Neuigkeiten oder wie soll ich diesen doofen Blogbeitrag sonst betiteln?

Ich kann hier schreiben, was ich will, weil a) niemand diesen Blog liest und b) wenn wider Erwarten doch jemand mitliest, dann wird er bestimmt gerne Negatives lesen, weil das viel interessanter ist als die ewige manische Selbstbeweihräucherung, die man heutzutage überall im Internet betreiben muss.

Ich habe es endlich begriffen: Ich bin die miserabelste Autorin der Welt. Ich habe einen schlechten Schreibstil. Alles andere ist auch miserabel, aber der Schreibstil am allermeisten. Das, von dem ich hoffte, dass es besonders gut ist, ist das Schlechteste. Ist das nicht absolut niederschmetternd? Onkel Bertie oder wer auch immer, ich hab keinen Bock, das zu recherchieren, sagte über Kaiser Wilhelm II., er sei „the most brilliant failure in history“. Über mich kann man das nicht sagen. Ich bin nicht „brilliant“. Ich bin nur „the worst failure in history of literature“.

Alle meine Romane sind bescheuert. Sie lesen sich grauenvoll, sie sind von allem zu viel, und alles, was ich beim Formulieren beachtet habe, Vokalharmonie und Rhythmik und alles – das ist einfach weg. Es ist schwer zu lesen und mühevoll und rumpelt vor sich hin wie die Müllabfuhr. Es ist altertümelnd und nimmt sich selber zu wichtig, und wenn es Humor hat, dann einen so verkrampften, gestelzten, als würden in irgendeinem Raucherkabinett fünf hundert Jahre alte Monarchisten sich für geistreich halten, weil sie alle dieselbe Bismarck-Anekdote kennen.

Dieser Schreibstil ist schrecklich. Man warf mir vor, ich könne nicht mit der Sprache umgehen, ich sei plump und stümperhaft und so weiter – früher dachte ich, ich könne sie eines besseren belehren, aber jetzt weiß ich: Sie haben recht. Niemand kann so schlecht schreiben wie ich. Niemand ist eine schlechtere Autorin als ich.

Manche schreiben Unterhaltung, und sie sind gut darin. Manche schreiben Anspruch, und sind phänomenal. Ich würde gerne beides verbinden, aber für Anspruch bin ich zu dumm und für Unterhaltung habe ich früher zu viel Goethe und Schiller gelesen. Meine Romane haben anspruchsvolle Ausgangslagen und Problemstellungen, aber um die Ideen gut umzusetzen, fehlen mir die kognitiven Fähigkeiten. Ich bin, ganz ehrlich, zu blöd.

Ich kann nichts von alleine, alles ist nur Kopie. Ich will nur wie die anderen sein, wie Wagner, und wie alle anderen, und alles ist bemüht. Ich bin wie ein Hündchen, das brav seine Kunststücke vollführt. Ich hasse meine Bücher. Sie sind ein Schandfleck auf Amazon. Ich hasse meinen Schreibstil. Ich wünschte, er wäre gut oder ein anderer. Ich wünschte, ich dürfte meine Bücher gut finden. Aber sie sind bescheuert. Ich hasse sie alle.

Erst wollte ich sie alle einmal wieder generalüberholen, weil in diesen verdammten Dingern immer noch irgendwelche verfluchten Rechtschreibfehler stecken, aber dann las ich den Kaiser von Huwelreich durch und fand heraus, dass ich die Actionszenen schreibstilmäßig peinlich finde und heutzutage statt Kommas viel mehr Punkte setzen würde, sonst wirkt es so fanfictionmäßig – und dann las ich weiter und fand den ganzen Kaiser v. Huwelreich so missraten, das ist ein grauenvoller Abschluss der Saga, und Rose ist im Vergleich tatsächlich besser, und ich wollte sie alle überarbeiten. Und dann schaute ich schnell ins Wormsbuch, und ich fand jeden Satz unterirdisch, diese ganze unterschwellige: „Oh, Drama! Oh, wie klingt das doch schön!“-Grundstimmung, (es gibt noch ein anderes Wort dafür, es gibt für alles andere Wörter, aber mir fallen nie die richtigen ein, und deshalb bin ich miserabel im Formulieren, und jedes Grundschulkind schreibt besser), und das Wormsbuch ist von meinem Favorit zu meinem Erzfeind geworden. Ich hasse es jetzt. Ich hasse sie alle, außer der Kaiser, sein Feind und der Krieg, das ist von vornherein so absurd, das will gar nicht ernstgenommen sein. Die da kommen, hasse ich auch.

Wie man sich so täuschen kann: Ist schon ok, hab ich gedacht beim Schreiben, und manchmal dachte ich auch: Das ist toll! Jetzt weiß ich: Alles ist bescheuert. Alle entsetzten Leser haben recht. So etwas Miserables. Das, das sind die schlechtesten Bücher aller Zeiten, denn sie sind nicht nur schlecht, sondern die Autorin war auch noch der Überzeugung, sie seien gut.

Jeder Satz ist schrecklich. Abgeschmackt, fade, alles gab es schon, alles Klischee, und wenn es nicht Klischee ist, ist es so gewollt: „Oh, wIe cOOl wIR aLLe SinD!“ Igitt. Ich kann mich nur in Superlativen ausdrücken, für alles Moderate reichen meine Fähigkeiten nicht aus.

Andere Autoren können eine herrlich komplexe Syntax verwenden (und Politiker auch, sogar beim Reden! Vor allem der, der ist wie der Friedenfelser! Es liest ja niemand mit!), und ich? In der Schule konnte ich das, aber heutzutage? Wahrscheinlich habe ich zu viele Bücher im Zimmer, Bücher von klugen Leuten, die nehmen mir alle Luft weg, deshalb sterben mir seit Jahren die Gehirnzellen ab.

Andere Leute beherrschen diesen zeitgenössischen Plauderstil, aber ich nicht, ich bin superdoof.

Es ist für kluge Leute sicherlich sehr amüsant (und für die zartfühlenden unter ihnen auch ein bisschen traurig) wie jemand solch ein großes Interesse für anspruchsvolle Themen hegen kann (Julikrise, Investiturstreit, Wagner, Vielvölkerreiche) und dabei mit so geringen Geistesgaben ausgestattet sein kann. Ich bin wie eine, die mit ganz viel Motivation den Mount Everest besteigen will – in Flip-Flops.

Leute, lest meine Bücher nicht.

Entweder werde ich sie mal wieder neu hochladen, oder ich werde sie alle kostenlos machen, weil sie genau so viel wert sind, nämlich nichts, oder ich werde sie aus dem Internet rausnehmen.

Leute, lest alle Bücher dieser Welt, aber nicht meine. Denn wer soll sie schon mögen, wenn sogar die Autorin sie hasst?