihr dabei geholfen, indem er f\u00fcr jeden Gezogenen einen kecken Zweizeiler zustandebrachte, der dessen K\u00fchnheit, Klugheit und St\u00e4rke lobte oder sich auf Volkers letztes Zusammentreffen mit ihm im Turnier bezog \u2013 selbstredend nur, wenn Volker auch den Sieg davongetragen hatte. Das gefiel den Leuten ungemein. Kriemhild stellte sich derweil derart geschickt an, dass es nur Gunther auffiel, wie sie ein paar Steine nicht aus dem Beutel, sondern heimlich aus ihrem langen \u00c4rmel zog. W\u00e4hrenddessen behielt sie den liebreizendsten Gesichtsausdruck bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wunderte es ihn nicht, dass er derselben Schar wie Hagen angeh\u00f6rte. Dass einige derer, die Gunther besonders ergeben waren, auf der Gegenseite ritten, kr\u00e4nkte ihn auch nicht sonderlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Jubel der Menge trabten sie nun auf den Turnierplatz. Schon stob der wei\u00dfe Sand auf. Gegen die Posaunen der Herolde bliesen wild entschlossen die Instrumente der fahrenden Spielleute an. Die K\u00e4mpfer trennten sich auf; jeder Gruppe schwebte eine Fahne voran, rot hier, blau dort. Damit man die Eigenen von den Widersachern unterscheiden konnte, hatte ein jeder sich ein gleichfarbiges Tuch um den Arm gebunden. Volker von Alzey hatte noch ein Str\u00e4u\u00dfchen Blumen drin verknotet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schlachtr\u00f6sser stampften herrisch und wehrten sich gegen die Z\u00fcgel. Triumphator war der feurigste, wieherte schrill, t\u00e4nzelte und fing sogar an, zu steigen. Hagen lie\u00df ihn eine Weile gew\u00e4hren, und b\u00e4ndigte ihn erst, als er befand, dass seine Reiterk\u00fcnste genug gew\u00fcrdigt seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Lanzenwald erhob sich auf der Gegenseite. Gunther hoffte nur, dass er nicht beim ersten Sto\u00df zu Boden fiele. Beim zweiten bitte auch nicht \u2013 danach w\u00e4r ihm alles gleich. Diese kleine Gnade k\u00f6nnte ihm der Herrgott doch schenken! Er hatte beim Anlegen der R\u00fcstung eigens zehn Paternoster gebetet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zuschauermassen verstummten. Der Beginn war nahe. Ja! Ein Posaunensto\u00df zerriss die Luft. Bet\u00e4ubender Jubel stieg auf, rasch \u00fcbert\u00f6nt vom Rasen der Hufe. Die Gegner preschten heran; die Wimpel an den Lanzen flatterten. Schon senkte jeder die seine zum Sto\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther zielte auf Markgraf Eckewart, der aber nicht auf ihn, sondern auf Hagen. Eckewarts Lanze glitt an Hagens Schild ab. Gunther traf ihn gleichzeitig \u2013 schwungvoll genug, dass der Markgraf wankte, aber nicht fiel. Hagen hatte seinerseits auf den Mann neben Eckewart gezielt und ihn m\u00fchelos zu Boden geworfen. Hoch stiegen die Splitter, gingen nieder wie Regen. Sp\u00e4ter w\u00fcrden die hingebungsvollsten Zuschauerinnen sie vom ganzen Platz aufsammeln, zum Andenken an ein denkw\u00fcrdiges Fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00f6sser jagten bis zum Ende des Platzes; man z\u00fcgelte sie und kehrte in weitem Bogen zur\u00fcck zu den Knappen. Eilig die Ersatzlanze greifen, das Ross wenden, denn der Gegner w\u00fcrde nicht warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch beim zweiten Treffen blieb Gunther verschont vom Fall. Eine dritte Lanze gab es diesmal nicht. Er zog das Schwert. Kleine Gr\u00fcppchen fochten miteinander vom Sattel aus oder k\u00e4mpften zu Fu\u00df. Schon wurden die ersten Unterlegenen, manche gar noch auf dem Ross, von einem oder zwei Rittern hin\u00fcbergezerrt zur Bande.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein einzelner Reiter hielt auf Gunther zu. Gernot. <em>Den<\/em> hinderte keine Verlegenheit daran, den K\u00f6nig als Gefangenen zu nehmen. Gunther gab Argentum die Sporen und ritt los, ihn zu empfangen mit eisernem Gru\u00df. \u2013 Ein Reiter \u00fcberholte ihn von hinten und griff Gernot an mit solcher Entschlossenheit, dass er zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurde. Ortwin hatte ihn \u00fcbereifrig gerettet. Das war ihm auch recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch schon nahte ein neuer Gegner. Wenigstens brauchte Gunther nicht tatenlos \u00fcber den Platz zu traben, wie er es neben der Peinlichkeit des Versagens bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNehmt\u2019s mir nicht b\u00f6se, Herr, falls ich Euch \u00fcberwinde!\u201c, rief Volker von Alzey beschwingt. Er sa\u00df auf seinem k\u00fchnen Fuchs, hielt das Schwert so anmutig wie sonst den Fiedelbogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Klingen trafen sich. Es war ein harter Kampf. Nat\u00fcrlich gewann Gunther nicht; ihm wurde sogar die Waffe aus der Hand geschlagen. Mit dem Dolch k\u00e4mpfte er weiter; pl\u00f6tzlich packte Volker Argentums Z\u00fcgel und gab seinem Fuchs die Sporen. Argentum str\u00e4ubte sich schnaubend und musste doch folgen. Gunther versetzte Volker mehrere verzweifelte Hiebe \u2013 da schoss wie ein schwarzer Raubvogel Triumphator heran.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts da!\u201c, schrie Hagen gellend und lie\u00df die Schildkante auf Volkers Arm niedergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa ist der, den ich suchte!\u201c, gab Volker zur\u00fcck. \u201eVerzeiht, Herr, doch gegen Euch kann ich nicht k\u00e4mpfen wie ich\u2019s vermag, ich will Euch immer schonen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es begann ein Gefecht, das wohl als das beste ins Turnier einginge.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther hielt sich h\u00f6flich zur\u00fcck, um Hagen nicht bei der Darbietung seiner Kampfkunst zu st\u00f6ren, und vertrieb blo\u00df die \u00fcberm\u00fctigen Jungspunde, wenn sie Volker von Alzey zu Hilfe eilen wollten. Wie Gezeiten wogte der Jubel der Menge.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich unterlag der Alzeyer. Auf eine Geste Hagens hin reichte er Gunther sein Schwert; dann packte Hagen das Ross am Z\u00fcgel und st\u00fcrmte mit seinem Besiegten davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther wandte sich nacheinander zwei Rittern zu. Die F\u00fcgung Gottes oder reines Gl\u00fcck lie\u00dfen ihn beide Male gewinnen. Wie er seine Widersacher zur Bande schleifte, brachen die Knappen in Hochrufe aus. Einer seiner Besiegten, der aufrechte Ewald von Federstein, klopfte ihm gar auf die Schulter und rief: \u201eHerr, da bin ich stolz auf Euch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther wurde es unter dem Helm noch hei\u00dfer von der Verlegenheitsr\u00f6te.<\/p>\n\n\n\n<p>Er galoppierte zur\u00fcck ins Get\u00fcmmel. Ha, da sollten die Zweifler staunen; so, wie er heute k\u00e4mpfte, konnten sie nicht mehr nur den sch\u00fcchternen Weichling in ihm sehen. Er hielt Ausschau nach dem n\u00e4chsten Gegner. Dort vorne! Oheim Godomar hielt entschlossen auf ihn zu. Schwer zu erringen w\u00e4re der Sieg gegen ihn \u2013 kurz sah Gunther sich um, wo sein Beistand herumflog \u2013 doch was war das? Eine Bewegung am Rande des Platzes, eine Gestalt in Gr\u00fcn huschte auf den Sand \u2013 Kriemhild! Was tat sie da? Wo die schweren Rufe flogen, hatte keine Frau herumzueilen! Er schrie ihr zu: \u201eBleib fort!\u201c Das Echo seines Entsetzens hallte in tausend Kehlen wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein sie gehorchte nicht, sondern schritt weiter unerschrocken auf die Ritter zu. Gunther riss sein Ross herum.<\/p>\n\n\n\n<p>So viele G\u00e4ule waren in ihrer N\u00e4he, stampften, sprangen, keilten aus, mit genug Schwung in jedem Tritt, um einen Mann zu zerschmettern, erst recht ein M\u00e4dchen! Das ging nicht! Was seine Knappen wagten, durfte seine Schwester nicht tun! Er trieb Argentum zum wildesten Galopp.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ehe er sie erreichte, schoss von der Seite Hagen heran, beugte sich im Galopp herab, packte Kriemhild und hob sie vor sich in den Sattel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHol\u2019s der Teufel!\u201c, schrie er zornig. Sein Rappe blieb abrupt stehen, sodass der Sand bis hoch zu den Reitern spritzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther hielt Argentum neben ihnen an. \u201eGeht es um Mutter?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas nicht.\u201c Kriemhild wischte sich den Staub aus dem Gesicht. \u201eDie Freude hat zu versiegen. Ein Eilbote erreichte uns eben. Der alte Schwabenherzog ist tot. Untr\u00f6stlich sind unsere beiden G\u00e4ste.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh weh\u201c, sagte Gunther. \u201eAber warum bist du auf den Platz gerannt? Dich h\u00e4tten die G\u00e4ule niedertrampeln k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnsere Herold hielten es f\u00fcr besser, den Buhurt nicht zu unterbrechen. Ich dagegen sch\u00e4tze es, wenn Burgund Anteilnahme zeigt, statt sich in jungenhafter Ausgelassenheit zu \u00fcben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther nickte. Direkt hinter der h\u00f6lzernen Absperrung standen nun die Edeldamen, Mutter zuv\u00f6rderst, hatten die Trib\u00fcne verlassen und sahen besorgt zu Kriemhild her\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorwurfsvoll deutete er mit dem Finger auf seine Schwester. \u201eTrotzdem war es gef\u00e4hrlich.\u201c Er wandte sich um, reckte das Schwert zum Himmel und rief um Ruhe. Manche hatten den Aufruhr bemerkt und das Gefecht schon unterbrochen; sie halfen nun, die anderen K\u00e4mpfe zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach kurzer Zeit waren Geklirr und Geschrei erloschen; es wisperte nur ein Echo davon im ersch\u00f6pften Geh\u00f6r weiter, und aus den Reihen der Menge rollte blo\u00df noch besorgtes Geraune.<\/p>\n\n\n\n<p>Gunther sah abwechselnd von den Zuschauern zu seinen M\u00e4nnern hin\u00fcber, w\u00e4hrend er ihnen knapp die neue Kunde \u00fcberbrachte. \u201eEin w\u00fcrdiger Herrscher war Herzog Burchard\u201c, rief er laut, \u201eunser verehrter Nachbar und Freund. Wir wollen ihm zum Gedenken den Frohsinn nun in Schweigen h\u00fcllen, den \u00dcberschwang vertauschen mit Abschiedsschmerz, und unsere Gebete inniglich nach S\u00fcden senden, damit ihm der Preis der Ewigkeit leuchten soll \u2013 und unserem geliebten Nachbarreich der Frieden und die Ordnung.\u201c Weil es ihm geboten schien, wandte er sein Ross in dieselbe Richtung und nahm den Helm ab als letzten Gru\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Ritter taten es ihm gleich, schweigend ein jeder. Kriemhild l\u00f6ste behutsam die Blumen aus ihrem Haar und lie\u00df sie sacht zu Boden fallen. So kam das Fest zu seinem Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bl\u00fcten im Sand Dieses Kapitel hat nur 1500 W\u00f6rter. Es gibt diesmal keine Anmerkungen. Am Nachmittag dr\u00e4ngten sich Tausende um den Turnierplatz, ganz Worms und Umland war gekommen. 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