{"id":102,"date":"2017-11-25T22:35:14","date_gmt":"2017-11-25T21:35:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/?page_id=102"},"modified":"2024-04-16T13:59:43","modified_gmt":"2024-04-16T11:59:43","slug":"figuren","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/die-welt-von-lili-vogel\/figuren\/","title":{"rendered":"Figuren"},"content":{"rendered":"<h1>Figuren &#8211; gesehen mit den Augen der Autorin<\/h1>\n<p>Wie stehe ich zu meinen Figuren?<\/p>\n<p>Im Allgemeinen sehe ich meine Figuren als Werkzeuge. Ich bin ihr Boss. Ich habe sie erfunden, also m\u00fcssen sie mir gehorchen. Vielleicht schreibe ich deshalb so gerne aus Sicht von Monarchen. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Der Zweck der Figuren ist der, eine Geschichte zu tragen. Wer das nicht kann, hat keine Berechtigung im Manuskript. Drum ist es auch nicht schwer f\u00fcr mich, einen Liebling umzubringen. Wenn die Handlung das erfordert, muss er weg. (Und au\u00dferdem bin ich der Boss. Ich k\u00f6nnte auch eine Alternativwelt erfinden, in der die Figur \u00fcberlebt, oder ich schreibe f\u00fcnfzehn Kurzgeschichten \u00fcber ihre Jugend, und, und, und \u2026)<\/p>\n<p>Ihr seht, ich f\u00fchre ein hartes Regiment. Geradezu preu\u00dfisch. Selbst in Huwelreich.<\/p>\n<p>Hier nun ganz ungesch\u00f6nt, was ich wirklich von meinen Figuren halte:<\/p>\n<p>Nach L\u00e4ndern sortiert<\/p>\n<h2>Huwelreich<\/h2>\n<p><strong>Leopold von Friedenfels<\/strong><\/p>\n<p>Ach, der Poldi! Herzig war er schon. Beim Schreiben hatte ich immer eine knarzige M\u00e4nnerstimme mit herrlichem \u00f6sterreichischem Akzent im Ohr. Mei, liab!<\/p>\n<p>Poldi war zwar nicht der Hellste unter der Sonne, aber er ist ein hingebungsvoller Beamter mit unerm\u00fcdlichem Arbeitseifer. Seine Szenen waren auch schnell zu schreiben, in seinem trockenen Geist wuchsen keine prunkvollen Metaphern oder pseudo-philosophischen Betrachtungen heran, anders als bei Valerie.<\/p>\n<p><strong>Guntram von Friedenfels<\/strong><\/p>\n<p>Herzig. Ich mag Softies. Guntram ist der softeste Softie von allen. Ein bisserl d\u00fcmmlich kommt er manchmal r\u00fcber, etwas gro\u00dfv\u00e4terlich auch. Manchmal stellt er sich auch nur doof. Dabei hat der Kerl einfach nur Sozialkompetenz! Ich liebe alle Szenen mit ihm.<\/p>\n<p>&lt;3 &lt;3 &lt;3 &lt;3<\/p>\n<p><strong>Valerie von Aureali<\/strong><\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine dumme Ziege! Nein, nein und nochmals nein! Ich hasste jeden Satz aus ihrer Sicht. Valerie ist in gr\u00f6\u00dftem Ma\u00dfe der Kaiserin Elisabeth von \u00d6sterreich (Sisi) nachempfunden, n\u00e4mlich so, wie sie wirklich war. Die Sissi aus den Filmen hat mit dem Original \u00fcberhaupt nichts mehr zu tun. \u00dcber das Original h\u00e4tte man auch keinen s\u00fc\u00dflich-unterhaltenden Film drehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nein, Sisi und Valerie sind absolute Hassobjekte f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Warum ich dann ausgerechnet \u00fcber Sisi geschrieben habe? Das fragte ich mich w\u00e4hrend des Schreibens auch oft. Allerdings ist ihre Geschichte es wert, erz\u00e4hlt zu werden, als Negativbeispiel.<\/p>\n<p>Viele Leserinnen beurteilen Valerie \u00fcbrigens weit gn\u00e4diger als ich.<\/p>\n<h2>Aarenland<\/h2>\n<p><strong>Fernanda von Hohenmeiningen<\/strong><\/p>\n<p>Sie redet daher wie eine Beamtin, sie scheint kalt und distanziert \u2013 eine Figur ganz nach meinem Geschmack! Ihre Szenen waren handwerklich fordernd, denn es musste immer der umst\u00e4ndliche Beamtenschreibstil gewahrt bleiben. Fernanda ist die einzige Figur, die mit Freuden ihre Einkommensteuererkl\u00e4rung ausf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>Winfried von Hohenmeiningen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Anti-Liebling. Oh ja. Vermutlich hasst die Leserin ihn am Ende genauso wie ich.<\/p>\n<p><strong>Johann von Hohenmeiningen<\/strong><\/p>\n<p>Er macht so viel Spa\u00df. Wann immer er auftritt, spielt mein Gehirn von selber den Marsch \u201ePreu\u00dfens Gloria\u201c. Stellenweise rei\u00dft er die gesamte Handlung an sich, dr\u00e4ngt alle anderen in den Hintergrund und erweckt den Eindruck, dass die ganze Welt um Feuerburg kreist. Deshalb liebe ich ihn!<\/p>\n<p><strong>Fidelius von Eisenbiss<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt zwei Sorten von Lesern. Die einen h\u00f6ren diesen Namen und sagen: \u201eKomischer Name, aber lustig.\u201c Die anderen sagen: \u201eBismarck!\u201c<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Eisenbiss ist einer meiner vier gr\u00f6\u00dften Lieblinge. Eisenbiss = Politik, Politik, Politik. Er ist wie eine Satire von sich selbst. Er ist eine wandelnde Bismarck-Anspielung. Alle klugen Zitate von ihm sind Abwandlungen von Bismarck-Zitaten. Die unklugen Zitate sind von mir. Leider werde ich wohl nie eine Szene aus seiner Sicht schreiben k\u00f6nnen, denn dann k\u00e4me heraus, dass Bismarck viel schlauer war als ich. (Oder vielleicht \u2013 wissen das alle ohnehin bereits??? Egal. Wir leben zwar alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont. \u2013 Adenauer. Nicht Bismarck.)<\/p>\n<h2>Blauwittern<\/h2>\n<h3>Sophie von Reckenburg<\/h3>\n<p>Die arme Sophie. Ich dachte, sie zu schreiben w\u00e4re angenehmer. Hier sieht man sch\u00f6n, dass die Entwicklung eines logisch aufgebauten literarischen Charakters den Unterhaltungswert des Buches stark senken kann. Sophie wird seit ihrer Jugend von ihrem egomanischen Vater unterjocht. Er wendet keine Gewalt an, er unterdr\u00fcckt sie psychisch: Nie ist Sophie gut genug f\u00fcr seine \u00fcberh\u00f6hten Anspr\u00fcche, immer gibt er ihr die Schuld, und wenn ihr etwas gelingt, zerredet er es, bis sie das Gef\u00fchl hat, versagt zu haben. Als Ergebnis h\u00e4lt sie sich f\u00fcr ein trotziges, nicht liebenswertes Dummchen.<\/p>\n<p>Hier liegt das Problem: Die st\u00e4ndige Entw\u00fcrdigung durch den Vater hat ihr beinahe jegliche Entscheidungsfreude und Tatkraft kaputt gemacht, ja, sie kann sich nicht einmal wehren, weil sie meint, sie habe alles Unheil, das man ihr antut, verdient. \u2013 Das ist nicht mehr der Stoff, aus dem eine Heldin eines Unterhaltungsromans geschnitzt ist. F\u00fcr einen Unterhaltungsroman ist dieses Problem zu d\u00fcster. In einem Unterhaltungsroman w\u00e4re Sophie schon gleich zu Beginn mit der Geisteshaltung \u201eIch muss f\u00fcr mein Recht k\u00e4mpfen, weil es mir zusteht\u201c ausgestattet worden. Rasch w\u00fcrde sie sich dem v\u00e4terlichen Schatten entwinden, und am Ende wahrscheinlich sich mit dem Papa noch sentimental vers\u00f6hnen, und es k\u00e4me heraus, dass er sie immer schon lieb gehabt hat.<\/p>\n<p>Das ist Unterhaltung. Da wird ein Problem, das es im wahren Leben allzuoft gibt, mit rosa Farbe \u00fcbert\u00fcncht. So geht es nicht im wahren Leben. Mit einem warmen \u201eAber jetzt ist alles wieder gut\u201c kann man tiefgreifende Probleme nicht l\u00f6sen. Ein einfaches Umdenken ist nicht m\u00f6glich. Manche Dinge hinterlassen ewig Narben in der Psyche, ja, manche Menschen werden sich ihrer Narben niemals je bewusst! Sie halten sich auf immer f\u00fcr missraten.<\/p>\n<p>Ich habe mich bei der Konzeption der Sophie nat\u00fcrlich gegen den Unterhaltungsweg entschieden. Das Buch wird dadurch d\u00fcsterer, schmerzlicher. Und nat\u00fcrlich werden viele Leser, die sich mit diesem Problem nicht auseinandersetzen wollen, Sophie verachten. Sie werden sagen: \u201eDiese Figur ist schwach, erb\u00e4rmlich, kein Wunder mag ihr Vater die nicht.\u201c Das ist unvermeidlich, und interessant. Denn diesen Lesern stehen andere gegen\u00fcber, die die Sophie-Vater-Szenen lesen und innehalten, und sich denken: \u201eGibt es so etwas wirklich? Oder habe ich das etwa auch schon erlebt? Oder kenne ich jemanden, der so ist? Oder ist Mobbing nicht \u00e4hnlich?\u201c Und so weiter.<\/p>\n<h3>Gottfried von Blauwittern<\/h3>\n<p>Gottfried mag den Komponisten Deodonatus Karrenbauer. Deodonatus Karrenbauer ist Richard Wagner. Ich mag Richard Wagner. Beweisf\u00fchrung abgeschlossen.<\/p>\n<h2>Die Welt der Sagen<\/h2>\n<h3>Dietrich von Bern<\/h3>\n<p>\u00c4h, ja. Der Dietrich. Er ist selbstgerecht, selbstbewusst, und nicht gerade der gr\u00f6\u00dfte Denker unter der Sonne. Seine Sicht auf die Welt ist schn\u00f6rkellos: Keine komplexen S\u00e4tze oder Gedankeng\u00e4nge, keine poetischen Landschaftsbeschreibungen, keine Gef\u00fchlsduseleien. Zur Abwechslung war es ja ganz interessant, aber auf die Dauer war mir Dietrich dann doch zu gefasst; er ruht in sich selbst, er ist stark und unersch\u00fctterlich. Alles sch\u00f6n und gut, aber eine Lili-Vogel-Figur muss Nerven zeigen! Nerven! St\u00e4ndig! Immer!<\/p>\n<p>(In der Burgund-Reihe dagegen ist er weitaus ernster konzipiert.)<\/p>\n<h3>Gunther von Burgund<br \/>\nund<br \/>\nHagen von Tronje<\/h3>\n<p>Ich kann sie schnell beide in einem Absatz abhandeln \u2013 oder ich kann zig Seiten lang \u00fcber sie schw\u00e4rmen. Nehmen wir hier Variante 1 &#8230;<br \/>\nIch mag sie!!!! Ich stehe auf wankelm\u00fctige Monarchen und ihre hei\u00dfbl\u00fctigen Berater. Die Wormser sind meine absoluten Lieblinge. Ja gut, sie sind intrigant und hinterlistig, Gunther ist ein Schw\u00e4chling und Hagen ist hartherzig \u2013 aber ich finde sie gro\u00dfartig. Monarchen und ihre treuen Monarchisten \u2013 da geht mir das Herz auf. W\u00fcrde jemand ein Buch schreiben, wie die Wormser \u00fcber f\u00fcnfhundert Seiten lang sich \u00fcber Politik unterhalten \u2013 ich w\u00fcrde es lesen mit Begeisterung! (Extrapunkte, wenn Wilhelm-und-Bismarck-Zitate eingeschmuggelt wurden!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Figuren &#8211; gesehen mit den Augen der Autorin Wie stehe ich zu meinen Figuren? Im Allgemeinen sehe ich meine Figuren als Werkzeuge. Ich bin ihr Boss. Ich habe sie erfunden, also m\u00fcssen sie mir gehorchen. Vielleicht schreibe ich deshalb so gerne aus Sicht von Monarchen. \ud83d\ude09 Der Zweck der Figuren ist der, eine Geschichte zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":20,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/102"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102"}],"version-history":[{"count":11,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1108,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/102\/revisions\/1108"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/20"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lili-vogel.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}